Axel W. Bauer

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Axel W. Bauer (2007)

Axel W. Bauer (* 6. April 1955 in Karlsruhe) ist ein deutscher Medizinhistoriker, Wissenschaftstheoretiker und Medizinethiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Bismarck-Gymnasium Karlsruhe (1974) studierte Axel Bauer von 1974 bis 1980 Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im selben Jahr wurde er dort nach Verteidigung seiner Dissertationsschrift Schwerhörigkeit und Hörgerät. Eine Studie über die Ausführung stereophoner Hörgeräteversorgung in der Freiburger HNO-Klinik und ihre Ergebnisse zum Dr. med. promoviert. 1981 wurde er Hochschulassistent bei Heinrich Schipperges am Institut für Geschichte der Medizin der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Im Jahre 1986 habilitierte sich Axel Bauer an der damaligen Fakultät für Naturwissenschaftliche Medizin der Universität Heidelberg mit der Habilitationsschrift Pathologie auf den Versammlungen deutscher Naturforscher und Ärzte von 1822 bis 1872. Die Krankheitslehre auf dem Weg zur naturwissenschaftlichen Morphologie und wurde Privatdozent für Geschichte der Medizin. Von 1986 bis 1989 war er Vertreter der C4-Professur für Geschichte der Medizin an der Universität Heidelberg. Zudem war er von 1987 bis 1989 kommissarischer Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin.

Von 1989 bis 1995 war Bauer Hochschuldozent an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, seit 1992 zugleich außerplanmäßiger Professor. Im Jahre 2002 wurde seine Lehrbefugnis auf die Gebiete Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin erweitert. Nebenamtlich war er von 1987 bis 2004 Lehrbeauftragter für Geschichte der Medizin an der damaligen Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg. Seit 2004 ist Bauer Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (Universitätsmedizin Mannheim) und Leiter dieses Fachgebietes.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von 2004 bis 2010: Gründungsmitglied und Vorsitzender des Klinischen Ethik-Komitees der Universitätsmedizin Mannheim
  • Von 2001 bis 2005: Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat Bio- und Gentechnologie der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages
  • Von 2008 bis 2012: Mitglied im Deutschen Ethikrat.
  • Seit 2013: Persönliches Mitglied im Heinrich Lanz Zentrum (HLZ) für Translationale Medizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.
  • Seit 2016: Mitglied der Christdemokraten für das Leben (CDL)
  • Seit 2017: Mitglied im Herausgeberbeirat der Zeitschrift für Lebensrecht (ZfL)

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauers medizinhistorische Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Pathologie und der Pathologischen Anatomie, die Institutionalisierung medizinischer Disziplinen im 19. und 20. Jahrhundert sowie die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Medizin im 19. und 20. Jahrhundert. Darüber hinaus forscht und lehrt er auf den Gebieten Wissenschaftstheorie in der Medizin sowie Medizinische Ethik und Bioethik. Hier beschäftigt sich Axel Bauer vor allem mit der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen, der Präimplantationsdiagnostik und mit dem Thema Autonomie am Lebensende.

In der Medizin- und Bioethik vertritt Bauer überwiegend konservative Positionen, sowohl im Hinblick auf den Schutz des frühen menschlichen Lebens als auch im Hinblick auf eine sogenannte Sterbehilfe. Bauer argumentiert philosophisch und rechtsethisch rational, bezweifelt jedoch mit Blick auf das Münchhausen-Trilemma die nicht metaphysische Letztbegründbarkeit moralischer Aussagen. In der Metaethik vertritt Bauer im Anschluss an John R. Searle und Rafael Ferber die Auffassung, dass moralische Tatsachen wissenschaftlich als soziale Institutionen (institutional facts) und nicht als objektiv vorgegebene Entitäten (brute facts) rekonstruiert werden müssen.

Als Wissenschaftstheoretiker wurde Bauer besonders durch die Formulierung von vier Axiomen des systematischen Erkenntnisgewinns in der Medizin bekannt, wonach Schulmedizin und Alternativmedizin unterschiedliche Formen des Wissenserwerbs nutzen, die prinzipiell nicht miteinander kompatibel sind. Bauer selbst steht in dieser Kontroverse auf Seiten der wissenschaftlichen, evidenzbasierten Medizin.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Krankheitslehre auf dem Weg zur naturwissenschaftlichen Morphologie. Pathologie auf den Versammlungen Deutscher Naturforscher und Ärzte von 1822–1872 (= Schriftenreihe zur Geschichte der Versammlungen Deutscher Naturforscher und Ärzte. Bd. 5). WVG, Stuttgart 1989.
  • Theorie der Medizin. Dialoge zwischen Grundlagenfächern und Klinik. Barth, Heidelberg/Leipzig 1995.
  • Axiome des systematischen Erkenntnisgewinns in der Medizin. In: Der Internist. Bd. 38 (1997), S. 299–306.
  • Medizinische Ethik am Beginn des 21. Jahrhunderts. Theoretische Konzepte, Klinische Probleme, Ärztliches Handeln. Barth, Heidelberg/Leipzig 1998.
  • Streitfall Anatomie und Öffentlichkeit. In: Franz Josef Wetz und Brigitte Tag (Hrsg.): Schöne Neue Körperwelten. Der Streit um die Ausstellung. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, S. 171–203.
  • Plastinate und ihre Präsentation im Museum – eine wissenschaftstheoretische und bioethische Retrospektive auf ein Medienereignis. In: Institut für Plastination (Hrsg.): Körperwelten. Die Faszination des Echten. 11. Auflage. Heidelberg 2001, S. 216–229.
  • mit Christel Weiß: Promotion. Thieme, Stuttgart/New York 2001; 4. Auflage 2015.
  • Vom Nothaus zum Mannheimer Universitätsklinikum. Krankenversorgung, Lehre und Forschung im medizinhistorischen Rückblick. Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2002.
  • Der Mensch als Produkt der Gene und die Unantastbarkeit seiner Würde. In: Deutsche Richterzeitung. Bd. 80 (2002), Heft 5, S. 163–169.
  • Die Medizin im Renaissance-Humanismus auf dem Weg von der mittelalterlichen Personalautorität zur neuzeitlichen Sachautorität am Beispiel von Botanik, Anatomie und Chirurgie. In: Dominik Groß, Monika Reininger (Hrsg.): Medizin in Geschichte, Philologie und Ethnologie. Festschrift für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2176-2, S. 11–25.
  • mit Anthony D. Ho: „Nicht blos künstlich in einem Spitale“. Zweihundert Jahre Medizinische Universitäts-Poliklinik Heidelberg und ihr Weg von der Stadtpraxis bis zur Blutstammzelltransplantation. Heidelberg 2005; 2. Auflage 2016.
  • Die Pathographie Wolfgang Amadé Mozarts. Möglichkeiten und Probleme einer retrospektiven Diagnostik. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Bd. 25 (2006), S. 153–173.
  • Metaphern. Bildersprache und Selbstverständnis der Medizin. In: Der Anaesthesist. Bd. 55 (2006), S. 1307–1314.
  • Das Klinische Ethik-Komitee (KEK) im Spannungsfeld zwischen Krankenhaus-Zertifizierung, Moralpragmatik und wissenschaftlichem Anspruch. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. Bd. 157 (2007), S. 201–209.
  • hrsg. mit Grietje Beck: Anästhesie am Mannheimer Universitätsklinikum 1952–2009. Von den ersten Narkoseärztinnen bis zur Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin. Mannheim 2009.
  • Todes Helfer. Warum der Staat mit dem neuen Paragraphen 217 StGB die Mitwirkung am Suizid fördern will. Edition Sonderwege bei Manuscriptum, Waltrop/Leipzig 2013, ISBN 978-3-937801-78-0 (zusammen mit Texten von Andreas Krause Landt und Reinhold Schneider zum Thema Sterbehilfe bzw. Selbstmord).
  • Vor 50 Jahren. Wie das Medizinstudium in Mannheim begann. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Bd. 10 (2014), S. 145–163.
  • „Social Freezing“. Nachwuchsplanung als (fremd-)gesteuerte Manipulation der Biografie. In: Katholische Bildung. Bd. 116 (2015), H. 3, S. 103–118.
  • Normative Entgrenzung. Themen und Dilemmata der Medizin- und Bioethik in Deutschland. Springer VS, Wiesbaden 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]