Aylin Tezel

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Aylin Tezel (2020)

Aylin Tezel (* 29. November 1983 in Bünde) ist eine deutsche Schauspielerin und Tänzerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aylin Tezel wurde als Tochter einer deutschen Krankenschwester und eines türkischen Arztes in Bünde im nordrhein-westfälischen Kreis Herford geboren und wuchs im nahe gelegenen Bielefeld im Stadtbezirk Sennestadt auf.[1]

Seit ihrem sechsten Lebensjahr tanzt Tezel. Sie erhielt eine Tanzausbildung (klassisches Ballett, zeitgenössischer Tanz und Hip-Hop) und absolvierte später noch eine Tanzpädagogenausbildung. Nach dem Abitur an der Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt besuchte Tezel die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Sie brach ihre Ausbildung ab und begann Filme zu drehen. Schon vorher hatte Aylin Tezel, die sich bereits im Alter von 15 Jahren intensiv für das Theater interessierte, an Tanz- sowie Schauspielfortbildungen mit Lehrern wie Yoshi Oida und Royston Maldoom teilgenommen.

Erste Fernsehrollen folgten 2007. Besondere Bekanntheit erreichte Tezel Ende 2007 durch die Darstellung einer Hauptfigur in dem umstrittenen Film Wem Ehre gebührt aus der Krimi-Reihe Tatort. 2008 erschien der Kinofilm Unschuld von Andreas Morell, frei erzählt nach dem Bühnenstück Reigen von Arthur Schnitzler, ein Ensemblefilm, in dem Tezel neben Leslie Malton in einer Hauptrolle zu sehen ist.

Im Jahr 2009 spielte die Schauspielerin Hauptrollen in den Kinofilmen Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung (First Steps Award 2010) sowie in Yasemin Şamderelis Überraschungserfolg Almanya – Willkommen in Deutschland. Der Film wurde 2011 – außer Konkurrenz – bei den 61. Internationalen Filmfestspielen Berlin aufgeführt und gewann beim Deutschen Filmpreis 2011 die „Lola“ für das beste Drehbuch und den Deutschen Filmpreis in Silber für den Besten Film. Ebenfalls 2011 war sie in der Hauptrolle der Bloch-Folge Inschallah als 17-jährige Halb-Irakerin und Tochter von Susanne Lothar zu sehen und drehte unter der Regie von Dietrich Brüggemann die Teamworx-Kinokomödie 3 Zimmer/Küche/Bad. In dem ARD-Märchenfilm Aschenputtel spielte Aylin Tezel die Titelrolle neben Barbara Auer als Stiefmutter.

Aylin Tezel als Teil des Dortmunder Tatort-Teams (2012)

Ab 2012 gehörte Aylin Tezel als Ermittlerin Nora Dalay zum Dortmunder Tatort-Team des WDR um Jörg Hartmann und Anna Schudt. Die ersten Folgen wurden im September und November 2012 ausgestrahlt, jährlich gab es ein bis drei neue Fälle.[2][3] Im Februar 2019 gab Tezel ihren Ausstieg aus der Reihe bekannt. Am 29. November 2020 wurde die letzte Folge mit ihr gesendet.[4]

Für ihre Hauptrolle im Kinofilm Am Himmel der Tag als ungewollt schwangere Studentin Lara Pielot, die eine Totgeburt erleidet, gewann Tezel 2012 den Preis als „Beste Schauspielerin“ beim 30. Torino Film Festival[5] und 2013 den Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie „Beste Schauspielerin Nachwuchs“. Außerdem wurde sie für diese Rolle nominiert als „Beste Darstellerin“ für den Preis der deutschen Filmkritik und erhielt den Preis für „Bestes Schauspiel“ beim 42. Sehsüchte-Filmfestival. In der Begründung der Sehsüchte-Jury, der unter anderen der Regisseur Andreas Dresen angehörte, heißt es:

„Aylin Tezel hat uns durch ihre in jeder Hinsicht beherzte Darstellung der Lara in Pola Becks ‚Am Himmel der Tag‘ überzeugt. Für ihren Mut, sich dieser Rolle schutzlos auszuliefern, für ihr sehr persönliches Spiel, das sich nicht vor Ecken und Kanten scheut und für den Funken Humor, den sie sich durch alle emotionalen Abgründe ihrer Figur hindurch behält, möchten wir ihr den Preis für Bestes Schauspiel 2013 verleihen.[6]

Sie spielte 2014 die weibliche Hauptrolle Heidi im Film Coming In. Im Oktober 2015 war sie in einer kleinen Rolle in der fünften Staffel der US-amerikanischen Fernsehserie Homeland zu sehen. Außerdem erschien die Kinokomödie Macho Man, in der Tezel die weibliche Hauptrolle neben Christian Ulmen und Dar Salim spielt. Für ihre Rolle der 19-jährigen Schwangeren Lilli in der TV-Komödie Kleine Schiffe an der Seite von Katja Riemann erhielt sie 2015 den Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie „Beste Schauspielerin in einer komödiantischen Rolle“. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Filmpreis der Stadt Hof ausgezeichnet[7] und spielte die Hauptrolle im ARD-Fernsehfilm Die Informantin, in dem sie die Rolle einer von der Polizei in eine Drogenschmugglerbande eingeschleusten Kontaktperson spielt. Für die Fortsetzung mit dem Titel Die Informantin – Der Fall Lissabon, die im April 2019 im Ersten ausgestrahlt wurde, schlüpfte sie erneut in diese Rolle.

Tezel war 2017 in der vom kanadischen CBC Television produzierten Agentenserie X Company zu sehen. Sie spielte in sechs Folgen der dritten Staffel die jüdische Widerstandskämpferin Zosia und sprach dafür Englisch mit polnischem Akzent. Sie stand neben Joseph Gordon-Levitt für Dreharbeiten zu dem Kinothriller 7500 vor der Kamera, bei dem der Oscar-nominierte Regisseur Patrick Vollrath Regie führte. Der Film wurde im August 2019 beim internationalen Locarno Film Festival uraufgeführt und startete am 27. Dezember 2019 in den deutschen Kinos.

Aylin Tezel schrieb das Drehbuch und führte Regie bei dem Kurzfilm Phoenix, in dem Killian Scott, Brid Brennan und Leonie Benesch die Hauptrollen spielen. Der Film hatte seine deutsche Premiere im Kurzfilm-Wettbewerb des Filmfestival Max Ophüls Preis im Januar 2020. In der ZDFneo-Serie Unbroken ist sie im Februar 2021 in der Hauptrolle zu sehen.

Tezel lebt in Berlin, pendelt aber häufig nach London.[8]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aylin Tezel beim Studio Hamburg Nachwuchspreis 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Aylin Tezel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anke Groenewold: Aylin Tezel: Die Spielwütige. (Memento vom 12. September 2012 im Webarchiv archive.today) In: Neue Westfälische, 11. September 2010. Abgerufen am 23. Juni 2019.
  2. Marco Maurer: Sie will nur spielen. In: SZ. 7. November 2012, abgerufen am 23. Juni 2019.
  3. Uwe Ebbinghaus: Sie tanzt ganz gerne aus der Reihe. In: FAZ. 17. Oktober 2015. Archiviert vom Original am 20. Dezember 2015.
  4. Aylin Tezel feiert "Tatort"-Abschied und Geburtstag am Strand. Abendzeitung München, 30. November 2020, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  5. 30° Torino Film Festival – I Premi.
  6. Sehsüchte: Gewinner 2013. (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive)
  7. Aylin Tezel erhält Filmpreis der Stadt Hof auf Filmportal.de. Abgerufen am 10. Dezember 2017.
  8. Peter Zander: Aylin Tezel:„Wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten“. In: Berliner Morgenpost. 21. Februar 2021, abgerufen am 27. Februar 2021.