Azrael

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Azrael ist ein Engel, der bereits in spätantiken jüdischen Texten erwähnt wird. Als ʿIzrā'īl (arabisch عزرائیل, DMG ʿIzrāʾīl, türkisch Azrail) hat er Eingang in die islamische Tradition gefunden, wo er mit dem Engel des Todes aus Sure 32:11 identifiziert wird.[1] Darüber hinaus spielt er auch eine wichtige Rolle in der europäischen Musik- und Populärkultur.

Erwähnungen in vorislamischer Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Engel mit der Konsonantenfolge ʿZRʾL, die auch in der arabischen Namensform ʿIzrā'īl enthalten ist, ist in fünf aramäischen Beschwörungstexte aus jüdischen Siedlungen in Mesopotamien und der Levante aus dem frühen 7. Jahrhundert belegt. Allerdings führen diese Texte nur Namen von Engeln auf, so dass es nicht klar ist, ob dieser Engel zu dieser Zeit bereits mit dem Tod assoziiert wurde.[2]

ʿIzrā'īl in der islamischen Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ʿIzrā'īl zusammen mit den drei anderen Erzengeln Gabriel, Michael und Isrāfīl als Begleiter Mohammeds. Türkisches Siyer-i-Nebi-Werk, 1595

Der Name ʿIzrā'īl (zulässige Namensvariante: ʿAzrā'īl) kommt nur ziemlich selten in der islamischen Tradition vor. Der Name erscheint weder im Koran noch im Hadith.[3] Ath-Thaʿlabī, der Verfasser eines der populärsten Qisas-al-Anbiyā'-Werke, erwähnt den Namen nur ein einziges Mal, und zwar im Rahmen einer von as-Suddī überlieferten Erzählung über Josef und seine Brüder. Der Todesengel, der Josefs Vater Jakob im Traum erscheint, wird dabei von diesem als ʿAzrā'īl angesprochen.[4]

Eine ausführliche Beschreibung von ʿIzrā'īl findet sich in der Kosmographie ʿAǧāʾib al-maḫlūqāt wa-ġarāʾib al-mauǧūdāt („Wunder der Geschöpfe und Seltsamkeiten der existierenden Dinge“) des persischen Gelehrten al-Qazwīnī (gest. 1283). Er führt dort ʿIzrā'ī neben den drei Isrāfīl, Dschibrīl (= Gabriel) und Mīkā'īl (= Michael) auf. Nach seiner Beschreibung ist er derjenige Engel, der „die Bewegungen zur Ruhe bringt und die Geister von den Körpern trennt“. Nach einer Tradition, die al-Qazwīnī auf Kaʿb al-Ahbār zurückführt, befindet sich ʿIzrā'īl im untersten Himmel. Gott hat seine Füße an den Grenzen der Erde geschaffen und seinen Kopf im obersten Himmel, und sein Gesicht ist der Wohlverwahrten Tafel (al-lauḥ al-maḥfūẓ) zugewandt. Er hat Helfer entsprechend der Zahl derer, die sterben. Und er ergreift den Geist eines Geschöpfes erst dann, wenn seine Lebensversorgung (rizq) erschöpft und sein vorbestimmtes Ende (aǧal) gekommen ist.[5]

Viele Aspekte von ʿIzrā'īls Legende sind nicht durch die offiziellen Glaubenslehren, sondern durch Volksglauben belegt. ʿIzrāʾīl trennt die Seele der Menschen vom Körper und bringt somit den Tod. Er handelt nicht eigenständig, sondern im Auftrag Allahs.[6] Zudem heißt es, dass er die Namen der Neugeborenen aufschreibt und die der Verstorbenen wieder durchstreicht.

Da der Name ʿIzrā'īl im Koran keine Erwähnung findet, lehnen einige moderne islamische Gelehrte diesen Namen für den Todesengel ab. Der koranische Titel „Engel des Todes“ (malak al-maut) wird üblicherweise bevorzugt.[2] Einige Koranexegeten erwähnen eine Vielzahl von Todesengeln, die ʿIzrā'īl als dem Erzengel des Todes unterstehen sollen.[7] Al-Baidāwī erwähnt eine gesamte Horde von Todesengeln unter dem Befehl ʿIzrā'īls.[8]

Azrael in der europäischen Musik- und Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Engel des Todes von Evelyn De Morgan, 1881
  • Der tschechische Komponist Josef Suk (1874–1935) überschrieb seine 2. Symphonie c-Moll op. 27 aus dem Jahr 1905 mit Asrael.
  • Im DC-Universum ist Jean-Paul Valley für den Orden von Sankt Dumas, ein mittelalterlicher Ritterorden der noch in der Gegenwart existiert, der Racheengel namens Azrael. Der Verlag DC Comics veröffentlichte in der Comicserie Azrael auch Ausgaben mit Azrael als Hauptfigur.
  • Der Todesengel Azrael ist eine Figur für zwei gleichnamige Romane (1994/1998) des deutschen Autors Wolfgang Hohlbein.
  • In den Comics von Peyo über Die Schlümpfe, sowie in den zugehörigen Verfilmungen, trägt der Kater des Zauberers Gargamel den Namen Azrael.
  • In der Fernsehserie Lucifer kommt Azrael als Schwester des Teufels vor. Maßgeblich für Episode 8 der zweiten Staffel ist Azraels Schwert, das die Existenz, auch von Himmelswesen, auslöscht und die Seele des durch das Schwert Getöteten zerstört.
  • Der Oberste Großmeister der Dark Angels Space Marines im Spiel Warhammer 40.000 heißt Azrael.
  • Die deutsche Metal-Band U.D.O. veröffentlichte auf ihrem Album No Limits (1998) einen Titel, der sich mit Azrael beschäftigt und auch dessen Namen trägt.
  • In der Serie The OA trägt ein Krake, der die Protagonistin töten will, den Namen Azrael.[9]
  • Die 2. Band von Keith Emerson: The Nice haben auf der gleichnamigen Platte ein Stück Namens AZRAEL
  • Der deutsche Rapper Haftbefehl erwähnt Azrael im Song Leuchtreklame seines Albums Das Schwarze Album (2021) wie folgt: Wölfe als Schaf verkleidet, kalt wie Dezember – Soll Azrael sie holen, ja, ich rede vom Sensenmann.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephen Burge: Angels in Islam: Jalāl al-Dīn al-Suyūṭī's al-Ḥabāʾik fī akhbār al-malāʾik. Routledge, London 2012, S. 36f.
  • Stephen Burge: “ZRʿL. The Angel of Death and the Ethiopic Apocalypse of Peter” in Journal for the Study of Pseudepigrapha 19 (2010) 217–224.
  • Syrinx von Hees: Enzyklopädie als Spiegel des Weltbildes: Qazwīnīs Wunder der Schöpfung – eine Naturkunde des 13. Jahrhunderts. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden. 2002. ISBN 978-3-447-04511-7, S. 323–333.
  • John MacDonald: “Islamic eschatology II — The angel of death in late Islamic tradition”, in Islamic Studies 3 (1964) 485–519.
  • Al-Qazwīnī: ʿAǧāʾib al-maḫlūqāt wa-ġarāʾib al-mauǧūdāt. Ed. Ferdinand Wüstenfeld. Dieterich'sche Buchhandlung, Göttingen, 1849. S. 58f. Digitalisat – Deutsche Übersetzung von Alma Giese unter dem Titel: Die Wunder des Himmels und der Erde. Edition Erdmann, Stuttgart 1986, S. 70–72.
  • A. J. Wensinck: „ʿIzrāʾīl“ in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. IV, S. 292b-293b.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Azrael – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sure 32:11 in der Datenbank des Corpus Coranicum.
  2. a b Burge: Angels in Islam: Jalāl al-Dīn al-Suyūṭī's al-Ḥabāʾik fī akhbār al-malāʾik. 2012, S. 36 (englisch).
  3. Burge: “ZRʿL. The Angel of Death and the Ethiopic Apocalypse of Peter”. 2010, S. 218.
  4. Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-Anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. Wiesbaden 2006. S. 178.
  5. Al-Qazwīnī: Die Wunder des Himmels und der Erde. 1986, S. 70.
  6. Syrinx von Hees: Enzyklopädie als Spiegel des Weltbildes: Qazwīnīs Wunder der Schöpfung - eine Naturkunde des 13. Jahrhunderts, Otto Harrassowitz Verlag, 2002, ISBN 978-3-447-04511-7, S. 328.
  7. Çakmak, Cenap. 2017. Islam: A Worldwide Encyclopedia, 4 vols. ABC-Clio. ISBN 9781610692175. S. 137 (englisch).
  8. Hamilton, Michelle M. 2014. Beyond Faith: Belief, Morality and Memory in a Fifteenth-Century Judeo-Iberian Manuscript. Leiden: Brill. ISBN 9789004282735 (englisch).
  9. Esther Zuckerman: The Octopus Scene in This Season of 'The OA' Is Amazing. In: Thrillist. 23. März 2019, abgerufen am 23. Juni 2021 (englisch).
  10. Leuchtreklame - YouTube Music. Abgerufen am 9. August 2021.