Bäretswil

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Bäretswil
Wappen von Bäretswil
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich ZH
Bezirk: Hinwilw
BFS-Nr.: 0111i1f3f4
Postleitzahl: 8344
Koordinaten: 707252 / 243868Koordinaten: 47° 20′ 13″ N, 8° 51′ 28″ O; CH1903: 707252 / 243868
Höhe: 705 m ü. M.
Fläche: 22,23 km²
Einwohner: 4958 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 223 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
10,6 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.baeretswil.ch
Bäretswil von Süden

Bäretswil von Süden

Karte
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Bäretswil, im zürichdeutschen Ortsdialekt Bääretschwiil [ˌbæːrətʃˈʋiːl],[3] ist eine politische Gemeinde im Bezirk Hinwil des Schweizer Kantons Zürich.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung

In Gold ein aufrechter schwarzer, rotgezungter Bär

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Bäretswil liegt am Nordwestrand der Allmens, in einer Mulde zwischen Glatt- und Tösstal im Zürcher Oberland. Der Bahnhof des Ortes liegt auf 696 m ü. M. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich auf dem Allmen auf 1'077 m ü. M., der tiefste unterhalb der Kläranlage auf 616 m ü. M.[4]

Auf dem Gemeindegebiet liegen neben dem Hauptort auch der mittlerweile stark gewachsene ehemalige Weiler Adetswil, die Aussenwachten Bettswil, Wappenswil, Tisenwaldsberg, Neuthal, Hof, Hinterburg, Tanne, Ghöch, Fehrenwaldsberg und Kleinbäretswil sowie über hundert Einzelhöfe. Es umfasst eine Fläche von 2219 ha, davon sind 872 ha Wald (39 %). Flächenmässig steht damit Bäretswil von den zürcherischen Landgemeinden an siebenter Stelle.[5]

Die Gemeinde Bäretswil grenzt im Uhrzeigersinn an die Gemeinden Bauma, Fischenthal, Hinwil, Wetzikon, Pfäffikon und Hittnau.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2015 lebten 4958 Personen in Bäretswil, wovon 10,6 % Ausländer waren.[6]

Bevölkerungsentwicklung[7]
Jahr Einwohner
1629 494
1723 1'216
1771 2'698
1810 3'549
1850 3'237
1900 2'698
1941 2'317
1970 2'733
1990 3'782
2000 4'144
2010 4'803

Aus der ersten Steuererhebung der Zürcher, die sich damit die 1467 erworbene Stadt Winterthur finanzierten, ist für 1470 eine Zahl von 45 Haushalten überliefert. 1629 verlor die Gemeinde über 60 % ihrer Bevölkerung durch die Pest. Von 1'244 Einwohnern überlebten nur 494 Einwohner. 100 Jahre später war der Bevölkerungsverlust wieder ausgeglichen. Zwischen 1723 und 1771 wuchs die Bevölkerung auf mehr als das Doppelte an. Ursache waren die neuen Verdienstmöglichkeiten durch Heimtextil-Verarbeitung (Professionisten). Um 1810 zählte die Gemeinde stolze 3'549 Einwohner, eine Zahl, die erst Ende des 20. Jahrhunderts wieder erreicht wurde.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2011 gehörten 51 % der Bevölkerung der evangelisch-reformierten Kirche, 20 % der römisch-katholischen Kirche und 0,04 % der christkatholischen Kirche an.[8] Die reformierte Kirche ist eine klassizistische Querkirche, die 1826–1827 an die Stelle eines spätgotischen Baus errichtet wurde. Die katholische Kirche Bruder Klaus stammt aus dem Jahr 1990 und ist dem Niklaus von Flüe geweiht.

Bäretswil ist ein Zentrum des konservativen Protestantismus. Zur lokalen Sektion der Evangelischen Allianz gehören deshalb auch die örtlichen Gemeinden der evangelisch-reformierten Landeskirche und der evangelisch-methodistischen Kirche.[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepräsident ist seit 2014 Teodoro Megliola (parteilos). Bis 2014 war Hans-Peter Hulliger (FDP) Gemeindepräsident.[10][11]

Mitglieder des Bäretswiler Gemeinderats (2014–2018)
Name Amtsantritt Funktion Partei
Barbara Schoch Gübeli 2014 Hochbau / Jugend und Sport FDP
Elisabet Marzorati 2006 2. Vizepräsidentin / Gesundheit / Land- und Forstwirtschaft parteilos
Teodoro Megliola 2014 Gemeindepräsident / Präsidiales und Finanzen parteilos
Lisa Dietrich-Bieri 2010 Tiefbau und Werke SVP
Ferdinand König 2002 1. Vizepräsident / Sicherheit SVP
Marco Korrodi 2014 Sicherheit und Liegenschaften SVP
Die Ed 3/4 „Hinwil“ auf der Weissenbachbrücke in Neuthal

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1901 wurde Bäretswil an das Bahnnetz angeschlossen (Uerikon-Bauma-Bahn), 1969 stellte die Bahn jedoch ihren Betrieb ein und wurde durch eine Buslinie WetzikonBauma ersetzt. Die ehemalige Bahnstrecke Hinwil – Bäretswil – Bauma wird heute durch den Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland unterhalten und betrieben.

Es existieren folgende Buslinien, die durch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient werden:

  • 850 Bahnhof Wetzikon — Kempten — Bäretswil — Adetswil — Bahnhof Bauma
  • 851 Bahnhof Wetzikon — Kempten — Bäretswil — Adetswil

Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1960 wurde Bäretswil dank der nebelfreien Lage eine begehrte Wohngemeinde. Besonders in Adetswil wurde stark gebaut. 1990 zählte man 63 % Wegpendler unter den Erwerbstätigen, vor allem nach Wetzikon, Uster und in die Stadt Zürich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spinnereimuseum und Therapiegemeinschaft in Neuthal

In Bäretswil wurden zweimal Notverstecke von römischen Silbermünzen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert gefunden. Daraus kann man vielleicht eine voralemannische Besiedlung erschliessen.

Urkundlich erstmals bezeugt findet sich Bäretswil 741 als Berofovilare und 745 als Berolfeswilari. Der Ortsname bedeutet damit «beim Gehöft des Berolf».[12] Die häufigen Namen auf -wil in dieser Gegend deuten auf eine alemannische Kolonisierung vom 7. bis 9. Jahrhundert hin. Das Kloster St. Gallen verfügt in dieser Gegend seit dem 8. Jahrhundert über Grundbesitz.

Die Burg Greifenberg und die niedergerichtlichen Rechte über Bäretswil wurden vom Abt von St. Gallen zuerst den Grafen von Rapperswil verliehen. Als habsburgischer Pfandbesitz gingen sie 1321 an die Herren von Hinwil über, die sie bis 1507 innehatten. Die Grenze zwischen den späteren Landvogteien Grüningen und Kyburg verlief mitten durch das heutige Gemeindegebiet.

Im Zusammenhang mit der Erhebung der Kreuzzugssteuer von 1275 wurde die Bäretswiler Kirche erstmals erwähnt. 1827 wurde ein Neubau in klassizistischer Manier erstellt. Die Kollatur war ein Lehen des Klosters St. Gallen und gehörte von 1279 bis 1541 den Herren von Hohenlandenberg. Im Spätmittelalter reichte die Kirchgemeinde weit über die Töss hinaus bis an die Abhänge des Hörnlis.

In der Reformation schloss sich die Gemeinde gegen den Willen des damaligen Priesters dieser Bewegung an. Auch Täufer waren lange präsent: Ihr Einfluss war ab 1525 bis ins 17. Jahrhundert hinein wirksam, allen staatlichen Verfolgungen zum Trotz. Zeitweise wohnten die Täufer in Höhlen wie zum Beispiel der Täuferhöhle. 1651 trennte sich Bauma kirchlich von Bäretswil.

Da die Weiler auf den Hügeln keine Dorfgemeinschaften waren und auch keine Zelgenwirtschaft kannten, standen sie dem Ansturm von Armen ungeschützt offen. In Wappenswil lebten daher 1771 fast 500 Einwohner, deren viele ihr Dasein mit Textilheimindustrie fristeten und die dafür typischen Flarzbauten bewohnten.

Die grosse und stark von der Textilkonjunktur abhängige Bevölkerung machte das Gebiet der heutigen Gemeinde Bäretswil krisenanfällig. Die Mechanisierung der Garnproduktion liess den Heimarbeitern 1814–1816 nur die Wahl, von Spinnerei auf Handweberei zu wechseln. Die neuerliche Bedrohung durch die Webereifabriken dürfte ein Grund für die hohe Zahl von Aufständischen aus Bäretswil gewesen sein, die 1832 eine Textilfabrik bei Uster niederbrannten (Brand von Uster). Später brachten Webfabriken am Aabach Verdienst aber auch ein Industrieproletariat in die Gemeinde – 55 % der Bevölkerung lebte 1880 von der Textilindustrie. Zwischen 1850 und 1940 entvölkerte sich die Gemeinde aufgrund der wirtschaftlichen Situation und ihrer Lage abseits der Verkehrsachsen spürbar. Die letzte Weberei in der Gemeinde stellte ihre Produktion 1982 ein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870. (Digitalisat)
  • Armin Sierszyn: Unser Bäretswil. Selbstverlag, Bäretswil 1983, DNB 996809198.
  • Armin Sierszyn: 1250 Jahre Bäretswil. Politische Gemeinde Bäretswil, 1991, DNB 931434084
  • Armin Sierszyn: Bäretswil im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1943. DNB 365803049.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bäretswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 13. April 2016.
  2. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 13. April 2016.
  3. Sprachatlas der deutschen Schweiz V 1b; vgl. auch ortsnamen.ch unter Bäretswil. Die Betonung auf der ersten Silbe, die im Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen s. v. zu finden ist, ist irrig.
  4. https://map.geo.admin.ch/?X=241607&Y=709611&zoom=12&lang=de&topic=ech&bgLayer=ch.swisstopo.pixelkarte-farbe&layers=ch.swisstopo-vd.geometa-gemeinde&layers_opacity=0.75&crosshair=marker (bei 47.31623, 8.88843 wird eine Höhe von 1077.2 m angegeben, abgerufen am 18. März 2016)
  5. http://www.baeretswil.ch/de/portraitn/portrait/gemeindeinzahlen/ (abgerufen am 18. März 2016)
  6. http://www.web.statistik.zh.ch/cms_vis/karteBevoelkerung2015/index.html (abgerufen am 18. März 2016)
  7. http://www.web.statistik.zh.ch/cms_gp_neu/gpzh/content/vergleich.php?ind=133 (abgerufen am 11. September 2013)
  8. http://www.baeretswil.ch/de/portrait/gemeindeinzahlen/ (abgerufen am 27. Februar 2012)
  9. http://www.each.ch/ea-b%C3%A4retswil.html (abgerufen am 27. Februar 2012)
  10. .http://www.zol.ch/bezirk-hinwil/baeretswil/Teodoro-Megliola-will-Gemeindepraesident-werden/story/11874828
  11. http://zol.ch/bezirk-hinwil/baeretswil/Megliola-ist-neuer-Baeretswiler-Gemeindepraesident/story/13773922
  12. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 121.
  13. Wasserrad-Sagi