Bärnau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bärnau (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bärnau
Bärnau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bärnau hervorgehoben
Koordinaten: 49° 49′ N, 12° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Höhe: 615 m ü. NHN
Fläche: 74,42 km²
Einwohner: 3227 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95671
Vorwahl: 09635
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 112
Stadtgliederung: 35 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
95671 Bärnau
Webpräsenz: www.baernau.de
Bürgermeister: Alfred Stier (CSU / JWG)
Lage der Stadt Bärnau im Landkreis Tirschenreuth
Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Bayreuth Landkreis Neustadt an der Waldnaab Lenauer Forst Erbendorf Pullenreuth Kastl (bei Kemnath) Waldershof Kemnath Wiesau Waldsassen Tirschenreuth Reuth bei Erbendorf Plößberg Pechbrunn Neusorg Neualbenreuth Mitterteich Mähring Leonberg (Oberpfalz) Kulmain Krummennaab Konnersreuth Fuchsmühl Friedenfels Falkenberg (Oberpfalz) Ebnath Brand (Oberpfalz) Bärnau Immenreuth TschechienKarte
Über dieses Bild

Bärnau liegt im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz, besitzt seit 1343 Stadtrechte und gehört zu den ältesten Städten in Bayern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bärnau, in Nordbayern in der Oberpfalz, nahe der Grenze zu Tschechien, hat in Böhmen die Nachbarorte Obora (Thiergarten) und Halže (Hals), zu welchem die Wüstung Pavlův Studenec (Paulusbrunn) gehört, bei welchem ein Grenzübergang besteht.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Bärnau gehören 35 Stadtteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zur Zeit des Nordgaus war Bärnau, damals im Egerland der Stauferzeit, Sitz eines Richters und dem Magistrat der Reichsstadt Eger (Cheb) untertan. Im Jahre 1296 wurde Bärnau an das Kloster Waldsassen verpfändet, kam 1313 durch Kauf zur Grundherrschaft des Klosters und gehörte danach mit seinen Einkünften und Verpflichtungen zu Robotleistungen, wie zahlreiche weitere Orte und Städte des Stiftlandes, diesem damals bedeutenden Kloster der Kolonisationszeit. Im Jahre 1343 erhielt das Kloster Waldsassen von Kaiser Ludwig IV. (HRR) das Recht, den Ort Bärnau als Stadt auszubauen und mit dem Egerer Stadtrecht auszustatten. Wenige Jahre später, 1351, kam die Stadt Bärnau zu Kaiser Karl IV. (HRR), König von Böhmen und erhielt unter seiner Lehenshoheit die Rechte der Stadt Tachau in Böhmen und weitere Privilegien. Bärnau, Grenzort zum Siedlungsgebiet der Choden, an einer alten Handelsstraße nach Pilsen gelegen, durfte einen wöchentlichen geleitgesicherten Markttag abhalten, eine Bannmeile wurde festgelegt und ein Amtmann eingesetzt, der gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt beauftragt war, die Aufgaben eines Landgerichts wahrzunehmen.

Im Jahre 1405 kam Bärnau unter die Herrschaft der Kurpfalz der Wittelsbacher. Das Stadtrecht von Tachau wurde durch das von Amberg, des neuen Verwaltungssitzes, ersetzt. 1414 wurden Bärnau zum vierten Mal die Stadtrechte, diesmal die von Sulzbach-Rosenberg, verliehen. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und der Rekatholisierung gehörte Bärnau ab dem Jahr 1628 zum Kurfürstentum Bayern und blieb eine bayerische Stadt an der Grenze zu Böhmen.

Bärnau hatte im Jahre 1627 wie viele andere Ortschaften schwer unter der Pest zu leiden. Auch verheerende Stadtbrände in den Jahren 1622 und 1685 sowie der Durchzug und die Quartiernahme unterschiedlicher Truppenverbände im Dreißigjährigen Krieg machten der Bevölkerung schwer zu schaffen. An diesen Krieg erinnert die Tilly-Schanze an der Grenze zu Böhmen, die nach dem Feldherrn Johann t’Serclaes von Tilly benannt ist. Der Überlieferung nach rastete der tschechische Reformator Jan Hus am 15. Oktober 1414 von Tachau kommend auf dem Weg zum Konzil nach Konstanz in Bärnau.

Vom 16. bis in das 19. Jahrhundert gab es südlich von Bärnau Glashütten.

Vom 14. Februar 1945 bis 22. April 1945 kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges existierte im Ort Hohenthan ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen sechs Häftlinge Zwangsarbeit für die Bäckerei Kraus verrichten mussten.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ellenfeld und Thanhausen eingegliedert.[4] Am 1. Mai 1978 kamen Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Hohenthan und Schwarzenbach hinzu.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 5 Sitze
SPD Bayern (SPD) 3 Sitze
Junge Wählergemeinschaft (JWG) 4 Sitze
Christliche Freie Wählergemeinschaft (CFWG) 4 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber auf grünem Rasen stehend ein schwarzer Bär, der an rotem Halsriemen einen gevierten Schild trägt; darin 1 und 4 in Schwarz ein rot gekrönter und rot bewehrter goldener Löwe, 2 und 3 die bayerischen Rauten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsches Knopfmuseum

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichtspark Bärnau-Tachov

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blaskapelle Thanhausen
  • Stadt- und Jugendblaskapelle Grenzlandboum Bärnau
  • Waldfreibad Altglashütte
  • Hallenbad Bärnau
  • Fußball TSV Bärnau
  • Fußball VfB Thanhausen
  • Tennisplatz TC Bärnau
  • Skilanglaufzentrum Silberhütte
  • Bogensportclub Bärnau
  • Kegelsport KC Bärnau

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historisches Marktspektaculum alle zwei Jahre
  • Deutsch-Tschechische Festspiele
  • Jährliches Bulldogtreffen im Ortsteil Thanhausen-Kaltenmühle (dritter Sonntag im Juli)
  • Traditionelles Dorf und Backofenfest am 14. und 15. August in Hermannsreuth

Wirtschaftliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bärnau entwickelte sich von einer Tuchwirker- und Zeugmacherstadt zu einer industriell geprägten Stadt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich die Knopfherstellung in Anlehnung an die Zunft der Tuchmacher angesiedelt. Am Höhepunkt der Konjunktur in den 1950er Jahren wurden in etwa 70 Bärnauer Knopfbetrieben aus Perlmutter Knöpfe in unterschiedlichen Größen und Formen angefertigt. Im Jahr 1954 entstand eine städtische Knopffachschule und von 1967 bis 1974 wurde durch die internationale Fachmesse IKNOFA das Angebot für Einkäufer wertvoller Knöpfe weiter ausgebaut.

Die Fertigung wurde seitdem auf preisgünstige Knöpfe aus Kunststoff, (Thermoplast, Duroplast) und Metall im (Druckguss) umgestellt, um den neu entstandenen Massenmarkt kostengünstig bei steigenden Lohnkosten beliefern zu können. Durch fehlende Reaktion auf modische Nachfrageveränderungen und die Konkurrenz weiterer Produktionsplätze mit verändertem Angebot kam die Produktion von Knöpfen in Bärnau in eine krisenhafte Situation. Die Anzahl der Knopffabriken verringerte sich und dies setzte sich bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts mit Geschäftsaufgaben und Insolvenzen fort. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts gibt es nur noch einen Arbeitgeber, der Knöpfe herstellt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bärnau (Oberpf) war Endbahnhof der Bahnstrecke Wiesau–Bärnau. Diese ist inzwischen stillgelegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ignatius von Senestrey (1818–1906), von 1858 bis 1906 Bischof von Regensburg, wurde in Bärnau geboren
  • Karl Senestrey (1820–1901), Gerichtsrat in München, wurde in Bärnau geboren
  • Ernst Kutzer (1918–2008), Komponist, wuchs in Thanhausen auf und unterrichtete in Hohenthan
  • Manfred Lindner (* 1957), Physiker, wurde in Ellenfeld geboren

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bärnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111107/192107&attr=OBJ&val=1075
  3. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 580.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 663.