Bérénice (Racine)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten
Titel: Berenice
Originaltitel: Bérénice
Gattung: Tragödie
Originalsprache: französisch
Autor: Jean Racine
Uraufführung: 21. November 1670
Ort der Uraufführung: Hôtel de Bourgogne, Paris
Ort und Zeit der Handlung: Rom, ein Tag anno 79 n. Chr. (Titus ist gerade Imperator geworden)
Personen
  • Titus, Kaiser von Rom
  • Berenize, Königin von Palästina
  • Antiochus, König von Commagene
  • Paulin, Vertrauter des Titus
  • Arsazes, Vertrauter des Antiochus
  • Phönize, Vertraute der Berenize
  • Rutilius, Römer
  • Gefolge des Titus.
Berenice, Erstdruck 1671

Bérénice ist eine Tragödie in fünf Akten von Jean Racine. Die Premiere mit Marie Champmeslé[1] in der Titelrolle war am 21. November 1670 im Hôtel de Bourgogne in Paris.[A 1] Das Stück besteht aus 1506 Alexandrinern. Der Autor hatte es dem Finanzminister Colbert gewidmet.

Eine Ehe seines Kaisers Titus mit Berenize, einer syrischen Hasmonäerin, die mit palästinensischen Tetrarchen verwandt ist, möchte das römische Imperium nicht tolerieren.[2] Titus fügt sich. Sueton schreibt in seiner Titus-Biographie: „Titus entließ die Königin Berenice, der er sogar die Ehe versprochen haben soll, alsbald aus Rom gegen seinen und ihren Wunsch.“ Eigentlich soll dieser lapidare Satz das wesentliche Material gewesen sein, aus dem der Autor das Stück gebaut hat.[3] Während der jahrhundertelangen Aufführungsgeschichte sei Racine die daraus entspringende Handlungsarmut des äußerst zählebigen Bühnenwerkes wiederholt vorgeworfen worden.[4]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung läuft über einen ganzen Tag, nur eine Woche nach dem Regierungsantritt des Titus.[5]

1

Vor fünf Jahren schon war Antiochus nach dem Ende des Jüdischen Krieges seinem Freunde Titus zusammen mit Berenize nach Rom gefolgt. Nun, nach dem Tod des Vaters Vespasian, ist der Waffengefährte römischer Kaiser geworden. Die Geliebte Berenize hat ihm den Rivalen Titus vorgezogen. Antiochus hat sich damit abgefunden. Zwar hat sich Titus noch nicht erklärt, doch Berenize – die „Fremdlingin in Rom“[6] – meint, Titus werde sich über den widerborstigen Senat hinwegsetzen und sie – selbst als nichtrömische Königin – ehelichen.

2

Berenize hofft noch. Titus, hin- und hergerissen, liebt zwar Berenize heiß, doch als neuer Kaiser kommt er gegen die Staatsraison nicht an. So steht sein Entschluss fest. Er entsagt. Der treue Antiochus soll Berenize ins ferne Morgenland heimbegleiten.

3

Titus wird Berenize immer lieben. Trotz alledem muss er Antiochus seinen Plan schmackhaft machen, für den ihm die Zustimmung des Senats als sicher scheint. Die römischen Provinz Cilicien wird an Commagene gegliedert. Somit werden König Antiochus und Königin Berenize Nachbarn dies- und jenseits des Euphrat. Berenize glaubt Antiochus nicht, als er den Befehl des Kaisers - die Trennung für immer - überbringt. Schon am nächsten Tag sollen Berenize und Antiochus gemeinsam abreisen. Die Königin schickt den König fort und will ihn nie mehr sehn.

4

Zorn rast in Berenize. Sie will den Geliebten sprechen. Titus weiß, in der bevorstehenden Begegnung muss er nicht nur standhaft, sondern auch grausam sein. Als Berenize geht, nachdem die Trennungsstunde geschlagen hatte, fürchtet Titus um das Leben der Geliebten und will sie retten.

5

So ruft er Antiochus herbei. Titus beschwört vor Berenize erneut die fünf verflossenen Jahre brennender Liebe. Zu spät - Berenize will noch am selben Tage allein reisen; möchte sowohl Titus als auch Antiochus nicht mehr sehen.

Im Beisein Berenizens gesteht Antiochus dem erstaunten Kaiser, dass er fünf Jahre lang sein Nebenbuhler gewesen war und nun nach der schroffen Abfuhr durch die Geliebte den Tod sucht. Daraufhin stellt Berenize klar, Kaiserin habe sie nie und nimmer werden wollen und alle drei seien als „Vorbild aller Welt“[7] zum Leben verurteilt. Insbesondere Titus müsse herrschen. Antiochus fügt sich mit einem resignierenden Hélas!

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berenizens Spruch von der Entsagung und dem Lebenmüssen sei nicht mehr antikische, sondern bereits christliche Gebärde.[8]

Bühnenaufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Jahrhunderte hinweg hielten in der Comédie-Française[9] das Stück unter anderen am Leben: Charles Chevillet (1680), Adrienne Lecouvreur (1717), Jean-Baptiste-Maurice Quinault[10], Abraham-Alexis Quinault[11] (1724), Mademoiselle Gaussin[12], Jean-Baptiste de La Noue[13], Jean-Jacques-François Drouin[14] (1752), Lekain, Bellecour[15] (1767), François-René Molé[16], Saint-Prix[17](1782), Saint-Fal[18] (1783), Louise Desgarcins[19], François-Joseph Talma (1788), Mademoiselle Georges[20] (1807), Rachel, Pierre François Beauvallet[21] (1844), Julia Bartet[22], Paul Mounet[23], Albert Lambert[24] (1893), René Alexandre[25] (1919), Eugénie Segond-Weber, Maxime Desjardins[26], Jean Hervé[27] (1922), Gabrielle Colonna-Romano[28], Maurice Escande[29] (1923), Jean Yonnel[30] (1926), Maurice Donneaud[31] (1931), Marie Ventura[32] (1932), Germaine Rouer[33] (1934), Maurice Escande[34] (1937), Jean Chevrier[35] (1942), Jeanne Sully[36] (1945), Gaston Baty[37], Annie Ducaux[38] (1946), Paul-Émile Deiber[39] (1949), Jean Deschamps[40] (1956), Renée Faure, Denise Noël[41], André Falcon, Simon Eine[42], Jacques Destoop[43] (1962), Geneviève Casile[44], Nicolas Silberg[45] (1979) und Klaus Michael Grüber, Ludmila Mikaël, Richard Fontana[46], Marcel Bozonnet[47] (1984).

Neuere Bühnenereignisse[48]

Mediale Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendete Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Racine: Berenize. S. 163–226 in Rudolf Alexander Schröder: Gesammelte Werke. Sechster Band. Corneille / Racine / Molière. In deutschen Alexandrinern. Suhrkamp, Berlin 1958, 794 Seiten, ohne ISBN

Andere deutsche Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In französischer Sprache

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine Woche darauf wurde Corneilles „Titus und Berenize“ (frz. Tite et Bérénice) im Théâtre du Palais-Royal (frz. Théâtre du Palais-Royal) uraufgeführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. frz. Marie Champmeslé
  2. Verwendete Ausgabe, S. 176, 3. Z.v.u. und S. 759, 2. Z.v.u.
  3. Verwendete Ausgabe, S. 762, Mitte
  4. Verwendete Ausgabe, S. 762, unten
  5. Verwendete Ausgabe, S. 206, 13. Z.v.u.
  6. Verwendete Ausgabe, S. 185, 16. Z.v.o.
  7. Verwendete Ausgabe, S. 226, 9. Z.v.o.
  8. Verwendete Ausgabe, S. 761 Mitte
  9. frz. Bérénice (Racine) (Abschnitt „Grandes représentations jusqu'au XXe siècle à la Comédie-Française“)
  10. frz. Jean-Baptiste-Maurice Quinault
  11. eng. Quinault-Dufresne
  12. frz. Mademoiselle Gaussin
  13. frz. Jean-Baptiste de La Noue
  14. frz. Jean-Jacques-François Drouin
  15. frz. Bellecour
  16. frz. François-René Molé
  17. frz. Saint-Prix
  18. frz. Saint-Fal
  19. frz. Louise Desgarcins
  20. frz. Mademoiselle George
  21. frz. Pierre François Beauvallet
  22. frz. Julia Bartet
  23. frz. Paul Mounet
  24. frz. Albert Lambert
  25. frz. René Alexandre
  26. frz. Maxime Desjardins
  27. frz. Jean Hervé
  28. frz. Gabrielle Colonna-Romano
  29. frz. Maurice Escande
  30. frz. Jean Yonnel
  31. frz. Maurice Donneaud
  32. frz. Marie Ventura
  33. frz. Germaine Rouer
  34. frz. Maurice Escande
  35. frz. Jean Chevrier
  36. frz. Jeanne Sully
  37. frz. Gaston Baty
  38. frz. Annie Ducaux
  39. frz. Paul-Émile Deiber
  40. frz. Jean Deschamps
  41. frz. Denise Noël
  42. frz. Simon Eine
  43. frz. Jacques Destoop
  44. frz. Geneviève Casile
  45. frz. Nicolas Silberg
  46. frz. Richard Fontana
  47. frz. Marcel Bozonnet
  48. frz. Bérénice (Racine) (Abschnitt Quelques principales représentations au XXIe siècle)
  49. frz. Didier Sandre
  50. frz. Jean-Louis Martinelli
  51. frz. Marie-Sophie Ferdane
  52. frz. Patrick Catalifo
  53. frz. Théâtre des Bouffes du Nord
  54. frz. Muriel Mayette
  55. frz. Martine Chevallier
  56. frz. Jean-Baptiste Malartre
  57. frz. Raymond Rouleau
  58. frz. Danièle Lebrun
  59. frz. Robert Rimbaud