Böbikon

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Böbikon
Wappen von Böbikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4302i1f3f4
Postleitzahl: 5334
Koordinaten: 667363 / 267402Koordinaten: 47° 33′ 14″ N, 8° 20′ 1″ O; CH1903: 667363 / 267402
Höhe: 442 m ü. M.
Fläche: 2,60 km²
Einwohner: 176 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 68 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
10,2 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.boebikon.ch
Böbikon

Böbikon

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Böbikon (schweizerdeutsch: ˈbœbikχə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Zurzach und liegt knapp zwei Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt inmitten des Tafeljuras in einem schmalen und lang gezogenen, auf alle Seiten hin abgeschlossenen Talkessel. Dieser wird in Ost-West-Richtung vom Chrüzlibach durchflossen, der bei Rekingen in den Hochrhein mündet. Unmittelbar westlich des Dorfes beginnt eine Schlucht, die auf dem Gemeindegebiet eine Tiefe von 50 Metern erreicht und im weiteren Verlauf bis zu 120 Meter tief ist. Die nördliche Gemeindegrenze verläuft entlang dem Grat des steil abfallenden Güggehübucks (556 m ü. M.). Südlich des Bachs steigt das Gelände zur Hochebene des Haslihaus (580 m ü. M.) an. Neben der Hauptsiedlung Böbikon gibt es noch den kleinen Weiler Rütihof (539 m ü. M.) einen Kilometer südwestlich am Rand der Hochebene. Hinzu kommen mehrere Einzelhöfe.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 260 Hektaren, davon sind 100 Hektaren bewaldet und 20 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 580 Metern auf der Haslihau-Hochebene, der tiefste auf 400 Metern in der Chrüzlibachschlucht. Nachbargemeinden sind Rekingen im Nordwesten, Mellikon im Norden, Wislikofen im Osten, Lengnau im Süden und Baldingen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Bebikon erfolgte im Jahr 1113. Die Edlen von Waldhausen stifteten damals die Propstei Wislikofen und schenkten zu diesem Zweck dem Kloster St. Blasien umfangreichen Grundbesitz in der Region. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Babinghofun und bedeutet «bei den Höfen des Babo».[3] 1241 erwarb das Kloster einen zusätzlichen Hof in Böbikon. Ein weiterer bedeutender Grundbesitzer war das Chorherrenstift im Zurzacher Verenamünster. Von etwa 1100 bis 1250 bestand am westlichen Dorfrand die kleine, von Ministerialen bewohnte Burg Böbikon.

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Böbikon gehörte nun zum Amt Ehrendingen in der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Die niedere Gerichtsbarkeit lag im 14. und 15. Jahrhundert bei den Herren von Liebegg, von 1506 bis 1671 beim Kloster Sion in Klingnau, danach bei Privatleuten. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Böbikon war zunächst eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Bis 1883 war Böbikon ein Teil der Kirchgemeinde Zurzach und bildet seither zusammen mit Baldingen eine eigene Pfarrei.

1844 schrieb der Publizist Franz Xaver Bronner Folgendes über die Gemeinde: «Böbikon, Gemeinde in dem Kirchspiele Wislikofen, Kreises Kaiserstuhl, Bezirks Zurzach. Zu ihr gehört die Ortsbürgerschaft Rütihof, die etwa eine halbe Stunde davon entfernt gegen das Surbthal hin liegt. Beide zählen zusammen 125 männliche, 117 weibliche, miteinander 242 Einwohner in 6 mit Ziegeln, 18 mit Stroh gedeckten Wohnhäusern, nebst 12 mit Ziegeln und 3 mit Stroh gedeckten Nebengebäuden. In dieser Gemeinde gehört auch noch der Weiler Hasle.»[6]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl um mehr als das Zweieinhalbfache auf einen seither nie mehr erreichten Höchststand. Diese rasche Zunahme hatte eine Verarmung breiter Schichten zur Folge, weshalb viele Bewohner wegzogen (nicht wenige wanderten nach Übersee aus). Bis 1900 sank die Bevölkerungszahl um über einen Drittel, stagnierte mehrere Jahrzehnte lang und sank dann bis 1980 auf den Tiefststand von 119. Seither ist jedoch wieder eine Zunahme zu verzeichnen. Bis heute ist Böbikon eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde geblieben.

Im Jahr 2000 trat Böbikon der Verwaltungskooperation «Verwaltung2000» bei, welche die Verwaltungsaufgaben von sieben Gemeinden in der Nachbarschaft erledigt.[7] Seit 2014 ist die Gemeinde im Projekt «Rheintal+» involviert, das die Fusion von neun Gemeinden zur Gemeinde Zurzach vorsieht. Nachdem die Gemeindeversammlung am 23. Mai 2019 mit 52 zu 12 Stimmen der Fusion zugestimmt hatte, muss der Entscheid am 8. September 2019 in einer Volksabstimmung bestätigt werden. Falls mindestens Bad Zurzach und vier weitere Gemeinden zustimmen, wird die Fusion am 1. Januar 2022 erfolgen.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchlein von Böbikon
Ehemaliges Gemeinde- und Schulhaus

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau halbes weisses Mühlrad, überhöht von sechsstrahligem weissem Stern.» Die Gemeinde führte erst 1939 ein Wappen ein, damals war das Mühlrad allerdings rot statt weiss und dem Stern war eine Pflugschar beigestellt. 1963 wurde das heutige Design angenommen. Es ist abgeleitet vom Wappen von Caspar I. Müller; der Abt von St. Blasien hatte 1565 die Kapelle renovieren lassen und aus diesem Grund sein Familienwappen dort über der Tür angebracht.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 102 269 178 161 159 167 144 119 159 183 167

Am 31. Dezember 2018 lebten 176 Menschen in Böbikon, der Ausländeranteil betrug 10,2 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 49,7 % als römisch-katholisch und 16,4 % als reformiert; 33,9 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 98,9 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Böbikon gehört zum Friedensrichterkreis XVII (Zurzach).[13]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Böbikon gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 70 Arbeitsplätze, davon 38 % in der Landwirtschaft, 32 % in der Industrie und 30 % im Dienstleistungssektor.[14] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Bad Zurzach und Umgebung, teilweise auch in der Region Baden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt zwar abseits des Durchgangsverkehrs am Ende der Kantonsstrasse 433, doch ist die Hauptstrasse 7 zwischen Basel und Winterthur nur etwas mehr als zwei Kilometer entfernt. Eine schmale Nebenstrasse führt nach Lengnau im Surbtal. Eine Postautolinie verbindet den Bahnhof Bad Zurzach mit Baldingen und Böbikon.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besitzt keine Schule mehr. Der Kindergarten und die Primarschule können im benachbarten Rekingen besucht werden, sämtliche Oberstufen (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) in Bad Zurzach. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Böbikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 95–96.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 17. Juni 2019.
  6. Franz Xaver Bronner: Der Kanton Aargau, historisch, geographisch, statistisch geschildert. St. Gallen, 1844, zweiter Band, S. 290.
  7. Über uns. Verwaltung2000, abgerufen am 17. Juni 2019.
  8. Philipp Zimmermann, Andreas Fretz, David Rutschmann: Grossfusion im Zurzibiet: 9 Gemeinden sagen Ja zu «Zurzach»– Fisibach lehnt Beitritt ab. Aargauer Zeitung, 24. Mai 2019, abgerufen am 17. Juni 2019.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 124.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 17. Juni 2019.
  11. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 17. Juni 2019.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 12. August 2018; abgerufen am 17. Juni 2019.
  13. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 17. Juni 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 17. Juni 2019.