Böckwitz

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Böckwitz
Stadt Klötze
Koordinaten: 52° 34′ 9″ N, 10° 56′ 33″ O
Höhe: 66 m
Fläche: 7,72 km²[1]
Einwohner: 139 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 18 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Eingemeindet nach: Jahrstedt
Postleitzahl: 38486
Vorwahl: 039008
Böckwitz (Sachsen-Anhalt)
Böckwitz
Böckwitz
Lage von Böckwitz in Sachsen-Anhalt

Böckwitz ist ein Ortsteil der Ortschaft Jahrstedt und der Stadt Klötze im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Böckwitz von Zicherie aus gesehen

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Rundlingsdorf Böckwitz liegt etwa 15 Kilometer südwestlich von Klötze am Grenzgraben Böckwitz-Zicherie, der hier die Grenze zu Niedersachsen bildet. Direkt benachbart ist der heutige Bromer Ortsteil Zicherie in Niedersachsen. Geologisch gesehen liegt das Dorf auf der Calvörder Scholle in der Nähe des Feuchtgebietes Drömling.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Böckwitz wird erstmals 1420 urkundlich als dacz dorff czu Bakewissche (Orig. kokewitze) erwähnt, als Markgraf Friedrich Günzel von Bartensleben in der Herrschaft Wolfsburg belehnt.[4] Weitere Nennungen sind 1492 bakewitze,[5] 1687 Bockevitze und 1804 Böckwitz und Böckefitz.[1]

Bis 1945 gingen die Zicherier Kinder in Böckwitz zur Schule. Durch die Errichtung der innerdeutschen Grenze und die schrittweise Abriegelung kamen die Kontakte bis 1952 weitgehend zum Erliegen. Damals wurden Häuser, die direkt an der Grenze lagen, abgerissen. Am 12. Oktober 1961 wurde südlich des Ortes der westdeutsche Journalist Kurt Lichtenstein erschossen, als er versuchte, mit Landarbeitern aus der DDR zu sprechen. Er war das erste Todesopfer an der Grenze nach dem Mauerbau in Berlin. Die Teilung des Doppeldorfs Böckwitz/Zicherie wurde in der Bundesrepublik Deutschland als Beispiel der Unmenschlichkeit der Grenze thematisiert. So wurden Abbildungen von grenznahen Häusern der beiden Dörfer in Schulbüchern abgedruckt. Heute liegt Böckwitz am Grünen Band Deutschland.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böckwitz wurde am 1. Juli 1950 vom Landkreis Salzwedel in den neuen Kreis Gardelegen umgegliedert. Am 25. Juli 1952 kam die Gemeinde dann zum Kreis Klötze. Am 1. Januar 1974 wurde Böckwitz in die Gemeinde Jahrstedt eingemeindet.[6] Mit der Eingemeindung von Jahrstedt nach Klötze am 1. Januar 2010 kam der Ortsteil Böckwitz zur neu entstandenen Ortschaft Jahrstedt und zur Stadt Klötze.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 64
1774 63
1789 75
Jahr Einwohner
1798 83
1801 83
1818 71
Jahr Einwohner
1840 132
1864 150
1871 155
Jahr Einwohner
1885 182
1895 190
1905 190
Jahr Einwohner
1925 216
1939 200
1946 272
Jahr Einwohner
2017 127
2018 139

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Böckwitz sind in die Kirchengemeinde und Pfarrei Steimke eingekircht.[7] Jahrstedt gehört heute zum Pfarrbereich Steimke-Kusey[8] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Böckwitz hatte nie eine Kirche. Ursprünglich eingekircht 1686 in Steimke, gehörte es ab 1794 mal zu Brome mal zu Altendorf im Lüneburgischen. Nachdem 1854 die Pfarrei Steimke endgültig von der Pfarrei Brome abgezweigt wurde, blieb es dauerhaft bei Steimke.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum

Im Museum Böckwitz werden seit 1996 auf einer Fläche von etwa einem Hektar mehr als 10.000 Exponate der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Landwirtschafts- und Grenzgeschichte des Ortes werden hier dokumentiert. In einer noch im Aufbau befindlichen Grenzausstellung werden Bild-, Wort- und sonstige Originaldokumente ausgestellt. Das Museumsgelände ist ein alter Bauernhof mit fachwerkgetreuen Scheunen, einem 2002 wieder aufgebauten Backhaus von 1911 und einem Bauerngarten, der nach früheren Richtlinien gestaltet wurde. In einem Seitenbauwerk befinden sich historische Geräte, Maschinen, Kleidungsstücke und andere typisch altmärkische Exponate. Eine Schmiede-, Küchen- und Schlafzimmerausstellung gehört ebenfalls zum Museumsareal. Das Museum wird durch einen Verein betrieben, der auch traditionelle Brauchtumsfeste, wie zum Beispiel Kräutertage, Getreidemahd und Dreschtag, aber auch Lesungen zur Grenzgeschichte durchführt.

Grenzbefestigungen von 1952 bis 1989 (von rechts nach links) am Grenzlehrpfad

Das Museum betreibt einen Grenzlehrpfad, der südlich von Böckwitz liegt. Dort gibt es einen original erhaltenen Grenzbeobachtungsturm sowie chronologisch gestaffelte Grenzanlagen, die die geschichtliche Entwicklung der Absperrungen zwischen Böckwitz und Zicherie aufzeigen. Zur Eröffnung pflanzte Hans-Dietrich Genscher dort 1998 einen Ahorn.

Kulturdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Ortsfriedhof liegt im Nordosten des Dorfes.
  • In der Ortsmitte steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, eine Stele gekrönt mit einem steinernen Kreuz.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bodenreform wurden 1945 folgende Flächen erfasst: Eine Besitzung über 100 Hektar mit 106 Hektar, 30 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 583 Hektar, die Gemeinde hatte vier Hektar. 1946 wurden 106,6 Hektar enteignet und auf 17 Siedler aufgeteilt. Bereits im Jahre 1952 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, die LPG Typ III „Voran“. 1959 wurde diese an die LPG Typ III „Karl Marx“ in Jahrstedt angeschlossen.[1]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museumsverein für landwirtschaftliche Geräte und Maschinen, sowie für deutsch-deutsche Geschichte e. V., Träger des Museums
  • Der Schützenverein Zicherie-Böckwitz e. V. wurde bereits 1872 in Böckwitz gegründet.
  • Schießsportgruppe Zicherie-Böckwitz von 1984 e. V.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Thies: Weit ist der Weg nach Zicherie. Die Geschichte eines geteilten Dorfes an der deutsch-deutschen Grenze. Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-455-09529-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 264-.
  2. Stadt Klötze, Einwohnermeldeamt: Einwohnerbestand am 31.12.2018. 9. Januar 2019.
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 17, 1859, S. 273 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000995_00281~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 17, 1859, S. 302 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000995_00310~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 358, 361.
  7. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 52 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 1. Januar 2019]).
  8. Steimke-Kusey. Abgerufen am 31. Dezember 2018.
  9. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. Böckwitz auf www.denkmalprojekt.org. 1. April 2018, abgerufen am 5. Januar 2019.