Böhmenkirch

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Böhmenkirch
Böhmenkirch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Böhmenkirch hervorgehoben

Koordinaten: 48° 41′ N, 9° 56′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Göppingen
Höhe: 696 m ü. NHN
Fläche: 51,09 km2
Einwohner: 5527 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 89558, 73312
Vorwahl: 07332
Kfz-Kennzeichen: GP
Gemeindeschlüssel: 08 1 17 010
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 100
89558 Böhmenkirch
Website: www.boehmenkirch.de
Bürgermeister: Matthias Nägele
Lage der Gemeinde Böhmenkirch im Landkreis Göppingen
Alb-Donau-KreisLandkreis EsslingenLandkreis HeidenheimLandkreis ReutlingenRems-Murr-KreisOstalbkreisOstalbkreisAdelbergAichelberg (Landkreis Göppingen)AlbershausenBad BollBad DitzenbachBad ÜberkingenBirenbachBöhmenkirchBörtlingenDeggingenDonzdorfDrackensteinDürnau (Landkreis Göppingen)Eislingen/FilsHeiningen (Landkreis Göppingen)Ebersbach an der FilsEschenbach (Württemberg)Eschenbach (Württemberg)GammelshausenGeislingen an der SteigeGingen an der FilsGöppingenGruibingenHattenhofen (Württemberg)Heiningen (Landkreis Göppingen)HohenstadtKuchen (Gemeinde)LautersteinMühlhausen im TäleOttenbach (Württemberg)RechberghausenSalachSchlatSchlierbach (Württemberg)SüßenUhingenWäschenbeurenWangen (bei Göppingen)WiesensteigZell unter AichelbergKarte
Über dieses Bild
Fernmeldeturm südwestlich von Schnittlingen

Böhmenkirch ist eine Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmenkirch liegt in einer Höhe von 495 bis 746 m ü. NN Höhe auf dem Albuch genannten Teil der Hochfläche der Schwäbischen Alb zwischen Oberem Brenz- und Kochertal im Ostnordosten und dem großen Talbogen der Fils im Westsüdwesten. Das namengebende Dorf der Gemeinde ist in Luftlinie etwa 21 km von der Kreisstadt Göppingen im Westen entfernt und etwa 32 km von der Großstadt Ulm im Süden.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Böhmenkirch gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Schnittlingen, Steinenkirch und Treffelhausen. Zur Gemeinde Böhmenkirch in den Grenzen vom 31. Dezember 1972 gehören das Dorf Böhmenkirch und der Weiler Heidhöfe sowie die abgegangenen Ortschaften Schönenberg, Neuhausen, Boxweiler, Hoebert und Siggenweiler. Zur ehemaligen Gemeinde Schnittlingen gehören das Dorf Schnittlingen und die Häuser Berg (Funkstelle) und Ziegelhütte sowie die abgegangenen Ortschaften Wintereswanc und Winterreute. Zur ehemaligen Gemeinde Steinenkirch gehören das Dorf Steinenkirch, der Weiler Trasenberg, das Gehöft Lindenhof und die Häuser Obere Roggenmühle und Ravenstein. Zur ehemaligen Gemeinde Treffelhausen gehört das Dorf Treffelhausen.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An das Gemeindegebiet von Böhmenkirch grenzen reihum die Gemeinden Bartholomä im Norden im Ostalbkreis; Steinheim am Albuch im Osten und Gerstetten im Südosten, beide im Landkreis Heidenheim; sowie die Städte Geislingen an der Steige im Südwesten, Donzdorf im Westen und Lauterstein im Nordwesten, alle drei im eigenen Landkreis Göppingen.

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmenkirch wurde im Jahre 1225 in einem vatikanischen Register erstmals als Bominwirche urkundlich erwähnt. 1302 befand sich Böhmenkirch als Pfand des Reiches im Besitz der Grafen von Helfenstein. Graf Ulrich III. von Helfenstein war 1307 auf Grund seiner Verschuldung gezwungen, Gebiete an Albert I. von Rechberg zu verpfänden, darunter auch Böhmenkirch. 1476 verfügte Böhmenkirch nachweislich über das Stadtrecht mit hoher Gerichtsbarkeit, was in der Neuzeit offenbar verloren ging.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmenkirch war Reichsgut, wenngleich dauerhaft an das Haus Rechberg verpfändet, und genoss besondere Rechte, die beim Böhmenkircher Bauernaufstand von 1580 bis 1582 gegen Haug (Hugo) von Rechberg eine Rolle spielten.

Die ritterschaftliche Herrschaft der Rechberger verlor in der napoleonischen Zeit ihre Reichsunmittelbarkeit. Dabei fiel Böhmenkirch mit der Herrschaft Weißenstein 1806 zunächst an das Königreich Bayern. 1810 wurde Böhmenkirch auf Grund des Grenzvertrags von 1810 an das Königreich Württemberg abgetreten und dem Oberamt Geislingen zugeordnet.

Brandkatastrophe 1910[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. April 1910 ereignete sich, verschärft durch Wassermangel und durch Strohdächer, eine Brandkatastrophe, bei der 74 Wohnhäuser zerstört und 372 Personen obdachlos wurden.

Entwicklung seit 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende der Monarchie gehörte Böhmenkirch zum Volksstaat Württemberg. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte die Gemeinde 1938 zum Landkreis Göppingen. 1945 bis 1952 befand sich Böhmenkirch im Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. 1952 gelangte die Gemeinde zum jetzigen Bundesland Baden-Württemberg.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1973 Treffelhausen und Schnittlingen sowie am 1. Januar 1974 Steinenkirch eingemeindet.[4]

Wappen der eingemeindeten Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treffelhausen
Treffelhausen
Schnittlingen
Schnittlingen
Steinenkirch
Steinenkirch

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1961

Datum Einwohner
1837 2565
1907 2671
17. Mai 1939 2683
13. September 1950 3906
06. Juni 1961 4018
27. Mai 1970 4510
31. Dezember 1983 4576
25. Mai 1987 4633
31. Dezember 1990 4902
31. Dezember 1995 5427
31. Dezember 2000 5620
31. Dezember 2005 5601
31. Dezember 2010 5515
31. Dezember 2015 5512

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Böhmenkirch wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Böhmenkirch hat nach der letzten Wahl 20 Mitglieder (unverändert). Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis.[5] Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2019
Sitze
2019
%
2014
Sitze
2014
Kommunalwahl 2019
 %
60
50
40
30
20
10
0
55,98 %
44,02 %
FBV/CDU
Gewinne/Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,38 %p
+5,38 %p
FBV/CDU
FWG Freie Wählergemeinschaft Böhmenkirch 55,98 11 61,36 12
CDU Freie Bürgervereinigung/Christlich Demokratische Union Deutschlands 44,02 9 38,64 8
gesamt 100,0 20 100,0 20
Wahlbeteiligung 54,17 % 56,93 %

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens von Böhmenkirch lautet: In Rot eine goldene Holzkirche.

Für das Jahr 1924 ist für Böhmenkirch ein Baum als Siegelbild belegt. Später änderte sich diese in eine Kirche. Nach einem Vorschlag der Archivdirektion in Stuttgart nahm die Gemeinde 1957 das heutige „redende Wappen“ an: Der Ortsname Böhmenkirch leitet sich von Baumenkirche ab, was durch eine aus Baumholz bestehenden Kirche versinnbildlicht wird. Die Farben Gelb und Rot weisen auf die Herrschaft Rechberg hin. Das Wappen und die gelb-rote Flagge wurde am 4. September 1958 vom Innenministerium verliehen.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmenkirch unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur Marktgemeinde Böheimkirchen im Mostviertel in Niederösterreich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmenkirch ist durch die Bundesstraße 466 (SüßenHeidenheim) an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Im ÖPNV ist die Gemeinde ein Kreuzungspunkt der Busverbindungen zwischen Göppingen, Geislingen an der Steige und Heidenheim an der Brenz.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Böhmenkirch gibt es eine Grund- und Hauptschule und im Ortsteil Treffelhausen eine reine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Touristische Routen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmenkirch liegt an der Schwäbischen Albstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Genauso liegt Böhmenkirch am Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg, einem Pilgerweg, der nach Ulm und weiter nach Spanien führt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Vitus-Kirche in Treffelhausen

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mordloch im Roggental, mit 4,3 km die drittlängste Höhle der Schwäbischen Alb
  • Magentäle mit den Felsen Roggenstein und Roggennadel
  • Eybquelle unterhalb von Treffelhausen

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Windkraftanlage im Windpark nordöstlich von Böhmenkirch

Nordöstlich von Böhmenkirch befindet sich ein Windpark, in dem 4 Windkraftanlagen der 1,5-MW-Klasse installiert sind.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Böhmenkirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 279–282.
  3. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Böhmenkirch.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 449 und 461.
  5. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums