Bökey-Horde

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Bökey-Horde (kasach. Бөкей Ордасы / Bökeý Ordası) war der Name einer nomadischen Stammesföderation, die mitunter fälschlich zur benachbarten Kleinen Horde gezählt wird. Sie befand sich zwischen der Wolga und dem Ural-Fluss im Bereich des heutigen West-Kasachstan. Zwischen 1917 und 1920 gehörte das Gebiet der Bökey-Horde zum kasachischen Alasch-Orda-Staat.

Namensherkunft und andere Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Bökey-Horde ist ein Produkt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Er stammt vom Gründer Bökey Khan ab, der dort als Fürst regierte. Eine andere Bezeichnung für dieses Gebiet ist auch Innere Kasachen-Horde (kasch. Ішкі Қазақ Ордасы / İşki Qazaq Ordası).

Umfang und Stammesstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziges zentralasiatisches Nomadenreich verfügte die Bökey-Horde über fest definierte Grenzen: Sie befand sich zwischen den Flüssen Wolga und Ural und wurde im Norden durch die russische Provinz Orenburg begrenzt. Dieses Gebiet gehörte in der Vergangenheit zur Nogaier-Horde und macht heute den äußersten Westen Kasachstans aus und zur Bökey-Horde gehörten zahlreiche nomadisierende Stämme. So gehörten beispielsweise die Clans Adaj, Zschappas, Bajbakty, Tana, Berisch, Scherkesch, Maskar, Isyk, Esen-temir, Alascha, Kyzylkurt, Taz, Tama, Kerderi, Tabyn und Kete zur Bökey-Horde. Zu diesen kamen noch zahlreiche nogaische, tatarische und baschkirische Clans.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1797 scheiterte der kasachische Fürst Bökey bei seiner Wahl zum Oberhaupt der Kleinen Horde. So bat er bereits 1799 den damaligen russischen Zaren Paul I. um die Übersiedlung seines Clans in das zum Russischen Reich gehörenden Gebiet zwischen Wolga und Ural. Nach der Prüfung durch die russischen Verwaltungsbehörden wurde Bökey 1801 die Übersiedlung gestattet und so zogen er und 5000 verbündete Familien in das ihm zugesicherte Gebiet. In diesem Gebiet trat Bökey – und später auch sein Sohn Jangher – als Förderer des Islam auf. Damit hatte die neue Kasachen-Föderation einen regen Kontakt mit den verschiedenen Stämmen der Wolga-Ural-Tataren, der Baschkiren und der Nogaier. So gab es in den späten 1840er Jahren in diesem Gebiet zum Beispiel 126 tatarische Mullahs.

1812 errichtete Bökey Khan als Vasall des russischen Zaren seine eigene Horde und wurde nun von Zar Alexander I. als zweiter Khan der Mittleren und der Großen Horde eingesetzt, nachdem sich die Beschwerden der Stammes- und Clanführer über den amtierenden Khan Vali häuften.

Am 12. Mai 1815 starb Bökey Khan und die Nachfolge trat sein damals 14-jähriger Sohn Jangher (auch als Dschangir Khan bekannt) an. Diesem wurde zwischen 1815 und 1825 ein Großonkel, Shighai, als Regent zur Seite gestellt.

Jangher Khan übernahm 1825 die alleinige Herrschaft und wurde um 1837 von einem Bei namens Isatai Taimanow (* 1791, † 1838) und einem Volkssänger namens Mahambet Utemisow († 1846) angefeindet. Diese führten einen Aufstand gegen Jangher durch und griffen diesem in der Stadt Chanskaja Stawka an. Jangher war jedoch wie sein Vater vor ihm ein Vasall des russischen Zaren und so wurden die Aufrührer schließlich von einer russischen Armeeabteilung geschlagen und vertrieben.

Nach dem Tod von Jangher Khan (1845) wurde die Bökey-Horde aufgelöst und das ihr unterstellte Gebiet fiel an eine russische Direktverwaltung durch den Zaren. Diese Direktverwaltung wurde 1859 aufgelöst und das Gebiet wurde nun dem russischen Innenministerium unterstellt.

Fürsten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bökey Khan (1812–1815)
  • Shighai (1815–1825, Regent)
  • Jangher Khan (* 1801 † 1845; reg. 1815–1845)