Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig

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Die Buchhändlerbörse um 1840 – Sitz des Börsenvereins von 1836 bis 1888
Das Buchhändlerhaus um 1900 – Sitz des Börsenvereins von 1888 bis zur Zerstörung 1943

Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig war von 1825 bis 1990 der erste und bis 1948 einzige nationale Interessenverband der deutschen Buchhändler und Verleger. Er hatte seinen Sitz in Leipzig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde am 30. April 1825 in Leipzig gegründet. Die Gründungsmitglieder waren sechs Leipziger und 95 auswärtige Buchhändler und Verleger. In den folgenden Monaten schlossen sich weitere Buchhändler an, so dass der Börsenverein am Ende des Jahres 1825 bereits 235 Mitglieder zählte.[1] Die Gründung und der Name gehen auf die Buchhändlerbörse zurück, die seit 1792 die Abrechnung der Leipziger Buchmesse zwischen den Buchhändlern und Verlegern aus ganz Deutschland mit ihren verschiedenen Währungen veranstaltete. Das erste Anliegen des Vereins war die Vereinfachung des Abrechnungswesens auf den Buchmessen. Schnell wurde der Börsenverein zu einer Vertretung des gesamten Berufsstandes. Später setzte er sich für die Abschaffung der Zensur, für die Regelung des Urheberrechts und für die Einführung fester Ladenpreise ein. Die Firmenmitgliedschaft wurde 1838 durch die persönliche Mitgliedschaft ausgetauscht.

Der Sitz des Börsenvereins war von 1836 bis 1888 die Buchhändlerbörse in der Ritterstraße und von 1888 bis zu seiner Zerstörung 1943 das Deutsche Buchhändlerhaus an der Hospitalstraße (heute Prager Straße). Seit dem 3. Januar 1834 gibt der Börsenverein das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel heraus. Seit 1835 ist das Börsenblatt das Vereinsorgan des Börsenvereins.

Mit der Durchsetzung der Kröner'schen Reform, benannt nach dem Vorsitzenden des Börsenvereins Adolf Kröner, im Jahr 1887, kam es zur Festsetzung eines einheitlichen Buchpreises, bekannt als Buchpreisbindung. Infolgedessen stellte der Börsenverein verbindliche Regelungen für den Buchhandel auf, die Buchhändlerische Verkaufsordnung und die Buchhändlerische Verkehrsordnung, die den Geschäftsverkehr zwischen Verlagen und Buchhandlungen und zwischen Buchhandlungen und Publikum regelte.

Der Börsenverein initiierte 1912 die Gründung der Deutschen Bücherei in Leipzig. Die umfangreiche Bibliothek des Börsenvereins wurde in die Deutsche Bücherei verlegt. 1928 übernahm der Börsenverein die 1852 gegründete Buchhändlerschule in Leipzig.

Ausschnitt aus dem Deutschen Bücherverzeichnis, „bearbeitet von der Bibliographischen Abteilung des Boersenvereins der Deutschen Buchhaendler zu Leipzig“, 21. Band, 1943

1934 begann Wilhelm Baur mit der Gleichschaltung des Börsenvereins.

Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte der Börsenverein in Leipzig weiter. In den westlichen Besatzungszonen schlossen sich die Buchhändler zu Landesverbänden zusammen. Im Jahr 1948 wurde dort die Arbeitsgemeinschaft deutscher Verleger- und Buchhändler-Verbände gegründet. Diese wurde im Zuge einer Umorganisation 1955 in Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit Sitz in Frankfurt am Main umbenannt. Der Börsenverein in Leipzig setzte unter gleichem Namen die Tradition in der DDR fort, allerdings unter veränderten Vorzeichen und ohne Repräsentanzanspruch für das gesamte deutsche Buchwesen.

Nach der Wiedervereinigung wurde der 165 Jahre alte „Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig“ am 1. Januar 1991 an den damals 35-jährigen Frankfurter „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“ angeschlossen. Am Ursprungsort Leipzig verblieb nur ein Büro.

Das Archivgut des Börsenvereins vor 1945 und des Börsenvereins in der DDR vor 1990 befindet sich im Sächsischen Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, Bestände 21765 Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (I) und 21766 Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (II). Die Findbücher stehen für die Online-Recherche zur Verfügung.

Bekannte Gründungsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Börsenverein ehrte Menschen die sich im Interesse des Buches besonders verdient gemacht haben mit der Wilhelm-Bracke-Medaille.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Johannes Frommann: Geschichte des Börsen-Vereins der Deutschen Buchhändler. Leipzig 1875. (Google Books)
  • Stephan Füssel u. a. (Hrsg.): Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 1825-2000. Ein geschichtlicher Aufriss. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main 2000.
  • Helmut Hiller, Stephan Füssel: Wörterbuch des Buches. 6. Auflage. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2002.
  • Gerd Schulz: Buchhandels-Ploetz. Abriß der Geschichte des deutschsprachigen Buchhandels von Gutenberg bis zur Gegenwart. 4. Auflage. Ploetz, Freiburg im Breisgau 1989.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste derjenigen 235 Buchhändler, welche ... als Börsenberechtigte anzusehen sind, vom 31. Dezember 1825. Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Leipzig.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]