Bösebrücke

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Koordinaten: 52° 33′ 17″ N, 13° 23′ 55″ O

Bösebrücke
Bösebrücke
Nordseite der Bösebrücke
Nutzung Straßenverkehr
Überführt

Bornholmer Straße

Unterführt

Nordbahn
Stettiner Bahn
Norwegerstraße

Ort Berlin-Prenzlauer Berg
Bauwerknummer 44679-0010
Konstruktion Eisenfachwerk
zweibogig
zwei Hauptträger
Gesamtlänge 138,0 m
Breite 031,0 m
Längste Stützweite 087,0 m
Konstruktionshöhe Bogenscheitel über eingehängter Platte
12 m „Pfeilhöhe“
Tragfähigkeit Brückenklasse 30/30
nach DIN 1072
Fahrzeuge pro Tag 14.800 Lkw[1]
32.800 Kfz[2]
Baukosten 1 Mio. Mark (entsprechend 2.869.000 Euro)
Baubeginn Juli 1913
Fertigstellung 11. September 1916
Planer Friedrich Krause und Mitarbeiter
Lage
Bösebrücke (Berlin)
Bösebrücke
Höhe über dem Meeresspiegel 56,6 m

Die Bösebrücke ist eine Bogenbrücke in Berlin und verbindet über die Gleise der Fern- und S-Bahn die Ortsteile Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen. Das im Verlauf der Bornholmer Straße liegende Bauwerk wird oft fälschlicherweise auch Bornholmer Brücke genannt. Die unter Denkmalschutz stehende erste genietete Stahlbrücke Berlins wurde 1916 als Hindenburgbrücke eröffnet und erhielt 1948 ihren heutigen Namen.

Weltweite Berühmtheit erlangte die Brücke am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, als der Grenzübergang Bornholmer Straße am östlichen Ende der Bösebrücke der erste Übergang in Ost-Berlin war, der für DDR-Bürger geöffnet wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bösebrücke und S-Bahn-Station

Die Bösebrücke verläuft in Ost-West-Richtung des Straßenzugs Bornholmer Straße – Osloer Straße und ist Teil des früheren nördlichen Stadtrings.[3] Unter der Brücke befindet sich die 1935 eröffnete S-Bahn-Station Bornholmer Straße der Nord-Süd-S-Bahn. Über die Brücke führte bis 1961 und (wieder) seit dem 14. Oktober 1995 eine Straßenbahnstrecke.

Die Brücke ist als Dreifeldträger mit einer Gesamtlänge von 138,00 m ausgebildet. Die Öffnungsweiten betragen 25,50 m / 87,00 m / 25,50 m. Die Nutzbreite der Brücke ist 27,00 m, die Brückenfläche 3726 m².

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die niveaugleiche Kreuzung zwischen der Eisenbahn und der nach dem Hobrecht-Plan von Plötzensee bis Lichtenberg führenden Ringstraße entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Verkehrshindernis. Deshalb erwog der Magistrat der Stadt Berlin den Bau einer Brücke über die Eisenbahn. Nach Prüfung verschiedener Entwürfe und Modelle kam eine stählerne Auslegerkonstruktion nach Plänen des Stadtbaurats Friedrich Krause und seiner Mitarbeiter Hedde, Sievers, Behrens, Pohl, Marcus und Heinzel in die Auswahl. Während bei einer Anzahl von Brücken diese Rahmen als Portalträger unter der Fahrbahn angeordnet werden konnten, lag bei der Hindenburgbrücke der Fall eines hochliegenden Rahmens vor. Der Baubeginn war im Sommer 1913, für die sorgfältige Ausführung der Metallarbeiten wurden zwischen den vorhandenen Gleisen hölzerne Lehrgerüste aufgestellt und größere Teile vor Ort zusammengenietet. Erst nachdem alle tragenden Teile fertig waren, senkte man die Konstruktion auf die stählernen Mittelstützen und die seitlichen Widerlager. Die Brücke aus Nickelstahl erhielt bei ihrer feierlichen Eröffnung am 11. September 1916 (während des Ersten Weltkriegs) den Namen Hindenburgbrücke. In die Bauzeit fiel die Generalmobilmachung wodurch des zu Personal- und Materialenpässen kam.

„Die im Norden Berlins gelegene, kürzlich dem Verkehr übergebene Überführung der Bornholmer Straße, die in Zukunft den Namen „Hindenburgbrücke“ führen wird, bildet das Schlußglied eines Straßenzuges, der von Plötzensee bezw. über Weißensee, von Lichtenberg kommend, die Reichshauptstadt ringartig umfaßt, bislang aber durch die Stettiner und die Nordbahn unterbrochen wurde […]. Wie bei der nahen Swinemünder Brücke, ließen die frei zu überspannenden Weiten nur ein hochliegendes Tragwerk zu, da andernfalls die ohnehin schon sehr langen Rampen zu steil und für Fuhrwerke nicht mehr benutzbar geworden wären. Im Gegensatz zu den dort vorhandenen Hängegurten sind hier Bogenträger gewählt, die ihre Stützpunkte auf den Bürgersteigen der die Gleisanlagen begleitenden Straßen finden und diese noch mit Seitenarmen überbrücken, so daß Träger von 138 m Lange entstehen, deren in ganzer Ausdehnung sichtbare Obergurte das Brückenbild zu einer Einheit zusammenfassen, die es im Verhältnis größer erscheinen läßt als die um 90 m längere, durch die Portalspitzen scharf gegliederte Nachbarbrücke. Die Stützweite der Mittelöffnung beträgt 87 m, die der Seiten je 25,5 m.“[4] Die Brückenmitte hat eine Höhe von 56,6 m, die Brückenlänge liegt an den Rändern 54,3 m (westlich), 54,87 m (östlich) und die benachbarten Straßenkreuzungen sind mit 48,6 m (Björnsonstraße) und 47,7 m (Sonderburger Straße) angegeben.[5] Die Ausfuhrungskosten betrugen rund 1,2 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 3 Millionen Euro). Entwurf und Ausführung unterstanden der Oberleitung des Stadtbaurats für den Tiefbau Geheimen Baurat Krause.

Im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bösebrücke mit zahlreichen DDR-Bürgern vor dem Grenzübergang Bornholmer Straße am 18. November 1989

Im Zweiten Weltkrieg waren sowohl Bahngleise als auch große Brückenbauwerke gute Orientierungspunkte bei den Luftangriffen der Alliierten. Die Hindenburgbrücke erlitt aber auch bei der Schlacht um Berlin Ende des Krieges keine größeren Schäden. Am 5. Juli 1948 wurde sie nach dem 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer Wilhelm Böse benannt.

Die Brücke als Staatsgrenze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde sämtlicher Verkehr an dieser Stelle unterbrochen, die Bösebrücke gehörte zum überwiegenden Teil zu Ost-Berlin, jedoch lagen 30 Meter im Westen der Stadt. 1983–1985 wurde der im damaligen Bezirk Wedding liegende Teilabschnitt umfangreich instandgesetzt.

Für die Straßenbahn im Ostteil der Stadt wurde vor der Brücke eine Wendeschleife an der Björnsonstraße errichtet. Der S-Bahnhof Bornholmer Straße wurde zunächst ohne Halt durchfahren, später verlegte man die Gleise und die Züge fuhren mit Höchstgeschwindigkeit durch diesen Abschnitt. Zwischen 1963 und 1989 befand sich östlich der Bösebrücke der Grenzübergang Bornholmer Straße für Personenkraftwagen und Fußgänger.

Fall der Mauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzetafel an der Brücke zur Erinnerung an die Grenzöffnung (Tafel 1998 angefertigt von der Kunstgießerei Lauchhammer)[6]

Am Abend des 9. November 1989 öffneten die Grenztruppen der DDR diesen Grenzübergang als ersten, um dem Druck der Massen von Ost-Berliner Seite nachzugeben.[7] Dies war der Beginn des Falls der Berliner Mauer.[8] Am 9. November 2013 wurde ein Bereich des damaligen Grenzübergangs zum Gedenken an dieses Ereignis in „Platz des 9. November 1989“ benannt.[9] Die Bösebrücke war zudem einer der Hauptorte der temporären, 15,3 Kilometer langen Installation Lichtgrenze vom 7. bis 9. November 2014.

Verkehrs- und Statikprobleme nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleisverschlingung der Straßenbahn über die Brücke

Wegen der für vierspurigen Verkehr geringen Straßenbreite wurde nach der Maueröffnung zeitweilig ein Abriss und Neubau der Bösebrücke diskutiert. Der bestehende Denkmalschutz führte dagegen zur Brücken-Sanierung mit Teilerneuerungen der vier Treppenanlagen zum Bahnhof. Die dazu notwendigen Arbeiten begannem im Sommer 1991 und wurden am 9. Februar 1995 abgeschlossen. Die Kosten der Komplett-Sanierung betrugen 26 Millionen Mark.[10] Schwierig war die Wiederinbetriebnahme der Straßenbahnstrecke, die über die Bösebrücke bis zum Virchow-Klinikum geführt wurde. Damit die Bahnen in jeder Richtung ohne Weichen in ihrem jeweiligen Gleis fahren können, waren die Schienen bis Mitte 2016 als Gleisverschlingung realisiert. Der auf der Brücke beidseitig verbleibende Fahrstreifen für den Pkw-Verkehr entspricht nicht den Normbreiten für je zwei Fahrstreifen, weswegen direkt auf der Brücke keine Spurführungsmarkierung aufgebracht wurde.

Im Jahr 2008 ergaben Untersuchungen des Brückenstahls, dass zur Gewährleistung der Standsicherheit eine weitere Sanierung notwendig ist. Außerdem müssen Fahrbahnschäden beseitigt und Abdichtungen sowie sämtliche über die Brücke führenden Versorgungsleitungen erneuert werden. Im Dezember 2008 wurde als möglicher Beginn der Instandsetzung das Jahr 2010 abgegeben.[11][12]

„Als die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die Bösebrücke im Jahr 2012 statisch überprüfte, stellte sich in Verbindung mit Materialproben heraus, dass die geforderte Belastbarkeit langfristig nicht mehr gewährleistet ist.“

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt[13]

Im Juli 2015 starteten auf zwei Jahre angelegte Sanierungsarbeiten, bei denen es vor allem um eine Verstärkung und Gewichtsverringerung der Brücke geht, um dem wachsenden Verkehr gewachsen zu sein.[14] ImZuge der Sanierungsarbeiten wurde die Gleisverschlingung beseitigt und durch einen eingleisigen Abschnitt mit Weichen an den Enden ersetzt.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die stählerne Brücke ist als Zweigelenkbogen mit beiderseitigen Kragarmen und gelenkig angeschlossenen Endfeldern sowie eingehängter Brückenplatte ausgeführt. In der Oberkonstruktion sind beidseitig Lichtmaste integriert. Die gesamte Brückenfläche wird mit 3726 m² angegeben. Die Brücke trägt beidseitig sechs Meter breite Fußwege, die gesamte Fahrbahn ist 15 Meter breit.

„Das Haupttragwerk besteht im Mittelfeld aus zwei bogenförmigen, genieteten Eisenfachwerkträgern, welche die Mittelöffnung überspannen. Die Fachwerke sind V-förmig bis zur Oberkante Gelände herabgeführt und über massive Kämpferfundamente aus Stampfbeton beidseitig der Bahntrassen tiefgegründet. Die Hauptträger kragen 7,50m in die Seitenfelder aus und bilden die Auflager für die in den Seitenfeldern vorhandenen Schleppträger. Die Schleppträger bestehen aus nahezu parallelgurtigen Fachwerkträgern. Die Bösebrücke ist in den Widerlagerachsen auf Stelzenlagern gelagert. Die Zwischenstützungen sind auf gelenkigen, allseits festen Lagern gelagert. Im Mittelfeld ist die Fahrbahnkonstruktion über Hänger an das Bogentragwerk gekoppelt, in den Endfeldern direkt an die Fachwerke der Untergurte angeschlossen.“[15]

Die Bösebrücke ist in der Berliner Denkmalsliste als Baudenkmal aufgenommen. Hindenburgbrücke & Bösebrücke & Bornholmer Brücke

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied und das Video Where are we now? des Pop-Musikers David Bowie erinnerten 2013 mit den Zeilen “Twenty thousand people cross Bösebrücke, fingers are crossed, just in case” an die Nacht vom 9. zum 10. November 1989.

Die Ereignisse auf der Brücke am 9. November 1989 sind auch immer wieder Sujets in Filmen. Auf Grund des hohen Verkehrsaufkommen auf der Bösebrücke werden die Szenen dazu jedoch meist auf der nahe gelegenden Swinemünder Brücke gedreht, die eher für ein paar Tage gesperrt werden kann, so zum Beispiel für die Filme Das Wunder von Berlin[16] oder Bornholmer Straße.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Günther: Berliner Verkehrsorte im Wechsel der Zeit: Bösebrücke, Bornholmer Straße. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 41. Jg., Nr. 5 (September/Oktober 2014), S. 113–128.
  • Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 158–159.
  • Die neue Hindenburg-Brücke über die Stettiner- und Nordbahn in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung 49 (1915), S. 475–479, 493–498, 515–517.
  • Die Hindenburgbrücke in Berlin. In: Zentralblatt der Bauverwaltung 35 (1915), Nr. 81, S. 531–536.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bösebrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verkehrsmengen LKW 2014. Straßenverkehrszählung 2014 mit Stand vom 16. Oktober 2015 (pdf)
  2. Verkehrsstärkenkarte DTV 2014: Kfz in 24 Stunden
  3. Bösebrücke FIS-Broker (Karte von Berlin 1:5000 (K5-Farbausgabe)) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin
  4. Die Hindenburgbrücke in Berlin. In: Zentralblatt der Bauverwaltung 35 (1915), Nr. 81, Seite 531–536.
  5. (amtlicher) Plan von Berlin, Blatt 4332 der Jahre 1937, 1940, 1952, 1956, 1962, 1969, 1974, 1978, 1983, 1986, 1988
  6. Referenzliste der Kunstgießerei; hier: 1998
  7. Grenzübergang Bornholmer Straße am 9. November 1989. In: Spiegel Online
  8. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Fotos und Bericht über die Grenzöffnung an der Bösebrücke (Memento vom 9. November 2013 im Internet Archive)
  9. „Platz des 9. November 1989“ heißt künftig „Platz des 9. November 1989“. In: Prenzlberger Stimme
  10. Infos über die Bösebrücke Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; abgerufen 26. März 2009
  11. Peter Neumann: Bösebrücke muss saniert werden. In: Berliner Zeitung, 23. Dezember 2008
  12. Zustandsbericht der Bösebrücke vom 4. März 2009 (Abstract; Gesamtbericht als PDF) abgerufen 26. März 2009
  13. Grundinstandsetzung der Bösebrücke stadtentwicklung.berlin.de
  14. Bösebrücke zwei Jahre in Richtung Ost-City gesperrt. In: Der Tagesspiegel, 14. Juli 2015, abgerufen am 7.  Dezember 2015
  15. Straßen und Brücken für Berlin: Bösebrücke (Bornholmer Straße): Zahlen und Daten
  16. Das Wunder von Berlin. filmfotos-berlin.de, abgerufen am 6. November 2013.