Büchelberg (Wörth)

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Büchelberg
Wappen der ehemaligen Gemeinde Büchelberg
Koordinaten: 49° 1′ 17″ N, 8° 10′ 22″ O
Höhe: 135 m ü. NN
Fläche: 3,25 km²
Einwohner: 895 (19. Nov. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 275 Einwohner/km²
Eingemeindung: 9. Juni 1979
Postleitzahl: 76744
Vorwahl: 07277
Büchelberg (Rheinland-Pfalz)
Büchelberg

Lage von Büchelberg in Rheinland-Pfalz

Büchelberg ist mit ca. 900 Einwohnern der kleinste Ortsbezirk der Stadt Wörth am Rhein und liegt im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Vor der Eingemeindung war Büchelberg mit 10.076 Hektar Gemarkungsgebiet der flächenmäßig größte Ort in Rheinland-Pfalz, da 9.760 Hektar des Bienwalds zu dem Ort gehörten.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der südöstlichsten Ecke von Rheinland-Pfalz auf einer kleinen Rodungsinsel mitten im Bienwald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich von dem Büchelberg ab, einem mit Buchen bewachsenen Kalkhügel im Bienwald. Die mundartliche Ortsbezeichnung lautet „Bichlbe'ch“, bzw. „Bich'lbärch“, wobei „Biechel“ die Bezeichnung für eine junge Buche ist. Im 18. Jahrhundert sind neben Büchelberg unterschiedliche Schreibweisen dokumentiert: Buhelberg, Bichelberg, Bigelberg, Bickelberg, Pigelberg und Büglberg.[3]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittels luftbildarchäologischer Methoden konnte bei Büchelberg der Grundriss einer römischen Hofanlage nachgewiesen werden.[4]

Dorfgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Dorfes Büchelberg steht im Zusammenhang mit dem Bau der Festung Fort-Louis in den Jahren 1687 bis 1688, beauftragt durch den französischen Kriegsminister Louvois unter König Ludwig XIV. Der für den Festungsbau benötigte Kalk wurde im Bienwald abgebaut und gebrannt. Viele der Arbeiter, Kalkbrenner und Holzhauer kamen aus verschiedenen Regionen Frankreichs. Während nach der Errichtung der Festung die meisten Arbeiter wieder abwanderten, liesen sich acht bis zehn Haushalte dauerhaft nieder. Nach einer Beurkundung von Eigentumsrechten von 1751 wird das Jahr 1692 als das eigentliche Gründungsjahr Büchelbergs angesehen.[5]

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1720 wohnten in Büchelberg 44 Familien mit ca. 200 Personen. Zwischen 1745 und 1747 wurde als Ersatz für die 1697 errichtete baufällige Holzkirche eine Steinkirche erbaut.[6] 1751 wurde zwischen den Büchelberger Einwohnern und den Vertretern des Landesherrn, dem Fürstbischof von Speyer Franz Christoph, der sogenannte Dorfvertrag abgeschlossen. Darin wurden die Landnutzungsrechte der Einwohner gegen entsprechende Zinszahlungen geregelt.[7] In der unter französischer Souveränität stehenden Südpfalz wurde 1790 im Zuge der französischen Revolution der Speyerer Fürstbischof als Landesherr entmachtet. Nach einer Verwaltungsreform verlor Büchelberg 1795 vorübergehend die Eigenständigkeit und wurde in die Kantonsgemeinde Lauterburg eingegliedert.[8]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den napoleonischen Kriegen wurde 1816 der Ort Teil des Königreichs Bayern. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage wanderten im 19. Jahrhundert viele Einwohner Büchelbergs aus. Zwischen 1807 und 1816 siedelten elf Büchelberger Familien mit 53 Personen nach Südrussland um. Zwischen 1820 und 1890 verließen etwa 200 Einwohner den Ort, hauptsächlich nach Amerika.[9] Der bis dahin keiner Gemeinde gehörende Bienwald wurde 1825 der Gemeinde Büchelberg zugewiesen.[10]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1924 wurde Büchelberg an das Telefonnetz angeschlossen und ein Jahr später die Elektrizitätsversorgung und Straßenbeleuchtung installiert.[11]

Durch die Einquartierung vieler Westwallarbeiter stieg 1938/39 die Wohnbevölkerung in Büchelberg fast um das Dreifache an. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Büchelberger Bevölkerung von September 1939 bis August 1941 nach Mainfranken evakuiert. Zwei weitere Evakuierungen erfolgten im Dezember 1944 und Mai 1945. Büchelberg war nach dem Krieg zu etwa 90 % zerstört und war unter den pfälzischen Dörfern dasjenige mit den massivsten Kriegsschäden.[12]

Wichtige Meilensteine beim Wiederaufbau der Infrastruktur in der Nachkriegszeit war die Errichtung einer zentralen Wasserversorgungsanlage 1948–1951 (Erweiterung 1964), der Neubau des Schulhauses 1950–1952, der Rathausneubau 1951–1952 (Erweiterung 1964), der Aufbau einer Kanalisation 1951–1956 und 1965–1971, sowie der Ausbau der Ortsstraßen ab 1953.[13]

Seit dem 9. Juni 1979 ist die bis dahin eigenständige Gemeinde Büchelberg ein Ortsbezirk der Stadt Wörth am Rhein. Ortsvorsteher von 1979 bis 1999 war Engelbert Gerstner (CDU), der auch letzter Bürgermeister der Ortsgemeinde war.[14]

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher von 1999 bis 2019 war Klaus Rinnert (CDU), seit 2019 ist Stefanie Gerstner (CDU) Ortsvorsteherin.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1746[15] 180
1763[15] 360
1787[16] 566
1802[17] 643
Jahr Einwohner
1849[17] 860
1861[17] 720
1871[18] 744
1939[19] 9681
Jahr Einwohner
2010[20] 908
2013[21] 902
2014[22] 897
2015[23] 903
1 2.147 Einwohner insgesamt, davon aber nur 968 als „ständige Bevölkerung“

Im Jahr 1871 waren von insgesamt 744 Einwohnern 715 katholisch und 29 evangelisch.[18]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Büchelberg ist einer von vier Ortsbezirken der Stadt Wörth am Rhein und verfügt über einen eigenen Ortsbeirat sowie einen Ortsvorsteher.[24]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat besteht aus 10 Mitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsvorsteherin als Vorsitzender.

Die Sitzverteilung im Ortsbeirat:

Wahl SPD CDU Grüne FWG Gesamt
2019[25] 1 6 3 10 Sitze
2014[26] 9 1 10 Sitze
2009[27] 1 8 1 10 Sitze
2004[28] 2 7 1 10 Sitze

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefanie Gerster (CDU) wurde im Sommer 2019 Ortsvorsteherin von Büchelberg. Bei der Stichwahl am 16. Juni 2019 konnte sie sich mit einem Stimmenanteil von 50,93 % durchsetzen,[29] nachdem bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.[30] Ihr Vorgänger Klaus Rinnert (CDU) hatte das Amt 20 Jahre ausgeübt.[31]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büchelberg ist über die Buslinie 549, die die beiden Bahnhöfe Kandel und Berg miteinander verbindet, an das Nahverkehrsnetz angeschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Hrsg.: Stadt Wörth am Rhein. Wörth am Rhein 2005, ISBN 3-00-017537-7.
  • Kulturkreis Büchelberg, Julius Niederer (Hrsg.): Büchelberg. Der Bienwald und seine Randgemeinden von 1930 bis 1960. E&B engelhardt und bauer Druck- und Verlag GmbH, Karlsruhe 2011, ISBN 978-3-941850-28-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wörth am Rhein – Stadtportrait. Zahlen Daten Fakten. Stadtverwaltung Wörth am Rhein, abgerufen am 14. August 2019.
  2. Wörth am Rhein – Stadtportrait. Büchelberg... Stadtverwaltung Wörth am Rhein, abgerufen am 14. August 2019.
  3. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 65–66.
  4. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 33–43.
  5. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 21.
  6. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 55–65.
  7. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 21.
  8. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 190.
  9. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 23.
  10. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 269.
  11. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 431.
  12. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 573.
  13. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 609 ff.
  14. Historischer Augenblick ohne „Volk“
  15. a b Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 74.
  16. Albert Ritter: Büchelberg: Leben im Bienwald. Wörth am Rhein 2005, S. 200.
  17. a b c Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. VI des Anhangs
  18. a b Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65
  19. Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich auf Grund der Volkszählung 1939, 2. Auflage 1941, S. 171
  20. Wörth am Rhein: Zahlen Daten Fakten (Memento vom 6. April 2011 im Internet Archive)
  21. Wörth am Rhein: Zahlen Daten Fakten (Memento vom 14. September 2013 im Internet Archive)
  22. Wörth am Rhein: Zahlen Daten Fakten (Memento vom 23. September 2014 im Internet Archive)
  23. Wörth am Rhein: Zahlen Daten Fakten (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)
  24. Hauptsatzung der Stadt Wörth am Rhein. (PDF) § 2 und 3. 20. Juli 2019, abgerufen am 26. April 2020.
  25. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Ortsbeiratswahl 2019 Büchelberg. Abgerufen am 25. April 2020.
  26. Ortsbeirat Büchelberg 2014. Stadtverwaltung Wörth, abgerufen am 26. April 2020.
  27. Ortsbeiratswahl 2009 Büchelberg. (PDF, 2,93 MB) In: Amtsblatt Wörth, 37. Jahrgang, Woche 25/2009, Seite 7. Stadtverwaltung Wörth am Rhein, 18. Juni 2009, abgerufen am 26. April 2020.
  28. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Ortsbeiratswahl 2004 Büchelberg. Abgerufen am 25. April 2020.
  29. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. siehe Wörth am Rhein, verbandsfreie Gemeinde, letzte Ergebniszeile. Abgerufen am 26. April 2020.
  30. Gerstner gegen Müller. Die Rheinpfalz, 12. Juni 2019, abgerufen am 26. April 2020.
  31. Fritz Hock: Büchelberg: Klaus Rinnert will sich weiter für sein Dorf einsetzen. Die Rheinpfalz, 20. November 2019, abgerufen am 26. April 2020.