Bühlerhöhe

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Das Schlosshotel Bühlerhöhe

Das Schlosshotel Bühlerhöhe wurde ab 1912 als Offiziersgenesungsheim nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis auf dem Kohlbergfelsen in 770 Meter Höhe im Nordschwarzwald errichtet. Die Bühlerhöhe wurde nie zu ihrem ursprünglichen Zweck genutzt, sondern diente von 1920 bis 2010 als Hotel der Luxusklasse für Besucher des nahe gelegenen Baden-Baden. Zur Ortschaft Bühlerhöhe, die in einer Exklave der Stadt Bühl an der Schwarzwaldhochstraße liegt, gehören neben dem Hotel ein ehemaliges Sanatorium, heute Max Grundig Klinik, und die Kapelle Maria Frieden.

Bauherrin und Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauherrin des Offiziersgenesungsheims war Hertha Isenbart (1871–1918), die Tochter des jüdischen Breslauer Kaufmanns Julius Schottländer. Sie war in erster Ehe mit dem wesentlich älteren Bankier Carl Pringsheim († 1895) verheiratet und lernte um die Jahrhundertwende den verheirateten Generalmajor Wilhelm Isenbart kennen.[1] Dieser ließ sich scheiden und beide heirateten.[2] Die Ehe mit einem geschiedenen Partner war damals im großbürgerlichen Milieu und in Offizierskreisen ein Skandal. Herthas Isanbarts Familie enterbte die Tochter und fand sie mit dem Pflichtteil von mehr als zwölf Millionen Mark ab; ihr Mann musste bald den Dienst quittieren.

Der plötzliche Tod ihres Mannes am 30. November 1908 in Ägypten war der Wendepunkt in Hertha Isenbarts Leben. Die Witwe lebte fortan nur noch für das Ziel, ihrem Mann in Form eines Offiziersgenesungsheims ein Denkmal zu setzen. Dieses sollte dem deutschen Kaiser Wilhelm II. als Schenkung übereignet werden. Sie erwarb von der Stadt Bühl 18 Hektar Waldgebiet im Bereich des Kohlbergfelsens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1912 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, die zu Beginn des Ersten Weltkrieges weitgehend abgeschlossen waren. Wegen Finanzierungsproblemen wurde das ursprüngliche Konzept durch Curt Karl Rüschhoff (1887–1969) und Hans Woltmann, zwei Mitarbeiter von Wilhelm Kreis, reduziert. Die Fertigstellung des Hauses verzögerte sich wegen des Krieges. Die Bühlerhöhe erfüllte ihre Aufgabe als Offiziersgenesungsheim nie. Herta Isenbart ging 1918 in den Freitod.[3][4][5]

Konrad Adenauer und sein Sohn Georg während eines Besuchs der Bühlerhöhe 1956

1920 wurde das Gebäude an private Investoren, darunter Otto Hüglin aus St. Blasien, verkauft und ab 1921 vom Architekten Wilhelm Rutsch aus Freiburg zu einem Kurhaus umgestaltet. Häufiger Gast im Haus war Konrad Adenauer, dem zu Ehren eine Gedenktafel im Hotelpark angebracht ist und nach dem eine Suite des Hotels benannt wurde.

1986 bis 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 erwarb der Industrielle Max Grundig das in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Kurhaus und ließ es bis 1988 nach Plänen des Architekten Henner Hoos und des Innenarchitekten Jan Wichers für 150 Millionen D-Mark zum Luxushotel ausbauen.[6]

Vom 6. Juni bis 9. Juni 1991 fand die Bilderberg-Konferenz im Hotel statt, bei der man sich unter anderem über die Situation in Südafrika unterhalten hat.[7]

Nachdem es kurz im Besitz der Rafael-Gruppe war, erwarb 1999 Dietmar Hopp das Hotel.[8] Von 2002 bis 2010 betrieb die spanische Hotelkette NH das Hotel. Während der in Deutschland ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nutzte die englische Nationalmannschaft das Schlosshotel als Mannschaftsquartier.

Seit 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2010 verkaufte Hopp das Hotel an die für diesen Kauf gegründete Anna Maria Vermögensverwaltung GmbH, hinter der ein ukrainischer Investor stand. Die Gesellschaft plante, das Hotel nach der Schließung Ende August 2010 zu renovieren und es 2013 mit neuem Konzept wieder zu eröffnen.[9] Die Investoren begannen jedoch nicht mit einer Sanierung. Im Juni 2013 wurde bekannt, dass unbezahlte Rechnungen für Betriebskosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro aufgelaufen waren, sowie Strom und Telefonverbindungen abgeschaltet wurden.[10] Im selben Monat stellten zwei Gesellschaften, die sich im Mitbesitz Dietmar Hopps befinden, Insolvenzantrag gegen die neuen Eigentümer; ein Teil des Kaufpreises sei noch nicht beglichen worden.[11] Im August wurde der Hotelbetrieb bis Anfang November wieder aufgenommen.[12] Ende August ließ der Investor die Zahlungsfrist verstreichen. Damit wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.[13]

Im Dezember 2013 wurde das Hotel Bühlerhöhe zusammen mit dem nahegelegenen Hotel Plättig und weiteren Grundstücken von der neugegründeten „Bühlerhöhe Castle Invest GmbH“ aus Baden-Baden gekauft, deren Gesellschafter eine im Besitz internationaler Investoren befindliche Investmentfirma aus Kasachstan ist.[14] Die mehrfach angekündigte Wiedereröffnung wurde inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben. Bislang haben die Investoren bei der Stadt Bühl als zuständiger Baurechtsbehörde noch keine Konzept vorgelegt. In den Medien wird inzwischen bezweifelt, ob die Eigentümer wirtschaftlich noch in der Lage sind, die Sanierungskosten aufzubringen.[15] Experten beziffern die Sanierungskosten wegen der langen Schließung auf bis zu 80 Millionen Euro. Monatlich entstehen rund 100.000 Euro Leerstandskosten, davon über die Hälfte für Heizöl, um das Anwesen nicht ganz verwahrlosen zu lassen.[16]

Für die am 25. Mai 2015 erstmals ausgestrahlte Folge Roomservice der Fernsehserie Tatort (Produktion des SWR) diente das Hotel als Kulisse.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühlerhöhe liegt in 770 Meter Höhe unterhalb der erst 1930 gebauten Schwarzwaldhochstraße auf einem Bergsporn mit Aussicht ins Rheintal. Wilhelm Kreis passte das Bauwerk der Topografie an und ließ es mit einem frei stehenden Aussichtsturm auf der Spitze des Bergsporns ausklingen. Das Hauptgebäude ist ein dreigeschossiger Massivbau mit Mansardwalmdach. Seine beiden jeweils 27 Meter langen Flügel, die einander im stumpfen Winkel zugeordnet sind, werden durch einen mit einem Kegeldach bekrönten, viergeschossigen Rundbau verbunden. Jeder dieser Trakte hat fünf Achsen an der Talseite, die durch Lisenen gerahmt werden.

Die Talseite ist die eigentliche Hauptansichtsseite des Schlosses. Das erste und zweite Geschoss sind durch eine die Fensterachsen rahmende Werksteingliederung aus Lisenen mit abschließendem Stockwerkgesims in Kolossalordnung zusammengefasst. Zwischen den Lisenen bestimmen Putzgliederungen das Bild, die rechteckigen Holzsprossenfenster des Erdgeschosses haben rahmende Blendbögen, das zweite Geschoss besitzt niedrigere Holzsprossenfenster mit Rahmungen, das dritte Geschoss ist durch eine reliefartige, geometrische Putzgliederung mit ovalen Fenstern gestaltet. Der Rundturm tritt an der Talseite risalitartig vor die Fassade, in seinem Untergeschoss befinden sich drei Türen, ansonsten entspricht die Gliederung der der Seitenflügel.

Im Gegensatz zur neubarocken Schlossarchitektur der Talseite steht der Innenhofbereich, den Kreis nach Motiven des Festungs- und Burgenbaus gestaltete. Die Hofseite des Hauptgebäudes ist asymmetrisch gegliedert. Die Symmetrieachse der Schlossfassade an der Talseite setzt sich hier nicht fort, sondern knickt aus topografischen Gründen nach rechts, also in südöstliche Richtung, ab. Daraus ergibt sich ein zweigeteilter Ehrenhof an der Bergseite. Dieser Ehrenhof, der von niedrigeren Flügeln gerahmt wird, besteht aus zwei annähernd quadratischen Höfen auf unterschiedlichen Ebenen. Jedem Trakt des Hauptgebäudes ist auf diese Weise ein Hof zugeordnet. Vor den zentralen Rundbau im Zentrum des zweiflügeligen Hauptgebäudes tritt in der Achse der Zufahrt ein mächtiges neoklassizistisches Hauptportal, das typisch für Festungen ist.

Bühlerhöhe ist ein Spätwerk des Historismus. In seiner künstlerischen Aussagekraft und in seinen Dimensionen ist das Schloss ein bemerkenswerter Vertreter seiner Zeit, der die gesellschaftlichen Ansprüche wie kaum ein anderes Gebäude im Land Baden versinnbildlicht. Vorbild ist Schloss Stupinigi bei Turin, das Filippo Juvarra ab 1729 im Auftrag von König Viktor Amadeus II. von Sardinien-Piemont erbaute.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Coenen: Bühlerhöhe und Stupinigi. Filippo Juvarras Jagdschloss als Vorbild für das neubarocke Denkmal von Wilhelm Kreis. In: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden. Band 82, Offenburg 2002, ISSN 0342-1503, S. 243–276.
  • Ulrich Coenen: Bühlerhöhe. Das Schloss im Schwarzwald von Wilhelm Kreis. Panten, Baden-Baden 2004, ISBN 3-928813-13-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. buehlerhoehe.de: Chronik, abgerufen am 25. Mai 2015
  2. Schlosshotel Bühlerhoehe – Abschied einer alten Dame. badische-zeitung.de. Abgerufen am 23. Juli 2013.
  3. sueddeutsche.de: Ein Genesungsheim für Offiziere.
  4. zeit.de: Ein Platz für Sauen und Hirsche.
  5. focus.de: Eine Herberge für Träumer.
  6. Umbau für 150 Millionen Mark (Memento vom 6. September 2013 im Internet Archive), buehlerhoehe.de, Abgerufen am 23. Juli 2013.
  7. Conferences. bilderbergmeetings.org. Abgerufen am 13. November 2014.
  8. Abgesang auf eine Legende. FOCUS online. 15. Juni 2010. Abgerufen am 15. Juni 2010.
  9. Dietmar Hopp verkauft Schlosshotel Bühlerhöhe. Welt online. 9. Juli 2010. Abgerufen am 9. Juli 2010.
  10. Südwestrundfunk: Traditionshotel im Nordschwarzwald verfällt. 5. Juni 2013.
  11. Insolvenzantrag gegen Schlosshotel Bühlerhöhe. In: Pforzheimer Zeitung, abgerufen 14. Juni 2013.
  12. Hotelbetrieb 2013 wieder aufgenommen
  13. Bakai lässt Zahlungsziel verstreichen: Insolvenzverfahren über Schlosshotel Bühlerhöhe ist eröffnet. In: Schultze & Braun. 2. September 2013, archiviert vom Original am 4. November 2013, abgerufen am 5. Oktober 2014.
  14. SIR/dpa: Das Schlosshotel hat einen neuen Besitzer. In: Stuttgarter Nachrichten. 11. Dezember 2013, archiviert vom Original am 18. Dezember 2013, abgerufen am 5. Oktober 2014.
  15. Zukunft der Bühlerhöhe ungewisser denn je. In: Badische Neueste Nachrichten.
  16. stuttgarter-nachrichten.de: Bühlerhöhe vor dem Aus? Das ehemalige Nobelhotel versinkt im Dauerschlaf.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bühlerhöhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 40′ 29″ N, 8° 13′ 46″ O