Bümpliz

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Wappen von Bümpliz
Wappen von Bern
Bümpliz
Statistischer Bezirk von Bern
Karte von Bümpliz
Koordinaten 596144 / 198605Koordinaten: 46° 56′ 19″ N, 7° 23′ 17″ O; CH1903: 596144 / 198605
Höhe 549–605 m
Fläche 2,9762 km²
Einwohner 16'808 (2019)
Bevölkerungsdichte 5647 Einwohner/km²
Ausländeranteil 33,5 % (2019)
Arbeitslosenquote 4,1 % (20)
BFS-Nr. 351029
Postleitzahl 3008,3018,3027,3172
Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1919

Bümpliz ist ein statistischer Bezirk im Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen (VI) im Westen der Stadt Bern. Zu Bümpliz gehören die gebräuchlichen Quartiere Winterhale, Stapfenacker, Fellergut, Teile von Stöckacker, Bodenweid, Weidmatt, Hohliebe, Wangenmatt, Kleefeld, Bümpliz Süd, Bümpliz Dorf sowie Teile von Niederbottigen.[1]

Die Wohnbevölkerung betrug 2019 16'808 Personen, davon 11'174 Schweizer und 5'634 Ausländer.[2]

Der Leist Bümpliz bezeichnet sein Gebiet als Südquartier.[3][4]

Der Stadtbach, welcher in die Aare mündet, fliesst teilweise untermauert oder renaturiert durch das Quartiergebiet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bümpliz-Dorfkern mit Bienzgut, Kirche und Davidbrunnen, ca. 1926
Bümpliz-Postplatz mit Davidbrunnen, ca. 1936
Turm der reformierten Kirche Bümpliz

Das heutige Gebiet wurde schon früh durch Menschen besiedelt; erste Zeugnisse stellen Funde von Keltengräbern dar, welche an der heutigen Morgenstrasse ausgehoben wurden. Der erst kürzlich entdeckte Gutshof, der während Umbauten zu Tage kam, stammt aus römischen Tagen. Der Name des Dorfes ist erstmals 1016 als Pimpenymgis und 1235 als Bimplitz beurkundet. Seit dem 7. Jahrhundert gab es dort eine dem Heiligen Mauritius geweihte Kirche, in deren Nähe ab dem 9. Jahrhundert ein hochburgundischer Königshof mit hölzernem Wehrbau errichtet wurde, an dessen Stelle heute das Alte Schloss Bümpliz steht. 1742 wurde daneben das Neue Schloss Bümpliz gebaut. Im 19. Jahrhundert beherbergte dieses eine Knabenerziehungsanstalt, die dem ganzen Dorf den berndeutschen Spitznamen Löffelschlyffi (Löffelschleiferei) eintrug. Mittlerweile dient das Schloss als Zivilstandsamt des Kreises Bern.

1860 erhielt Bümpliz eine Bahnstation (heute: Bern Bümpliz Süd) an der im selben Jahr eröffneten Linie Bern-Balliswil (1862 bis Lausanne) und 1901 eine zweite an der Linie Bern-Neuenburg (heute: Bern Bümpliz Nord).[5] Zwischen 1900 und 1910 wuchs die Bevölkerungszahl von 3323 auf 5286. Das Dorf geriet in Finanznot, und 1907 begannen die Verhandlungen zur Eingemeindung in die Stadt Bern, wo viele der neuen Einwohner arbeiteten. Die damaligen Vorgänge wurden von Carl Albert Loosli, dem «Philosophen von Bümpliz», im Roman Es starb ein Dorf beschrieben.

1919 war die Eingemeindung abgeschlossen. In der Folgezeit siedelten sich in Bümpliz zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe an, und seit den 1950er Jahren entstanden hier mehrere Hochhausquartiere, zum Beispiel die Überbauungen Neuhaus, Tscharnergut, Schwabgut oder Gäbelbach, die das Bild des Stadtteils prägen und einzigartig in der Schweizer Architekturlandschaft sind. Das Ende des 19. Jahrhunderts angelegte Gelände des heutigen Friedhofs Bümpliz wurde 1987 bis 1994 unter Mitwirkung des Künstlers Schang Hutter erweitert und besitzt seit 2003 als letzter der drei Stadtberner Friedhöfe eine eigene Abdankungshalle und eine ästhetische Urnenwand.

Erstmals wurde der Name Bümpliz im Lied Bümpliz–Casablanca (1989) durch die Band Züri West in die Musikwelt aufgenommen. Seit 1996 ist der Stadtteil überregional bekannt geworden durch das Lied W. Nuss vo Bümpliz von Patent Ochsner.

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bümpliz weist zusammen mit dem benachbarten Bethlehem eine der bedeutendsten Architekturlandschaften der Nachkriegszeit der Schweiz auf. Als Bern nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals über 100’000 Einwohner zählte, musste dringend neuer Wohnraum geschaffen werden, und so kauften Baukonsortien und die Stadt Bern viele der grossen bernburgerischen Landgüter im heutigen Stadtteil VI auf, um auf ihnen zuerst grosse Ein- und Mehrfamilienhausquartiere wie z. B. den Bethlehemacker und die Meienegg, später auch grossflächige Wohnüberbauungen wie z. B. das Tscharnergut oder das Kleefeld, zu errichten.[6]

Die Erweiterung von Bern (geplant sind bis 2030 17'000 neue Bewohner) soll auch im Westen erfolgen, indem neben einer Verdichtung weitere Wohnungen "auf der grünen Wiese" gebaut werden sollen, vorgesehen scheint dafür Niederbottigen, was im westlichen Teil zu Bümpliz gehört. Die gute Verkehrsanbindung von Brünnen auf der angrenzenden Bethlehemer Seite der Bahnlinie scheint ein Argument dafür zu sein.[7][8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wohnten in Bümpliz 17’216 (im gesamten Stadtteil VI 33’509) Menschen, 2009 waren es nur noch 15’832 (bzw. 31’380),[9] wobei sich die Bevölkerung im Jahr 2010 wieder auf 16'057 (32'405) erhöht hat.[10]

In der Bevölkerung herrscht bei einem Ausländeranteil von 28,9 % eine grosse kulturelle und ethnische Vielfalt.[10] Zahlenmässig am stärksten vertreten sind hierbei Italien (816 Menschen), gefolgt von Deutschland (392) und Mazedonien (390).[11]

Auch 38 % aller in Bern lebenden Spanier wohnen im Stadtteil VI. Sie bilden die drittgrösste ausländische Nation der Stadt. Ebenso sind die Mehrheiten der vier nächstgrösseren Nationen Portugal (54,0 %), Kosovo (63,0 %), Mazedonien (79,1 %) und Türkei (59,2 %) hier zu Hause, des Weiteren die grössten Gruppierungen von Personen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Polen, Serbien sowie der Slowakischen und Tschechischen Republik.[12]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Quartier ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Die BLS verbindet die Bahnhöfe Bümpliz Nord (Linie Bern-Neuenburg) und Bümpliz Süd (Linie Bern-Fribourg) mit Bern. Die Bahnhöfe selbst werden durch die Buslinie 27 untereinander erschlossen.

Bümpliz ist durch die Linie 7 der Strassenbahn Bern direkt mit dem Bahnhof Bern und dem Ostring verbunden. Weiter verbindet die Buslinie 27 Niederwangen mit der Badeanstalt Weyermannshaus. Diese Linie fährt quer durch Bümpliz und bewirkt dadurch eine gute Erschliessung des Quartiers in sich und mit dem Nachbarquartier Bern-Bethlehem.

Mit dem Autobahnanschluss Bern-Bümpliz/Köniz ist das Quartier, mit der A12, an das Schweizer Autobahnnetz angeschlossen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fussballklub SC Bümpliz 78 hat in der Schweiz schon einige Erfolge verbuchen können. Das Grösste war 1991/92 als der Club in der Nationalliga B spielte. Zurzeit spielt er in der 2. Liga.

Im Eishockey hatte der EHC Rot-Blau Bern-Bümpliz seinen grössten Erfolg 1975/76, als er in der National League B spielte. Zurzeit spielt er in der Regio League.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die reformierte Kirche entstand ursprünglich um das Jahr 1000. Sie wurde nach einem Brand 1666 in die heutige Form gebracht und 1678 durch Abraham Dünz erweitert.[13] Die katholische St. Antonius-Kirche an der Morgenstrasse wurde 1961 eingeweiht. Sie ist der Nachfolgebau der Kirche von 1927, die 1959 abgerissen wurde.

Altes und neues Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Alte Schloss geht auf einen ab dem 9. Jahrhundert als hölzerner Wehrbau errichteten hochburgundischen Königshof zurück. 1954 kaufte es die Stadt Bern und liess es 1979–1980 renovieren. Heute beherbergt das Schloss ein Restaurant sowie das Ortsarchiv Bümpliz. Das Neue Schloss wurde 1742 neben dem nunmehr sogenannten Alten Schloss erbaut. Heute wird es als so genanntes besonderes externes Zeremonielokal[14] verwendet.

Landhaus «Fellerstock»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der «Fellerstock», Nordwestansicht

Der «Fellerstock» ist ein vermutlich durch Viktor von Erlach (1648–1730) erbautes Landhaus inmitten der heutigen Grossüberbauung Fellergut. Während langer Zeit verblieb es im Besitz verschiedener Berner Patrizierfamilien. 1855 liess die damalige Besitzerin, Marie Ninet, das Herrschaftshaus und die Umgebung neu gestalten (Aufsetzen eines Geschosses, neues Walmdach, Anlage des englischen Gartens und zweier Alleen). 1877 erwarb Karl Feller-Sahli (1842–1905) das Landgut, was ihm den bis heute gebräuchlichen Namen «Fellerstock» einbrachte und in dessen Familienbesitz es bis 1968 bleiben sollte. In diesem Jahr ging es in den Besitz der Stadt Bern über. Diese wollte den Bau zuerst abbrechen und durch ein modernes Schulhaus ersetzen, musste ihn jedoch auf öffentlichen Druck hin und mithilfe eines finanziellen Beitrags der letzten Besitzerfamilie renovieren und die geplanten Schulräume in den Altbau integrieren.[15]

Weitere Kulturgüter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bern-Bümpliz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistische Bezirke und Gebräuchliche Quartiere Stadt Bern auf map.bern.ch Unter "Themen" kann man einzelne Layer wählen
  2. Wohnbevölkerung 2019 Bericht S. 4 auf bern.ch
  3. Südquartier Leist Bümpliz
  4. Fläche des Sdquartiers
  5. Vgl. Emil Erne (Red.): Bümpliz – Königshof, Bauerndorf, Stadtteil. Zur Geschichte der alten Gemeinde Bümpliz und des Stadtteils VI der Stadt Bern. Hrsg. von der Bernischen Gesellschaft zur Pflege des Stadt- und Landschaftsbildes (GSL) und der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), Bümpliz: GSL; QBB 1994, S. 52. Vgl. auch: Topographische Karte der Schweiz 1:100'000 (Dufourkarte), Blatt 12: Fribourg, Bern, 1864.
  6. Anne-Catherine Schröter, Raphael Sollberger, Dieter Schnell, Michael von Allmen: Siedlungen der Nachkriegszeit in Bümpliz-Bethlehem. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Nr. 1025. Bern 2018, ISBN 978-3-03797-350-9.
  7. STEK 2016 Stadtentwicklungskonzept auf bern.ch S. 44 f.
  8. Adrian Müller: Die Erweiterung im Westen derBund vom 23. August 2016
  9. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2009 (PDF; 6,9 MB), S. 47. Abgerufen am 7. September 2018.
  10. a b Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2010 (PDF; 6,5 MB) S. 36 f.
  11. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2010 (PDF; 6,5 MB) S. 40 f.
  12. Statistik Stadt Bern, Statistisches Jahrbuch 2016.
  13. Website der reformierten Kirche
  14. Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern: Zeremonielokal Schloss Bümpliz. Kanton Bern, abgerufen am 31. Juli 2019.
  15. o. A.: Der Fellerstock. In: Quartierzeitung virtuell Bern Bümpliz Bethlehem. Abgerufen am 10. September 2019.