Bündner Kunstmuseum

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Kunstmuseum Chur

Das Bündner Kunstmuseum ist die wichtigste Kunstinstitution im Kanton Graubünden. Es hat seinen Sitz in einer historischen Villa und einem zeitgenössischen Erweiterungsbau und zeigt vorwiegend Exponate von Bündner und Schweizer Künstlern. Es ist eine Institution des Kantons Graubünden. Der private Bündner Kunstverein ist Träger der Wechselausstellungen, die Stiftung Bündner Kunstsammlung Eigentümerin der Kunstsammlung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bündner Kunstmuseum Chur wurde vom Bündner Kunstvereins gegründet und 1919 in der neoklassizistischen Villa Planta eingerichtet. Die nach dem Bauherrn Jacques Ambrosius von Planta benannte Villa wurde 1874–1875 vom Architekten Johannes Ludwig als privates Wohnhaus erbaut. 1898 verkaufte Jacques Ambrosius von Planta die Villa an die Rhätische Bahn, die es ab 1919 für kulturelle Zwecke an den Kanton Graubünden vermietete. 1957 wurde die Liegenschaft vom Kanton Graubünden erworben. Die naturkundlichen Sammlungen wurden 1927 neben der Villa Planta im neuen erbauten Natur- und Nationalpark-Museum untergebracht, während das Kunsthaus den Bedürfnissen eines Kunstmuseums angepasst wurde. 1987–1989 wurde die Villa Planta durch die Architektengemeinschaft Peter Zumthor, Peter Calonder und Hans-Jörg Ruch umgebaut und restauriert. 2014–2016 entstand neben der Villa Planta an Stelle des ehemaligen Naturmuseums ein grosser Erweiterungsbau der Architekten Barozzi/Veiga.

Die Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1900 begann der Bündner Kunstverein mit dem Aufbau einer Kunstsammlung. Sie umfasst mittlerweile etwa 8000 Arbeiten aus allen Bereichen der bildenden Kunst vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Sammlung entwickelte sich seit der Gründung aus der spezifischen kulturellen Situation Graubündens. Dazu gehört die Prägung durch die Gebirgslandschaft ebenso wie das Wechselspiel von Auswanderung und Tourismus. Die Geschichte der Kunst in Graubünden ist charakterisiert durch verschiedene einflussreiche Figuren und Bewegungen, die in der Sammlung zu besonderen Schwerpunkten geführt haben:

Angelika Kauffmann Das Bündner Kunstmuseum zeigt mehrere Meisterwerke der in Chur geborenen Angelika Kauffmann, die zu den bedeutenden Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts zählt.

Familie Giacometti Die aus dem Bergell stammende Künstlerfamilie mit Giovanni Giacometti und deren Söhnen Alberto und Diego sowie dem entfernt verwandten Augusto ist mit umfassenden Werkgruppen in der Sammlung vertreten.

Expressionismus Der Expressionismus bildet im Bündner Kunstmuseum mit wichtigen Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Hermann Scherer, Albert Müller und Paul Camenisch einen herausragenden Sammlungsschwerpunkt.

Bündner Kunst Die Sammlung spiegelt die Entwicklung der Kunst in Graubünden vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Damit können einerseits charakteristische Grundzüge vermittelt und anderseits ausgewählte Einzelpositionen vorgestellt werden, die das Bild dieser Kulturlandschaft bereichern, unter anderem Alois Carigiet, Matias Spescha, HR Giger, Not Vital und Zilla Leutenegger.

Kunst der Gegenwart Im Bereich der Gegenwartskunst widerspiegelt die Sammlung mit Werken von Richard Long, Markus Raetz oder Roman Signer die Vielfalt des zeitgenössischen Kunstschaffens. Ein besonderes Augenmerk gilt den Künstlern, die mit Fotografie arbeiten. Hans Danuser, Gaudenz Signorell, Katharina Vonow, Jules Spinatsch oder Ester Vonplon sind mit grösseren Werkgruppen in der Sammlung vertreten.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parallel zur eigenen Sammlung zeigt das Bündner Kunstmuseum temporäre Wechselausstellungen. Neben der Präsentation historischer und zeitgenössischer Künstler sind immer wieder auch thematische Gruppenausstellungen zu sehen. Das Labor des Kunstmuseums dient als kleine Kunsthalle innerhalb des Museums. Regelmässig lädt das Museum Kunstschaffende ein, neue Arbeiten für diesen Ausstellungsraum zu entwickeln.  

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Villa Planta  Der neoklassizistische Bau an der Bahnhofstrasse in Chur weist eine repräsentative Schauseite auf mit einem von Säulen getragenen Portikus. Die beiden Sphingen auf den Treppenwangen, die pompejanischen Malereien im ehemaligen Salon und die goldene Kuppelbemalung in byzantinischer Manier verweisen auf die Tätigkeit des Bauherrn als Kaufmann im ägyptischen Alexandrien. Höhepunkt dieses «Orientalismus» bildete ein Halbmond auf der Kuppelspitze. Die Villa wurde 1987–89 unter der Leitung der Architektengemeinschaft Peter Zumthor, Peter Calonder und Hans-Jörg Ruch restauriert und erweitert. 2014–2016 wurde die denkmalgeschützte palladianische Villa durch das Architekturbüro Gredig-Walser restauriert und an die aktuellen Bedürfnisse eines modernen Museums angepasst. 

Der Erweiterungsbau  Im Jahr 2011 wurde ein internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den das Architekturbüro Estudio Barozzi/Veiga aus Barcelona gewann. Ihr Projekt ersetzt das ehemalige Naturmuseum und überzeugt durch die präzise und klare Setzung in das architektonische Umfeld.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bündner Kunstmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 51′ 4,8″ N, 9° 31′ 56,4″ O; CH1903: 759662 / 191041