Bürstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bürstadt
Bürstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bürstadt hervorgehoben
49.6413888888898.454583333333390Koordinaten: 49° 38′ N, 8° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 34,46 km²
Einwohner: 15.625 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 453 Einwohner je km²
Postleitzahl: 68642
Vorwahlen: 06206, 06245 (Bobstadt)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 005
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 2
68642 Bürstadt
Webpräsenz: www.buerstadt.de
Bürgermeisterin: Barbara Schader (CDU)
Lage der Stadt Bürstadt im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Dorfplatz Riedrode
Naturoase Lachgärten, Bürstadt

Bürstadt ist eine Stadt im Süden von Hessen im Kreis Bergstraße.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Bürstadt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen dem Rhein und dem Odenwald im Hessischen Ried.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Bürstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Biblis, im Nordosten an die Gemeinde Einhausen, im Osten an die Stadt Lorsch, in Süden und Westen an die Stadt Lampertheim.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Bürstadt ist in drei Stadtteile gegliedert: Bobstadt, Bürstadt und Riedrode. Die beiden Ortsteile Bobstadt und Riedrode liegen etwa einen Kilometer von Bürstadt entfernt. Außerdem gibt es noch den „Boxheimerhof“, welcher mittlerweile durch einige Baugebiete zu einem eigenen kleinen Stadtteil herangewachsen ist, sowie eine Gärtnersiedlung im Süden der Stadt, die ihre Wurzeln in der römischen Zeit hat.

Geschichte[Bearbeiten]

Von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bürstadt liegt in einer der kultur- und geschichtsträchtig ältesten Landschaften Deutschlands. Bedingt durch die fruchtbaren Böden und den Wild- und Artenreichtum der Oberrheinischen Tiefebene wurden schon sehr früh die Hochufer des Rheins besiedelt.

Ein 1,35 m hoher Monolith in der Gemarkung Bürstadts, der sogenannte Sackstein, ist wahrscheinlich ein Menhir aus der späten Jungsteinzeit. Grabhügel in den Wäldern von Bürstadt ergaben einige Funde, die der Hallstattzeit zuzuordnen sind. Bemerkenswert ist auch eine Anzahl von Funden aus der frühen Latènezeit, so z. B. ein handgeformter Becher mit Fingermuster, der aus der Zeit um 500 v. Chr. stammt. Am Rand des Bürstädter Waldes gibt es Reste einer ausgedehnten römischen Siedlung. Für den Reisenden lag Bürstadt mit einem einstigen karolingischen Königshof auf halbem Weg zwischen der auf eine keltische Gründung zurückgehenden Nibelungenstadt Worms und der ehemaligen Reichsabtei Lorsch.

Im Jahre 764 wurde das Kloster im benachbarten Lorsch durch Graf Cancor gegründet. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten Mark Heppenheim als Verwaltungsbezirk des Frankenreichs dem Reichskloster Lorsch. Von dort aus wurde das Gebiet urbar gemacht und besiedelt Im 9.–12. Jahrhundert gehörte es zu den größten und mächtigsten Benediktinerabteien Deutschlands.

Am 1. November 767 wurde Bürstadt in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex, einem Besitzverzeichnis des Klosters, erstmals urkundlich erwähnt, als Turinicbert dem Kloster „mansum unum et pratum unum et de terra araturia iurnales sex in Birstather marca“ überließ.[2] Darüber hinaus sind folgende Schenkungen überliefert: 776 schenkte Eufemia, Tochter des Grafen Kankor, ihre Güter „in Villa et marca Babestat“ dem Kloster Lorsch. Auch ihr Bruder Heimerich vermachte 782 seinen Besitz in Bobstadt der Abtei Lorsch.

789 wurde der Boxheimer Hof unter den Namen „Villa wizzilin oder „Wizzelai“ als Klostergut der Reichsabtei Lorsch erstmals erwähnt. Im Jahre 1275 trug der Hof bereits den Namen Boxheim. Ende April 873 hielt Ludwig der Deutsche in Bürstadt eine Reichsversammlung (placitum) am Bürstädter Königshof ab. Es wurden Verhandlungen mit einer Gesandtschaft des dänischen Königs Siegfried geführt und ein Bote des großmährischen Fürsten Svatopluk empfangen. Außerdem fand dort die Aussöhnung zwischen Ludwig dem Deutschen und seinen Söhnen statt.[3]

Weitere Erwähnungen des Bürstädter Königshofes anlässlich hoher Besuche blieben ebenfalls erhalten. So weilte dort vom 22. bis 26. Mai 877 König Ludwig der Jüngere, am 22. Mai 882 Kaiser Karl III., der jüngst Bruder Ludwig des Jüngern, sowie im Mai und Oktober 984 und letztmals im Mai 994 Kaiser Otto III.[3]

Der Blütezeit des Klosters Lorsch, in dessen Gebiet Bürstadt lag, folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. Während des Investiturstreits von 1076 (Reichstag in Worms) bis 1122 (Wormser Konkordat) mussten viele Besitzungen an den Adel abgegeben werden. Das Ergebnis des Wormser Konkordats wurden auf den „Bürstädter Laubwiesen“ am 23. September unter Beisein Kaiser Heinrich V. verkündet. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war der Flurname Laubwiese in der Flur 20/21 der alten Bürstädter Gemarkung erhalten.

Die Bürstädter Laubwiesen wurden 1147 nochmals erwähnt, als im Juni und Juli das französische Kreuzfahrerheer unter König Ludwig VII. in Erwartung weiteren Zuzugs dort lagerte.[3]

Im späten 12. Jahrhundert wurde mit der Aufzeichnung der alten Besitzurkunden versucht, die Verwaltung des Klosters Lorsch zu reorganisieren (Lorscher Codex). Dennoch unterstellte 1232 Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und seinem Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform. Die Benediktiner widersetzten sich der angeordneten Reform und mussten die Abtei verlassen. Sie wurden durch Zisterzienser aus dem Kloster Eberbach und diese 1248 durch Prämonstratenser aus dem Kloster Allerheiligen ersetzt. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Kloster als Propstei weitergeführt. Durch die Freiheiten des Reichsklosters waren die Klostervögte Verwalter und Gerichtsherren innerhalb des Klosterbesitzes. Dieses Amt kam um 1165 in den Besitz der Pfalzgrafen. Aus dieser Konstellation entwickelten sich schwere Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbistum Mainz und der Kurpfalz als Inhaber der Vogtei. Die Streitigkeiten konnten erst Anfang des 14. Jahrhunderts durch einen Vertrag beigelegt werden, in dem die Besitzungen des Klosters zwischen Kurmainz und Kurpfalz aufgeteilt und die Vogteirechte der Pfalzgrafen bestätigt wurden.

1267 wurde erstmals ein Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) genannt, der auch das Amt Starkenburg, zu dem Bürstadt zählte, verwaltete. Die Hohe Gerichtsbarkeit wurde von der Zent Heppenheim ausgeübt, deren oberster Richter ebenfalls der Burggraf war.

Im Verlauf der für Kurmainz verhängnisvollen Mainzer Stiftsfehde wurde das Amt Starkenburg an Kurpfalz wiedereinlöslich verpfändet und blieb anschließend für 160 Jahre pfälzisch. Pfalzgraf Friedrich ließ sich für seine Unterstützung von Erzbischof Dieter – im durch die Kurfürsten am 19. November 1461 geschlossenen „Weinheimer Bund“ – das „Amt Starkenburg“ verpfänden, wobei Kurmainz das Recht erhielt, das Pfand für 100.000 Pfund wieder einzulösen.

1511 gehörte Bürstadt zum Bensheimer (auch Bergsträßer) Landkapitel.[2] Um 1550 entstand wohl die Kirche Alt-St.-Michael, die 1732 dem Neubau der Barock-Kirche St. Michael weichen musste.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Bekenntnis, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion. Als Folge der Reformation hob die Kurpfalz 1564 das Kloster Lorsch auf. Die bestehenden Rechte wie Zehnten, Grundzinsen, Gülten und Gefälle des Klosters Lorsch wurden fortan durch die Oberschaffnerei Lorsch wahrgenommen und verwaltet.[4]

Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) eroberten spanische Truppen der Katholischen Liga die Region und stellten 1623 die Kurmainzer Herrschaft wieder her. Die durch die Pfalzgrafen eingeführte Reformation wurde weitgehend rückgängig gemacht und die Bevölkerung musste zur katholischen Kirche zurückkehren. Zwar zogen sich die spanischen Truppen nach zehn Jahren vor den anrückenden Schweden zurück, aber nach der katastrophalen Niederlage der Evangelischen in der Nördlingen 1634 verließen auch die Schweden die Bergstraße und mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Aus der Region berichteten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wüten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“. Bürstadt war zehn Jahre unbewohnt und alle Häuser waren niedergebrannt. 1618 lebten in Bürstadt etwa 700 Menschen, und 1648 wurden 154 Einwohner gezählt.[3] Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde die Einlösung der Pfälzer Pfandschaft endgültig festgeschrieben.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden der Oberbau des Alten Rathauses und die Barockkirche St. Michael errichtet, die am 16. September 1753 durch Pfarrer Joseph Thomas Loskandt geweiht wurde. 1756 erhielt die Kirche einen Turm und um 1760 ein Pfarrhaus, das noch vorhanden ist. Das Schulhaus neben der Kirche wurde 1733 erbaut und diente später als Lehrerwohnung.[3]

Im Jahr 1782 führte Kurmainz eine Verwaltungsreform im Bereich des Amtes Starkenburg durch, mit der in Lorsch eine Amtsvogtei eingerichtet wurde. Das Amt wurde in Oberamt unbenannt und bestand aus den Unterämtern oder Amtsvogteien Lorsch, Fürth, Heppenheim und Bensheim. Zur Amtsvogtei Lorsch gehörten neben Bürstadt auch Lorsch, Biblis, Klein-Hausen und Viernheim. Das Oberamt Starkenburg war dem Untereren Erzstifts des Kurfürstentums Mainz unterstellt.

Vom 19. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten]

Bürstadt wird hessisch[Bearbeiten]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachten Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das linke Rheinufer und damit der linksrheinische Teil von Kurmainz durch Frankreich annektiert. In der letzten Sitzung des Immerwährenden Reichstags in Regensburg wurde im Februar 1803 der Reichsdeputationshauptschluss verabschiedet, der die Bestimmungen des Friedens von Lunéville umsetzte und die territorialen Verhältnisse im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) neu regelte.

Durch diese Neuordnung wurde Kurmainz aufgelöst, das Oberamt Starkenburg und mit ihm Bürstadt kamen zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Das Amt Lorsch wurde als hessische Amtsvogtei weitergeführt, das Oberamt aber 1805 aufgelöst. Im selben Jahr siedelte der Kurfürst von Mainz nach Regensburg über. Die übergeordnete Verwaltungsbehörde war der Regierungsbezirk Darmstadt, der ab 1803 auch als Fürstentum Starkenburg bezeichnet wurde.[5]

Unter Druck Napoleons wurde 1806 der Rheinbund gegründet, dies geschah mit dem gleichzeitigen Reichsaustritt der Mitgliedsterritorien und führte am 6. August 1806 zur Niederlegung der Reichskrone, womit das alte Reich aufhörte zu bestehen. Am 14. August 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich und den Beitritt zum Rheinbund von Napoleon zum Großherzogtum erhoben, anderenfalls drohte er mit Invasion.

Konrad Dahl berichtete 1812 in seiner Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues über das Amt Lorsch und den Marktflecken Bürstadt:

„Das Amt Lorsch enthält 5 Ortschaften, nämlich: Lorsch, Biblis, Würrstadt, Kleinhausen und Virnheim und gränzt mit denselben an die Ämter Heppenheim, Bensheim, Gernsheim, Lampertheim und Weinheim. Im ganzen Amte Lorsch finden sich 1071 Wohngebäude und 7083 Seelen. Unter letzteren sind 6969 Katholicken, 10 Lutheraner, 8 Reformirte, und 96 Juden. Sämtlliche Unterthanen dieses Landes sind leibeigen. An Grund und Boden enthält das Amt 14,269 Morgen und 3 Vrtl Äcker, 3462 M. 1 Vrtl. Wiesen und Waiden, und 15015 M. 2 Vrtl. Waldung. Das ganze Amt Lorsch gehört noch ist, so wie vor Alters, zur Cent Heppenheim; es zeigt uns die Beilage …, was die Ortschaften dieses Amtes bei peinlichen Gerichtsfällen zu thun und zu leisten haben. Vor dem 17. Jahrhunderte wohnte der Keller oder Einnehmer der klösterlichen und nachher landesherrlichen Gefälle immer in Lorsch. Derselbe kam aber nachdem das Erzstift Mainz wieder in den Besitz der Bergstraße und des Klosters Lorsch gekommen, und letzteres endlich noch zerstört worden war nach Bensheim, woselbst ine herrschaftlich Amtstellerei errichtet, zugleich aber auch damit die Oberschaffner von Lorsch verbunden wurde. Diese Amtskellerei hat auch zugleich die Justizverwaltung bis zum Jahr 1782, wo nicht allein in Bensheim sondern auch in Lorsch ein eigenes Justizamt errichtet wurde. Nach aufgehobenem Oberamte Starkenburg (1804) wurde solches selbstständig.

Birrstadt oder Bürrstadt, Birstat, Bisistat in alten Urkunden genennt, ein beträchtlicher Flecken in dem sogenannten Ried, beinahe zwei Stunden von Lorsch, 3 Stunden von Heppenheim und anderthalb Stund von Worms am entgegengesetzten Ende des Lorscher Waldes gelegen, hat zu Nachbarn die Orte Hofheim und Bobstat und den Boxheimer Hof und ist eine der ältesten Besitzungen des Klosters Lorsch. Denn schon im Jahr 768 schenkt Thurinebert der Bruder des Grafen Cancor der das Kloster Lorsch stiftete, nicht allein einen umzäunten Platz (Mansum proprisimus) zum neuen Klosterbau in Lauresharm, sondern schenkte auch diesem Kloster in Stück Feld in der Birstadter Mark (in Birstather marca) … Noch mehrere andere Schenkungen die hinzu kamen machten daß das Kloster Lorsch gar bald den völligen Besitz von Bürstat und seiner weitläufigen Mark erhielt. Die Nähe des Klosters Lorsch bei Bürrstadt machte auch letzteren Ort schon frühzeitig durch mancherlei Reichshandlungen bekannt.

Was die Pfarrei zu Birrstadt betrifft, so war solche dem Kloster Lorsch eigen und findet sich im Lorscher Schenkungebuch (Nro. 3824). Ein Priester zu Birrstadt benennt, der wahrscheinlich die Seelsorge daselbst verwaltete. Von dem Kloster Lorsch kam das Pfarrecht an den Erzhischoffen zu Mainz und von diesem an den Großherzog von Hessen. Die Pfarrkirche ist noch vor 1739 neu erbauet im Jahr 1753 aber erst eingeweiht worden. Sie ist geräumig und schön. Das Pfarrhaus ist ebenfalls neu, ansehnlich und dermalen mit einem großen Garten versehen. Der Pfarrer erhält seine Besoldung gröstentheils aus der Kellerei Heppenheim, welche auch daselbst den großen Zehenden allein bezieht; am kleinen – und am Heuzehenten aber hat der Pfarrer 1/3. Den Beinezehenden bezieht die Oberschaffnerei Lorsch allein. Von den Marquardsäckern hat der Schulmeister den kleinen Zehenden Das alte Rathhaus ist im Jahr 1608 auf kurfürstlichen Befehl dem Schulmeister eingeräumt und hierauf ein neues Rathhaus gebauet worden. Bürrstadt hat das Privilegium eines Jahrmarktes auf Dienstag nach Lätare derselbe will ab nicht viel mehr sagen. An Wohngebäuden zählt dieser Ort 187 mit 1354 Seelen. Seine Feldmark besteht in 2606 Morgen Äcker und Wiesen. In Ansehung der Waldung ist es wie mit Lorsch.
Von Lehen und andern adelichen Güthern findet man daselbst:
a.) Ein vormals Bischöfflich Wormsisches Guth, das ehedem die Junker von Affenstein als Lehen besaßen.
b.) Das von Kettenheimische Guth, das nachher an die Freiherrn von Speth kam.
c.) Das Marquards oder Horneckelsguth, welches vormals dem Kloster Lorsch eigen, von selbigem aber 1412 denen von Horneck auf Wiederlösung verkauft wurde, von welchen es in der Folg an die Herrn von Hoheneck kam.
d.) Das Knoblauchsguth, modo von Boos gehörig und
e.) Das von Wamboldisch Guth.
Wegen dem Fischwasser im Rosengarten bei Worms so wie wegen dem Zollhaus dasselbst war vormals langwieriq Streit mit Kurpfalz.

Zur Gemeinde und Pfarrei Birrstadt gehört auch der Boxheimer Hof; er liegt ½ Stunde von Birrstadt gegen Virnheim zu und ist ein altes unmittelbares Eigenthum des Klosters der nachherigen Probst und Oberschaffnerei Lorsch. Wahrscheinlich ist dieser Hof die alte Villa Wizzilin oder Wizzelai, die mit Birrstadt in einer Lorscher Urkunde vom Jahr 789 vorkömmt.“[6]

Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 die territorialen Verhältnisse in Deutschland, dabei wurde die Zugehörigkeit des Fürstentums Starkenburg zum Großherzogtum bestätigt, woraufhin dieses das Gebiet in Provinz Starkenburg umbenannte. Im Jahr 1814 wurde die Leibeigenschaft im Großherzogtum aufgehoben und es erhielt mit der am 17. Dezember 1820 eingeführten Verfassung des Großherzogtums Hessen eine konstitutionelle Monarchie, in der der Großherzog aber noch große Machtbefugnisse hatte. Die noch bestehenden standesherrlichen Rechte wie Niedere Gerichtsbarkeit, Zehnten, Grundzinsen und andere Gefälle blieben noch bis 1848 bestehen.

Am 2. Januar 1815 wurden auf dem Boxheimer Hof 72 Bewohner gezählt, die bis auf einen Protestanten alle katholisch waren. In diesem Jahr wurde dort auch die Bitte um ein Kirchlein zu Ehren des Heiligen Wendelinus vorgetragen. Am 7. April des gleichen Jahres wurde die Genehmigung zum Bau der Kapelle unter bestimmten Auflagen erteilt und 1818 erfolgte ihre Fertigstellung. Die Kapelle auf dem Boxheimer Hof gehört der Katholischen Kirchengemeinde Bürstadt.[3]

1821 wurden die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei Bürstadt dem Landratsbezirk Heppenheim zugeteilt wurde. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die unabhängig von der Verwaltung waren. Für den Landratsbezirk Heppenheim war das Landgericht Lorsch in erster Instanz zuständig. Diese Reform ordnete auch die Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Bürstadt eine von zwölf Bürgermeistereien im Landratsbezirk. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es keine eingesetzten Schultheißen mehr sondern einen gewählten Ortsvorstand, der sich aus dem Bürgermeister, den Beigeordneten und dem Gemeinderat zusammensetzte.[7]

In der Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen von 1825 heißt es über Bürstadt:

»Bürstadt, katholisches Pfarrdorf von 194 Häusern und 1540 Einwohnern, 3 Stunden von Heppenheim und 2 Stunden von Lorsch entfernt. Die Hauptnahrung geben Ackerbau und Viehzucht, wozu 2610 alte Morgen Aecker und Wiesen vorhanden sind, Tabacksbau und Handwerken.«[8]

Am 3. November 1824 brach der Reuterdeich bei Nordheim. Die Fluten des Rheins überschwemmten das Ried, wobei besonders Bobstadt hart betroffen war.

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtete 1829 über Bürstadt und die zugehörigen Höfe:

»Bürstadt (L. Bez. Heppenheim): kath. Pfarrdorf; liegt 3 St. von Heppenheim, 2 St. von Lorsch und 1½. St. von Worms; hat 228 Häuser und 1807 Einw., die bis auf 2 Luth. und 44 Juden alle katholisch sind; eine 1739 erbaute aber 1753 erst eingeweihte schöne Kirche, eine kleine Kapelle und eine Synagoge.«[9]

»Boxheimer Hof (L. Bez. Heppenheim) Hof; hat 9 Häuser und 68 Einw., die bis auf 1 Reform. katholisch sind. Der Hof kam 1802 an Hessen und 1818 wurde hier ein Bethaus gebaut«[10]

»Rheinschanz-Zollhaus (L. Bez. Heppenheim) Hof; gehört zu Bürstadt; besteht aus Wiesen und einer Weidenanlage und ist herrschaftlich«[11]

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Bürstadt im August 1832 zum Kreis Bensheim. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert; der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Im Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 finden sich folgende Einträge:

»Bürstadt b. Heppenheim. — Dorf mit katholischer Pfarrkirche, hinsichtlich der Evangelischen zur Pfarrei Lampertheim gehörig. — 228 H. 1807 E. (inc!. 44 Juden). — Großherzogth. Hessen. — Prov. Starkenburg. — Kr. Bensheim. — Landgericht Lorsch. — Hofgericht Darmstadt. – Das Dorf Bürstadt, 3 St. von Heppenheim, 2 St. von Lorsch und 1½ St. von Worms belegen, hat außer der Pfarrkirchc auch eine kleine Kapelle und eine Synagoge. Der Ort ist mit dem Kloster Lorsch (l232) an das Erzstift Mainz und von diesem (1802) an Hessen gekommen.«[12]

»Boxheim bei Bürstadt. — Hof, zur evangel. Pfarrkirche Lampertheim gehörig. — 9 H. 68 E. — Großherzogthum Hessen. — Prov. Starkenburg. — Kreis Bensheim. — Landgericht Lorsch. — Hofgericht Darmstadt. — Der Hof, welcher im Jahre 1802 an Hessen gekommen ist, hat ein Betbaus.«[13]

„Rheinschanzzollhaus b. Bürstadt. –Hof; zur evangel Pfarrei Nordheim, resp. kathol. Pfarrei Bürstadt gehörig. — 1 H. 6 E. — Großherzogth. Hessen. — Prov. Starkenburg. — Kreis Bensbeim. — Landger. Lorsch. — Hofgericht Darmstadt. — Der Hof liegt auf der östlichen Seite der von Hofheim nach Worms führenden Straße. Dabei sind Wiesen und eine Weidenanlage.[14]

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[15] Darüber hinaus wurden in den Provinzen die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852, in der Reaktionsära, wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Bürstadt zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Heppenheim, der aus den Kreisen Bensheim und Heppenheim entstand. Nach der Auflösung der Regierungsbezirke wurde Bürstadt dem Kreis Heppenheim zugeschlagen. In den Jahrzehnten nach dem Revolutionsjahr 1848 wanderten viele Bürstädter und Bobstädter Bürger nach Amerika aus.[3]

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten ergab für Bürstadt:[16] Katholisches Pfarrdorf mit 2718 Einwohnern. Die Gemarkung besteht aus 6906 Morgen, davon sind 4167 Morgen Ackerland, 2478 Morgen Wiesen und 15 Morgen Wald. Zu Bürstadt gehören der Boxheimer Hof, der Hof Rheinschanz und das Zollhaus.

Am Deutschen Krieg von 1866, in dem das Großherzogtum Hessen auf der Seite des Deutschen Bundes gegen Preußen und seine Verbündeten kämpfte, war der Bürstädter Georg Franz Kreiner beteiligt. Er fiel am 13. Juli 1866 nahe dem Ort Hösbach bei Aschaffenburg und wurde dort begraben. Das Grab neben der Bundesstraße 26 wird bis heute gepflegt.[3]

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen wurden, bezogen auf Dezember 1867, für Bürstadt eine eigene Bürgermeisterei, 370 Häuser, 2678 Einwohnern, der Kreis Heppenheim, das Landgericht Lorsch, die evangelische Pfarrei Lampertheim des Dekanats Zwingenberg und die katholische Pfarrei Bürstadt des Dekanats Bensheim angegeben. Durch die Bürgermeisterei wurden außerdem der Boxheimer Hof (5 Häuser, 47 Einwohner) verwaltet.[17]

1870 provozierte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck durch die sogenannte Emser Depesche den Deutsch-Französischen Krieg, an dem das Großherzogtum Hessen als Mitglied des Norddeutschen Bundes an der Seite Preußens teilnahm. Noch vor dessen offiziellem Ende am 10. Mai 1871 traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei und am 1. Januar 1871 trat dessen neue Verfassung in Kraft, mit der er sich Deutsches Reich nannte. Auf deutscher Seite forderte dieser Krieg rund 41.000 Tote.[18] Aus Bürstadt waren etwa 100 Männer an dem Krieg beteiligt, von dem vier nicht mehr zurückkehrten. Am 25. Oktober 1870 wütete in Bürstadt ein schwerer orkanartiger Sturm, der fast alle Häuser in Mitleidenschaft zog und die Zierpfeiler am Turm der Kirche St. Michael so schwer beschädigte, dass diese abgetragen werden mussten.[3] Mit dem Reichsmünzgesetz von 1871 gab es in Deutschland nur noch eine Währung, die Mark mit 100 Pfennigen als Untereinheit.

Nachdem das Großherzogtum Hessen ab 1871 zum Deutschen Reich gehörte, wurden 1874 eine Reihe von Verwaltungsreformen durchgeführt. So wurden die landesständige Geschäftsordnung sowie die Verwaltung der Kreise und Provinzen durch Kreis- und Provinzialtage geregelt. Die Neuregelung trat am 12. Juli 1874 in Kraft und verfügte auch die Auflösung der Kreise Lindenfels und Wimpfen und die Wiedereingliederung von Bürstadt in den Kreis Bensheim.[19]

Im Mai 1882 wurde der katholische Pfarrer von St. Michael, Peter Itzel, von dem Tagelöhner Fischbach erstochen. Bürstadt bekam dadurch einen schlechten Ruf und erhielt den Spitznamen „Messerstecher“. Im Dezember des gleichen Jahres hatte der Rhein erneut Hochwasser und zwischen Lampertheim und Rosengarten brach der Rheindamm, sodass große Teile des Rieds überflutet wurden. Auch Bürstadt war stark betroffen, was zur Evakuierung von Teilen der Bevölkerung an die Bergstraße führte.[3]

Am Ende des 19. Jahrhunderts kündigte sich auch in Bürstadt das Industriezeitalter an. Auf dem Rhein ließ 1842 ein Wormser Unternehmer Dampfboote, die „Die Adler des Oberrheins“ zwischen Mannheim und Mainz verkehren. Weitere Verbesserungen der Infrastruktur ergaben sich durch den Bau von Eisenbahnlinien. Im Jahr 1869 wurde die Eröffnung der Nibelungenbahn von Worms über Lorsch nach Bensheim gefeiert, wo sie Anschluss an die bereits 1846 fertiggestellte Rhein-Neckar-Bahn hatte. Für das Jahr 1900 gab es weitere Infrastrukturverbesserungen, so wurden bei Worms sowohl die Ernst-Ludwig-Brücke als Straßenbrücke als auch die Eisenbahnbrücke über den Rhein dem Verkehr übergeben. Dass die Zeiten aber auch von viel Armut geprägt waren, zeigen die Zahlen der Auswanderer. So wurden von 1881 bis 1900 529.875 deutsche Auswanderer gezählt.[20] Am 1. Januar 1900 trat im ganzen Deutschen Reich das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft.

Am 11. November 1894 wurde das von der Gemeinde erbaute Schwesternhaus eingeweiht, in dem Mainzer Schwestern wirkten. Sie betrieben häusliche Krankenpflege und unterhielten eine Kleinkinderschule. Weiterhin waren in diesem Haus eine Strick- und die Nähschule untergebracht.

Die Zeit der Weltkriege[Bearbeiten]

Am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, der in Bürstadt wie im ganzen Deutschen Reich der positiven wirtschaftlichen Entwicklung ein Ende setzte. Als nach der deutschen Niederlage am 11. November 1918 der Waffenstillstand unterschrieben wurde, hatte Bürstadt viele Gefallene zu beklagt, während der Krieg insgesamt rund 17 Millionen Menschenopfer kostete. Das Ende des Deutschen Kaiserreiches war damit besiegelt, und die unruhigen Zeiten der Weimarer Republik folgten. In der Zeit von 1921 bis 1930 wurden in Deutschland 566.500 Auswanderer gezählt, die versuchten, den schwierigen Verhältnissen in Deutschland zu entfliehen. 1931 werden auf dem „Boxheimer Hof“ die nach im benannten „Boxheimer Dokumente“ erstellt, mit denen Mitglieder der NSDAP versuchten eine gewaltsame Machtübernahme in Deutschen Reich vorzubereiten. Die Veröffentlichung der Dokumente schlug in der angespannten innen- und landespolitischen Lage des Herbstes 1931 hohe Wellen.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler, was das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Nationalsozialistischen Diktatur besiegelte. Im Frühjahr 1933 ordnete Adolf Hitler den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag mit dem Namen „Tag der deutschen Arbeit“ an. Damit wurde eine Gewerkschaftsforderung ausgerechnet von der Regierung erfüllt, die von den Gewerkschaften strikt ablehnt wurde. Die Gewerkschaften riefen zur Teilnahme an den Maiveranstaltungen auf, da sie sich als Initiatoren des Maigedankens fühlten. Das offizielle Programm war schon stark durch die Nationalsozialisten geprägt: „6 Uhr Wecken durch die SA-Kapellen. 8 Uhr Flaggenhissung in den Betrieben, Abmarsch zum Exerzierplatz, 9 Uhr Übertragung der Kundgebung von dem Lustgarten in Berlin auf die öffentlichen Plätze der Städte. 10.45 Uhr Staatsakt der Hessischen Regierung (…), Empfang einer Arbeiterdelegation aus den drei Hessischen Provinzen. (…) Gemeinsamer Gesang des „Liedes der Arbeiter“. (…) 7.30 Uhr Übertragung von dem Tempelhofer Feld, Berlin: Manifest des Reichskanzlers Adolf Hitler, „Das erste Jahr des Vierjahresplanes“. Anschließend Unterhaltungsmusik und Deutscher Tanz. 12 Uhr: Übertragung der Rede des Ministerpräsidenten Hermann Göring. (…) Ehemals marxistische Gesang-, Turn- und Sportvereine können an den Zügen teilnehmen, jedoch ist die Mitführung marxistischer Fahnen oder Symbole zu unterlassen.“ Das böse Erwachen für die Gewerkschaften kam einen Tag später, als die „NSDAP die Führung der roten Gewerkschaften übernahm“: „Die seitherigen marxistischen Führer in Schutzhaft – Ein 3-Millionen-Konto des früheren Reichstagspräsidenten Löbe gesperrt – Die Rechte der Arbeiter gesichert – Die Gebäude der Freien Gewerkschaften besetzt“, titelten die bereits im ganzen Reich gleichgeschalteten Zeitungen.[21]

In Hessen wurde am 3. Juli 1933 das „Gesetz zur Durchführung von Feldbereinigung zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung im Zuge der Riedmelioration“ erlassen. In 13 Gemeinden der Provinz Starkenburg, darunter Bürstadt wurde das Feldbereinigungsverfahren auf einer Fläche von 200.000 ha angeordnet. Im Verlauf dieses Meliorations- und Siedlungsprogramms entstanden die beiden Orte Riedrode und Worms-Rosengarten.[20] Durch die Gründung der selbständigen Gemeinde Rosengarten wurde die zu Bürstadt gehörende Gemarkung „Wehrzollhaus“ abgetrennt und der freie Zugang Bürstadts zum Rhein unterbrochen. Über viele Jahrhunderte hatte Bürstadt freien Zugang zum Rhein und die Bürstädter konnten ihr Vieh am Rhein tränken, ohne fremdes Gebiet überqueren zu müssen. Am 10. Juli 1936 wurde das erste hessische Erbhofdorf Riedrode eingeweiht und 28 Familien übernahmen ihre Erbhöfe.[3]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[22][23] Bürstadt allerdings wurde dem Kreis Worms, der damals zu Rheinhessen gehörte, zugeschlagen.

Im November 1938 brachte die sogenannte Reichskristallnacht den jüdischen Mitbürgern Not und Elend. Die Bürstädter Synagoge war zu diesem Zeitpunkt bereits verkauft. SA-Leute drangen in die Wohnung einer jüdischen Familie ein, verwüsteten diese und misshandelten die 17-jährige Tochter. Zwei jüdische Mitbürger wurden bereits im Mai 1938 verhaftet und ins KZ-Osthofen gebracht. Bereits nach 1933 waren ein Teil der zu diesem Zeitpunkt aus 23 Personen bestehenden jüdischen Gemeinde infolge der zunehmenden Repressalien weggezogen oder ausgewandert. 1936 wohnten noch 20 dieser Personen in der Stadt. Die fünf Einwohner jüdischer Abstammung in 1939 noch in der Stadt waren wurden verhaftet und in Vernichtungslager deportiert. Von den in Bürstadt geborenen oder längere Zeit hier lebenden Personen kamen 17 durch die NS-Gewaltherrschaft ums Leben.[24]

Am 1. September 1939 begann mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen der Zweite Weltkrieg, der in seinen Auswirkungen noch weit dramatischer war als der Erste Weltkrieg und dessen Opferzahl auf 60 bis 70 Millionen Menschen geschätzt werden. Besonders ab 1944 war der verstärke Luftkrieg gegen Deutschland auch in Bürstadt zu spüren. Große Fliegerverbände überflogen Bürstadt bei ihren Angriffen auf die umliegenden Industriestädte Ludwigshafen, Mannheim oder Worms. Bürstadt bleibt trotz einiger Schäden weitgehend verschont. In diesem Jahr wurde auch die Arbeit auf den Feldern durch die fortgesetzten Tieffliegerangriffe lebensgefährlich. Auch in der Bahn oder auf den Straßen war niemand mehr sicher. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Europa erreichten die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Die Brückenköpfe auf der linken Rheinseite konnten durch die schwachen deutschen Kräfte nicht gehalten werden, was zur Sprengung der Rheinbrücken bei Worms, Nordheim und Gernsheim am 20. März führte. Die sich auf die rechte Rheinseite zurückgezogenen Reste der deutschen 7. Armee mussten fast die gesamte schwere Ausrüstung wie Panzer und Artillerie zurücklassen, was die Fortsetzung der Kämpfe bei der absoluten Luftherrschaft der Amerikaner eigentlich völlig sinnlos machte.

Auf amerikanischer Seite war jetzt das oberste Ziel die Vermeidung weiterer Verluste, was zum massiven Einsatz von Artillerie, Panzern und Flugzeugen, auch ohne genaue Kenntnis einer möglichen Gegenwehr, auf alle einzunehmenden Städte und Dörfer führte. Stießen die vorrückende Kräfte auf Widerstand erfolgte ein sofortiger Rückzug und ein massiver Einsatz von Luftwaffe und Artillerie. Am 22. März überquerte die 3. US-Armee bei Oppenheim den Rhein und besetze am 25. März Darmstadt. Das machte aus amerikanischer Sicht ein schnelles Nachrücken der benachbarten 7. US-Armee zur Flankensicherung notwendig. Zur Vorbereitung für deren Rheinüberquerung wurden die meisten Riedgemeinden am 25. und in der Nacht zum 26. März von der amerikanischen Artillerie beschossen. In allen betroffenen Gemeinden wurden dabei Menschen getötet und es entstanden Sachschäden an Gebäuden.

In den ersten Stunden des 26. März 1945 überquerten amerikanische Truppen bei Hamm und südlich von Worms den Rhein. Die bei Worms übergesetzten Kräfte nahmen noch in der Nacht die Ortschaft Rosengarten in Besitz, marschierten in den frühen Morgenstunden in Bürstadt ein und rückten auf der heutigen B47 in Richtung Lorsch vor. Da Bürstadt nicht verteidigt wurde entstanden beim Einmarsch der Amerikaner keine großen Schäden. Am 27. März standen die amerikanischen Einheiten in Lorsch, Bensheim und Heppenheim und einen Tag später waren Aschaffenburg am Main, sowie der westliche und nördliche Teil des Odenwaldes besetzt.[25] Der Krieg in Europa endete mit der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Truppen, die am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft trat. Bürstadt hatte etwa 500 gefallene oder vermisste Soldaten in diesem Krieg zu beklagen.[3]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand Groß-Hessen, aus dem das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen hervorging.

Nachkriegszeit und Gegenwart[Bearbeiten]

Sonnensegel in Bürstadt

Mit der Neueinteilung der Bundesländer durch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs nach 1945 wurde Rheinhessen westlich des Rheins dem Bundesland Rheinland-Pfalz zugeschlagen und Bürstadt in den Kreis Bergstraße integriert.[23]

Nach dem Krieg stieg die Bevölkerungszahl durch die Ansiedlung vieler Heimatvertriebener und innerhalb kürzester Zeit stieg die Einwohnerzahl um etwa 1200 Einwohner oder rund 13 %.

Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 2561 ha angegeben, davon waren 820 ha Wald.[23]

Der Gemeinde Bürstadt wurde am 1. Juni 1967 durch den Hessischen Minister des Innern das Recht verliehen, die Bezeichnung Stadt zu führen.[26]

2005 wurde in Bürstadt die größte Dach-Photovoltaikanlage der Welt in Betrieb genommen (45.000 m² Dachfläche; 5 MW Leistung). Noch im selben Jahr wurde Bürstadt Deutscher Meister in der Solarbundesliga (Kategorie 10.000–100.000 Einwohner). 2006 errang Bürstadt die Goldmedaille im Wettbewerb Entente Florale. Am 22. Februar 2007 fand die Grundsteinlegung für einer der größten Biogasanlagen Deutschlands (ca. 2,2 MW elektrische Anlagenleistung) statt. Vom 5. bis 7. September 2008 wurde die Messe EnergieTrends+ (Messe für regenerative Energien) zum ersten Mal veranstaltet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1971 die bis dahin selbstständige Gemeinde Riedrode nach Bürstadt eingemeindet. Am 31. Dezember 1971 folgte die Eingemeindung von Bobstadt.[27]

Fremdverwaltung[Bearbeiten]

Die ehemals selbständige Gemeinde Rosengarten wurde von 1945 bis 1955 von der Stadt Bürstadt verwaltet. Seit dem 1. Oktober 1971 gehört sie zur Stadt Lampertheim.[28]

Gerichte in Hessen[Bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Erste Instanz waren Ämter oder Standesherren. Das Hofgericht war für bürgerliche Streitsachen Gericht zweite Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfalle erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Damit hatten die Zent und die mit ihnen verbundenen Zentgerichte endgültig ihre Funktion eingebüßt.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lorsch im Landratsbezirk Heppenheim das Gericht erster Instanz. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, während die neu geschaffenen Landgerichte als Obergerichte fungierten. Dadurch kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Lorsch und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt.[29]

Am 1. Oktober 1934 wurde das Amtsgericht Lorsch aufgelöst und aus dem Bezirk des Amtsgerichts der Ort Hofheim dem Amtsgericht Worms, der Ort Bobstadt und die Stadt Bürstadt dem Amtsgericht Lampertheim und mit Lorsch die restlichen Orte dem Amtsgericht Bensheim zugeteilt.[30]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind[23]:

  • 1623: 00.066 (Bürger)
  • 1806: 01.357 Einwohner
  • 1829: 01.807 Einwohner
  • 1867: 02.765 Einwohner
  • 1925: 07.144 Einwohner
  • 1939: 08.221 Einwohner
  • 1961: 10.871 Einwohner
  • 1970: 12.621 Einwohner
  • 1988: 15.214 Einwohner
  • 2007: 16.095 Einwohner
  • 2013: 16.483 Einwohner
Bürstadt: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
2.101
1840
  
2.381
1846
  
2.635
1852
  
2.718
1858
  
2.737
1864
  
2.764
1871
  
2.992
1875
  
3.067
1885
  
3.577
1895
  
4.203
1905
  
5.487
1910
  
6.117
1925
  
7.154
1939
  
8.211
1946
  
9.249
1950
  
10.142
1956
  
10.527
1961
  
10.871
1967
  
12.359
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Name[Bearbeiten]

Der Name Bürstadt leitet sich von Bisos Stätte ab. Biso war ein fränkischer Fürst, der in der Gegend Besitzungen hatte. Historisch dokumentierte Namensformen des Ortes sind (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[23]

Birstather marca (767) Bisenstadt (1113) Birstat (1407) Bürstatt (1759)
Bisistat (770, 826) Birrstadt (1275) Berstadt (1468)
Bisestat (795) Berstad (1318) Birgstat (1475)
Birstat (ca. 900, um 1200) Birstad (1341) Byrstat (1488)

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Bürstadt 2011
 %
50
40
30
20
10
0
44,9 %
27,1 %
19,0 %
9,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 20
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-12,8 %p
-4,0 %p
+19,0 %p
-2,2 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[31]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 44,9 14 57,7 18 61,6 23
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 27,1 8 31,1 10 38,4 14
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 19,0 6
FDP Freie Demokratische Partei 9,0 3 11,2 3
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 48,2 44,1 56,9

Bürgermeister[Bearbeiten]

Von 1989 bis 2013 war Alfons Haag (CDU) Bürgermeister von Bürstadt. Am 17. Februar 2013 wurde Barbara Schader (CDU) zur ersten Bürgermeisterin der Stadt gewählt und trat am 1. Juli 2013 ihr Amt an.

Jugendrat[Bearbeiten]

Der Bürstädter Jugendrat ist ein politisches Gremium, dessen zentrale Aufgabe es ist, die Jugendlichen und deren Interessen gegenüber den politischen Entscheidungsträgern der Stadt zu vertreten. Die direkt gewählten Jugendlichen haben ein Anhörungs-, Rede- und Antragsrecht in der Stadtverordnetenversammlung und in den verschiedenen Ausschüssen. Darüber hinaus plant der Jugendrat Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen speziell für die Jugendlichen aus Bürstadt. Der Jugendrat setzt sich aus mindestens 6 und höchstens 15 Mitgliedern zusammen, die am Wahltag zwischen 12 und 21 Jahre alt sind. Sie werden für zwei Jahre gewählt.

Im derzeitigen Jugendrat sind 15 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 20 Jahren aktiv.

Wappen[Bearbeiten]

Das Lorscher Spitznagelkreuz erinnert an die Zugehörigkeit zum Kloster Lorsch von 767 bis 1232. 1461 wurde Bürstadt an die Kurpfalz verpfändet, daher das silberblaue gerautete Schildhaupt. 1632 kam es an Kurmainz zurück, und ab 1803 gehört es zum Großherzogtum Hessen, deshalb das rote Feld unter dem Wappen.

Bürstadt darf dieses Wappen seit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1967 tragen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es bestehen seit 1974 mit Krieglach (Österreich) und seit 1982 mit Wittelsheim (Frankreich) Partnerschaften. 1984 wurde mit Minano (Japan) ein Freundschaftsvertrag geschlossen, 1991 mit Glauchau.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Turmbahnhof Bürstadt

Bürstadt liegt im Norden der Metropolregion Rhein-Neckar an den Bundesstraßen 47 und 44. Die Autobahn 67 ist über die Anschlussstelle Lorsch (Entfernung etwa fünf Kilometer) erreichbar.

Der Turmbahnhof Bürstadt liegt am Kreuzungspunkt von Riedbahn und Nibelungenbahn. (Zuglinien: Mannheim-Frankfurt am Main und Worms-Bensheim). Damit ist der Bahnhof Bürstadts ein Bahnhof, von dem in jede Himmelsrichtung ein Gleis führt.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist etwa 60 km entfernt.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

Bürstadt hat ein solarbeheiztes Waldschwimmbad (Freibad) und eine Leichtathletikanlage mit sechsbahnigem Tartanbelag. Für die Fußballer des VfR Bürstadt wurde ein Fußballstadion mit einer Tribüne für 500 Zuschauer gebaut, im Stadtteil Riedrode und an der Wasserwerkstraße gibt es zwei Kunstrasenplätze. Für die Jugendlichen wurde das Jugendhaus Schillers gebaut. In Bürstadt befindet sich eine Skateanlage sowie ein öffentlicher Basketballplatz.

Sport[Bearbeiten]

Aushängeschild mit großem nationalem Bekanntheitsgrad ist der VfR Bürstadt, der vier Jahre lang der 2. Fußball-Bundesliga angehörte und derzeit (Stand: 28. Spieltag 2013/14) Platz 70 in der Ewige Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga mit 180 Punkten einnimmt. Den größten Erfolg hatte der Verein am 29. Juni 1975, als er mit einem 3:0-Sieg gegen Victoria Hamburg deutscher Fußball-Amateurmeister wurde.[32] Derzeit gibt es nach wenig erfolgreichen Jahren in der sportlichen Bedeutungslosigkeit auf Grund finanzieller Probleme wieder einen Höhenflug bei den Schwarz-Weißen – es gelang der direkte Durchmarsch von der Kreisliga A in die sechstklassige Verbandsliga Süd in Hessen, wo der VfR in der Saison 2013/2014 antrat.

Bildung[Bearbeiten]

Bürstadt hat drei Grundschulen. Die Astrid-Lindgren-Schule befindet sich im Stadtteil Bobstadt, die Schillerschule in Bürstadt und die Betreute Grundschule „Bärenhöhle“ im Stadtteil Boxheimerhof. In Bürstadt befindet sich außerdem die Erich-Kästner-Gesamtschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bürstadt verfügt über ein privates Heimatmuseum mit Werkzeugen und Geräten zur Bodenbearbeitung, Haushaltsgeräten sowie einer alten Schreinerwerkstatt.[33]

Im Ortszentrum befindet sich das 1608 erbaute historische Rathaus, in dem die Gemeindeverwaltung bis 1930 untergebracht war. In der Zeit von 1996 bis 1999 wurde es umfangreich saniert.[34]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Blick über die Photovoltaikanlage (5 MW) auf dem Dach der Fiege-Spedition

Bürstadt ist seit 2004 der Standort der zum Zeitpunkt ihrer Erbauung größten Dachphotovoltaikanlage der Welt (5 MW auf 45.000 m² Dachfläche), die auf dem Dach eines Logistikunternehmens errichtet wurde. Sie wurde am 28. Juni 2009 bei einem Brand teilweise zerstört und ist mittlerweile wiederhergestellt.[35][36]

An Bürstadt angrenzend, im Ortsteil Rosengarten von Lampertheim, steht eine 380-kV-Umspannanlage der Amprion GmbH, die am 4. Oktober 1957 im Zuge der Inbetriebnahme der Leitung Rommerskirchen-Bürstadt-Hoheneck, der ersten deutschen 380-kV-Leitung in Betrieb genommen wurde.

Zwischen Bürstadt und dem Stadtteil Bobstadt steht seit 2007 eine Biogasanlage, die mit zwei Kraftwerken (jeweils 1130 kW) die Region mit Strom versorgt.

Bürstadt ist Sitz des zur Paderborner Welle Holding gehörenden Möbelherstellers und IKEA-Zulieferers Bürstadt Furniture.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Bürstadt geboren[Bearbeiten]

Mit Bürstadt verbunden[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bürstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bürstadt – Reiseführer
 Wiktionary: Bürstadt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamensbuch – Starkenburg, Darmstadt 1937, S. 100–101
  3. a b c d e f g h i j k l Chronik der Stadt Bürstadt. Magistrat der Stadt Bürstadt, archiviert vom Original, abgerufen am 26. April 2015.
  4. Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues, Darmstadt 1812. S. 178ff (online bei google books)
  5. Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Deütschland seit hundert jahren: abth. Deütschland vor fünfzig jahren., Voigt & Günther, 1862. S. 358ff (online online bei google books)
  6. Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues, Darmstadt 1812. S. 219ff (online bei google books)
  7. M. Borchmann, D. Breithaupt, G. Kaiser: Kommunalrecht in Hessen. W. Kohlhammer Verlag, 2006, ISBN 3-555-01352-1, Seite 20 (Online bei google books)
  8. Johann Andreas Demian: Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen, Le Roux, 1825, Band 2, S. 46 (digitale Ansicht)
  9. Georg W. Weber: Oktober 1829: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1, S. 32 (digitale Ansicht)
  10. W. Weber, 1829, S. 23
  11. W. Weber, 1829, S. 201
  12. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, Nauenburg 1845, Band 1, S. 223 (online bei Hathi Trust, digital library)
  13. Johann Friedrich Kratzsch, Band 1, S. 181
  14. Johann Friedrich Kratzsch, Band 2, S. 419
  15. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  16. Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Jonghans, Darmstadt 1854, Seite 335 (online bei google books)
  17. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. 1869, Seite 18 (online bei google books)
  18. Denkmalprojekt: Verlustlisten 1870–17, abgerufen im Januar 2015
  19. Martin Kukowski: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Überlieferung aus dem ehemaligen Grossherzogtum und dem Volksstaat Hessen. Band 3, K.G. Saur, 1998, Seite 23, ISBN 3-598-23252-7
  20. a b Zeittafel der Gemeinde Biblis. (1900–1944). Gemeinde Biblis, archiviert vom Original, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  21. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Frisches Birkengrün, wehende Fahnen. S. 66, archiviert vom Original, abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  22. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. 2007, S. 109, archiviert vom Original, abgerufen am 9. Februar 2015 (PDF; 9,0 MB).
  23. a b c d e Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Bürstadt, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 8. Dezember 2012, abgerufen am 16. April 2013.
  24. Geschichte der jüdischen Gemeinde Bürstadt auf „Alemannia Jusaica“, abgerufen am 10. Dezember 2014
  25. Artikelserie des Bergsträßer Anzeigers aus dem Jahr 2005 über das Kriegsende an der Bergstraße. Bergstraße und Bürstadt. Bergsträßer Anzeiger, archiviert vom Original, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  26. Verleihung des Rechts zur Führung der Bezeichnung Stadt vom 1. Juni 1967 (StAnz. S. 739) Seite 11 der tif-Datei 6,5 MB
  27. K.-H. Gerstenmeier (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 202
  28.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 348.
  29. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197–211)
  30. Verordnung über die Umbildung von Amtsgerichtsbezirken vom 11. April 1934 (Hess. Reg.Bl. S. 63)
  31. Hessisches Statistisches Landesamt
  32. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. 1975: Der „Hexer“ verzaubert Bürstadt. S. S 23, archiviert vom Original, abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  33. Heimatmuseum Bürstadt, abgerufen am 31. Juli 2014
  34. Historisches Rathaus Bürstadt, abgerufen am 31. Juli 2014
  35. DGS kommentiert Brand der weltgrößten Photovoltaik-Aufdachanlage in Bürstadt und warnt vor weiteren Gefahren.
  36. SolarServer vom 22. Dezember 2009: Photovoltaik: BP Solar und Tauber-Solar einig über weitere Vorgehensweise für Solar-Dach in Bürstadt