Bütgenbach

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Bütgenbach
BE Buetgenbach COA.svg Flagge Buetgenbach.svg
Bütgenbach (Lüttich)
Bütgenbach
Bütgenbach
Staat: Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Lüttich
Bezirk: Verviers
Koordinaten: 50° 26′ N, 6° 12′ OKoordinaten: 50° 26′ N, 6° 12′ O
Fläche: 97,31 km²
Einwohner: 5605 (1. Jan. 2016)
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4750
Vorwahl: 080
Bürgermeister: Emil Dannemark (FBL)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Zum Brand 40
4750 Bütgenbach
Website: www.butgenbach.be
lblelslh
Bütgenbach – Ortszentrum (2016)

Bütgenbach (französisch Butgenbach) ist eine deutschsprachige Gemeinde in der Provinz Lüttich und eine der neun Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien mit einer Einwohnerzahl von 5605 (Stand 1. Januar 2016) auf einer Gesamtgemeindefläche von 97,31 Quadratkilometern. Bütgenbach bildet seit 1977 mit Elsenborn, Berg, Küchelscheid, Leykaul, Nidrum und Weywertz die Großgemeinde Bütgenbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Erwähnung erfuhr Bütgenbach unter den Karolingern im 9. Jahrhundert als Außenposten des Büllinger Hofes. Die erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1130 findet sich in einem Verzeichnis von Abgaben an die Abtei Malmedy. Von 1200 bis 1214 gehörte das Gebiet um Bütgenbach zum Grundbesitz der Grafen von Luxemburg und dann durch Heirat zum Herzogtum Limburg.

Die Herren von Limburg veranlassten 1237 den Bau der Burg Bütgenbach an der Nordseite der Ortschaft auf einem Felsenvorsprung am Ufer der Warche. Somit wurde Bütgenbach Mittelpunkt eines Gebietes, das als Hof Bütgenbach bezeichnet wird. Neben Bütgenbach gehörten zum Hofgebiet die Ortschaften Berg, Elsenborn, Faymonville, Nidrum, Sourbrodt und Weywertz.

1265 kam der Hof durch Erbschaft an das Haus Falkenburg, das auch die Gebiete von Monschau und später auch Sankt Vith besaß. Walram von Falkenburg bewilligte 1300 die Gründung eines Klosters De Porta Coeli (Himmelspforte) auf seinem Gut Bütgenbach. Heute noch besteht an der Straße vom Truppenübungsplatz (Lager Elsenborn) nach Küchelscheid der Flurname Grünkloster, doch konnte bis heute nicht geklärt werden, ob zwischen ihm und der Klostergründung des Walram von Falkenburg ein Zusammenhang besteht. Im Laufe der Zeit ging Bütgenbach nacheinander in den Besitz der Grafen von Vianden und des Hauses Nassau über.

1461 wird Weywertz erstmals in der Form von Wivertz oder Wiverhus erwähnt, was so viel bedeutet wie Weiberhaus. Nach einer alten Überlieferung sollen einst drei Weiber in Weywertz gewohnt und der Siedlung ihren Namen gegeben haben. Um das Haus dieser Weiber oder Frauen soll dann im Laufe der Zeit eine ansehnliche Ortschaft entstanden sein.

1503 erhielt die Familie von Rolhausen die Burg und den Hof Bütgenbach als Lehen von den Nassauern, in deren Besitz sie bis 1786 blieben. 1575 fiel der Besitz unter Christoph von Reiffenberg [1] teilweise einem Brand zum Opfer, doch dessen Sohn Johann stellte ihn 1624 wieder her. 1689 wurde die Burg von den Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. zerstört.

1795 wurden das Hofgebiet Bütgenbach, das gesamte Herzogtum Luxemburg und linksrheinische Teile des Heiligen Römischen Reiches von den Franzosen annektiert (bis etwa 1815 – Franzosenzeit). Während der Besatzungszeit wurde die Burg Bütgenbach endgültig zerstört. Was von der Burg an der Warche übrig geblieben war, wurde abgetragen und beim Bau verschiedener Häuser des Dorfes verwendet.

Auf dem Wiener Kongress (1814–1815) wurden die Grenzen Europas neu gezogen. Bütgenbach gehörte fortan zur Rheinprovinz Preußen. 1893 legte Preußen bei Elsenborn ein Manövergelände mit Eisenbahnanbindung an, den Truppenübungsplatz Elsenborn, der nach dem Ersten Weltkrieg von der belgischen Armee übernommen wurde.

1912 entstand die Eisenbahnlinie Jünkerath-Weywertz. Bütgenbach erhielt einen Bahnhof und somit Anschluss an das weiterführende Eisenbahnnetz.

1920 kamen die Kreise Eupen und Malmedy (mit Sankt Vith) in Folge des Versailler Vertrags an das Königreich Belgien. Zum 1. Januar 1922 trat die belgische Gesetzgebung für diesen Raum in Kraft.[2]

Vennquerbahn-Brücke in Bütgenbach

1920 wurde das Gebiet Bütgenbach auf vier Gemeinden aufgeteilt:

Das gesamte Gebiet Ostbelgiens wurde bis 1925 unter die Verwaltung des von der belgischen Regierung eingesetzten Hochkommissars General Herman Baltia gestellt. 1925 erfolgte die Eingliederung in den belgischen Staatsverband.

Im Mai 1940 (Westfeldzug) eroberte die Wehrmacht die Benelux-Staaten. Am Morgen des 10. Mai sprengten belgische Einheiten zahlreiche hierfür vorbereitete Brücken und lösten andere Hindernisse und Straßensperren aus. Eine einzige Brücke – bei Bütgenbach – konnte von einem Vorauskommando der Wehrmacht unzerstört erobert und gehalten werden.

Pfarrkirche in Weywertz (OT von Bütgenbach)

Das Gebiet Bütgenbach mit Eupen–Malmedy wurde vom Deutschen Reich annektiert (1942 wurden die dortigen Männer zum Kriegsdienst eingezogen). Ab 9. September 1944 wurde Bütgenbach von US-Truppen befreit.[3] Während der Ardennenoffensive (ab 16. Dezember 1944 - Januar 1945) hatte General Eisenhower dort für einige Tage Quartier bezogen. Bei Bütgenbach fielen 458 Soldaten der 1. US-Infanterie-Division.[4] Nach Kriegsende wurde das Gebiet wieder unter belgische Hoheit gestellt.

Letztmals regelte der Deutsch-Belgische Grenzvertrag von 1956 unter anderem die Rückgabe bestimmter Teilgebiete auf dem Gemeindegebiet zwischen Belgien und Deutschland. Dies erfolgte am 28. August 1958 (BGBl. II S. 262).

Infolge der Gemeindefusionen im Jahr 1977 umfasst die Gemeinde Bütgenbach nunmehr die Ortschaften Berg, Bütgenbach, Elsenborn, Küchelscheid, Leykaul, Nidrum und Weywertz.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Stephanus in Bütgenbach
Bütgenbach am Stausee der Warche
  • Die Bütgenbacher Talsperre mit der Sportinfrastruktur Worriken.
  • Die Pfarrkirche zum Heiligen Stefanus in Bütgenbach, die 1932[5] eingeweiht wurde, der Architekt war Henry Cunibert
  • Die wilden Narzissenwiesen entlang des Warche- und des Holzwarchetales.
  • Die Wanderpfade um den See, durch Täler und Wälder.
  • Die Pfarrkirche zum Heiligen Michael in Weywertz, die 1959 eingeweiht wurde.
  • Das Hohe Venn.
  • Herba Sana (2 ha didaktischer Kräutergarten)

Die Bahntrasse der ehemaligen Vennquerbahn ist zu einem Wander-und Radverkehrsweg ausgebaut (RAVeL-Netz-Linie 45a Waimes-Jünkerath), mit Anschluss sowohl in Weywertz an die Vennbahnstrecke als auch in Jünkerath an das deutsche Radwegenetz.[6]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Elsenborner Kulturzentrum Herzebösch ist das regionale Studio des Hörfunksenders Radio 700 beheimatet. Er ist in den Gemeinden Bütgenbach, Büllingen, Amel und den Gemeinden auf der Frequenz 90,1 MHz sowie in Burg-Reuland und St. Vith auf UKW 101,7 MHz zu empfangen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Tourismus und der Gastronomie erzielen die lokalen Handwerksbetriebe, auch durch das militärische Übungsgelände Elsenborn und die dort übenden Truppen Einkommen.

Der wallonische Raumordnungsminister André Antoine (CDH) hat die Durchführung privater Munitionstests durch MECAR auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn per Erlass vom 5. Juni 2008 untersagt. Es waren gesundheitliche Gefahren und eine Verschmutzung des Trinkwassers befürchtet worden, auch verbunden mit einem Rückgang im Tourismusgeschäft.

Am 20. Mai 2011 gab der Staatsrat eine Globalgenehmigung für Munitionstests in Elsenborn, er folgte hiermit den Argumenten der Rüstungsfirma Mecar.[7] Die Bürgerinitiative „Stop Mecar“ soll wieder reaktiviert werden.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Willems: Geschichte der Pfarren von Elsenborn und Nidrum. Festschrift aus Anlass der doppelten Jubelfeier: 150 Jahre Pfarre und 100 Jahre Kirchen-Neubau Elsenborn (= Ostbelgische Chronik. Band 3, Teil 1). G. Gerson, Malmedy 1955, DNB 368695441.
  • Ludwig Lejoly, Walter Schomus: Geschichte der Pfarren von Elsenborn und Nidrum. Festschrift aus Anlass der doppelten Jubelfeier: 150 Jahre Pfarre und 100 Jahre Kirchen-Neubau Elsenborn (= Ostbelgische Chronik. Band 3, Teil 2). G. Gerson, Malmedy 1957, DNB 36869545X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bütgenbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baron Christoph von Reiffenberg, der letzte Bütgenbacher Schultheiß und Hofbesitzer dieser Familie. In: Das Land von Malmedy und St. Vith. Gesammelte Aufsätze zu seiner Geschichte und Kultur (= Ostbelgische Chronik). Band 5, 1962, S. 61–69.
  2. www.butgenbach.be
  3. zvs.be
  4. Butgenbach, 1st Infantry Division Big Red One Obelisk (Memento vom 10. Dezember 2013 im Internet Archive) auf World War Tours
  5. Pfarrkirche zum Heiligen Stefanus
  6. Ganz locker über 28 Brücken radeln, Kölnische Rundschau, abgerufen am 6. Juni 2011
  7. Bericht in der Tageszeitung Grenz-Echo zu Mecar vom 20. Mai 2011
  8. Bericht in der Tageszeitung Grenz-Echo zur Reaktivierung Stop Mecar vom 25. Mai 2011