B.1.617

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
SARS-CoV-2-Varianten mit Subkladen von B.1.617, offizielle Veröffentlichung von CDC

B.1.617, mit Subkladen Kappa: B.1.617.1 und Delta: B.1.617.2 (auch bekannt als G/452R.V3) ist eine durch Mutationen entstandene Variante des Coronavirus SARS-CoV-2, welche auch unter dem Synonym „Indische Variante“ bekannt ist. Diese Kombination aus britischer und südafrikanischer Variante von SARS-CoV-2 wurde erstmals bei Stichproben im indischen Subkontinent aus dem Bundesstaat Maharashtra nachgewiesen. Sie wurde am 5. Oktober 2020 entdeckt und war relativ unauffällig, bis sie ab Januar 2021 in immer mehr Proben auftauchte. In Großbritannien wurde sie erstmals am 22. Februar 2021 nachgewiesen, in Deutschland wurde sie dem Vernehmen nach das 1. Mal im März 2021 identifiziert.[1][2]

Da die Klade B.1.617 zwei Mutationen (E484Q und L452R) kennzeichnet – beide betreffen das Spike-Protein des Virus – wird diese Virusvariante auch als „Doppelmutante“ bezeichnet. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) werden diese Veränderungen mit einer „reduzierten Neutralisierbarkeit durch Antikörper oder T-Zellen in Verbindung gebracht, deren „Umfang nicht eindeutig“ geklärt sei. Die Wissenschaftler untersuchten die Übertragbarkeit mit Hilfe pseudotypisierter, vesikulärer Stomatitis-Viren (VSV), die entweder das Spike-Protein des Wildtyps von SARS-CoV-2 oder das Spike-Protein der Varianten B.1.617 oder B.1.351 exprimierten.[3][4]

13 Mutationen führen zu Aminosäureveränderungen bei B.1.617. Die bedeutendsten Subtypen sind B.1.617.1 (Variante Kappa, κ) und B.1.617.2 (Variante Delta, δ).

Risikobewertung der Delta-Variante (Subklade B.1.617.2)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übertragbarkeit zwischen Menschen: Es gibt In-vitro-Beweise, die auf eine erhöhte Replikation in biologischen Systemen wie z. B. den menschlichen Atemwege hinweisen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante von SARS-CoV-2 deutlich übertragbarer ist als die Alpha-Variante des Virus.[5]

Schweregrad der Infektionen: Erste Erkenntnisse aus England und Schottland deuten darauf hin, dass es ein erhöhtes Risiko für einen Krankenhausaufenthalt bei Delta-Infizierten im Vergleich zu zeitgleich Alpha-Infizierten gibt. In einigen Gebieten gibt es erste Anzeichen für einen Anstieg der Krankenhauseinweisungen.[5]

Immunität nach natürlicher Infektion: Neutralisationstests anhand von Pseudoviren und Lebendviren unter Verwendung von Rekonvaleszentenseren aus der ersten Corona-Welle und von Alpha-Infektionen zeigen eine Verringerung der Neutralisation von krankmachenden SARS-CoV-2-Coronavieren. Nationale Überwachungsdaten zur Reinfektion mit SARS-CoV-2 werden derzeit analysiert. Es gibt keinen Anstieg der Reinfektionszahlen in der nationalen, britischen SIREN-Studie[6] (englisch Sarscov2 Immunity & REinfection EvaluatioN), deren Zweck es ist zu verstehen, ob eine vorherige Infektion mit SARS-CoV2 (das Virus, das COVID-19 verursacht) vor einer zukünftigen Infektion mit dem gleichen Virus schützt.[5]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung in Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medienberichten zufolge seien bis Mitte April 2021 von dieser Virusvariante bereits 60 Prozent der neuen COVID-19-Erkrankungen in Maharashtra verursacht worden; am 15. April 2021 wurde dort mit 200.739 Neuinfektionen zum siebten Mal in nur acht Tagen ein neuer Höchstwert registriert.[7][8] Die Zahl der zu behandelnden Kinder, vor allem in der Altersgruppe zwischen ein und fünf Jahren, sei stark gestiegen. Behörden meldeten, religiöse Großveranstaltungen und Wahlkampfkundgebungen seien zu Superspreading-Events geworden. Von den indischen Behörden wurden Anfang des Jahres 2021 in der Hoffnung, in der Corona-Krise sei das Schlimmste überwunden, viele Auflagen gelockert und Veranstaltungen von großen Hochzeitsfeiern über Cricketspiele bis zu religiösen Versammlungen wieder erlaubt. Bei der Kumbh Mela, einer der größten religiösen Feiern der Welt, drängten sich Millionen Pilger dicht an dicht; viele trugen dabei keine Atemschutzmaske. Fachleute führen auch die hohe Bevölkerungsdichte (über 400 Einwohner pro km²) und eine allgemein schlechte Gesundheitsversorgung als Faktoren an. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit könnte eine Rolle gespielt haben. Es mangelte an medizinischem Sauerstoff; besonders in Neu-Delhi war die Lage dramatisch.[9]

Nach Angaben des Direktors des Zentrums für Zell- und Molekularbiologie in Hyderabad, Rakesh Mishra, hat sich die indische Mutante bislang erfolgreicher verbreitet als andere Virus-Varianten. Wissenschaftler an der Universität Washington analysierten Anfang Mai 2021, dass die Anzahl der COVID-19-Toten in Indien fast um den Faktor 3 höher ist als die offiziell angegebene Anzahl.[10] Insgesamt sei es nicht einfach nachzuvollziehen, was in Indien geschehe, so der RKI-Chef Lothar Wieler. Er verwies auch darauf, dass dort Schutzmaßnahmen gelockert worden seien, weil sonst die Gefahr zu groß gewesen wäre, dass Menschen verhungerten.[11] Immer wieder kam es zu Infektionsketten, etwa im Bundesstaat Uttar Pradesh, in dem mehr Menschen leben als in Brasilien.[12]

Die staatliche Institution Indian Council of Medical Research hielt Krankenhäuser dazu an, bei Patienten mit einer Corona-Infektion, mit präexistierendem Diabetes oder einer Immunschwäche auf frühe Symptome einer seltenen Pilzkrankheit mit hoher Todesrate zu achten.[13] Das Immunsystem gesunder Menschen kann Mukormykose-Sporen meist abwehren. COVID-Patienten sind für den Pilz besonders anfällig, weil bei ihnen manchmal ein Zytokinsturm auftritt: Das Immunsystem reagiert über und greift körpereigene Organe an. Auch die übermäßige Verabreichung von Steroiden an Corona-Patienten ist ein Risikofaktor. Laut der Public Health Foundation of India kommen Steroide „übertrieben und unangebracht“ zum Einsatz.[14]

Es mangelte an Impfstoff bei der riesigen Zahl von fast 1,4 Milliarden Einwohnern, obwohl Indien einer der weltweit größten Produzenten von COVID-19-Vakzinen ist. Indien hatte selbst hergestellte Impfdosen in großen Mengen international verkauft.[15]

In Indien hat sich das Coronavirus SARS-CoV-2 rasant ausgebreitet; dessen zuerst in Indien nachgewiesene Variante B.1.617 wurde inzwischen auch in 44 anderen Ländern nachgewiesen. Es sei aber „völlig falsch“, erklärte das indische Informations- und Technologie-Ministerium, wenn Inhalte im Internet zirkulieren, die verbreiten, dass sich eine „indische Variante“ des Coronavirus in anderen Ländern ausbreite. Am 21. Mai 2021 forderte deshalb die indische Regierung die Internet-Plattformen auf, Inhalte zu löschen, in denen diese Formulierung verwendet wird. Begründet wurde diese Forderung damit, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Variante B.1.617 nicht mit einem bestimmten Land in Verbindung bringe.[16]

Verbreitung des Subtyps B.1.617.2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Subtyp B.1.617.2 von B.1.617 (Delta-Variante von SARS-CoV-2) war bereits im Mai 2021 die in Indien dominierende Variante (→ COVID-19-Pandemie in Indien). Die einmalige Impfung mit den Corona-Impfstoffen der Pharmaunternehmen AstraZeneca (AZD1222) und BioNTech (Tozinameran) ist offenbar weniger wirksam als bei der im Mai 2021 in Europa noch vorherrschenden Variante B.1.1.7.[17]

Verbreitung in Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. März 2021 wurde die Variante B.1.617 im Großbritannien erstmals nachgewiesen.[18] Großbritannien stufte am 7. Mai 2021 die B.1.617-Variante als „besorgniserregend“ ein, da sie sich in Großbritannien ausbreitet und es zunehmend Hinweise auf lokale Ausbrüche gibt.

In vielen Regionen Englands sind B.1.617-Fälle festgestellt worden. Die kumulative Zunahme seit dem ersten Nachweis ist höher als bei allen anderen VOC oder VUI.[19]

B.1.617 war (Stand 12. Mai 2021) in 44 Ländern gefunden worden. Die Variante B.1.617 soll in mehr als 4500 Proben einer Datenbank nachgewiesen worden sein, teilte die WHO mit.[20] Am 10. Mai 2021 stufte die WHO die Klassifikation der Variante von „Variante von Interesse“ (variant of interest) zu „besorgnisrerregende Variante“ (variant of concern) hoch. Zur Begründung hieß es, dass B.1.617 möglicherweise ansteckender sei als das unmutierte Virus und dass die Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe gegen diese Variante unsicher sei.[21] Die Variante habe sich als ansteckender erwiesen als andere Subtypen des Coronavirus, teilte die Gesundheitsbehörde Public-Health-England (PHE) mit. Je mehr Infektionen stattfinden, desto höher ist nicht nur das Risiko, dass Mutationen weniger gefährliche Virustypen verdrängen. Auch das Risiko, dass sich impfstoff-resistente Fluchtmutationen bilden, steigt.[22]

Wegen der Ausbreitung von B.1.617 stufte die deutsche Bundesregierung am 23. Mai 2021 das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland einschließlich der Isle of Man, aller Kanalinseln und aller britischen Überseegebiete als Virusvariantengebiet ein. In Europa ist Großbritannien das erste Land seit einiger Zeit, das wieder zum Virusvariantengebiet erklärt wurde. In diese höchste Risikokategorie fallen neben Großbritannien (Stand: 23. Mai 2021) nur elf Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika. In Deutschland machte B.1.617 Anfang Mai 2021 rund 2 % der sequenzierten Proben aus. Seit Mitte April 2021 beobachtet das RKI einen kontinuierlich steigenden Anteil.[23] Diese Untervariante erfordere „besondere Aufmerksamkeit“, hieß es. Der Anteil von B.1.617 ist bereits höher als der der Varianten Lineage P.1 (Brasilien) und 501.V2 (Südafrika).[24]

Verbreitung und Pathogenität des Subtyp B.1.617.2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2021 war der Subtyp B.1.617.2 von B.1.617 (Delta-Variante von SARS-CoV-2) die in Indien bereits gegenüber anderen Varianten des „neuartigen“ Coronavirus vorherrschende Variante;[17] nun ist die Delta-Variante auch für Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 in mehrerem Städten Mittelenglands, aber auch im Westlondoner Bezirk Hounslow sowie in der schottischen Großstadt Glasgow verantwortlich. In der in Mittelengland gelegenen Kleinstadt Bolton verursachte B.1.617.2 den Großteil der Neuinfektionen.[25]

Entsprechend dem Kentnissstand der englischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) Anfang Juni 2020 kann die Delta-Variante häufiger zu schwereren Covid-19-Erkrankungen führen als die die zunächst in Großbritannien entdeckte Alpha-Variante (B.1.1.7) des Virus. Einige Regionen zeigten bereits einen Anstieg von Krankenhauseinlieferungen. Deutlichere Belege gebe es hingegen dafür, dass die Delta-Variante deutlich infektiöser (ansteckender) als die Alpha-Variante ist. Die englische Gesundheitsbehörde geht aufgrund verschiedener Analysen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer »substanziell erhöhten Wachstumsrate« aus. Wissenschaftler, unter anderem des nationalen indischen Zentrums für Krankheitskontrolle (englisch National Centre for Disease Control) in Neu Delhi, gehen davon aus, dass die Übertragbarkeit der Delta-Variant um 50 Prozent höher ist als bei der Alpha-Variante.[26]

Die einmalige Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff AZD1222 bzw. mit dem Biontech-Impfstoff Tozinameran erwies sich als weniger wirksam zur Verhinderung eines schweren Verlaufs der COVID-19-Erkrankung als bei der zuerst in Großbritannien nachgewiesenen und in Europa im Mai 2021 noch vorherrschenden Virusvariante B.1.1.7.[17] Großbritannien und Nordirland sahen sich daher Mitte Mai 2021 dazu veranlasst, das Impfintervall für über 50jährige von 12 Wochen auf 8 Wochen zu verkürzen.[27]

Verbreitung in anderen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende April 2021 wurde die Variante B.1.617 in mehreren Ländern nachgewiesen, darunter dem Vereinigten Königreich (erstmals am 22. Februar 2021), den Vereinigten Staaten (23. Februar 2021), Singapur (26. Februar 2021), Deutschland (1. März 2021), Australien (16. März 2021), Belgien (25. März 2021) und der Schweiz (29. März 2021).[18][28]

Verbreitung des Subtyps B.1.617.2 in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Hochhaus der Stadt Velbert in Nordrhein-Westfalen wurde B.1.617.2 im Mai 2021 bei 27 Menschen nachgewiesen. Betroffen waren insgesamt sieben Familien. Vermutlich habe es eine Ansteckung im Aufzug des Hochhauses gegeben.[29]

Wirkung von Impfstoffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine vorveröffentlichte Studie schloss aus der Analyse von Neutralisationstests von Genesenen oder mit mRNA-Impfstoffen Geimpfter, dass die Schutzwirkung dieser Impfstoffe gegenüber B.1.617 wahrscheinlich erhalten bleibe. Veränderte Spike-Proteine führten zu einer „geringfügig reduzierten Empfindlichkeit“ gegenüber den durch die Impfung gebildeten Antikörpern. Die Impfstoffe, die bisher in der EU zugelassen sind, scheinen auch bei der sogenannten indischen Variante gut zu funktionieren. Die Immunantwort sei so breit, dass sie auch gegen diese Variante schütze.[30]

Jüngere Menschen seien durch ihre höhere Mobilität dem Risiko einer ansteckenderen Variante stärker ausgesetzt, sagte der Public-Health-Experte Richard Jarvis.[31]

Bei dem beobachteten Anstieg könnte B.1.617 schon Ende Mai oder Anfang Juni 2021 in London die dominierende Variante sein, sagte die Epidemiologin Deepti Gurdasaniim von der Queen Mary University in London am 6. Mai gegenüber der Zeitung The Guardian.[32]

„Die Daten von britischen Wissenschaftlern weisen darauf hin, dass die indische Variante 30 bis 50 Prozent ansteckender ist als die britische Variante B.1.1.7. Wenn wir die indische Variante jetzt bekämen, wäre das schwieriger für uns, weil wir weniger Impfdurchdrängung haben als die Engländer.“

Karl Lauterbach, Gesundheitspolitiker[33]
Impfstoffname Land Firma Effizienz zwei Wochen nach zweiter Dosis
Covaxin Indien Bharat Biotech Effizient
Tozinameran Deutschland & USA Pfizer / Biontech Effizient zu 88 % bei B.1.617.2 und 93 % bei B.1.1.7
Vaxzevria UK & Schweden AstraZeneca Effizient zu 60 % bei B.1.617.2 und 66 % bei B.1.1.7
Coronavac China Sinovac Biotech keine Info
mRNA-1273 USA Moderna Effizient
Sputnik V Russland Biocad keine Info

Die Rechnung bezieht sich nicht auf die Zahl der Geimpften oder aller Studienteilnehmer, sondern auf die Zahl der Infizierten (relative Risikoreduktion).[34]

Laut einer vorveröffentlichen Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) geht hervor, dass der Impfstoff von BioNTech/Pfizer demnach zwei Wochen nach der zweiten Dosis mit 88 % Effektivität gegen eine Erkrankung durch B.1.617.2 schützt, verglichen mit 93 % bei der britischen Variante. Bei AstraZeneca liegt der Effekt gegen eine Erkrankung durch B.1.617.2 bei 60 %, verglichen mit 66 % bei B.1.1.7. Beide Impfstoffe wiesen den Angaben zufolge drei Wochen nach der Erstimpfung bei B.1.617.2 eine Effektivität von 33 % auf, während sie bei der britischen Variante zu dem Zeitpunkt bei rund 50 % lag.[35]

Eine vorveröffentlichte Studie der New York University überprüfte im Labor, inwieweit sich Antikörper von Genesenen und mit Moderna oder Biontech-Geimpften an mutierte Virusproteine binden. Es stellte sich dabei heraus, dass die Wirksamkeit der Antikörper bei B.1.617 und B.1.617.2 zwar etwas geringer ausfiel als beim ursprünglichen Erregertyp, gegen den die Impfstoffe entwickelt wurden. Eine Schutzwirkung sei aber laut den Forschern weiterhin vorhanden.[36]

Eine vorveröffentlichte Untersuchungen mit Covaxin kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Die Neutralisation von B.1.617.2 war etwas geringer verglichen mit der Ursprungsvariante, und zwar um das 2-fache niedriger und damit weniger beeinträchtigt als bei der südafrikanischen oder brasilianischen Variante.[37]

Eine vorveröffentlichte Studie deutscher Wissenschaftler an Hamstern zeigte zudem schwerere Lungenentzündungen bei den Tieren als beim ursprünglichen Wildtypus. Allerdings ist anzumerken, dass sich die Ergebnisse nicht einfach auf den Menschen übertragen lassen.[38]

„Ein Grund zur Sorge, dass die Impfungen durch diese Virusvariante ihre Wirksamkeit verlieren, besteht aktuell nicht“

Leif-Erik Sander, Impfstoffforscher an der Berliner Charité[39]

Mutationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

13 Mutationen führen zu Aminosäureveränderungen bei B.1.617.

Die Klade wird nochmals in die Subkladen B.1.617.1, B.1.617.2 und B.1.617.3. eingeteilt. Diese haben Mutationen an den Positionen 452 und 681 des Spike-Proteins gemeinsam, ansonsten unterscheiden sie sich aber genetisch deutlich. Es gibt epidemiologische Hinweise darauf, dass die Untervariante B.1.617.2 eine erhöhte Übertragbarkeit aufweist, die zumindest der Übertragbarkeit von B.1.1.7 gleichkommt. Solche Genveränderungen werden auch Fluchtmutationen genannt.[40]

Ribonukleinsäure

E484Q: Durch sie wird an Position 484 des Spikeproteins die Aminosäure Glutaminsäure (E) durch Glutamin (Q) ersetzt. Mutationen an Position 484 sind in den Varianten B.1.351 (Südafrika), Lineage P.1 (Brasilien) und teilweise auch in der britischen Variante B.1.1.7 aufgetreten. (E484K)

Die Veränderungen in den Aminosäuren, den Bausteinen des Spikeproteins, sind bei den genannten weiteren Mutanten nicht identisch. Das könnte auch erklären, warum die Antikörperneutralisation bei B.1.617 nicht so stark reduziert ist, wie bei B.1.351.[41]

L452R und P681R: Durch sie wird an Position 452 des Spikeproteins die Aminosäure Leucin (L) durch Arginin (R) ersetzt. Die Mutation 681 führt dazu, dass die indische Variante die infektionsbedingte Zellfusion verstärkt.[42]

In Vietnam wurde ein neuer Strang des Coronavirus entdeckt. Nach Angeben der WHO handele es sich nicht um eine neue Variante. Die bei Gen-Sequenzierungen gefundene Mutation sei vielmehr ein Strang der zuerst in Indien aufgetretenen Variante B.1.617. Sie weise einige weitere Mutationen auf und werde nun intensiv beobachtet.[43]

Exakte Mutationen in B.1.617
Gen Nukleotide Aminosäure
ORF1ab T749I
T77A
P323L
M429I
K259R
T93M
Spike G142D
E154K
L452R
E484Q
D614G
P681R
Q1071H
H1101D
orf3a S26L
orf6 I33T
orf7a V82A
Haseltine/ Forbes[44]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: indische Variante – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. COVID-19: Wie gefährlich ist die „indische“ Variante B.1.617? In: aertzteblatt.de. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung, 20. April 2021, abgerufen am 14. Mai 2021.
  2. Andreas Babst: Indien hat eine neue Corona-Mutation – und braucht den Impfstoff nun selber. In: Neue Zürcher ZeitungOnline. 25. März 2021, abgerufen am 24. April 2021: „Indien schlittert in die zweite Welle der Pandemie. Das hat globale Auswirkungen.“
  3. Wie gefährlich ist B.1.617? In: Deutschlandfunk. 11. Mai 2021, abgerufen am 13. Mai 2021.
  4. Theo Dingermann: Indische Variante B.1.617 als »besorgniserregend« eingestuft. In: Pharmazeutische Zeitung. 11. Mai 2021, abgerufen am 13. Mai 2021.
  5. a b c June 2021 Risk assessment for SARS-CoV-2 variant: Delta (VOC-21APR-02, B.1.617.2). (PDF). In: Tabellarische Übersicht. Hrsg.: »Public Health England«, 3. Juni 2021, abgerufen am 9. Juni 2021 (englisch, Aktuelle Risikoeinschätzung zur Delta-Variante von SARS-CoV-2 vom 3. Juni 2021, herausgegeben von Public Health England, der Exekutivagentur des Ministeriums für Gesundheit und Soziales im Vereinigten Königreich).
  6. SIREN (Sarscov2 Immunity & REinfection EvaluatioN): The impact of detectable anti SARS-COV2 antibody on the incidence of COVID-19 in healthcare workers
  7. Coronavirus in Indien: 200.739 Neuinfektionen an einem Tag. In: tagesschau.de. 15. April 2021, abgerufen im Mai 2021.
  8. Tabassum Barnagarwala, Anuradha Mascarenhas: Explained: B.1.617 variant and the Covid-19 surge in India. In: The Indian Express. 27. April 2021, abgerufen am 16. April 2021 (englisch).
  9. Wie gefährlich ist B.1.617? In: Deuthsclandfunk. 21. Mai 2021, abgerufen am 21. Mai 2021.
  10. COVID-19 may already have killed 650,000 people in India through May 5: Report. In: DownToEarth. 7. Mai 2021, archiviert vom Original am 8. Mai 2021; abgerufen am 16. Mai 2021 (englisch).
  11. Neumeyer, Schaefer, Wendt, Grieß: Dramatische Corona-Lage in Indien: Fast 400.000 Neuinfektionen und mehr als 3600 Todesfälle. In: HNA. Verlag Dierichs, 30. April 2021, abgerufen am 17. Mai 2021.
  12. Indische Corona-Variante ist „besorgniserregend“. In: Deutsche Welle. 10. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2021.
  13. Gudrun Heise: Indien: Gefährliche Pilzinfektion bei Corona-Patienten. In: Deutsche Welle. 12. Mai 2021, abgerufen am 18. Mai 2021.
  14. Schwarzer Pilz bedroht Corona-Patienten in Indien. br.de, 22. Mai 2021.
  15. spiegel.de 16. April 2021: „Hunderttausende Menschen [baden] im heiligen Fluss Ganges im Rahmen des weltgrößten religiösen Festes […], oft ohne Masken und Abstand.“ Der Ganges ist der heiligste Fluss der Hindus.
  16. APA/AFP: Indische Regierung verbietet Begriff „indische Variante“. In: DiePresse. 22. Mai 2021, abgerufen am 23. Mai 2021.
  17. a b c B.1.617.2 becoming dominant variant in India, finds genome sequencing. In: indiatoday.in. 24. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2021.
  18. a b Gudrun Heise: The COVID variant from India: What we know so far. Deutsche Welle, 21. April 2021, abgerufen am 11. Mai 2021 (englisch).
  19. Peter Stäuber: Indische Mutation in England: Wettlauf gegen die Zeit. In: Berliner Morgenpost. 18. Mai 2021, abgerufen am 21. Mai 2021.
  20. spiegel.de: Großbritannien stuft Mutante aus Indien als »besorgniserregend« ein
  21. WHO classifies Indian coronavirus mutation as a ‘variant of concern’. Deutsche Welle, 10. Mai 2021, abgerufen am 11. Mai 2021 (englisch).
  22. Großbritannien stuft Indien-Mutation als „besorgniserregend“ ein – was das für uns bedeutet. In: Focus Online. 11. Mai 2021, abgerufen am 11. Mai 2021.
  23. Bericht zu Virusvarianten von SARS-CoV-2 in Deutschland. RKI, Stand: 12. Mai 2021, abgerufen am 13. Mai 2021.
  24. Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete durch das Auswärtige Amt, BMG und BMI. RKI, 21. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2021 (wird laufend aktualisiert).
  25. Siehe auch: www.bolton.gov.uk/coronavirus
  26. Coronavirus: Wohl höhere Pathogenität bei Delta-Variante. In: Pharmazeutische Zeitung. 5. Juni 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 („Die Delta-Variante des Coronavirus (B.1.617.2) ist vermutlich nicht nur deutlich ansteckender, sondern auch pathogener als andere Varianten und führt häufiger zu Hospitalisierungen. Das meldet die englische Gesundheitsbehörde. Offenbar kann die Variante auch Teilimmunisierte infizieren.“ → Quelle: ebenda).
  27. Over-50s to receive second jab after 8 weeks as alarm grows over the Indian Covid variant. In: independent.co.uk. 14. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2021.
  28. Weekly epidemiological update on COVID-19 – 11 May 2021. WHO, 11. Mai 2021, abgerufen am 22. Mai 2021 (englisch).
  29. Indische Corona-Variante: 27 bestätigte Fälle in Velbert. In: WDR. 24. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2021.
  30. Mehul Suthar et al.: Infection and vaccine-induced neutralizing antibody responses to the SARS-CoV-2 B.1.617.1 variant. bioRxiv. 10 Mai 2021 doi:10.1101/2021.05.09.443299
  31. Ian Sample, Nicola Davis: What do we know about the Indian coronavirus variant? In: The Guardian. 7. Mai 2021, abgerufen am 16. Mai 2021 (englisch).
  32. Christina Hohmann-Jeddi: B.1.617 breitet sich rasant aus. In: Pharmazeutische Zeitung. 14. Mai 2021, abgerufen am 16. Mai 2021.
  33. Julia Klaus: „Indische Variante wäre schwieriger für uns“. In: ZDFheute. 16. Mai 2021, abgerufen am 16. Mai 2021.
  34. Covid-Impfstoff: Was «95 Prozent wirksam» bedeutet. In: medinside.ch. Winsider AG, abgerufen am 24. Mai 2021.
  35. Jamie Lopez Bernal et al.: Effectiveness of COVID-19 vaccines against the B.1.617.2 variant. medRxiv, 24. Mai 2021, doi:10.1101/2021.05.22.21257658
  36. Nathaniel Landau et al.: The Spike Proteins of SARS-CoV-2 B.1.617 and B.1.618 Variants Identified in India Provide Partial Resistance to Vaccine-elicited and Therapeutic Monoclonal Antibodies. bioRxiv, 16. Mai 2021, doi:10.1101/2021.05.14.444076
  37. V. Krishna Mohan: Neutralization of variant under investigation B.1.617 with sera of BBV152 vaccinees. biorxiv, 23. April 2021, doi:10.1101/2021.04.23.441101
  38. Markus Hoffmann et al.: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.05.04.442663v1, abgerufen am 19. Mai 2021.
  39. In Indien entdeckte Coronavirus-Variante: Wie gefährlich ist B.1.617? In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 18. Mai 2021, abgerufen am 18. Mai 2021.
  40. Übersicht und Empfehlungen zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC). RKI, abgerufen am 16. Mai 2021 (wird fortlaufend aktualisiert).
  41. Neue Daten zur SARS-CoV-2-Variante B.1.617 in Indien. In: Science Media Center. 29. April 2021, abgerufen am 15. Mai 2021.
  42. Markus Hoffmann et al.: SARS-CoV-2 variant B.1.617 is resistant to Bamlanivimab and evades antibodies induced by infection and vaccination. In: BioRxiv. 5. Mai 2021, abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch).
  43. https://www.deutschlandfunk.de/corona-laut-who-keine-neue-hybrid-variante-in-vietnam.2850.de.html?drn:news_id=1266120, abgerufen am 5. Juni 2021.
  44. William A. Haseltine: An Indian SARS-CoV-2 Variant Lands In California. More Danger Ahead? In: Forbes. 12. April 2021, abgerufen im Mai 2021 (englisch).