B61 (Kernwaffe)

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B61
Eine B61 in verschiedenen Montagestadien
Eine in Hauptbaugruppen zerlegte B61-Bombe

Die Atombombe B61 war über zwei Jahrzehnte die am weitesten verbreitete Kernwaffe der Vereinigten Staaten. Sie ist als freifallende Fliegerbombe konzipiert und wurde seit 1968 in großer Stückzahl in Europa stationiert. Die B61 ist (mit Ausnahme des Modells 7) die letzte als „taktische Kernwaffe“ konzipierte Bombe im Arsenal der US-Streitkräfte.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die B61, ursprünglich (vor 1968) mit TX-61 bezeichnet, wurde 1963 im Los Alamos National Laboratory in New Mexico entwickelt. Die Produktion begann verspätet 1968 aufgrund von Problemen während der Konstruktion.

Insgesamt wurden 3155 B61 gebaut, von denen im Jahr 2002 noch 1925 Stück im Arsenal waren. Weltweit sind derzeit noch rund 1000 Bomben einsatzfähig, etwa 480 sind in Europa (Vereinigtes Königreich, Belgien, Deutschland, Niederlande) und der Türkei[1] stationiert. Vermutlich sind im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO heute 20 Atombomben dieses Typs in Deutschland beim Taktischen Luftwaffengeschwader 33 der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Büchel in 11 unterirdischen Bunkern gelagert.[2] Weitere 308 Atombomben waren zumindest bis 2005 auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein und den deutschen Luftwaffen-Fliegerhorsten Nörvenich, Büchel und Memmingen (bis 2002) einsatzbereit.

Die Anzahl der stationierten B61-Atombomben wurde seit den 1980er Jahren zugunsten der Konzentration auf U-Boot-gestützte strategische Atomraketen (Submarine Launched Ballistic Missile, SLBM) reduziert. Durch diese Maßnahme verloren freifallende nukleare Fliegerbomben für die Vereinigte Staaten und die NATO an Bedeutung.

Insgesamt wurden neun Versionen der B61 produziert, die sich in der Funktionsweise unterscheiden, äußerlich aber nahezu identisch sind. Bei dem Modell B61 Mod. 10 wurden die Gefechtsköpfe aus den Mittelstreckenraketen Pershing-II wiederverwendet. Der ursprüngliche Sprengkopf der B61 wurde seit seiner Einführung mit Ausnahme einer Sicherung nur wenig verändert.

Die neueste Entwicklung ist die B61 Mod. 11 aus dem Jahre 1997, die als atomarer Bunkerbrecher zur Bekämpfung von unterirdischen Bunkeranlagen entwickelt wurde. Bei diesem Modell wurde die Hülle aus abgereichertem Uran gefertigt, um eine ausreichende Penetrationsleistung in Erdreich und Stahlbeton zu gewährleisten. Technische Detailstudien ergeben jedoch auch für diesen Waffentyp, dass ein Einschluss der Explosion unterhalb der Erdoberfläche nicht erreicht werden kann. Der dadurch hervorgerufene radioaktive Niederschlag macht diese Version zu einer sogenannten „schmutzigen Atombombe“ im Sinne der ursprünglichen Definition.[3][4]

Derzeit ist die Modifikation B61 Mod. 12 für die F-35 Lightning in Entwicklung, da deren Bordelektronik nicht mit den vorhandenen Versionen der B61 kommunizieren kann. Die neue Modifikation soll entsprechend für die F-35 ausgelegt sein und weitgehend auf der B61 Mod. 4 basieren, aber auch Komponenten anderer Versionen beinhalten.[5] Die B61-12 soll schrittweise die anderen Modifikationen der B61 mit Ausnahme von Mod. 11 ersetzen und von allen nuklearen Trägerflugzeugen der USAF und der NATO-Verbündeten eingesetzt werden können. Die Kosten für das B61 Mod. 12 Programm werden im Jahr 2012 mit 6 Milliarden USD angegeben, sie liegen damit 50 % höher als noch 2011 geschätzt wurde.[6]

Einsatzflugzeuge[Bearbeiten]

B-52H mit möglicher Waffenlast

Mit der B61 kann eine Vielzahl von strategischen und taktischen Bombern und Kampfflugzeugen ausgerüstet werden. Dazu gehören die amerikanischen

sowie der in mehreren europäischen Staaten eingeführte

zukünftig:

Design[Bearbeiten]

B61-Atombombe: Die Einzelteile des Nuklearsprengkopfes

Bei der B61 handelt es sich um eine Wasserstoffbombe nach dem Teller-Ulam-Design. Bei dieser Waffe wird die Primärstufe (Fissionszünder für die Fusionsladung) durch ein Tritium-Deuterium-Gemisch verstärkt. In der Sekundärstufe wird Lithium-6-Deuterid für die Kernfusion verwendet. Die B61 ist stromlinienförmig gebaut, damit sie auch außen an überschallschnellen Kampfflugzeugen montiert werden kann. Der Bombenkörper ist 3,58 Meter lang und hat einen Durchmesser von 33 Zentimetern, das Gewicht beträgt zwischen 320 und 540 Kilogramm (abhängig von der Bauweise).

Die meisten Versionen sind mit einem Fall-/Bremsschirm aus Nylon/Kevlar mit einem Durchmesser von 7,30 Meter ausgerüstet, um die Waffe im Fall soweit abzubremsen, dass das Trägerflugzeug genügend Zeit hat, sich aus dem Wirkungsbereich der Explosion zu entfernen. Die Bombe übersteht durch den Fallschirm einen Aufprall und kann auch zu einem späteren Zeitpunkt gezündet werden (lay down). Die B61 kann in der Luft und auf dem Boden gezündet werden und ist selbst bei einem schirmgebremsten Abwurf bei Überschallgeschwindigkeit aus 15 Metern Höhe noch funktionstüchtig.

Die maximale Sprengkraft (Modell 7) entspricht einem Äquivalent von 340.000 Tonnen TNT.

Es war bis 2010 beabsichtigt, den Waffentyp bis zum Jahre 2025 einsatzfähig zu halten. Neue Planungen einer „Einsatzverlängerung“ der B 61 sehen eine Reduzierung auf 400 Bomben im Design des Modell 4 mit einer maximalen Sprengkraft von 50 Kilotonnen vor. Die unterschiedlichen Modelle 3, 4, 7 und 10 würden nach diesem Konzept durch einen einheitlichen, lenkbaren und mit moderner Bordelektronik kompatiblen Typ ersetzt.[7]

Aktuell noch einsatzfähige Varianten[Bearbeiten]

B61-Atombomben
  • B61 Mod. 3: Selektierbare Sprengkraft 0,3/1,5/60/170 kT. Derzeit ca. 200 Bomben dieses Typs im Arsenal, davon 90 in Europa.[8]
  • B61 Mod. 4: Selektierbare Sprengkraft 0,3/1,5/10/45 kT. Derzeit ca. 200 Bomben dieses Typs im Arsenal, davon 90 in Europa.[9]
  • B61 Mod. 7: Selektierbare Sprengkraft 10/170/340 kT. Einziges Modell mit strategischem Einsatzkonzept. Derzeit ca. 430 Bomben dieses Typs im Arsenal, davon 215 aktiv.[10]
  • B61 Mod. 10: Selektierbare Sprengkraft 0,3/5/10/80 kT. Derzeit ca. 100 Bomben dieses Typs im Arsenal, alle inaktiv.[11]
  • B61 Mod. 11: Bunkerbrechende Bombe, Sprengkraft ~10 kT.
  • B61 Mod. 12: B61 Mod. 4 mit JDAM-Lenksystem. Entwicklung von 400 Bomben unter Wiederverwendung der Komponenten der vorhandenen Modelle 3, 4 und 10 geplant.[12]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: B61 (Kernwaffe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Status der Atomwaffen in Europa (Version vom 28. Januar 2012 im Internet Archive)
  2. US-Atomwaffen in Deutschland und Europa, von Otfried Nassauer
  3. Atomare Bunkerbrecher und ihre Wirkung auf die Umwelt
  4. Nuclear Bunker Buster (Bilddatei)
  5. US tactical nuclear weapons in Europe, 2011 (PDF; 177 kB)
  6. Federation of American Scientists Strategic Security Blog – B61 Nuclear Bomb Costs Escalating
  7. B61 LEP: Increasing NATO Nuclear Capability and Precision Low-Yield Strikes
  8. B61 LEP: Increasing NATO Nuclear Capability and Precision Low-Yield Strikes
  9. B61 LEP: Increasing NATO Nuclear Capability and Precision Low-Yield Strikes
  10. B61 LEP: Increasing NATO Nuclear Capability and Precision Low-Yield Strikes
  11. B61 LEP: Increasing NATO Nuclear Capability and Precision Low-Yield Strikes
  12. B61 LEP: Increasing NATO Nuclear Capability and Precision Low-Yield Strikes