BAe ATP

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BAe ATP
BAe ATP der Sata Air Açores
Typ: Turboprop-Verkehrsflugzeug
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller:

British Aerospace

Erstflug: 1986
Indienststellung: 1988
Produktionszeit:

1988–1996

Stückzahl: 64

Die BAe ATP (für Advanced Turboprop) ist ein Turboprop-Verkehrsflugzeug für den Transport von Fracht oder bis zu 72 Passagieren auf Kurzstrecken des britischen Herstellers British Aerospace. Das Modell entstand als Weiterentwicklung der Avro 748.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Eindruck der Ölkrise und der vermehrten Kritik am Fluglärm sah man bei British Aerospace gute Absatzmöglichkeiten für ein leises und wirtschaftliches Kurzstrecken-Turbopropflugzeug.

Für den Entwurf der ATP griff man auf die Flugzeugzelle der Avro 748 zurück. Der Rumpf wurde auf 26,01 Meter verlängert und die Spannweite auf 30,63 Meter erhöht, wodurch die Kapazität auf 64 bis 72 Passagiere anstieg. Leichte Veränderungen erfuhren der Bug und das Leitwerk, außerdem wurden kleinere Fenster mit kürzeren Abständen vorgesehen.

Anstelle der Rolls-Royce Dart-Motoren erhielt das neue Modell zwei sparsamere Pratt & Whitney Canada PW126-Turboproptriebwerke. Der neu entwickelte Sechsblattpropeller stammte von Hamilton Standard. Die ATP wurde mit einem Glascockpit ausgestattet.

Der Erstflug fand 1986 statt. Das erste Serienflugzeug wurde 1988 an British Midland ausgeliefert. Durch die Konkurrenz zur de Havilland Canada Dash 8 und zur ATR 42 konnten nur wenige Kunden gewonnen werden. Insgesamt 64 Flugzeuge wurden bis 1996 in den Werken Woodford und Prestwick hergestellt. Die wichtigsten Nutzer waren British Airways-CitiExpress und West Air Sweden.

2001 wurden sechs ATP zu „ATP Freighter“ (ATPF) umgebaut. Für diese Frachtversion griff man erneut auf Komponenten der Avro 748 zurück. Dieses für West Air Sweden bestimmte Modell absolvierte seinen Erstflug am 10. Juli 2002 in Lidköping, der Heimatbasis der Fluggesellschaft.

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine BAe ATP der Sun Air of Scandinavia (betrieben für British Airways)
Eine BAe ATP der West Air Sweden
Eine BAe ATP der Nextjet

Mit Stand Februar 2013 sind von 64 produzierten ATP noch 35 Exemplare aktiv[1]:

Passagiervariante
Frachtvariante

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Erstflug 1986 bis Dezember 2017 kam es mit BAe ATP zu fünf Totalschäden von Flugzeugen. Bei 2 davon kamen 50 Menschen ums Leben.[3]

  • Am 11. Dezember 1999 kollidierte eine BAe ATP der SATA Air Açores (Luftfahrzeugkennzeichen CS-TGM) auf der Azoren-Insel São Jorge mit einem Berg. Die Maschine befand sich auf dem Weg von Ponta Delgada nach Horta auf der Insel Faial, als sie in heftige Regenfälle und Turbulenzen geriet, die den Piloten die Sicht nahmen. Da diese weder ihr Wetterradar noch die Höhenmesser angemessen benutzten und sich nicht an die vorgeschriebene Mindesthöhe hielten, kollidierte das Flugzeug nahe dem Pico da Esperança mit dem Vulkan Morro Pelado, wo heute ein Gedenkstein an die Opfer erinnert. Bei dem Absturz kamen alle 35 Menschen an Bord ums Leben.[4]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten
Besatzung 2 Piloten, 2 Flugbegleiter
Passagiere 64–72
Länge 26,01 m
Spannweite 30,63 m
Höhe 7,14 m
Leermasse 13.595 kg
Startmasse 22.930 kg (optional auch 23.678 kg)
Reisegeschwindigkeit 496 km/h
Dienstgipfelhöhe 7600 m
Reichweite 1825 km
Triebwerke 2 × Pratt & Whitney Canada PW126-Turboprops mit je 1978 kW

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BAe ATP – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ch-aviation.ch – Aircraft Quick Search (englisch) abgerufen am 13. Februar 2013
  2. Eines davon bei einem Unfall schwer beschädigt [1]
  3. Unfallstatistik BAe ATP, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. Januar 2018.
  4. Unfallbericht BAe ATP CS-TGM, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 3. April 2017.