BGH Edelstahl Freital

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
BGH Edelstahl Freital

Logo
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1855
Sitz Freital, Deutschland
Leitung Alexander Grosse
Mitarbeiterzahl ca. 700
Branche Stahlindustrie, Montanindustrie
Website www.bgh.de
Stand: 2018

BGH Edelstahl Freital ist ein in der Stahl- und Montanindustrie tätiges Unternehmen mit Sitz in Freital (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Sachsen). Es ist ein Tochterunternehmen der BGH-Holding (Boschgotthardshütte), die ursprünglich aus der nordrhein-westfälischen Großstadt Siegen stammt und nun ihren Hauptsitz in Freital hat.[1] Im Jahr 2011 waren 607 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.[2] Geschäftsführer ist Alexander Große.[3]

Das Werksgelände erstreckt sich auf einer Fläche von 3,6 Kilometer mal 600 Meter zwischen den Stadtteilen Deuben und Hainsberg.[4] Der Holding gehören neben dem Freitaler Standort auch die BGH-Werke in Siegen, Lugau, Lippendorf, Kattowitz, Elbląg, Lublin (alle drei in Polen) sowie Isernhagen und Leuth.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 RM der Sächsischen Gußstahl-Werke Döhlen AG vom März 1931
Innenansicht, 1976
Ausdehnung des Werkes, 1976
Lagerhallen des Edelstahlwerkes in Döhlen, 2012

Die 1855 gegründete „Sächsische Gußstahlfabrik“ im Ort Döhlen entwickelte sich begünstigt durch die Lage an der Bahnstrecke Dresden–Werdau (Albertbahn) und dem reichen Vorkommen von Kohle und Erz im Osterzgebirge und dem Döhlener Becken schnell zu einem bedeutenden Wirtschaftsunternehmen in der Region. Im Jahr 1862 erfolgte die Umwandlung zur Sächsischen Gußstahl-Werke Döhlen AG. Die Fabrik- und Lagerhallen dehnten sich schnell über große Teile des Gebietes links der Weißeritz aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg – die inzwischen aus Döhlen und zwei Nachbargemeinden gegründete Stadt Freital war von Bombenangriffen weitgehend verschont geblieben – wurde das Stahlwerk durch die Sowjetische Besatzungsmacht vollständig demontiert. Ab 1947 begann der Wiederauf- und Ausbau des Werkes. Es entstand der „VEB Edelstahlwerk 8. Mai 1945“, der zu DDR-Zeiten der größte Edelstahllieferant des Landes wurde.[5] Jährlich produzierte das Unternehmen etwa 300.000 Tonnen Walz- und Schmiedeprodukte. Im Freitaler Edelstahlwerk kamen der erste 30-Tonnen-Plasmaofen sowie der erste Elektronenstrahl-Mehrkammerofen der Welt zum Einsatz.[2]

Für die ungefähr 5.000 Angestellten wurde im Freitaler Stadtteil Zauckerode ein großes Neubaugebiet in Plattenbauweise errichtet. Noch heute erinnern Straßennamen wie „Straße der Stahlwerker“ an die früheren Bewohner des Viertels. Aber auch in den übrigen Stadtteilen, beispielsweise Niederhäslich, kam es zur Errichtung größerer Neubausiedlungen. Als Betriebssportgemeinschaft des Werkes wurde die BSG Stahl Freital gegründet. Das Unternehmen kam des Weiteren in den Besitz von über 170 Kunstwerken, wie Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen. Der Künstler Gottfried Bammes, ein Ehrenbürger Freitals, wirkte ab 1950 regelmäßig im Edelstahlwerk.[6] Auch ein Kunstpreis wurde ausgelobt. Im „Klub der Edelstahlwerker“, dem betrieblichen Kulturhaus, gab es regelmäßig Veranstaltungen und Auftritte namhafter Künstler.

Nach der Wende wurde aus dem Volkseigenen Betrieb 1990 die „Sächsische Edelstahlwerke GmbH Freital“ (SEW). Zuerst war eine Privatisierung des Unternehmens durch die Thyssen AG angedacht.[1] Als diese scheiterte, war 1992 seitens der Treuhandanstalt die Abwicklung des Edelstahlwerkes vorgesehen. Diese konnte jedoch durch Protestaktionen der Stahlwerker verhindert werden.[7] Trotzdem wurden viele Mitarbeiter entlassen und der Betrieb deutlich verkleinert. Arbeiteten 1992 noch 2.600 Menschen im Edelstahlwerk, waren es 1997 nur noch 640.[4]

Der Unternehmer Rüdiger Winterhager aus Siegen übernahm die Sächsische Edelstahlwerke GmbH 1993. Daraufhin kaufte die SEW das Stammwerk Boschgotthardshütte O. Breyer GmbH. Neuer Unternehmenssitz wurde Freital.[1] Danach begann die Sanierung der Produktionshallen und -maschinen. Unter anderem wurden eine moderne Stabstahl-Draht-Walzstraße und ein zweiter Drehtellerofen in Betrieb genommen.[2] Viele der ehemaligen Produktions- und Lagerhallen des Edelstahlwerks wurden abgerissen oder es fand sich ein neues Nutzungskonzept für die Gebäude. Ende 1997 waren rund 90 Prozent der Produktionsanlagen für 300 Millionen D-Mark erneuert worden.[7] Das Geschäftsjahr 1998 konnte erstmals seit der Wende mit Gewinn abgeschlossen werden.[8] Danach brach der Umsatz wieder ein, sodass zwischen 2002 und 2003 sowie zwischen 2009 und 2010 auf Kurzarbeit ausgewichen werden musste.[9][10]

Ende 2010 produzierte das Werk etwa 100.000 Tonnen Stahl im Jahr. Es verfügt über die Möglichkeit der Herstellung von etwa 700 Sorten Stahl.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BGH Edelstahl Freital – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ernst W. Raymund: 800 Spezialstähle aus sächsischen Edelstahlwerken Freital. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 4. Februar 1998.
  2. a b c Präsentation der BGH-Gruppe@1@2Vorlage:Toter Link/www.bgh.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 9,7 MB)
  3. Standort Freital auf BGH-Webseite
  4. a b Hannelore Schuster: Konkurrenzlos bei Sonderstählen für Implantate und Turbinen. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 19. Juni 1997.
  5. Thomas Hoinka: Nachwuchsförderung und Fachkräfteentwicklung – Erfahrungsbericht der BGH Edelstahl Freital GmbH (PDF-Datei; 55 KB)
  6. Hannelore Schuster: Edelstahlwerk besitzt 171 Kunstwerke von Bammes bis Haselhuhn. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 30. Oktober 1997.
  7. a b Hannelore Schuster: Stahlwerkertag in Freitaler Edelstahlwerk. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 16. Oktober 1997.
  8. Thomas Stölzel: Stahlwerk Freital erstmals mit Gewinn. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 19. Juni 1999.
  9. Thomas Stölzel: Ab Mai Kurzarbeit im Stahlwerk Freital. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 5. April 2002.
  10. Stahlwerk Freital schickt Hunderte Mitarbeiter in die Kurzarbeit. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 21. März 2009.
  11. Tony Keil: 100 000 Tonnen glühender Stahl. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 12. November 2010.


Koordinaten: 50° 59′ 55,5″ N, 13° 38′ 43″ O