BMW 327

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
BMW
BMW 327-328 1937 bicolor vr TCE.jpg
BMW 327/28
Produktionszeitraum: 1937–1941
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Coupé, Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
2,0 Liter
(40–59 kW)
Länge: 4500 mm
Breite: 1600 mm
Höhe: 1420 mm
Radstand: 2750 mm
Leergewicht: 1100 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: BMW 503 und
BMW 507
BMW 327 Cabriolet
Abgedecktes Reserverad des BMW 327

Der BMW 327 war ein als Coupé und Cabriolet erhältlicher Tourensportwagen, den die Bayerischen Motoren Werke von 1937 bis 1941 in ihrer Zweigniederlassung Eisenach bauten. Die Karosserien lieferte der Berliner Hersteller Ambi-Budd. 1606 Cabriolets und 265 Coupés wurden während der vierjährigen Produktionszeit hergestellt.

Fahrwerk und Karosserie[Bearbeiten]

Der Wagen hatte den gleichen, jedoch verkürzten Kastenrahmen wie die Limousine BMW 326. Die Vorderräder waren an oberen Querlenkern und einer unteren Querblattfeder aufgehängt. Hinten hatte der BMW 327 eine Starrachse an zwei Längsblattfedern. Die Fußbremse wirkte hydraulisch auf alle vier Räder, die Handbremse mit Seilzug auf die Hinterräder.

Die Gelenke der Achsen wurden über eine Zentralschmieranlage mit 4,75 mm dicken Leitungen geschmiert, die der Fahrer etwa alle 150 km während der Fahrt mit einem Fußhebel im Innenraum zu betätigen hatte. Die damals üblichen Schmiernippel gab es nicht.[1]

Als Karosserievarianten wurden ab 1937 ein zweitüriges 2+2-sitziges Cabriolet und ab 1938 ein entsprechendes Coupé angeboten, alle in der damals zeitgemäßen Stromlinienform. Um der Frontscheibe eine leichte Keilform zu geben, war sie in der Mitte durch einen Steg geteilt. Auch das Heckfenster des Coupés war zweiteilig. Das von außen zugängliche Reserverad lag verdeckt im Heck. Ein kleiner Kofferraum, unter dem sich der Kraftstofftank befand, war nur von innen zu erreichen. Die Türen des Cabriolets waren vorn, die des Coupés hinten angeschlagen.[2]

Hergestellt wurden die Karosserien in der damals gebräuchlichen Gemischtbauweise, das heißt, ein auf den Rahmen aufgesetztes Holzgerüst trug die Blechaußenhaut.[3]

Motor und Getriebe[Bearbeiten]

Der längs hinter der Vorderachse eingebaute 6-Zylinder-Reihenmotor mit einem Hubraum von 1971 cm³ stimmte im Wesentlichen mit dem Motor des BMW 326 überein. Er hatte eine über Duplexkette angetriebene seitliche Nockenwelle, hängende Ventile und zwei Solex-Flachstromvergaser. Durch eine höhere Verdichtung (1 : 6,3 statt 1 : 6) und eine von 3750/min auf 4500/min angehobene Drehzahl leistete er allerdings 55 (40 kW) statt 50 PS (37 kW).

In der sportlicheren Version BMW 327/28 mit dem Dreivergasermotor des BMW 328 wurden 80 PS (59 kW) erreicht. Äußerlich war diese stärkere Variante nur an den Rädern mit Zentralverschluss-Flügelmutter und einem geänderten Tachometer zu erkennen.

Eine Einscheibentrockenkupplung und das Getriebe lagen hinter dem Motor, von wo die Kraft über eine Kardanwelle an die Hinterräder gelangte. Das Getriebe hatte vier Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang. Synchronisiert waren bei dem anfänglichen Hurth-Getriebe nur der dritte und vierte Gang; der erste und zweite Gang hatten einen Freilauf. Das spätere ZF-Getriebe war vollsynchronisiert. Der Schalthebel lag in Wagenmitte.

Technische Daten[Bearbeiten]

327 Cabriolet 327 Coupé 327/28 Cabriolet 327/28 Coupé
Bauzeit 1937–1941 1938–1940
Motor Reihen-Sechszylinder
Hubraum 1971 cm³
Leistung 55 PS 80 PS
Vmax ca.: 125 km/h ca.: 140 km/h
Preis 7.500,– RM 7.450,– RM 8.130,– RM 8.100,– RM
Stückzahl 1124 179 482 86
Stückzahl 1303 + 1 Chassis 568 + 1 Chassis

Zwischen 1939 und 1941 entstand zudem mindestens ein BMW-335-Sportcabriolet mit der Karosserie des BMW 327 und dem 90 PS starken 3,5-Liter-Motor des BMW 335 „Autobahnwagen“, zu erkennen an den senkrechten Lüftungsschlitzen an der seitlichen Motorhaubenbelüftung und den hinten angeschlagenen Türen.

EMW 327[Bearbeiten]

EMW 327 Cabriolet
EMW 327/2 Kabriolett von 1954

In den Nachkriegsjahren wurde das zu 60 % zerstörte Automobilwerk in Eisenach wieder aufgebaut – zu Beginn unter sowjetischer Verwaltung, später als Betrieb des Industrieverbands Fahrzeugbau. Nach einem Rechtsstreit mit dem nunmehr westdeutschen BMW-Konzern kam es im Juni 1952 zur Umbenennung in Eisenacher Motorenwerk (EMW). Etwa zeitgleich wurde die Fertigung des Vorkriegs-327 als EMW 327 fast unverändert wieder aufgenommen.[4] Zwischen 1952 und 1955 wurden etwas mehr als 500 Stück gefertigt.

  • Während der Produktion bei EMW wurde die Form der Motorhaube geändert, die ursprünglich in die Seitenteile des Vorderwagens hineinreichte und mit je einem Griff vorn links und rechts zu entriegeln war. Somit sind Fahrzeuge mit seitlich nicht heruntergezogener und von innen zu entriegelnder Motorhaube immer EMWs (kein Spalt unter den seitlichen Lüftungsgittern).
  • Weiterhin wurde bei EMW eine Karosserie-Sicke über den Radläufen in die Kotflügel eingebracht. Vorkriegs-BMWs und aus Restbeständen montierte Nachkriegs-BMW/EMWs hatten diese Sicke nicht.
  • Am Coupé waren die Türen nun ebenfalls vorne angeschlagen.
  • Das modernisierte Armaturenbrett des EMW 340 sowie das Lenkrad mit damals aktueller Lenkradschaltung wurden übernommen.

Frazer-Nash BMW 327[Bearbeiten]

1935 übernahm der englische Sportwagenhersteller Frazer-Nash das Verkaufsprogramm von BMW.[5] Er importierte die Fahrzeuge zunächst, stellte sie aber von 1938 bis zur Übernahme durch Bristol-Werke im Juli 1945 für den britischen Markt in Lizenz selbst her. Der 327 war bis auf die Rechtslenkung optisch weitestgehend identisch mit dem Vorkriegsmodell von BMW.

Bristol 400[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Konstruktion des BMW 327 von dem britischen Bristol Aircraft Company übernommen, die mit diesem Modell ihre Tätigkeit als Automobilhersteller aufnahm. Das Unternehmen Bristol Cars produzierte und verkaufte das Fahrzeug mit der Coupé-Karosserie ab 1947 unter der Bezeichnung Bristol 400. Das Triebwerk wurde in zahlreichen Abwandlungen im Bristol 406 bis 1961 verwendet und der in seiner Grundstruktur kaum veränderte Rahmen bildete noch das Gerüst des bis 2011 gebauten Blenheim.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bericht über die Restaurierung eine BMW 327 Cabriolet. Aufgerufen am 2. Juni 2012
  2. Werner Oswald: Alle BMW Automobile 1928–1978. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-87943-584-7, S. 46–49, 55, 78.
  3. Bericht über die Restaurierung eines BMW 327. Aufgerufen am 6. Juni 2012.
  4. Nachrichten aus der Kraftfahrzeugindustrie. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1952, S. 314.
  5. Werner Oswald: Alle BMW Automobile 1928–1978. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-87943-584-7, S. 70.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BMW 327 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien