BMW S 1000 R

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BMW
BMW S 1000 R.jpg
BMW S 1000 R auf der HMT 2014
S 1000 R
Hersteller BMW
Verkaufsbezeichnung S 1000 R
Produktionszeitraum ab 2013
Klasse Motorrad
Bauart Naked Bike
Motordaten
Wasser-/ölgekühlter Reihenmotor mit vier Zylindern
Hubraum (cm³) 999
Leistung (kW/PS) 121/165 bei 11.000 min−1
Drehmoment (N m) 114 bei 9.250 min−1
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 261
Getriebe 6-Gang-Getriebe
Antrieb Kettenantrieb
Bremsen vorn Ø 320 mm Doppelscheibenbremsen
hinten Ø 220 mm Scheibenbremse
Radstand (mm) 1439
Maße (L × B × H, mm): 2057 × 845 × 1228
Sitzhöhe (cm) 81,4
Leergewicht (kg) 205

Die BMW S 1000 R ist ein Motorrad der Bayerischen Motoren Werke. Das Naked Bike wurde am 5. November 2013 auf der Zweiradmesse EICMA in Mailand präsentiert.[1] Verkaufsbeginn war am 15. März 2014. Das Motorrad wird im BMW-Werk Berlin in Spandau endmontiert.

Das nur leicht verkleidete Motorrad mit dem Werkscode K47 basiert technisch auf dem Superbike BMW S 1000 RR und wird von BMW als „Dynamic Roadster“ vermarktet.[2]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenüber dem Basismodell BMW S 1000 RR, von dem der Roadster 75 % Gleichteile[2] übernommen hat, wurde die Nennleistung durch eine geänderte Motorabstimmung um 24 kW (33 PS) verringert. Die Nockenwellenprofile wurden modifiziert und das Motormanagement angepasst. Das Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich wurde durch geänderte Ansaugkanäle im Zylinderkopf deutlich erhöht.[3] In der Airbox wurde gegenüber der RR auf Schaltsaugrohre verzichtet.[4] Bis zu einer Drehzahl von 7500 min−1 erzeugt der Motor 10 Newtonmeter mehr Drehmoment als die RR.[2] Die Ventile bestehen aus Stahl statt aus Titan wie bei der RR. Wegen des höheren Gewichts der Ventile wurde die maximale Drehzahl von 14.200 auf 12.000 min−1 gesenkt.[5]

Statt einer Vollverkleidung hat die S 1000 R eine Lampenmaske im Stile der Aprilia Tuono, von BMW als „Split Face“ bezeichnet, knappe Seitenteile und einen Bugspoiler.[6] Durch einen höheren und weniger gekröpften Rohrlenker[4] aus Leichtmetall ergibt sich für den Fahrer eine entspanntere Haltung.[6] Die Gabel wurde um 0,8 Grad flacher gestellt, wodurch sich der Nachlauf um 5 mm verlängert.[2][5] Mit einem zusätzlichen Gliederpaar in der Endantriebskette konnte die Hinterachse nach hinten versetzt und der Radstand um 22 mm vergrößert werden.[4] Beide Maßnahmen stabilisieren den Geradeauslauf. Ein Lenkungsdämpfer ist serienmäßig eingebaut. Durch die umfangreichere Serienausstattung stieg das Leergewicht der fahrbereiten Maschine trotz fehlender Vollverkleidung um 4 auf 207 kg.

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BMW S 1000 R hat einen quer eingebauten, um 32 Grad[7] nach vorn geneigten Reihenmotor. Der Vierzylindermotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und einem Hubraum von 999 cm³ hat eine Bohrung von 80 mm, einen Hub von 49,7 mm und ein Verdichtungsverhältnis von 12,0 : 1. Je zwei Einlass- und zwei Auslassventile des wasser- und ölgekühlten Viertaktmotors werden über einen kohlenstoffbeschichteten Schlepphebel betätigt. Die Kurbelwelle hat den üblichen Hubzapfenversatz von 180 Grad. Der Motor leistet 121 kW (165 PS) bei 11.000 min−1, das maximale Drehmoment von 114 Nm wird bei einer Drehzahl von 9250 min−1 erreicht.

Das Motorrad beschleunigt in 3,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 261 km/h.[4]

Kraftübertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Primärtrieb vom Motor zur mechanisch betätigten Anti-Hopping-Kupplung wird die Kraft über Zahnräder übertragen. Im Sekundärantrieb treibt eine O-Ring-Kette das Hinterrad an. Das geradverzahnte Getriebe mit Klauenschaltung hat sechs Gänge.

Mechatronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die als BMS-X bezeichnete Motorsteuerung hat eine zylinderselektive Klopfregelung.[7] Die Rechnersysteme von Electronic Suspension Adjustment (ESA), Antiblockiersystem (ABS) und Automatische Stabilitätskontrolle (englisch Automatische Stabilitäts Control, ASC) sind über einen CAN-Bus miteinander vernetzt. Ein Drive-by-Wire setzt die Gasgriffbefehle elektronisch in die entsprechende Drosselklappenstellung um. Die Starterbatterie hat eine Kapazität von 9 Ah und versorgt den elektrischen Anlasser. Die Lichtmaschine hat eine elektrische Nennleistung von 350 Watt.

Kraftstoffversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kraftstofftank fasst 17,5 Liter, davon sind 4 Liter Reserve. BMW gibt den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch mit 5,6 Liter auf 100 km bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h an. Ralf Schütze von Motortalk ermittelte einen Testverbrauch von 6,7 Liter auf 100 km, was einer theoretischen Reichweite von 260 km entspricht.[8]

Der Hersteller empfiehlt die Verwendung von bleifreiem Benzin mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan. Das Kraftstoff-Luft-Gemisch wird durch eine elektronische Kraftstoffeinspritzung gebildet. Die Abgasnachbehandlung durch zwei geregelte Drei-Wege-Katalysatoren senkt die Schadstoffe unter die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 4. Die vier Abgaskrümmer der Auspuffanlage münden auf der rechten Seite in einen kurzen Endschalldämpfer aus Titan mit Interferenzrohr- und Akustikklappen.

Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fahrwerk baut auf einem 11,98 kg schweren Aluminiumverbund-Brückenrahmen auf und hat hinten eine Zweiarmschwinge aus Aluminiumguss mit indirekt angelenktem Monofederbein. Das Vorderrad wird von einer Upside-Down-Teleskopgabel mit 46 mm Standrohrdurchmesser und 120 mm Federweg geführt.

Am Vorderrad ist eine Doppelscheibenbremse mit Vier-Kolben-Bremssattel vom italienischen Zulieferer Brembo eingebaut, hinten eine Scheibenbremse mit Ein-Kolben-Schwimmsattel. Das serienmäßige Antiblockiersystem wirkt auf beide Bremsen. Das Motorrad verzögert von 100 km/h in den Stand mit durchschnittlich 9,3 m/s² und benötigt einen Bremsweg von 41,5 Metern.

Eine Fahrdynamikregelung (englisch Automatic Stability Control, ASC) vergleicht die Drehzahl der beiden Räder, weicht diese signifikant voneinander ab, dann verhindert eine Antriebsschlupfregelung durch Gasrücknahme ein Ausbrechen des Hinterrads beim Beschleunigen.[2] Die Fußrasten sind um 23 mm tiefer gelegt, woraus ein entspannterer Kniewinkel resultiert.[9]

Marktpositionierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Basispreis beträgt zum Verkaufsstart 12.800 Euro[8] in den Ländern der europäischen Währungsunion und 15.000 US-Dollar[10] in den Vereinigten Staaten. Damit ist die Basisversion der R über 4000 Euro günstiger als die RR. Im März 2019 beträgt der Grundpreis der S 1000 R 13.950 Euro.[11]

In der Klasse der unverkleideten Superbikes ist die S 1000 R mit einer Nennleistung von 160 PS aus einem Liter Hubraum überdurchschnittlich motorisiert.

Konkurrenzmodelle sind die Ducati Streetfighter 848 mit 125 PS, die Kawasaki Z1000 (1043 cm³, 142 PS), die Honda CB 1000 R (998 cm³, 125 PS), die Triumph Speed Triple 1050 (1050 cm³, 150 PS) und die Yamaha FZ1 (998 cm³, 150 PS) sowie die Aprilia Tuono V4 1100 RR (1077 cm³, 175 PS). Laut dem Handelsblatt greift BMW mit einem konkurrenzfähigen Einstiegspreis und auffälliger Optik vor allem die japanischen Motorradhersteller in ihrem Kerngeschäft an[12] und wählt statt einer hohen Gewinnspanne eine Strategie der hohen Stückzahlen.[2][13]

Neuzulassungen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Quelle Neuzulassungen
2014 [14] 1.667
2015 [15] 1.830
2016 [16] 1.429
2017 [17] 1.486
2018 [18] 1.221

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scheinwerfer der S 1000 R

Der an der asymmetrischen Lampengestaltung mehrfach geäußerten Kritik[12][19][20] entgegnete BMW-Chefdesigner Edgar Heinrich mit den Worten: „Wir sind das Gesicht in der Masse.“[19]

„Beim Wenden und Rangieren fällt der unangenehm geringe Lenkeinschlag auf. Das neue Display neben dem großen Drehzahlmesser mit Zeiger bietet alles, was man haben will, wirkt allerdings unübersichtlich. Dennoch ist die R die landstraßen- und alltagstauglichere, die komfortablere und somit für die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer wohl die geeignetere S 1000.“

Walter Wille: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Dezember 2013[2]

„Wie jeder neue BMW-Reihenvierer zelebriert auch der hier eine gewisse Klangkörnigkeit. Wenn ein japanischer Vierzylinder ein Graubrot ist, dann ist das hier Pumpernickel. Es brüllt. Es brabbelt. Es röhrt. Über die kurze Übersetzung schiebt der Motor an, wie man es anhand der langweilig wirkenden Leistungsdaten nicht erwarten würde. Die Schräglagenfahrt ist ein Gedicht, das Fahrwerk wunderbar neutral, aber mit Restkanten, Spritzigkeit.“

Clemens Gleich: Die Welt vom 3. Dezember 2013[21]

„Zirka 30 PS weniger als ‚offen‘ – noch nie war das so leicht zu verschmerzen wie in diesem Fall. Bei der BMW S 1000 R nimmt man es sogar gerne in Kauf. Es bringt praktisch keine Nachteile mit sich, nur Vorteile: Leistung steht immer noch mehr als genug zur Verfügung, Beschleunigung und Durchzug sind sogar signifikant stärker, die Sitzposition ist viel entspannter − und obendrein ist der Preis erstaunlich günstig, erst recht für BMW-Verhältnisse.“

Maik Schwarz: MO − Motorradmagazin Januar–März 2014[4]

„Die nahe Verwandtschaft zur ‚Doppel-R‘ ist aus jeder Perspektive offensichtlich, auch wenn die Optik auf das Wesentliche reduziert wurde: Statt Vollverkleidung trägt die ‚Solo-R‘ eine Lampenmaske im Stile der Aprilia Tuono, knappe Seitenteile und einen Bugspoiler. Das stellt die Technik prachtvoll zur Schau, und der klassische Sportschalldämpfer mutierte zum Stummel-Endtopf. Gemäß der Designphilosophie des Hauses zeigt auch die Neue das Split Face, also das geteilte Gesicht.“

Thilo Kozik: Süddeutsche Zeitung vom 28. Dezember 2013[6]

„Dass gegenüber dem RR-Motor 33 PS verlustig gegangen sind, macht der Gewinn an Drehmoment bei niedriger Drehzahl mehr als wett. Das Gerät bringt schon im Anlauf Kraft ohne Ende auf die Straße; das Vorderrad wird nur elektronisch auf dem Asphalt gehalten. Ihre 210 Kilo Gewicht fühlen sich im Rollen tänzerisch leicht an; gleichzeitig liegen sie in Kurven so stabil wie Blei im Regal. Hier muss nichts in Schräglage gezwungen oder geführt werden, bei der S 1000 R stimmt die Abstimmung.“

Jochen Vorfelder: Spiegel Online vom 13. März 2014[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: BMW S 1000 R – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Schümann: BMW S 1000 R – Die nackte Gewalt. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Motorrad. 10. November 2013, archiviert vom Original am 3. Januar 2014; abgerufen am 12. März 2019.
  2. a b c d e f g Walter Wille: Gib mir ein R. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2014.
  3. Florian Maier: BMW S1000R im Test. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Motorvision. 3. Dezember 2013, archiviert vom Original am 6. Januar 2014; abgerufen am 3. Januar 2014.
  4. a b c d e Maik Schwarz: Ein R wird gewinnen. In: MO – Motorradmagazin. Nr. 4, 2014, ISSN 0723-2616, S. 66–74.
  5. a b Andreas Güldenfuss: Road Racer. In: MO – Motorradmagazin: Sonderheft BMW Motorräder. Januar–März 2014. Nr. 48, 2014, ISSN 0723-2616, S. 26–31.
  6. a b c Thilo Kozik: Hüllenlos ins Herz. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2014.
  7. a b Katrin Pudenz: Die BMW S 1000 R: neuer Roadster auf Basis der S 1000 RR. In: Springer für Professionals. 5. November 2013, abgerufen am 5. Januar 2014.
  8. a b Ralf Schütze: Wie ein Traum: Nackt, rassig und dabei manchmal nett. In: Motor-Talk.de. 3. Dezember 2013, abgerufen am 3. Januar 2014.
  9. Die nackte Allzweck-Kanone von BMW. In: Focus. 29. November 2013, abgerufen am 31. Mai 2014.
  10. David Booth: Road test: 2014 BMW S1000R. In: driving.ca. 6. Dezember 2013, abgerufen am 3. Januar 2014 (englisch).
  11. bmw-motorrad.de, Roadster., abgerufen am 12. März 2019.
  12. a b Ganz großer Landstraßen-Sport. In: Handelsblatt. 4. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2014.
  13. Sabine Beikler: Kurvenfieber mit viel Elektronik. In: Der Tagesspiegel. 3. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2014.
  14. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2014 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 14. Juli 2015; abgerufen am 16. März 2019.
  15. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2015 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 23. Januar 2016; abgerufen am 16. März 2019.
  16. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2016 (kumuliert). Seite 17 (Pdf, 3,9 MB), IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., abgerufen am 16. März 2019.
  17. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2017 (kumuliert). Seite 17 (Pdf, 3,9 MB), IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., abgerufen am 16. März 2019.
  18. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2018 (kumuliert). Seite 17 (Pdf, 3,9 MB), IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., abgerufen am 16. März 2018.
  19. a b c Jochen Vorfelder: Fratzengeballer. In: Spiegel Online. 13. März 2014, abgerufen am 19. März 2014.
  20. Patrick Sauter: Auf der Suche nach dem Bergkönig. In: MO – Das Motorradmagazin. Ausgabe 8/2014, S. 20.
  21. Clemens Gleich: So fährt sich das nackte Motorrad von BMW. In: Die Welt. 3. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2014.