BVG-Baureihe IK

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U-Bahn Berlin
Baureihe IK
Zug 1025 auf dem Testgleis der Betriebswerkstatt Grunewald
Zug 1025 auf dem Testgleis der Betriebswerkstatt Grunewald
Nummerierung: 1025 – 1026 (IK15)

1027 – 1037 (IK17)
1038 – 1064 (IK18)
1065 – 1084 (IK19)

Anzahl: 2 Triebzüge (IK15)

11 Triebzüge (IK17, in Bau)
27 Triebzüge (IK18, bestellt)
20 Triebzüge (IK19, bestellt)

Hersteller: Stadler Pankow
Baujahr(e): ab 2015
Achsformel: 2’Bo’+Bo’Bo’+
Bo’Bo’+Bo’2’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 51.640 mm
Höhe: 3210 mm
Breite: 2400 mm
Drehzapfenabstand: 7570 mm
Drehgestellachsstand: 1800 mm
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Stundenleistung: 1080 kW
Stromsystem: 750 V =
Stromübertragung: seitliche, von oben (Kleinprofil) bzw. unten (Großprofil) bestrichene Stromschiene
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: 72/80
Stehplätze: 258
Fußbodenhöhe: 875 mm

Die Baureihe IK ist ein Fahrzeugtyp für das Klein- und Großprofilnetz der Berliner U-Bahn. Er stellt damit den derzeit einzigen Fahrzeugtyp dar, der sowohl im Klein- als auch Großprofilnetz eingesetzt wird.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2012 bestellten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bei Stadler Pankow zunächst zwei Prototypen, die seit September 2015 im Linienbetrieb getestet werden. Des Weiteren umfasst die Bestellung eine Option zur anschließenden Lieferung von 24 Serienfahrzeugen, die ab 2017 als Ersatz für die Züge der Baureihe A3L71 gedacht sind. Der Gesamtauftrag hat ein Volumen von rund 158 Millionen Euro.[1] Über diesen Auftrag hinaus besteht die Option zur Bestellung von weiteren 10 Fahrzeugen.[2] Die BVG führte 2015 unter ihren Fahrgästen eine Umfrage durch, um einen Spitznamen für die Baureihe IK zu bestimmen. Anfang Mai 2015 entschied sich die BVG für „Icke“.[3] Inwiefern dieser Spitzname tatsächlich Eingang in den Normalsprachgebrauch findet, bleibt abzuwarten.

Mock-up eines Endwagens

Im Mai 2013 stellte die BVG ein rund 9,4 Meter langes 1:1-Modell eines Endwagens vor. An diesem wurden Detailabstimmungen für die endgültige Gestaltung vorgenommen.[4] Die Fertigung der Prototypen begann im April 2014, im August desselben Jahres konnte die Endmontage abgeschlossen werden.[2] Anfang Februar 2015 erfolgte die Lieferung des ersten Zugs, des zweiten Anfang März 2015. Diese wurden – zusammen als Achtwagenzug – mehrere Monate auf Testfahrten ohne und mit Fahrgästen erprobt.[5][6] Nach Verzögerungen sind die Testzüge 1025 und 1026 seit September 2015 im Linienbetrieb auf der Linie U1 und U2 aktiv.[7] Im Juli 2015 wurden elf weitere Vorserienfahrzeuge bestellt, die aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA)“ finanziert und ab 2017 ausgeliefert werden sollen.[8] Im Juli 2016 bewilligte der Aufsichtsrat der BVG den Kauf von 27 weiteren Fahrzeugen.[9][10]

IK17-Zug im Stadler-Werk Pankow, mit Spaltüberbrückung

Zwischen Juli und Dezember 2017 werden insgesamt 11 Vierwagenzüge der Serie IK17 ausgeliefert. Diese Züge werden zur Verstärkung der Großprofilflotte auf der Linie U5 eingesetzt und erhalten dafür zwischen Bahnsteig und Fahrzeug eine 17,5 cm breite Spaltüberbrückung. Später sollen diese Züge aber ebenfalls im Kleinprofilnetz verkehren. Ab April 2018 werden dann 27 Vierwagenzüge der Serie IK18 geliefert, die dann gleich im Kleinprofil eingesetzt werden und dort u. a. die Wagen der Bauart A3L71 ersetzen werden.[11]

Im August 2017 wurden Pläne bekannt, weitere 20 Vierwagenzüge für die Großprofil-Linie U5 zu beschaffen. Hintergrund ist der zunehmende Fahrzeugmangel, der insbesondere im Großprofilnetz inzwischen zum Ausfall von Fahrten führt. Da die vorgeschriebene europaweite Ausschreibung für neue Fahrzeuge zeitaufwändig ist, genehmigte der BVG-Vorstand eine „Dringlichkeitsbeschaffung“ von weiteren Fahrzeugen der Baureihe IK als Übergangslösung.[12] Im Oktober 2017 erfolgte letztendlich die Bestellung für die weitere 20 Vierwagenzüge, welche ab dem ersten Halbjahr 2019 ausgeliefert werden sollen. [13]

Die beiden als IK15 bezeichneten Prototypeinheiten 1025 und 1026 wurden im Sommer 2017 technisch an die Serie IK17 angepasst und sollen im Oktober des gleichen Jahres in den Fahrgastbetrieb zurückkehren. U.a. werden neue Türen und stabilere Klappsitze eingebaut.[14]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum (mit Schutzteppich)

Technisch basiert die Baureihe IK auf der Straßenbahnserie Tango von Stadler. Dabei wurde das Konzept der Baureihe HK aus vier durchgehend begehbaren Wagen übernommen, wobei zwei Halbzüge im Betrieb zu einem „Acht-Wagen-Vollzug“ gekuppelt werden können. Die Kupplung mit Fahrzeugen der Serie HK ist möglich und wird teilweise im Fahrgastbetrieb praktiziert. Des Weiteren verfügen die Züge über einen Polaritätsumschalter, um auch den Betrieb im Großprofilnetz zu ermöglichen. Wegen des bombierten Wagenquerschnitts erhöht sich die Breite des nutzbaren Fahrgastraums gegenüber den bisherigen Fahrzeugen um rund zehn Zentimeter, ohne in Konflikt mit den bestehenden Bahnsteigkanten zu geraten.[15] Die Tunnel des Kleinprofilnetzes sind für die breiteren Züge grundsätzlich geeignet, jedoch mussten zur Gewährleistung des Sicherheitsabstands in einigen Tunnelabschnitten die Pfeiler versetzt werden.[16]

Die Fahrzeuge sind luftgefedert und mit einer energiesparenden Beleuchtungs- und Signaltechnik sowie neuen Fahrgastinformationssystemen ausgestattet. Jeder vierteilige Halbzug ist durchgängig barrierefrei zugänglich und verfügt über eine Gesamtkapazität von etwa 330 Plätzen, davon etwa 80 Sitzplätze in Längsbestuhlung und 250 Stehplätze. Die Mehrzweckbereiche wurden gegenüber der Vorgängerbaureihe vergrößert, weiterhin erhalten alle Wagen Videokameras.[5] Durch Rekuperation beim Bremsen wird im Betriebsalltag mit einer Energierückgewinnungsquote von rund einem Fünftel gerechnet.[4]

Bewertung und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positiv wahrgenommen wird das in einem Berliner U-Bahnfahrzeug erstmals eingesetzte moderne Fahrgastinformationssystem sowie die deutliche Markierung der Rollstuhl-Plätze. Dagegen stellt die Ausrüstung eines Halbzugs mit 72 festen Sitzplätzen einen Negativ-Rekord aller Kleinprofil-Fahrzeuge dar. Weiterhin werden u. a. vom Fahrgastverband IGEB die „steinharten Sitze“ kritisiert sowie das Festhalten der BVG am Bekleben der Fensterscheiben.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BVG-Baureihe IK – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BVG-Aufsichtsrat schreibt neue U-Bahnfahrzeuge aus. bahninfo.de, 22. Juni 2012
  2. a b Mehr Fahrgäste erfordern mehr Fahrzeuge – Bericht vom Fahrgast-Sprechtag U-Bahn 2014. In: Signal. Nr. 6, 2014, S. 18.
  3. Aufruf vom 5. Mai 2015: „Icke“ – so heißt Berlins neue U-Bahn
  4. a b Berlins neuestes Top-Modell: Die neue Berliner U-Bahn als 1:1 Modell. Berliner Verkehrsbetriebe, 8. Mai 2013, abgerufen am 17. Mai 2013.
  5. a b BVG stellt ersten U-Bahnzug vom Typ IK vor. Berliner Verkehrsbetriebe, 3. Februar 2015, abgerufen am 3. Februar 2015 (PDF).
  6. Zweiter IK-Vorserienzug eingetroffen. Berliner Verkehrsbetriebe, 5. März 2015, abgerufen am 6. März 2015 (PDF).
  7. Auf der U12 rollt eine U-Bahn namens "Icke". Berliner Morgenpost. 2. September 2015.
  8. Pressemitteilung der BVG vom 20. Juli 2015: http://unternehmen.bvg.de/de/index.php?section=downloads&cmd=32&download=1674
  9. BVG bestellt 27 neue U-Bahnen vom Typ "Icke". Berliner Morgenpost, 6. Juli 2016, abgerufen am 18. Juli 2016.
  10. Neue U-Bahnen für Berlin gefordert. Der Tagesspiegel, 12. Juli 2016, abgerufen am 17. Juli 2016.
  11. Fahrzeughersteller-Stadler-faehrt-auf-der-Erfolgsschiene. Morgenpost, 1. März 2016, abgerufen am 27. März 2013.
  12. BVG braucht dringend neue Wagen. Der Tagesspiegel, 22. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  13. BVG vergibt Auftrag für Kauf von 80 U-Bahn-Wagen. Der Tagesspiegel, 1. November 2017, abgerufen am 3. November 2017.
  14. Kurzmeldungen – U-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 9, 2017, S. 183.
  15. So werden Berlins neue U-Bahnen aussehen. Berliner Verkehrsbetriebe, 17. September 2012, abgerufen am 20. September 2012.
  16. Die neue U-Bahn ist zu dick. In: Der Tagesspiegel. 15. Januar 2014, abgerufen am 26. Januar 2015.
  17. Neue Wagen braucht die Stadt. In: Signal. Nr. 2, 2015, S. 10 ff.