Babo – Die Haftbefehl-Story
| Film | |
| Titel | Babo – Die Haftbefehl-Story |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 92 Minuten |
| Altersempfehlung | ab 16 |
| Stab | |
| Regie | |
| Produktion | |
| Musik | |
| Kamera | Wesley Salamone |
| Schnitt | |
| Besetzung | |
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Babo – Die Haftbefehl-Story ist ein deutscher Dokumentarfilm über den Rapper Haftbefehl von Sinan Sevinç und Juan Moreno. Die Dokumentation erschien am 28. Oktober 2025 über Netflix. An der Produktion ist Elyas M’Barek beteiligt.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film beginnt mit einer Rückschau auf Haftbefehls einzigartige Karriere im Deutschrap, von seinen Anfängen im Jugendzentrum bis zu seinem ersten Durchbruch mit Chabos wissen wer der Babo ist. Dabei kommen Weggefährten und Kollegen wie Jan Delay, sein Musikproduzent Bazzazian und Marteria zu Wort. Der chronologische Abschnitt zeigt zudem seine chronische Unzuverlässigkeit sowie Eheprobleme, hat aber zunächst einen augenzwinkernden und wohlwollenden Blick auf Haftbefehls Karriere.
Der zweite Teil des Films wird durch seinen Absturz eingeleitet, als er unter Drogen und sturzbetrunken bei einem Auftritt in Mannheim nicht mehr stehen kann und den Auftritt abbrechen muss. Thematisiert wird die schwierige Beziehung von Haftbefehl und seinen Brüdern zu ihrem Vater, einem Lebemann mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Laut den Aussagen der drei Brüder habe ihr Vater Millionen durch Glücksspiel verdient, während die Familie jedoch weiterhin in der Hochhaussiedlung Mainpark in Offenbach am Main lebte. Irgendwann habe ihr Vater eine Depression entwickelt und mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen. Als Haftbefehl 14 Jahre alt war, habe sich der Vater erhängt. Die Szenen werden im Film von Schauspielern nachgestellt.
Nun beginnt Haftbefehls Kampf gegen die Sucht. Ein Schlüsselerlebnis ist sein Geburtstag, bei dem ein riesiges Konzert geplant ist, Haftbefehl jedoch tagelang verschwunden bleibt. Er kommt jedoch rechtzeitig und zeigt einen perfekten Auftritt, obwohl er für seine Familie ein trauriges Bild abgibt. Etwas später kommt es zu einer Überdosis und Haftbefehl landet im Koma. Im Anschluss reißt er sich im Krankenhaus die Instrumente ab und entlässt sich selbst. Es folgt ein weiterer Absturz. Eine weitere Schlüsselszene zeigt, wie Haftbefehl Reinhard Meys In meinem Garten singt. Die Szene wurde anlässlich des Geburtstags seiner Tochter Aliyah aufgenommen. Haftbefehl ist einem Zusammenbruch nahe und bezeichnet sich selbst als „Dreck“.
Am Ende der Dokumentation ist es sein jüngerer Bruder Cem, der ihn in die Türkei lockt und dazu bringt, eine Vollmacht zu unterzeichnen. Haftbefehl wird im Anschluss in eine geschlossene Suchtklinik eingewiesen. Die letzten Filmszenen zeigen den nun von der Sucht fürs erste geheilten Rapper, der noch sichtlich mitgenommen zugibt, ohne die Intervention von Cem nicht überlebt zu haben.
Produktion
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Der Dokumentarfilm entstand über einen Zeitraum von drei Jahren: von Anfang 2022 bis Ende 2024. Der Schauspieler Elyas M’Barek produzierte die Dokumentation und gab damit sein Produzentendebüt.[1] Regie führten Sinan Sevinç und der Journalist Juan Moreno.[2] Im Film ist neben Rappern wie Manuellsen, Jan Delay und Marteria auch Xatar zu sehen, der ein halbes Jahr nach den Dreharbeiten verstarb.[3][4] Zu Beginn der Doku war der Crew nicht klar, wie sich die Dokumentation entwickeln würde. Eigentlich gedacht als eine Art Porträt des Künstlers wandelte sich der Film im Verlauf des Drehs ab dem Zusammenbruch in Mannheim grundlegend. Mehrfach habe man darüber nachgedacht, die Dokumentation abzubrechen.[5] Jedoch bestand Aykut Anhan darauf, die Dokumentation fortzusetzen und stimmte ohne Änderungswünsche zu, die Dokumentation so zu zeigen.[6]
Der Film wird vor allem getragen von szenischem Storytelling, bei denen die Protagonisten, Haftbefehl selbst, seine Brüder Aytac und Cem Anhan, seine Frau Nina Anhan sowie Weggefährten von Plattenlabeln, Musikproduzenten und andere Rapper die Geschichte erzählen. Zum Teil werden auch Archivaufnahmen gezeigt und einzelne Szenen mit Schauspielern nachgestellt. Mit Aussagen, die in der Dokumentation fallen, in denen Haftbefehl selbst sagt, dass die Kamera weiterlaufen soll oder er ein Statement abgibt, warum er nie wollte, dass die Kamera ausgeht, wird ebenfalls eine Metaebene eingearbeitet.[2]
Im Film werden zwei Details enthüllt, die vorher unbekannt waren. So gab es Gerüchte, dass Haftbefehl im Koma gelegen haben soll, die jedoch erst in der Doku bestätigt wurden. Das zweite Detail betrifft das Aussehen. Gegen Ende des Films ist Haftbefehl vom Drogenkonsum gezeichnet. Neben einer deutlichen Gewichtszunahme ist vor allem seine Nase markant. Diese ist durch den jahrelangen Kokainkonsum gezeichnet und wirkt wie aus dem Gesicht gefallen.[7]
Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Premiere erfolgte auf einer Sondervorführung in Berlin am 24. Oktober 2025, bei der Elyas M’Barek anwesend war. Auch Haftbefehl zeigte sich dort, allerdings mit Sturmhaube vermummt, vermutlich eine Reaktion auf sein gezeichnetes Äußeres.[3] Der Film erschien am 28. Oktober 2025 auf Netflix.[8]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Dokumentation wurde zwiespältig aufgenommen. Hervorgehoben wurde die Nähe zum Künstler sowie die Schonungslosigkeit, die jedoch nach Ansicht einiger Kritiker auch kritikwürdig sei.
Der Medienkritiker und Satiriker Lorenz Meyer bezeichnete den Film in einem Radiobeitrag für Radio Eins als einen „Trauma-Porno mit Klarlack drüber“[9] und kritisierte die angebliche Authentizität der Doku als voyeuristisches Stilmittel für eine zynische Musikindustrie, die vom Absturz von Menschen profitiere. Er zieht Parallelen zu vergleichbaren Dokumentarfilmen zu tragischen Künstlern wie Kurt Cobain und Amy Winehouse.[9] BR24 kritisierte ebenfalls die voyeuristische Herangehensweise der Doku, lobte jedoch auch die Ehrlichkeit des Künstlers.[2]
In der Süddeutschen Zeitung schrieb Jakob Blazza, dass der Dokumentarfilm dem Rapper zum Teil unerträglich nahe komme. Es gehöre zu den Leistungen der Dokumentation, dass man der Verherrlichung des Rappers „durch enorm wirkmächtig gesetzte Bilder die Grundlage sehr radikal“ entzöge. Jedoch mahnt Blazza auch an, dass es eine Frage sei, was „Consent“ bedeute, wenn der Protagonist des Dokumentarfilms „quasi keine klaren Momente mehr“ habe, eine Frage, die der Filmemacher über ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt sowie Anhans Familie für sich beantwortet habe. Im Gegensatz zu Meyer jedoch schreibt Blazza, es werde auf Grund der „wirklich immens sensiblen Regie nie zum Drogenopfer-Porno“.[10]
Der Musikexpress lobte die Dokumentation als „gut gemacht“. Sie würde nicht ähnlichen Filmen folgen und sich auf die Erfolgsgeschichte fokussieren, sondern eine „Saga der Selbstdestruktion“ zeigen. Sie folge „dem Mensch Aykut Anhan in Abgründe, bei denen man streckenweise nicht mehr zusehen will“.[11] Alice von Lethe äußerte in der Wochentaz ebenfalls, dass es schwierig sei, diese Doku anzuschauen, „[w]eil sie Haftbefehl, weil sie Aykut Anhan, so nahekommt“.[12]
Ähnlich urteilte der Rolling Stone: „Die Doku ist eine ungeschönte Geschichte des Überlebens, eines Dramas zwischen Größenwahn und Depression, Ruhm und Absturz, Kontrolle und Kontrollverlust. Der Film wird beiden gerecht: dem Künstler Haftbefehl und dem Menschen Aykut Anhan. Das Drama eines Lebens, das sich in seiner Musik längst angekündigt hat. Diese Doku will nichts beschönigen und nichts verdammen. Sie zeigt uns einfach die Realität. Am Ende bleibt Ehrfurcht. Nicht vor dem Star, sondern vor dem Menschen.“[4]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Matthias Halbig: Netflix-Doku „Babo – Die Haftbefehl-Story“: Kollaps eines Königs. In: rnd.de. 29. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ a b c "Babo – die Haftbefehl-Story": Eine erschütternd ehrliche Doku. In: br.de. 28. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ a b Jacqueline Konyo: «Babo – Die Haftbefehl-Story»: Diese Momente gehen unter die Haut. In: SRF. 31. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ a b Teoman Tonn: BABO – Die Haftbefehl-Story: „Lügen will ich nicht, die Realität ist das“. In: Rolling Stone. 25. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Drogen-Überdosis: Rapper Haftbefehl war klinisch tot. In: Kurier.at. 29. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Jannes Weicht: Die wichtigsten Szenen aus „Babo - die Haftbefehl Story“ – mit Sinan Sevinç und Juan Moreno. In: DIFFUS. 29. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Christine Kurz: Was ist mit Haftbefehls Nase passiert? Netflix-Doku zeigt krasse Verwandlung. In: tvspielfilm.de. 1. November 2025, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Ab sofort auf Netflix: „Babo – Die Haftbefehl Story". In: stoked.de. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ a b Lorenz Meyer: Neue Netflix-Doku: "Babo: Die Haftbefehl-Story". In: Radio Eins. 29. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Jakob Blazza: Kokain, schwere Sucht. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 247, 27. Oktober 2025, S. 11 (sueddeutsche.de).
- ↑ Tomasso Schultze: „Babo – Die Haftbefehl-Story“: Eine Saga der Selbstdestruktion. In: Musikexpress. 29. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Alice von Lenthe: Netflix-Doku über Haftbefehl: Schonungslos offen. In: Die Tageszeitung: taz. 29. Oktober 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 5. November 2025]).