Bach-Chor Bonn

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Bach-Chor Bonn
Sitz: Bonn, Deutschland
Gründung: 1949
Gattung: Konzertchor
Gründer: Gustav Classens
Leitung: Markus Mostert
Stimmen: 80 (SATB)
Website: www.bach-chor-bonn.de

Der Bach-Chor Bonn ist ein großer Konzert- und Oratorien-Chor und seit über 60 Jahren fester Bestandteil des Bonner Musiklebens. Bis 2012 trug der eingetragene Verein den Namen Bonner Bach-Gemeinschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949 gründete Gustav Classens, der damalige Städtische Musikdirektor und Leiter des Beethoven Orchesters Bonn, die Bonner Bach-Gemeinschaft e.V. zur Pflege der Musik Johann Sebastian Bachs und die Einführung in seine Werke. Anfangs aus Chor und Orchester bestehend, erweiterte der Verein bald sein Repertoire auf weitere hochrangige europäische Komponisten. Das Orchester, das in den ersten Jahren nach der Gründung den größten Teil der Konzerte bestritt, bestand bis 1971. Der Chor der Bonner Bach-Gemeinschaft entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Konzert- und Oratorienchor, dessen Arbeit ausgehend von der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werk Bachs die europäische Chorliteratur bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen einbezieht. 2012 änderte der Verein seinen Namen in Bach-Chor Bonn, unter dem er auch in den Jahren zuvor schon im Internet und auf Reisen bekannt war.

Chorleiter nach Classens waren Roland Bader und Herbert Ermert. Von 1991 bis zu seinem Tod im November 2006 wurde der Chor von dem Komponisten und Dirigenten Franz Xaver Gardeweg geleitet. Sein Nachfolger wurde Jürgen Böhme, 2010 abgelöst von Horst Meinardus. Seit April 2017 leitet Markus Mostert den Chor.

Unter Ermert erlangte der Chor internationalen Ruf durch zahlreiche Gastspiele in Belgien, Luxemburg, Italien und allein 14 Reisen nach Frankreich. Gardeweg führte den Chor mehrfach nach Italien, wo er u. a. im September 1999 mit der h-Moll-Messe von Bach am Barockfestival Viterbo teilnahm und im April 2000 mit der Matthäus-Passion von Bach im Rahmen des Projekts „La Bibbia nella Musica“ in der Lombardei auftrat. Im September 1995 sang der Chor zusammen mit dem Chor der Staatsphilharmonie Krakau das Requiem von Johannes Brahms in einem feierlichen Konzert zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz 50 Jahre zuvor. Im Sommer 2006 führte eine Reise nach Mecklenburg-Vorpommern und Polen. Chormusik der Romantik wurde als A-cappella-Programm in Prohn, Cammin und Stargard aufgeführt. Insgesamt 34 Konzerte gab der Chor von 1957 bis 1983 im Kloster Steinfeld, 21 unter Classens, 8 unter Bader und 5 unter Ermert.

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chor zählt heute über 80 Mitglieder. Sein Programm umfasst Orchesterkonzerte, in der Bonner Beethovenhalle oder als Gast in anderen Städten und Ländern, sowie A-cappella-Konzerte und Auftritte mit kleiner Besetzung. Tradition hat ein jährliches Benefizkonzert mit dem Kiwanis-Club Bonn e. V. zugunsten benachteiligter Bonner Kinder.

Chorleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1949 hat sich der Bach-Chor Bonn über 130 verschiedene Werke – Messen, Oratorien, Requien, Psalmen, Kantaten, Hymnen u. a. – von 40 hochrangigen europäischen Komponisten erarbeitet und zur Aufführung gebracht. Allein vom Namenspatron Johann Sebastian Bach sind es über 40 Werke, darunter die Matthäus-Passion, die h-Moll-Messe, das Weihnachtsoratorium, die Johannes-Passion und das Magnificat. Neben der populären großen Chorliteratur wagt sich der Chor auch an eher Unbekanntes – wie das Oratorium Die Himmelfahrt Jesu Christi von Albert Lortzing – und an seltener aufgeführte Kompositionen – wie die Harmoniemesse von Joseph Haydn oder auch Benjamin Brittens War Requiem.

In den 16 Jahren unter Gardewegs Leitung wurden u. a. folgende Werke erarbeitet und aufgeführt: die Oratorien Die Jahreszeiten und Die Schöpfung sowie die Schöpfungsmesse von Joseph Haydn; die Messen Nr. 5 As-Dur und Nr. 6 Es-Dur von Franz Schubert; die Oratorien Judas Maccabäus und Der Messias von Georg Friedrich Händel; das Weihnachts-Oratorium, die h-Moll-Messe und die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach; die Missa solemnis D-Dur op. 123 von Ludwig van Beethoven; die Sequenz Stabat mater von Gioacchino Rossini; das Requiem von Gabriel Fauré; Ein deutsches Requiem op. 45 von Johannes Brahms; das War Requiem von Benjamin Britten; die Messe D-Dur op. 86 von Antonín Dvořák; die Messa da Requiem von Giuseppe Verdi; das Oratorium Gurre-Lieder von Arnold Schönberg; das Requiem Des-Dur von Robert Schumann.

Konzertreisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977 Frankreich (Sedan, Paris, Dijon, Mâcon, Thonon)
  • 1978 Frankreich (Epernay, Thono, Annecy, Privas, Istres)
  • 1979 Italien (Padua, Rimini)
  • 1980 Frankreich (Sedan, Paris, Paris-Créteil)
  • 1982 Frankreich (Chambéry, Istres, Annecy, Sochaux, Dijon)
  • 1983 Frankreich (Nizza, Thonon, Auxerre, Paris, Tournai, Mons), Belgien (Tongeren)
  • 1984 Belgien (Mons), Frankreich (Mons, Annecy, Thonon, Dijon), DDR (Quedlinburg)
  • 1985 Belgien (Tongeren), Frankreich (Bourges, Dijon, Annecy)
  • 1986 Frankreich (Annecy, Sochaux, Dijon, Bourges)
  • 1987 Frankreich (Annecy, Bourges)
  • 1988 DDR (Quedlinburg)
  • 1989 Belgien (Tongeren), Frankreich (Dijon)
  • 1990 Neue Bundesländer (Wernigerode, Quedlinburg)
  • 1991 Potsdam (Musikfestspiele Sanssouci)
  • 1992 Potsdam
  • 1994 Braunschweig
  • 1995 Potsdam, Polen (Krakau „In memoriam Auschwitz 1945–1995“), Italien (Rom, Citta di Castello, Frascati, Assisi)
  • 1996 Italien (Lecco, Mailand, Grosio, Bergamo; CD-Einspielung)
  • 1997 Quedlinburg, Potsdam
  • 1998 Italien (Abano Therme, Bozen, Rovereto)
  • 1999 Italien (Lecco, Como, Bergamo „La bibbia nella musica“, Tarquina „Barockfestival Viterbo“)
  • 2000 Italien (Brugherio, Lecco, Villasanta „La bibbia nella musica“), Arnstadt
  • 2001 Italien (Canzo, Verbania Intra, Santa Maria Maggiore)
  • 2002 Italien (Mirandola, Grosio)
  • 2004 Italien (Rom)
  • 2006 Mecklenburg-Vorpommern und Polen (Prohn, Cammin, Stargard)
  • 2009 Italien (Lucca, Civitavecchia, Acquaviva, Casamassima)
  • 2016 Polen (Gliwice "Musica pro Europa")

Weitere Highlights[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978 Luxemburg: RTL-Rundfunkproduktion (Psalmen-Sinfonie)
  • 1980 Köln: WDR-Rundfunkaufnahme (Peter Cornelius, Messe in d-Moll)
  • 1980 Schallplattenproduktion (Anton Bruckner, Requiem)
  • 1988 Bonn: Deutscher Bundestag, Gedenkstunde zur Reichspogromnacht (Live-Übertragung WDR)
  • 1989 Köln: WDR-Rundfunkaufnahme (Haacke Waldkantate, Distler An die Natur)
  • 1989 Bonn, Beethovenhalle: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille 1989 an Sir Yehudi Menuhin (Live-Übertragung ARD)
  • 1990 Bonn, Marktplatz: Willkommen! Die fünf neuen Bundesländer
  • 1996 Bonn: gemeinsame Aufführung von Mendelssohns Elias mit dem Philharmonischen Chor Tel Aviv
  • 2007 Bonn, Wuppertal, Solingen: „Musica sacra dal mondo“
  • 2013 Zwickau: Mitgestaltung des Eröffnungskonzerts des 18. Deutschen Chorfestivals des Verbandes Deutscher Konzertchöre VDKC

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Bruckner: Requiem d-Moll. Siegerland Orchester, Leitung Herbert Ermert; Aulos-Schallplatten-Produktion, Viersen; Vertrieb: Fono-Schallplattengesellschaft, Münster (Westfalen), 1981.
  • Johann Simon Mayr: Samuele. Orchestra Accademia di Stato di Minsk, Leitung Pierangelo Pelucchi (weltweit erste Einspielung); Fono-Schallplattengesellschaft, Laer (1997).
  • Luigi Cherubini/Anton Bruckner: Requien. Leitung Herbert Ermert; Musikado Köln (2004).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bonner Bach-Gemeinschaft 1949–1999. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Chores. Bonn 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]