Bad Bergzabern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Bergzabern
Bad Bergzabern
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Bergzabern hervorgehoben
Koordinaten: 49° 6′ N, 8° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Südliche Weinstraße
Verbandsgemeinde: Bad Bergzabern
Höhe: 170 m ü. NHN
Fläche: 10,71 km2
Einwohner: 8164 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 762 Einwohner je km2
Postleitzahl: 76887
Vorwahl: 06343
Kfz-Kennzeichen: SÜW
Gemeindeschlüssel: 07 3 37 005
Adresse der Verbandsverwaltung: Königstraße 61
76887 Bad Bergzabern
Webpräsenz: www.bad-bergzabern.de
Stadtbürgermeister: Fred-Holger Ludwig (CDU)
Lage der Stadt Bad Bergzabern im Landkreis Südliche Weinstraße
Kirrweiler (Pfalz)Kirrweiler (Pfalz)Kirrweiler (Pfalz)MaikammerSankt Martin (Pfalz)Herxheim bei Landau/PfalzHerxheimweyherRohrbach (Pfalz)InsheimBornheim (Pfalz)Essingen (Pfalz)Hochstadt (Pfalz)Offenbach an der QueichBilligheim-IngenheimBirkweilerBirkweilerBöchingenBöchingenBöchingenEschbach (Pfalz)FrankweilerFrankweilerGöcklingenHeuchelheim-KlingenIlbesheim bei Landau in der PfalzIlbesheim bei Landau in der PfalzImpflingenKnöringenLeinsweilerRanschbachSiebeldingenSiebeldingenWalsheimWalsheimWalsheimBad BergzabernBarbelrothBirkenhördtBöllenbornDierbachDörrenbachGleiszellen-GleishorbachHergersweilerKapellen-DrusweilerKapsweyerKlingenmünsterNiederhorbachNiederotterbachOberhausen (bei Bad Bergzabern)OberotterbachOberschlettenbachPleisweiler-OberhofenSchweigen-RechtenbachSchweighofenSteinfeld (Pfalz)VorderweidenthalAlbersweilerAlbersweilerAnnweiler am TrifelsAnnweiler am TrifelsDernbach (Pfalz)EußerthalGossersweiler-SteinMünchweiler am KlingbachRamberg (Pfalz)RinnthalSilz (Pfalz)VölkersweilerWaldhambach (Pfalz)WaldrohrbachWernersbergAltdorf (Pfalz)Altdorf (Pfalz)Altdorf (Pfalz)Böbingen (Pfalz)Böbingen (Pfalz)Böbingen (Pfalz)BurrweilerBurrweilerEdenkobenEdenkobenEdesheimEdesheimEdesheimEdesheimFlemlingenFlemlingenFlemlingenFreimersheim (Pfalz)GleisweilerGleisweilerGommersheimGommersheimGommersheimGroßfischlingenHainfeld (Pfalz)Hainfeld (Pfalz)Hainfeld (Pfalz)KleinfischlingenRhodt unter RietburgRhodt unter RietburgRoschbachRoschbachVenningenVenningenVenningenWeyher in der PfalzWeyher in der PfalzLandau in der PfalzLandau in der PfalzLandau in der PfalzLandkreis GermersheimRhein-Pfalz-KreisLandkreis Bad DürkheimNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Bad DürkheimLandkreis KaiserslauternLandkreis SüdwestpfalzFrankreichKarte
Über dieses Bild

Bad Bergzabern (pfälz. Berchzawwre) ist eine Stadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Südliche Weinstraße und gemessen an der Einwohnerzahl dessen zweitgrößte Ortsgemeinde. Die Stadt ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde und ein staatlich anerkanntes Heilbad. Gemäß Landesplanung ist sie als Mittelzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Bergzabern liegt am westlichen Rand der Oberrheinischen Tiefebene am Anstieg zum Ostrand des Pfälzerwalds. Der von dort kommende Erlenbach durchfließt nach seinem Austritt aus dem Mittelgebirge eine breite Mulde. In dieser und an ihren Hängen liegt Bad Bergzabern. Innerhalb der Stadt ist der Bach verrohrt. Das Kurviertel, das sich ins Erlenbachtal erstreckt, wird auch Kurtal genannt. Noch vor Erreichen des Bad Bergzaberner Siedlungsgebiets nimmt der Erlenbach von links den Anbach auf, der auf Höhe des Stadtteils Blankenborn entspringt.

Vom südlichen Anfang der Deutschen Weinstraße bis nach Bad Bergzabern sind es 6 km. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Pleisweiler-Oberhofen, Kapellen-Drusweiler, Dörrenbach, Birkenhördt, Silz (Pfalz) und Gleiszellen-Gleishorbach. Nächstgelegene Städte von Bad Bergzabern sind – von Norden aus im Uhrzeigersinn – Landau in der Pfalz, Kandel, Wissembourg (F), Dahn und Annweiler am Trifels.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Bergzabern hat das Klima der Oberrheinischen Tiefebene, welche die mildesten Winter und die wärmsten Sommer in Deutschland aufweist. Die Jahresdurchschnittstemperaturen erreichen teilweise um 11 °C; im wärmsten Monat Juli liegen die Durchschnittswerte um oder sogar knapp über 20 °C. Für Bad Bergzabern wirkt sich dabei noch die westliche Randlage günstig aus, da Föhn-Effekte durch absinkende Luft aus dem Pfälzerwald zu Temperaturerhöhungen führen können.

Der mittlere Jahresniederschlag von 804 mm liegt im mittleren Drittel der in Deutschland gemessenen Werte. Dabei sind die Niederschläge über das gesamte Jahr ziemlich gleichmäßig verteilt. Der Dezember als der niederschlagreichste Monat bringt nur 1,4-mal mehr als der niederschlagärmste Monat September.

Diese günstigen klimatischen Bedingungen sind optimal für den Weinbau und lassen im Freiland auch Mandelbäume, Feigen und Esskastanien gedeihen und Früchte tragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Bergzabern – Wahrzeichen der Stadt
Westwallmuseum

Gelehrte des 16. Jahrhunderts hätten ihre Heimat gerne als römische Gründung gesehen und nannten sie deshalb lateinisch Tabernae Montanae. Doch obwohl das Gebiet römisches Territorium war, ist ein antiker Vorläufer von Bergzabern nicht nachzuweisen.

1286 verlieh Rudolf von Habsburg der rund um eine Wasserburg entstandenen Siedlung das Stadtrecht. 1394 gingen Burg und Stadt Bergzabern in den Besitz der Kurpfalz über. Bei der pfälzischen Teilung von 1410 kam sie an Pfalz-Zweibrücken, das später zum Oberrheinischen Reichskreis gehörte.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig II. begann 1520 mit dem Umbau der Burg in eine herzogliche Residenz; dieser Ausbau war erst zwei Generationen später unter Johann I. 1579 vollendet. 1532 wurde in Bergzabern die Reformation eingeführt. Im Holländischen Krieg wurde 1676 ein großer Teil der Stadt durch die Truppen Ludwig XIV. niedergebrannt. Nur wenige Renaissancebauten – wie beispielsweise das herzogliche Amtshaus von 1579 (heute Gasthaus zum Engel) –  haben diesen Stadtbrand überdauert. Im 18. Jahrhundert begann unter Herzog Gustav Samuel Leopold der Wiederaufbau von Stadt und Residenz im barocken Stil durch den schwedischen Architekten Jonas Erikson Sundahl.

Die Ära des Hauses Pfalz-Zweibrücken ging mit der Französischen Revolution zu Ende. Am 10. November 1792 beantragten die Bergzaberner Bürger den Anschluss ihrer Stadt an die Französische Republik. Im Zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 trat Frankreich den Landstrich zwischen Lauter (Rhein, Neuburg) und Queich wieder ab; die gesamte Pfalz fiel 1816 als Rheinkreis an das Königreich Bayern.

Im Revolutionsjahr 1848 gründeten die Bürger von Bergzabern einen demokratischen Verein. 1849 kamen viele Teilnehmer des Pfälzischen Aufstands aus Bergzabern. Der von hier stammende Friedrich Schüler wurde anschließend als einer der fünf Reichsregenten vom Stuttgarter Parlament gewählt. 1870 bekam Bergzabern einen Bahnanschluss.

Durch das Gebiet von Bergzabern verlief ab Ende der 1930er Jahre der Westwall mit seinen Verteidigungsanlagen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Bergzabern zur Frontstadt mit zwei Evakuierungen und litt unter großen Zerstörungen, die bis zu 75 % ausmachten.[3]

Die Zugehörigkeit Bergzaberns zu Bayern endete am 15. Juli 1945 nach der deutschen Kapitulation mit der Bildung der Französischen Besatzungszone. Die französische Militärregierung formte u. a. das Land Rheinland-Pfalz, zu dem Bergzabern seitdem gehört. 1963 wurde Bergzabern zum Kneippheilbad erklärt und darf seither den Namen „Bad Bergzabern“ führen.

1969 wurde der Landkreis Bergzabern aufgelöst und Bad Bergzabern in den neu geschaffenen Landkreis Landau-Bad Bergzabern (ab 1978: „Landkreis Südliche Weinstraße“) eingegliedert. Am 20. März 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Blankenborn nach Bad Bergzabern eingemeindet.[4] Ein Jahr später wurde die Stadt Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 waren 39,6 % der Einwohner evangelisch und 37,7 % katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bad Bergzabern, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 2.745
1835 2.716
1871 2.419
1905 2.837
1939 5.018
1950 4.059
Jahr Einwohner
1961 5.446
1970 5.392
1987 6.405
1997 8.139
2005 7.936
2016 8.164

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtratswahl 2014 [7]
Wahlbeteiligung: 48,7 % (2009: 46,6 %)
Gewichtetes Ergebnis[6]
 %
50
40
30
20
10
0
41,5 %
29,2 %
15,2 %
10,1 %
3,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,9 %p
+3,8 %p
-4,2 %p
+3,7 %p
-4,3 %p

Der Stadtrat in Bad Bergzabern besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[7]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP FWG Gesamt
2014 7 10 2 1 4 24 Sitze
2009 6 10 1 2 5 24 Sitze
2004 4 13 1 1 5 24 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2014 wurde der Gynäkologe Fred-Holger Ludwig zum Nachfolger von Harald Bratz gewählt.[8]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte von Bad Bergzabern sind seit 1939 Amberg und Lichtenfels.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bad Bergzabern
Blasonierung:[A] „Von Gold und Silber geteilt, oben ein schreitender blaubewehrter und -bezungter roter Löwe, unten ein gestürzter schwebender roter Zwillingssparren.“[9]
Wappenbegründung: Der Löwe verweist auf die ehemalige Zugehörigkeit zur Grafschaft Zweibrücken.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gasthaus „Zum Engel“
Die Marktkirche (von Südosten)
Ehemaliges Kloster Liebfrauenberg
  • Im Schloss Bergzabern residierten einst die Herzöge der Wittelsbacher-Linie Pfalz-Zweibrücken. Es ist das Wahrzeichen der Stadt. Der Vierflügelbau im Renaissancestil entstand von 1526 bis 1579 nach der Zerstörung einer Wasserburg im Bauernkrieg. Die Schmuckfassade des Südflügels wird flankiert von zwei ehemaligen Wehrtürmen aus dem 16. Jahrhundert. Die Freitreppe entstand im 19. Jahrhundert. Am Westflügel ein Tor von 1579 mit zwei Riesen (Riesentor). Die Anlage ist heute Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung.
  • Das Gasthaus Zum Engel ist einer der schönsten Renaissancebauten im Südwesten Deutschlands. Erbaut von 1556 bis 1579 diente es als Sitz des Oberamtmanns der Herzöge Pfalz-Zweibrücken. Heute beherbergt das Gebäude eine Gaststätte und das Heimatmuseum der Stadt.
  • Die evangelische Marktkirche ist ein Hallenbau mit einem neugotischen Dachreiter und einem separat stehenden Glockenturm. Ihre Anfänge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück.
  • Die katholische St. Martinskirche vom Architekten Franz Schöberl aus den Jahren 1877–1879 im neugotischen Stil ist die Taufkirche der Jüdin Edith Stein, die am 1. Januar 1922 hier getauft und als Opfer des Holocaust am 11. Oktober 1998 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde. Die Ausstattung der Kirche wurde inzwischen besonders auf Edith Stein ausgerichtet. Edith Stein wurde im KZ Birkenau getötet.
  • Die kleine Bergkirche, von 1720 bis 1730 von der lutherischen Gemeinde in Bergzabern erbaut, diente der Herzogin Karoline von Nassau-Saarbrücken, welche das Bergzaberner Schloss als Witwensitz gewählt hatte, auch als Schlosskirche. Die Herzogin unterstützte die Kirche auch finanziell. In der Neupfarrkirche befindet sich eine der wenigen in Rheinland-Pfalz erhaltenen Kanzeluhren.[10]
  • Reste der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert mit Dickem Turm und Storchenturm
  • In einem ehemaligen Bunker befindet sich ein privates Westwall-Museum, das an die schwere Zeit des Zweiten Weltkriegs in Bergzabern und seiner Umgebung erinnert.
  • In einem der ältesten Barockhäuser der Stadt am Marktplatz präsentiert die Buch- und Kunsthandlung Wilms ein Zinnfiguren-Museum mit 10.000 Einzelteilen.
  • Ein Aussichtsturm oberhalb der Stadt bietet einen BAusbick auf die Stadt und über die Rheinebene bis zum Schwarzwald. Der 30 m hohe hölzerne Turm wurde 1984 anstelle eines früheren Bismarckpavillons errichtet.
  • Am Weinbrunnen von Gernot Rumpf symbolisieren Lamm, Affe, Löwe und Schwein die vier Zustände des Weingenusses.
  • Der Böhämmer-Brunnen erinnert an die ehemalige Blasrohrjagd auf Bergfinken, die ib der Region „Böhämmer“ genannt wurden.
  • Das oberhalb der Stadt gelegene ehemalige Kloster Liebfrauenberg, in dem ältere und geistig behinderte Menschen betreut wurden, stand zeitweise leer.
  • Der Kurpark wartet mit seltenen Bäumen auf, wie zum Beispiel dem Taschentuchbaum (Davidia involucrata) und der Kaukasischen Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia).

Böhämmerjagd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Böhämmerjagd

Eine Besonderheit der Stadt und ihrer näheren Umgebung war das von alters her bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete Erlegen von Bergfinken, die im Winter in großen Schwärmen in den umgebenden Wäldern überwinterten und hier Böhämmer genannt wurden,[11] mittels Blasrohr.[12] Das Andenken an die 1908 verbotene Jagdmethode wird im Böhämmer-Jagdclub e. V. gepflegt. An der Kurtalstraße erinnert der Böhämmerbrunnen an den früheren Brauch.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eduard Tischberger
Thermalbad
Edith-Stein-Klinik

1875 wurde in Bergzabern ein Verschönerungsverein mit dem Ziel gegründet, „Bergzabern und seine schöne Umgebung mehr und mehr zum Wanderziel von Luftkurgästen zu machen.“ 1886 wurde im Erlenbachtal das erste Kurhaus errichtet, in dem ab 1892 durch Eduard Tischberger (1858–1900) „Kneippsche Kaltwasseranwendungen“ verabreicht wurden. Tischberger begründete damit die Kneipp-Therapie in Bergzabern. 1894 folgte ein zweites Kurhaus, und am 12. Oktober 1896 weilte Sebastian Kneipp selbst zu einem Vortrag in Bergzabern, nachdem 1893 hier ein Kneipp-Verein gegründet worden war. In der Folge wurden weitere Kurhotels errichtet.

1929 wurde die erste Bohrung niedergebracht, um Wasser für die Trinkkur in der neuen Wandelhalle im Kurpark zu gewinnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Kurbetrieb langsam wieder in Gang, und 1953 wurde Bergzabern staatlich anerkannter Kneippkurort, dem 1958 das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ folgte.

1962 war die Kurbetriebsgesellschaft gegründet worden, die später zur Staatsbad Bad Bergzabern GmbH wurde mit Mehrheitsbeteiligung des Landes Rheinland-Pfalz und gleichen Anteilen des Landkreises Südliche Weinstraße und der Stadt Bad Bergzabern.

1973 wurden im Stadtteil Süd mehrere Ferien-Appartementhäuser errichtet, was zu einem deutlichen Aufschwung für den Kurbetrieb führte. 1974 wurde das Thermalbad gebaut, welches das Wasser der 1969/1970 neu erbohrten Petronellaquelle – einer Natrium-Chlorid-Therme – nutzte. Das Wasser kam nun aus 450 m Tiefe mit einer Schüttungstemperatur von 21 °C. Es wird in den Becken mit Temperaturen zwischen 26 und 32 °C bereitgestellt.

Der Neubau des Hauses des Gastes von 1984 bot einen neuen Veranstaltungssaal, Restauration, Tagungsräume und Platz für die Gäste-Information. 1995 erhielt das Thermalbad ein Therapiebecken für Wassergymnastik.

2004 legte der Badearzt Wieland Hassinger den ersten Kneipp-Lehrpfad Deutschlands an mit einzelnen Stationen zu den fünf Kneippschen Wirkprinzipien. Von 2004 bis 2006 wurde das Thermalbad umfassend modernisiert und um eine Saunalandschaft und ein umfangreiches Wellnessangebot erweitert. 2011 erhielt der Kurpark eine neu gestaltete Eingangszone.

Als Heilklimatischer Kurort und Kneippheilbad lebt Bad Bergzabern zu einem Großteil vom Kurbetrieb. Strukturelle Veränderungen des klassischen Bäderwesens in den 1990er Jahren und restriktiv bewilligte kurorttherapeutische Maßnahmen führten zu rückläufigen Besucherzahlen bis 2005. Seither erfährt der Gesundheitstourismus aufgrund des demographischen Wandels wieder zunehmende Bedeutung.[13][14]

Der Kurbetrieb in Bad Bergzabern wird vor allem im Thermalbad abgewickelt. Es werden aber auch folgende Fachkliniken betrieben:

  • Biomedklinik für komplementäre Krebstherapie
  • Edith-Stein-Fachklinik für Orthopädie und Neurologie
  • Parkklinik für Psychosomatik und Verhaltenstherapie
  • Klinikum Landau-Südliche Weinstraße (Akutkrankenhaus mit Innere Medizin, Chirurgie, Konservative Orthopädie, Urologie und HNO)

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weinberge um Bad Bergzabern, in denen überwiegend Weißweine angebaut werden, werden im Wesentlichen von vier Weingütern bewirtschaftet. In der Stadt befindet sich die Großlage Kloster Liebfrauenberg und die Einzellage Altenberg.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Bergzabern ist Sitz der VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau. Das örtliche Restaurant Walram wurde 2016 von Guide Michelin mit einem Stern augezeichnet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof

Der Bahnhof Bad Bergzabern ist in den Karlsruher Verkehrsverbund und in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar integriert. Die 1870 eröffnete Bahnstrecke Winden–Bad Bergzabern über Barbelroth und Kapellen-Drusweiler verbindet die Stadt mit dem Schienennetz. Nachdem der Personenverkehr im Jahr 1981 eingestellt wurde, wurde er 1995 reaktiviert. Zudem bestehen Busverbindungen von Landau über Billigheim-Ingenheim, Klingenmünster und Bad Bergzabern nach Wissembourg im Elsass sowie nach Annweiler am Trifels, Dahn und Kandel.

In Bad Bergzabern beginnt die Bundesstraße 48, die nach Bingen führt. Die B 427 verläuft von Kandel durch Bad Bergzabern nach Dahn. Die B 38 (Roßdorf (bei Darmstadt)–Wissembourg) führt heute nicht mehr durch die Stadt, sondern als Ortsumgehung östlich daran vorbei. Anschluss an das Autobahnnetz hat Bad Bergzabern über die B 38 bei Impflingen zur A 65.

Die Stadt ist südlicher Ausgangspunkt des Pfälzer Mandelpfads.

Das Autokennzeichen des Kreises Bergzabern war bis zu seiner Auflösung 1969 BZA. Bis 1979 galt dann für Bad Bergzabern das LD des Kreises Landau, seither heißt es SÜW (Kreis Südliche Weinstraße).

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alfred-Grosser-Schulzentrum am südlichen Stadtrand befinden sich eine Realschule (seit 2009 Realschule plus) und ein Gymnasium.[15] sowie zwischen beiden die Böhämmer Grundschule, welche seit dem Schuljahr 2002/2003 eine Ganztagsschule ist.[16]

Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Bergzabern ist Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung. In der Stadt ist eine Bundespolizeiabteilung stationiert. Sie ist eine von zehn Bereitschaftspolizeiabteilungen des Bundes und untersteht der Direktion Bundesbereitschaftspolizei mit Sitz in Fuldatal. Die Abteilung verfügt über einen Abteilungsstab als Führungsinstrument sowie über drei Einsatzhundertschaften und eine Unterstützungseinheit mit Spezialkräften. Die ärztliche und sanitätsdienstliche Versorgung wird durch einen eigenen Sanitätsdienst sichergestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Schüler

Sechs Personen wurden zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt, zuletzt der Grafiker und Maler Werner vom Scheidt im Jahr 1979.

Bereits im 16. Jahrhundert war die Stadt Geburtsort mehrerer Intellektueller wie dem Arzt und Professor Tabernaemontanus, dem Reformator Kunemann Flinsbach und dem Diplomaten Johann Wolff. Weitere bekannte Söhne der frühen Neuzeit waren der Herzog von Pfalz-Zweibrücken Johann II. sowie der Politiker Friedrich Schüler, der 1832 am Hambacher Fest teilnahm, und der Jurist August Ferdinand Culmann, der Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung war.

Die bekannteste im 20. Jahrhundert hier geborene Persönlichkeit ist der langjährige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. Hinzu kommen die Basketballspieler Thorsten Raquet und Rouven Roessler sowie die Schauspielerin Friederike Becht.

Zu den Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben, zählen der Historiker Rolf Übel, der als Archivar der Stadt fungiert, sowie die Politiker Volker Wissing (FDP) und Alexander Schweitzer (SPD), die beide vor Ort ihr Abitur absolvierten. Der Karikaturist Jürgen Tomicek verbrachte einen Teil seiner Schulzeit ebenfalls in Bergzabern. Der Filmregisseur und -produzent Martin Blankemeyer wuchs ebenso vor Ort auf. Der CDU-Politiker Wilhelm Wallmann war von 1974 bis 1980 Stadtbürgermeister. Die gebürtige Jüdin Edith Stein, die dem Holocaust zum Opfer fiel, konvertierte am 1. Januar 1922 in Bergzabern zum katholischen Glauben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Henry Jones: Land Kommissariat und Kanton Bergzabern um 1840. In: Historische Reise durch die Pfalz um 1840. Epubli Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-4890-6, S. 40–54.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Bergzabern – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Bad Bergzabern – Reiseführer
 Wikisource: Bad Bergzabern – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
  3. Bergzabern im Zweiten Weltkrieg.
  4. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 158 (PDF; 2,8 MB).
  5. Gemeindestatistik, Stand: 31. Juli 2012.
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Erläuterungen zum Gewichteten Ergebnis.
  7. a b Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  8. Bad Bergzabern hat gewählt. pfalz-express.de, 9. Juni 2014.
  9. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.
  10. Peter Wasem: Die Sanduhr auf der Kanzel (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heimat-pfalz.de, abgerufen am 4. März 2015.
  11. Pfälzisches Wörterbuch.
  12. August Becker: Nächtliches Treiben im Wasgenwald. In: Die Gartenlaube, Heft 1, Leipzig 1878, S. 8–12 (Digitalisat).
  13. Fremdenverkehr in den rheinland-pfälzischen Heilbädern (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.rlp.de (PDF; 806 kB). Website des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 6. Juni 2015, S. 260 ff.
  14. Bad Bergzabern – Kneippheilbad in der Pfalz (Memento des Originals vom 31. Mai 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gastlandschaften.de. Website von Rheinland-Pfalz Tourismus. Abgerufen am 6. Juni 2015.
  15. Internetauftritt des Alfred-Grosser-Schulzentrums
  16. Unser Schulporträt. In: Böhämmer-Grundschule. 14. März 2017 (boehaemmer-grundschule.de [abgerufen am 16. Juni 2018]).