Bad Deutsch-Altenburg

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Bad Deutsch-Altenburg
Wappen Österreichkarte
Wappen von Bad Deutsch-Altenburg
Bad Deutsch-Altenburg (Österreich)
Bad Deutsch-Altenburg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Bruck an der Leitha
Kfz-Kennzeichen: BL
Fläche: 12,58 km²
Koordinaten: 48° 8′ N, 16° 54′ OKoordinaten: 48° 8′ 0″ N, 16° 54′ 0″ O
Höhe: 148 m ü. A.
Einwohner: 1.765 (1. Jän. 2018)
Bevölkerungsdichte: 140 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2405
Vorwahl: 0 21 65
Gemeindekennziffer: 3 07 02
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Erhardgasse 2
2405 Bad Deutsch-Altenburg
Website: www.bad-deutsch-altenburg.gv.at
Politik
Bürgermeister: Franz Pennauer (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(19 Mitglieder)
7
5
4
2
1
Insgesamt 19 Sitze
Lage der Marktgemeinde Bad Deutsch-Altenburg im Bezirk Bruck an der Leitha
Au am LeithabergeBad Deutsch-AltenburgBergBruck an der LeithaEbergassingEnzersdorf an der FischaEnzersdorf an der FischaFischamendGöttlesbrunn-ArbesthalGötzendorf an der LeithaGramatneusiedlHainburg an der DonauHaslau-Maria EllendHimbergHof am LeithabergeHöfleinHundsheimKlein-NeusiedlLanzendorfLeopoldsdorfMannersdorf am LeithagebirgeMaria-LanzendorfMoosbrunnPetronell-CarnuntumPrellenkirchenRauchenwarthRohrauScharndorfSchwadorfSchwechatSommereinTrautmannsdorf an der LeithaWolfsthalZwölfaxingLage der Gemeinde Bad Deutsch-Altenburg im Bezirk Bruck an der Leitha (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Bad Deutsch-Altenburg (bis 9. April 1928 Deutsch-Altenburg)[1] ist eine Marktgemeinde mit 1765 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018) im niederösterreichischen Bezirk Bruck an der Leitha; sie liegt am rechten Ufer der Donau südwestlich von Hainburg an der Donau am Pfaffenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massengrab ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter, die während des Todesmarsches ins KZ Mauthausen ermordet wurden, am Friedhof in Bad Deutsch-Altenburg.

Bei einem Steinbruch bei Bad Deutsch-Altenburg (Hollitzer-Steinbruch) wurden in Höhlen über 100 Reste von Bären gefunden. Zähne, Skelettreste (darunter ein Vorderbeinskelett) und ein Gehirnabdruck gaben Gelegenheit zu eingehenden wissenschaftlichen Vergleichsstudien, so über die Aufspaltung in Braunbären und Höhlenbären.[2] In diesem Gebiet wurden auch Funde aus dem Altpaläolithikum gemacht, ca. 800.000 Jahre alte Geröllgeräte des Homo erectus (Archaeologia-Austriaca, Band 88 / 2004)

Vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. lag das Gemeindegebiet von Bad Deutsch-Altenburg im Bereich des römischen Legionslagers und der zivilen Stadt Carnuntum. Diese war zeitweise Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien. Sie verfiel schrittweise nach einem schweren Erdbeben.

Der 1297 erstmals urkundlich erwähnte Ort entstand um eine Burg aus dem 11. Jahrhundert; 1579 erhielt er das Marktrecht. Der Namenszusatz „Deutsch“ dient zur Differenzierung vom westungarischen Ort Mosonmagyaróvár (Ungarisch-Altenburg).

Von 1915 bis in die 1980er-Jahre befand sich in (Bad) Deutsch-Altenburg eine große Funkstation für kommerziellen Funk, siehe Funkstation Deutsch-Altenburg.

Mit der Sommersaison 1928 wurde nach neun Jahren die Personenhaltestelle an der Donau wieder eröffnet, und Bad Deutsch-Altenburg konnte von der gegenüber der Wiener Urania gelegenen Ablegestelle mit dem Dampfer in eineinhalb Stunden erreicht werden.[3]

Feierliche Wiedereröffnung des Landungsstegs an der Donau (1928)

Am 20. Oktober 1929 wurde die Inbetriebnahme der neuen, zweiten Wasserleitung mit einem Festakt gewürdigt.[4]

Ab Oktober 1944 wurden ungarische Juden zu Schanzarbeiten am „Südostwall“ in den Bauabschnitten Engerau (heute Bratislava) und Bruck an der Leitha eingesetzt. Ende März 1945 erfolgte die Evakuierung der ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter auf Todesmärschen über Bad Deutsch-Altenburg, wo sie auf Schleppkähne in Richtung KZ Mauthausen verladen wurden. Während dieser Märsche gab es zahlreiche Tote, da die Wachmannschaften erschöpfte Juden erschossen. Am Friedhof von Bad Deutsch-Altenburg zeugt noch heute ein Gedenkstein von einem jüdischen Massengrab.[5]

Im April 2010 wurde Ernest Windholz mit den Stimmen der SPÖ im Gemeinderat zum neuen Bürgermeister gewählt.[6] Bekannt wurde der Politiker im Jahr 2000 durch die Zitierung des SS-Leitspruchs „Unsere Ehre heißt Treue“.[7]

Am 8. August 2013 wurde in der Gemeinde mit 40,5 Grad Celsius die höchste bis dahin in Österreich gemessene Temperatur erreicht.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.

  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 Liste ?, und 6 ÖVP.
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 SPÖ, 6 FPÖ, und 4 ÖVP.
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 SPÖ, 7 FPÖ, und 4 ÖVP.
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 SPÖ, 5 Liste Windholz, 4 ÖVP.
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 7 SPÖ, 5 ÖVP, 5 ERNEST, 2 WIR, und 1 FPÖ.
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 7 ERNEST, 5 ÖVP, 4 SPÖ, 2 WIR, und 1 FPÖ.
Bürgermeister
  • 1908–1919 Leopold Eder (1852–1930)
  • bis 2010 Josef Gittel (SPÖ)
  • 2010–2013 Ernest Windholz (FPÖ/BZÖ)
  • 2013–2014 Natascha Perger (SPÖ)
  • 2014–2015 Robert Strasser (SPÖ)
  • 2015–2017 Hans Wallowitsch (SPÖ)
  • seit 2017 Franz Pennauer (ÖVP)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Bad Deutsch-Altenburg

Kurort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thermalquelle ist eine der stärksten Iod-Schwefel-Quellen in Mitteuropa.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Durcovici (1888–1951), römisch-katholischer Geistlicher
  • Leopold Eder (1852–1930), von 1908 bis 1919 Bürgermeister von Deutsch-Altenburg[10]
  • Thomas Helbich (* 1963), Arzt (Radiologe), Universitätsprofessor
  • Carl Leopold Hollitzer (1874–1942), Karikaturist, Sänger und Kabarettist
  • Walter Krems (1919–2004), Buchautor, Fotograf, Künstler
  • Anton Graf Ludwigstorff (1845–1929), Gutsherr, Besitzer des Jod-Schwefel-Bades
  • Gustav Raab (1938–2006), Bankmanager
  • Hannes Swoboda (* 1946), Politiker
  • Peter Swoboda (1937–2006), Wirtschaftswissenschaftler
  • Ernest Windholz (* 1960), Politiker
  • Walter Krems (1919–2004), Buchautor, Fotograf, Künstler
  • Hartmut Frick, (* 1944), ärztlicher Leiter Krankenhaus Reutte/Tirol

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch Altenburg und die Hundsheimer Berge um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
  • Johann Wilhelm Mannagetta: Ludwigstorffisch-Baad-Buch oder Beschreibung von der sonderbahren Tugend … des Baad-Brunnens gelegen bey der Herrschafft … Teutschen-Altenburg an der Donau in Oesterreich unter der Ennß 8 Meil von Wienn. 2. Ed. Heyinger, Wien 1710, Volltext online.
  • Wohl-untersuchte Beschreibung des acht Meilen von Wien liegenden und sogenannten Teutsch-Altenburger-Bades, (…). In: Johann Maximilian Dietmann, Johann Wenzel Ignaz Lehr, J. A. C. v. S. (Übersetzer aus dem Lateinischen): Eigentliche Beschreibung Deren Berühmten dreyen Gesundheits-Bädern in dem Ertz-Hertzogthum Oesterreich unter der Enns als Baaden, Teutsch-Altenburg und Pyrenwarth. Verlegts Johann Paul Krauß, Nürnberg/Wien 1734, Volltext online.
  • Janos Kreuziger: Das Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich V.U.W.W. Druck und Commissions-Verlag von C(arl) F(riedrich) Wigand, Pressburg 1856, Volltext online.
  • Jodschwefelbad Bad Deutsch-Altenburg heilt Rheuma, Gicht, Ischias. Saisoneröffnung: 1. März. (Bildliche Darstellung). Schriftplakat, 1 Bogen. Wicho, Wien 1950, Image online.
  • Franz Müllner: Bad Deutsch-Altenburg von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Marktgemeinde Bad Deutsch-Altenburg, Bad Deutsch-Altenburg 1973, OBV.
  • Gertrude Sesztak: Studien zur Ortsgeschichte von Bad Deutsch Altenburg. Dissertation. Universität Wien, Wien 1974, OBV.
  • Gertrude Geng-Sesztak: Bad Deutsch-Altenburg. Bild einer Gegend. Böhlau, Wien (u. a.) 2000, ISBN 3-205-99150-8.
  • Käthe Springer (Konzept): Bad Deutsch-Altenburg. Chronik 1999–2001. Marktgemeinde Bad Deutsch-Altenburg (Hrsg.), Bad Deutsch-Altenburg 2001, ISBN 3-9501471-0-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Deutsch Altenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bad Deutsch-Altenburg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 50. Kundmachung der n. ö. Landesregierung vom 10. April 1928, L. A. VI/1-3218/10-XXII, über die Änderung des Ortsnamens der Ortsgemeinde Deutsch-Altenburg in „Bad Deutsch-Altenburg“. In: Landesgesetzblatt für das Land Niederösterreich, Jahrgang 1928, Nö LGBl 1928/50, S. 31 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/lgn.
  2. Gernot Rabeder, Martina Pacher, Gerhard Withalm: Early Pleistocene Bear Remains from Deutsch-Altenburg (Lower Austria) / Die altpleistozänen Bären von Deutsch-Altenburg (Niederösterreich). Österreichische Akademie der Wissenschaften – ÖAW. Mitteilungen der Kommission für Quartärforschung, Band 17. Verlag der ÖAW, Wien 2010, ISBN 978-3-7001-6827-0 (print), ISBN 978-3-7001-6934-5 (Online).
  3. Tagesneuigkeiten. (…) In Deutsch-Altenburg legen wieder Schiffe an. In: Arbeiter-Zeitung, Nr. 134/1928 (XLI. Jahrgang), 14. Mai 1928, S. 3, Spalte 3 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/aze;
    Aus Nah und Fern. Bad Deutsch-Altenburg ist nun endlich wieder mit dem Schiff erreichbar. (…). In: Niederösterreichischer Grenzbote mit illustriert(em) Unterhaltungslatt „Der Feierabend“, Nr. 19/1928 (XVII. Jahrgang), 6. Mai 1928, S. 3, unten rechts (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/non.
  4. Von der Woche. Bad Deutsch-Altenburg. (…) Die neue Wasserleitung. In: Volkspost. Sozialdemokratisches Wochenblatt für die Bezirke Schwechat, Hainburg und Bruck a. d. L., Nr. 42/1929 (XI. Jahrgang), 19. Oktober 1929, S. 3, Spalte 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vpt.
  5. Eleonore Lappin: Die Todesmärsche ungarischer Juden durch Österreich im Frühjahr 1945. Institut für Geschichte der Juden in Österreich, 2008.
  6. Windholz wird Bürgermeister in Niederösterreich. Die Presse. 20. April 2010. Abgerufen im 27. Juli 2012.
  7. FPÖ-Mann zitierte SS-Parole. Spiegel Online. 5. Juni 2000. Abgerufen im 27. Juli 2012.
  8. Neuer Hitze-Rekord: 40,5 °C in Bad Deutsch-Altenburg. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. 9. August 2013. Abgerufen im 9. August 2013.
  9. Bad Deutsch Altenburg auf www.oesterreich-info.at abgerufen am 31. Mai 2010
  10. Aus Nah und Fern. Bad Deutsch-Altenburg (Altbürgermeister …). In: Niederösterreichischer Grenzbote mit illustriert(em) Unterhaltungslatt „Der Feierabend“, Nr. 33/1930 (XIX. Jahrgang), 17. August 1930, S. 5, Spalte 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/non.
  11. Felix Czeike: Stefan Rechnitz. In: wien.gv.at/wiki, 1. September 2014, abgerufen am 18. Juni 2017.