Bad Gögging

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Koordinaten: 48° 49′ 35″ N, 11° 46′ 50″ O

Bad Gögging
Höhe: 354 m
Einwohner: 866 (1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 93333
Vorwahl: 09445

Bad Gögging ist ein Ortsteil von Neustadt an der Donau in Niederbayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kurort liegt in den Auen der etwa zwei Kilometer entfernten Donau am Fluss Abens, etwa 2,5 km von Neustadt entfernt. Die Staatsstraße St 2233 führt hindurch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Andreas-Kirche
Neues Kurzentrum: Wellness-Hotels mit Golfplatz
Neues Kurmittelhaus mit Wandelgang und Brunnen; nachts leuchtend in wechselnden Farben

Es wird vermutet, dass bereits die Kelten, die in den letzten 500 Jahren vorchristlicher Zeit die Gegend besiedelten, die Quellen Bad Göggings kannten und nutzten. Nachweislich genutzt wurden die Schwefelquellen des heutigen Kurorts Bad Gögging von den Römern. Nicht bewiesen, jedoch wahrscheinlich ist es, dass sie schon zur Zeit von Kaiser Titus um 80 bekannt waren, als die Cohors IIII Gallorum ("4. Gallierkohorte") zur Sicherung der Donaulinie das Kastell Abusina errichtete. Hier endet der Obergermanisch-Rätische Limes. Fest steht, dass Kaiser Trajan um 110 die Gegend besuchte und der Garnison eine Therme baute, deren Relikte 1960 bis 1970 unter der heutigen Andreaskirche ausgegraben wurden. Der antike Ortsname von Bad Gögging ist nicht bekannt.

Die Anlage war etwa 60 x 30 m groß; es gab ein Caldarium, ein Sudatorium und ein Frigidarium.

Es ist unklar, wie lange die Thermen in Betrieb waren und ob sie schon beim Markomannen-Einfall 174, beim Alemannen-Sturm 260 oder erst beim Hunnen-Einfall 450, als die Römer das Kastell bereits aufgegeben hatten, zerstört wurden.

Gögging ist eine Urpfarrei und damit eine der ältesten der Umgebung. Nach der Diözesanmatrikel wird schon im Jahre 575 in Gögging eine Seelsorgestelle erwähnt [2]. Im Jahre 1382 wurde der Pfarrsprengel Abensberg abgespalten. 1653 verlor die Pfarrei Bad Gögging ihre Selbständigkeit, als der Pfarrsitz nach Neustadt an der Donau verlegt wurde.[3]

Die erste urkundliche Erwähnung Bad Göggings erfolgte 970 n. Chr. im Zusammenhang mit einem Sigibero des Geckingun, Zensuale des Klosters Weltenburg.[4]

Seine Tradition als Badeort der Römer setzte der als „Göcking“ dokumentierte Ort im Mittelalter fort, als die antiken Thermen bereits mit der Andreaskirche überbaut waren. Wann die heilenden Quellen wiederentdeckt wurden, ist unklar. Fest steht, dass Herzog Ludwig der Reiche von Landshut sie 1470 kannte. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert erlitten Quellen und Ort jedoch eine Reihe von Rückschlägen. Im Landshuter Erbfolgekrieg 1505 brannten die Gegner Herzogs Albrechts des Weisen Bad Gögging völlig nieder. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Ort 1632–1633 von schwedischen Truppen zerstört, ebenso im Spanischen Erbfolgekrieg 1702–1714 sowie im Österreichischen Erbfolgekrieg 1740–1745. Aus dem Jahre 1783 wird berichtet, dass die Quelle einige Tage nicht floss, nachdem sich in Messina (Italien) ein großes Erdbeben ereignet hatte.

Es dauerte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, ehe der Badebetrieb wieder aufgenommen wurde. 1880 entstand das Kurhaus Römerbad und 1913 das Trajansbad. Den offiziellen Bäderstatus erhielt der Ort am 30. Juni 1919.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich neben dem Kurbetrieb ein regulärer Tourismus. Pensionen und Gasthöfe entstanden.

Bad Gögging

Im Mai 1976 wurde in 650 m Tiefe bei Bohrungen eine Natrium-Hydrogencarbonat-Chlorid-Quelle entdeckt. Daraus entstand im Dezember 1979 das in Anknüpfung an die römische Tradition „Limes-Therme“ genannte Thermalbad, das seither mehrere Modernisierungen und Erweiterungen erfuhr. Rund um diese Therme entwickelte sich ab dem Ende des 20. Jahrhunderts neben dem historischen ein zweites Kurzentrum mit einer Reihe von Wellness-Hotels zeitgenössischen Zuschnitts, ein kleiner Golfplatz, ein neues Kurhaus nebst Rehabilitationseinrichtungen mit Schwefelquelle, Thermalwasser und Naturmoor, Anlagen für Betreutes Wohnen, Einkaufszentrum und gastronomischen Betrieben.

Am 1. Juli 1972 wurde die vorher selbständige Gemeinde Gögging in die Stadt Neustadt an der Donau eingegliedert.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von Bad Gögging zeigt zwei Badescheffel, wobei der im Wappen oben dargestellte die römische Badeepoche, der untere die mittelalterliche repräsentiert.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurplatz
Römisches Relief in der Limes-Therme (ca. 200 n. Chr.: Weinverkäufer in einer Taverne)

Der neben dem Kurbetrieb florierende Tourismus in Bad Gögging gründet sich auf Wellness-Konzepte in Verknüpfung mit der antiken Tradition.

Überregionale Bedeutung hat die Limes-Therme mit Thermal-Badelandschaft, Whirlpools, Dampfbad und einem zugleich als Museum konzipierten Saunabereich. In einem rekonstruierten Limesturm mit Schwitzbädern nach antikem Vorbild (Laconium, Sudatorium, Caldarium, Tepidarium) sind etwa 500 Exponate (etruskische, römische sowie spätantike Skulpturen und Reliefs) teilweise in Vitrinen und teilweise als Mobiliar integriert. Zu dieser so genannten „Römersauna“ gehört ein Außenbereich mit mediterraner Bepflanzung.

Bad Gögging ist Ausgangspunkt der Via Danubia, des bayerischen Abschnitts des Donauradwegs und Endpunkt des Limesweges (Weg 46) des Fränkischen Albvereins. Beliebte Ausflugsziele für Touristen sind zudem der Donaudurchbruch bei Weltenburg mit dem Kloster, Burg Prunn, Riedenburg und das Altmühltal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romanisches Kirchenportal St. Andreas
  • Ein Teil der unter der Andreaskirche gefundenen römischen Thermen ist seit 1980 als Römisches Museum für Kur- und Badewesen öffentlich zugänglich. Zu sehen sind nur noch Relikte; nachvollziehbar ist neben der Raumaufteilung noch das für römische Badeanlagen charakteristische Beheizungssystem mittels gemauerter Kanäle, die heiße Luft von zwei Feuerstellen unter den Boden und hinter die Wände leiteten.
  • Die Andreaskirche selbst ist romanisch und besitzt ein Skulpturenportal, das stilistisch mit der Kunst der Magistri Comacini verwandt ist. Das Tympanon zeigt Christus als Weltenrichter zwischen zwei Engeln. Die Seitenreliefs sind ikonografisch teilweise noch nicht gedeutet.
  • Die begehbare Ausgrabungsstätte des Römerkastells Abusina aus dem Jahre 80 liegt wenige Kilometer entfernt beim Ortsteil Eining.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Reindl: Bad Gögging, Geschichte und Führer. Bad Gögging 1936
  • Gerhard Andres: Die Thermal- und Schwefelwasservorkommen von Bad Gögging. München 1981
  • Anton Metzger: Bad Gögging, vom römischen Staatsbad zum modernen Kurort. Bad Gögging 1999
  • Erich Griebl: 1974-1984: 10 Jahre Fremdenverkehrsverein Bad Gögging, 1984
  • Hans Ulrich Nuber: Ausgrabungen in Bad Gögging - Römisches Staatsheilbad und frühmittelalterliche Kirchen, hrsg. vom Bezirk Niederbayern, Landshut 1980
  • Fremdenverkehrsverband Bad Gögging (Hrsg.): Römisches Museum. Römisches Kur- und Badewesen in und um St. Andreas, o. J.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Gögging – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genealogie-Netz
  2. Georg Rieger, Kelheimer Heimatbuch für die Stadt und den Landkreis Kelheim Seite 366, Hrsg 1953
  3. Hans Ulrich Nuber, Seite 42
  4. Hans Ulrich Nuber, Seite 8
  5. a b Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 493.