Bad Heilbrunn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bad Heilbrunn
Bad Heilbrunn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bad Heilbrunn hervorgehoben

Koordinaten: 47° 45′ N, 11° 27′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Bad Tölz-Wolfratshausen
Höhe: 682 m ü. NHN
Fläche: 40,32 km2
Einwohner: 3986 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 99 Einwohner je km2
Postleitzahl: 83670
Vorwahl: 08046
Kfz-Kennzeichen: TÖL, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 73 111
Gemeindegliederung: 34 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Badstraße 3
83670 Bad Heilbrunn
Website: www.bad-heilbrunn.de
Erster Bürgermeister: Thomas Gründl (CSU)
Lage der Gemeinde Bad Heilbrunn im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Starnberger SeeAmmerseeÖsterreichLandkreis EbersbergLandkreis Garmisch-PartenkirchenLandkreis Landsberg am LechLandkreis MiesbachLandkreis MünchenLandkreis RosenheimLandkreis StarnbergLandkreis Weilheim-SchongauWolfratshauser ForstPupplinger AuPupplinger AuBad HeilbrunnBad TölzBenediktbeuernBichlDietramszellEglingEurasburg (Oberbayern)GaißachGeretsriedGreilingIckingJachenauKochel am SeeKönigsdorf (Oberbayern)LenggriesMünsingReichersbeuernSachsenkamSchlehdorfWackersbergWolfratshausenKarte
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Bad Heilbrunn ist eine Gemeinde und eine Ortschaft im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Ortschaft ist seit 2005 ein heilklimatischer Kurort.

Kirche Maria Heimsuchung bei Oberbuchen
Die Kocheler Berge bei Bad Heilbrunn

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Heilbrunn liegt an einer der nördlichsten Ausbuchtungen der Alpen im südlichen Bayern. Das Stallauer Eck (1213 m) gehört neben Zwiesel (1348 m) und Blomberg (1248 m) zu den nächstgelegenen Bergen. Der Ort ist eingebettet zwischen Isar und Loisach und zwischen den Städten Penzberg im Westen und Bad Tölz im Osten. Im Norden ist die nächste Stadt Geretsried, welche auch, nach Einwohnerzahl, die größte im Landkreis ist.

Es gibt 34 amtlich benannte Gemeindeteile:[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keltische Zeugnisse lassen darauf schließen, dass die Gegend um Bad Heilbrunn schon in der Frühzeit wegen seiner Heilquellen (hoher Iod- und Salzgehalt) bekannt war. Anscheinend wurde Salz aus der Quelle gewonnen. Später wurde die Quelle von den Hunnen zugeschüttet.

Im 8. Jahrhundert wurde die Benediktinerabtei in Benediktbeuern gegründet. Zu ihr gehörte auch lange Zeit nach der Wiederentdeckung die Jodquelle. Im Jahre 1159 fand die Heilquelle und damit der Weiler erstmals urkundliche Erwähnung. Dies gilt als das Gründungsjahr von Bad Heilbrunn. In der Folgezeit ist das Heilwasser überregional bekannt geworden, so dass 1253 eine Kirche neben der Quelle erbaut wurde. Vom zugehörigen Friedhof lässt sich weit ins Loisachtal blicken.

Als erster Adliger besuchte 1537 Wilhelm IV., Herzog von Bayern, zunächst allein, Heilbrunn. Im Jahre 1544 kam Wilhelm IV. dann zusammen mit seiner Frau zur Kur nach Heilbrunn. Die Kurfürstin Henriette Adelheid von Savoyen, die Frau des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern, geht in Heilbrunn 1659 samt großem Gefolge zur Kur. Begründet wurde der Aufenthalt in der Nähe der Quelle mit der Kinderlosigkeit, die das Fürstenehepaar sieben Jahre lang plagte. Wenig später gebar sie den ersehnten Thronfolger Max Emanuel, später bekannt als der Blaue Kurfürst, und mit Prinz Eugen, der Retter von Wien während der Belagerung durch die Türken.

Im Jahre 1660 musste "Melchior Wörner, Wirt zu Hailprun" wegen hoher Schulden "das Wildpadt Hailbrunn, darzuegehöriges Gehilz und Reindlbach" in einem Vergleich an das Kloster Benediktbeuern abtreten.[3] Mit dem Heilerfolg, dem man der Jod-Quelle zusprach, wurde Heilbrunn Kurfürstliches Hofbad, welches sechs Generationen lang von den Münchner Fürsten besucht wurde.

Das große Badehaus, auf dessen Überresten das heutige Pfarrhaus steht, wurde 1730 gebaut.

19. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gemeindebildung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Steuerdistrikte Steinbach, Oberbuchenau, Schönrain und Heilbrunn zur Gemeinde Steinbach zusammengelegt. Am 5. Januar 1828 wurde sie aufgeteilt in die Gemeinden Steinbach, Oberbuchen und Schönrain.[4] Am 15. Februar 1934 erfolgte die Umbenennung der Gemeinde von Steinbach in Bad Heilbrunn.[5] König Ludwig I. ließ die Quelle 1832 nach der Kurfürstin Adelheid in Adelheidquelle umbenennen. Die spätere Jodquellen AG kaufte 1920 die Bad Heilbrunner Jodquelle. Am 15. Februar 1934 erhielt der Ort das Prädikat Heilbad.[6][5] Der Park bei der Parkvilla wurde 1995, mit Genehmigung des Hauses Wittelsbach, zum Adelheid-Park. An Bad Heilbrunn wurde 2005 das Prädikat Heilklimatischer Kurort vergeben. Die Gemeinde feierte im Jahr 2009 ihr 850-jähriges Bestehen.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1969 wurde das namensgleiche, unbewohnte gemeindefreie Gebiet Bad Heilbrunn mit einer Fläche von 6,57 km² (656,9863 ha) aufgelöst und in die Gemeinde Bad Heilbrunn eingegliedert.[7]

Am 1. April 1971 wurde die ehemals selbständige Gemeinde Oberbuchen mit den Orten Bernwies, Graben, Hub, Linden, Oberbuchen, Ramsau, Unterbuchen, Weiherweber, Wieshäusl und Wörnern nach Bad Heilbrunn eingegliedert.[5]

Am 1. Mai 1978 kamen die Orte Bocksberg, Fletzen, Hohenbirken, Karpfsee, Letten, Mürnsee, Nantesbuch, Podling, Reindlschmiede und Unterkarpfsee der aufgelösten Gemeinde Schönrain hinzu.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2857 auf 3986 um 1129 Einwohner bzw. um 39,5 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Heilbrunner Rathaus

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahrelang war die CSU stärkste Partei bei regionalen Wahlen. Seit der Kommunalwahl 2008 hat sie ihre absolute Mehrheit verloren. In der Amtszeit 2014–2020 stellte sie im 16-köpfigen Gemeinderat ebenso wie die Freien Wähler 7 Gemeinderäte. Außerdem waren die Grünen mit 2 Sitzen vertreten.

Seit dem 1. Mai 2020 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • CSU: 7 Sitze (44,68 %)
  • Freie wähler: 5 Sitze (31,32 %)
  • Grüne: 4 Sitze (24,00 %).

Die Wahlbeteiligung betrug 63,82 %.

Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2008 Thomas Gründl (CSU); er wurde am 15. März 2020 mit 63,45 % der gültigen Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.[9]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Alpenstraße führt genauso wie der Bodensee-Königssee-Radweg durch Bad Heilbrunn. Bis 1959 hatte Bad Heilbrunn einen Bahnhof an der Isartalbahn, etwa zwei Kilometer von der Ortsmitte entfernt. Die nächstgelegenen Bahnstationen sind der Bahnhof Bichl (sechs Kilometer) an der Kochelseebahn Tutzing–Kochel sowie der Bahnhof Bad Tölz (zehn Kilometer) an der Bahnstrecke Holzkirchen–Lenggries. Busverbindungen der RVO gibt es nach Wolfratshausen, Kochel, Bad Tölz sowie nach Penzberg.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregional bekannt geworden ist Bad Heilbrunner Tee, unter anderem durch die Werbung beim Fußballverein TSV 1860 München. Der größte Arbeitgeber in Bad Heilbrunn ist die zur m&i-Klinikgruppe Enzensberg gehörende Fachklinik/Rehaklinik für physikalische Medizin und medizinische Rehabilitation, welche 1988 eröffnet wurde und inzwischen fester Bestandteil des ganzjährigen Kurangebots ist. Die Fachabteilungen Orthopädie, Neurologie/Neuropsychologie und Innere Medizin sowie Transplantationsmedizin bilden dabei die Schwerpunkte. Insgesamt verzeichnet der Heilklimatische Kurort 900 Gästebetten mit jährlich knapp 190.000 Übernachtungen. Diese Anzahl ist aber in den letzten Jahren durch die Reformen und Sparvorhaben im Gesundheitssystem zurückgegangen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche von Bad Heilbrunn

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist die barocke Kirche St. Kilian im Zentrum mit Fresken „rund um das (Heil-)Wasser“.

Erst vor wenigen Jahren wurde die Park-Villa, erbaut um 1920 von Gabriel von Seidl, komplett saniert und in ein modernes Gesundheitszentrum und Tagungszentrum umgewandelt. In der Kurvilla existiert ein kleines Café mit Sonnenterrasse, von der aus man die Aussicht über das Loisachtal genießen kann.

Die in Privatbesitz befindliche Jod-Quelle wurden Anfang 2005 durch die Jod AG geschlossen. Aus diesem Grunde hat die Gemeinde das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ erworben und hierzu eigens die Bad Heilbrunner Klima-Terrainkur entwickelt. Im Jahre 2012 erwarb die Gemeinde alle Grundstück der Jod AG (außer der Quelle) und begann sofort mit dem Abriss der Wandelhalle und des Kurhotels um eine neue Ortsmitte zu schaffen.

Im Oktober 2009 wurde im Kurpark als Bestandteil der „Kräuter-Erlebnisregion Tölzer Land“ der „Kräuter-Erlebnispark“ mit mehr als 400 verschiedenen Wild- und Heilkräutern eröffnet. „Kräuterpädagoginnen“ bieten Führungen an; in einem Kräuterladen können Kräuterprodukte erworben werden.

Sport und Erholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am häufigsten genutzte lokale Bademöglichkeit ist der Schönauer Weiher, ein natürlicher und kostenfrei zu benutzender Moorsee mit Duschen und Umkleidekabinen. In der Umgebung existieren weitere Moorseen. Das ehemalige Heilbrunner Freibad (nahe Gasthof Reindlschmiede) war ein mit Moorwasser gespeistes künstliches Bad. Ab Juli 2006 war dies Freibad wegen Auftretens von Blaualgen gesperrt. Eine Sanierung wurde vom Gemeinderat wegen zu hoher Kosten verworfen und das Bad im Herbst 2007 in einen Teich umgewandelt.

Des Weiteren existiert ein Klettergarten mit Schwierigkeitsstufen von 2 bis 7. Er befindet sich in Ortsnähe und kann ganzjährig benutzt werden.

Weiterhin beheimatet Bad Heilbrunn im Gewerbepark eines der größten Fitness-Center im bayerischen Oberland, das „Vitarea“ mit Saunalandschaft und Beachvolleyballplatz.

Für den Breitensport bietet Bad Heilbrunn die Sportarten Fußball für Senioren und Jugendmannschaften, Skisport für alle Altersklassen, Gymnastik, Tennis und Herzsportgruppe unter Federführung des SV Bad Heilbrunn – gegründet im Jahr 1959 – an. Eisstocksport mit 2017 modernisierten, gepflasterten Sommer-Stocksport-Bahnen bietet der EC Bad Heilbrunn.

Die erste Herren-Mannschaft des SV Bad Heilbrunn spielt seit der Saison 2019/20 in der Fußball-Landesliga Südwest Bayern nach dreimaligem Aufstieg hintereinander ohne Prämien-Auszahlung und hauptsächlich mit im Ort aufgewachsenen Fußballern. Auch eine oberbayrische Vize-Hallenmeisterschaft Anfang der 2000er Jahre steht auf der Erfolgsliste sowie Erfolge der Jugendmannschaften bis zum Bezirksfinale des Merkur-Cups.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr veranstalten Gemeinde und Gastwirte seit einigen Jahren die „Ramstage“, bei denen sich alles um den Bärlauch (altbairisch: „Rams“) dreht.

In der „Kräuter-Erlebnisgemeinde Bad Heilbrunn“ werden regelmäßig Kurse zur Zertifizierung von Kräuterpädagogen durchgeführt. Im Kräuter-Erlebnis-Park finden ganzjährig Führungen und Workshops statt. Alle zwei Jahre findendet der „Kräuterzauber“ sowie das jährliche Musikfestival statt.

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bad Heilbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Bad Heilbrunn – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Bad Heilbrunn in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 6. September 2019.
  3. Grundbuch Benediktbeuern 1655–1666, S. 150 f., Vergleich vom 10. VI. 1660 zwischen Closter und Wirth zu Hailprun
  4. Dieter Albrecht: Die Klostergerichte Benediktbeuern und Ettal. In: Historischer Atlas von Bayern. Altbayern Reihe I, Heft 6. München 1953, S. 22–24 (online).
  5. a b c Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 428.
  6. Geschichte Bad Heilbrunn. Gemeinde Bad Heilbrunn, abgerufen am 24. Juni 2017.
  7. Bekanntmachung des Bayer. Staatsministeriums des Innern vom 11. November 1968 Nr. I B 3 — 3000/47 a 24
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 569.
  9. Bürgerservice – Mitarbeiter. Gemeinde Bad Heilbrunn, abgerufen am 24. Mai 2020.