Bad Soden (Kinzigtal)

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Bad Soden
Koordinaten: 50° 17′ 21″ N, 9° 22′ 4″ O
Höhe: 165 m ü. NHN
Fläche: 11,24 km²[1]
Einwohner: 3034 (1971)[1]
Bevölkerungsdichte: 270 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63628
Vorwahl: 06056
Karte
Kinzigtal mit Sicht auf Bad Soden-Salmünster, Aufenau und Wächtersbach

Bad Soden ist ein Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Die ehemals selbständige Kurstadt Bad Soden wurde am 1. Juli 1974 im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz mit der Stadt Salmünster und der Gemeinde Mernes zur Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Soden liegt im Main-Kinzig-Kreis am Nordrand des Spessarts und am Südrand des Vogelsbergs im Kinzigtal.

Durch Bad Soden fließt die Salz, die bei Salmünster in die Kinzig mündet; Spazier- und Radwege durch die Flussauen verbinden beide Stadtteile.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Soden grenzt im Norden an die Orte Wahlert und Romsthal, im Osten an den Ort Ahl, im Süden an den Ort Salmünster und im Westen an den Ort Udenhain.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird Bad Soden als „Sodin“ im Jahr 1190.

Hauptwirtschaftsgut der Siedlung war seit dem frühen Mittelalter das Salz; insoweit ist ihre Geschichte parallel zu derjenigen des nur wenige Kilometer südlich gelegenen Bad Orb zu betrachten, unterscheidet sich jedoch erheblich von dieser.

Bereits um 900 wurden in der Umgebung salzhaltige Quellen gefunden, die in den Besitz des Klosters Fulda gelangten. Um 1190 wurde in einer Urkunde des Abtes Konrad II. von Fulda (1177–1192) Sodin erwähnt. 1296 wurde die unterhalb der Burg Stolzenberg gelegene Siedlung durch Adolf von Nassau unter dem Namen „Stolzental“ zur Stadt erhoben; das Dorf der Salzsieder wurde diesem eingemeindet und setzte sich namensetymologisch am Ende durch. Ob die Burg Stolzenberg eine Schutzfunktion für die Solequellen wahrnahm, ist historisch nicht gesichert (→ Hauptartikel: Burg Stolzenberg)

Die Burg war im 14. und 15. Jahrhundert auch Sitz der Herren von Hutten, die die Stadt als Pfandbesitz Fuldas verwalteten. Nachdem Philipp der Großmütige 1522 die Burg eingenommen hatte, entstand in der Siedlung im Tal 1536 eine neue Residenz der Hutten, die als „Huttenschloss“ erhalten ist.

Anders als in Orb wurden im 16. Jahrhundert die Salzquellen verschüttet und die Salinen stillgelegt. Soden war zeitweise verpfändet an Kurmainz, wurde jedoch 1734 von Fulda zurückgekauft, indes mit der Maßgabe, die Solequellen nicht zu reaktivieren, solange die mit 10 Gradierwerken in Orb arbeitende Saline in Produktion war; ein Konkurrenzbetrieb sollte auf diese Weise ausgeschlossen werden.

Die Säkularisation des Klosters Fulda 1803 führte zu einer Besitzübernahme durch das Kurfürstentum Hessen nach der Neuordnung im Wiener Kongress 1815. Da es Kurmainz im neu geordneten Reich nun auch nicht mehr gab, wurde die Verpflichtung, die Salzquellen nicht zu nutzen, hinfällig. Trotzdem hat Kurhessen die Neuerrichtung einer Saline als wirtschaftlich unrentabel verworfen. Parallel vollzog sich auch der Niedergang der Orber Saline unter bayerischer Regierung.

Ebenso wie in Orb begann im 19. Jahrhundert die Nutzung der Solequellen als Heilwasser. 1837 – im gleichen Jahr, als der Apotheker Franz Leopold Koch (1782–1850) die erste Solbadeanstalt mit 8 Badekabinetten in Orb errichtete – begann man, die Sodener Quellen freizulegen. Hierzu überliefert ist die Geschichte von einer Kuh: Ständig an einer bestimmten Stelle auf der Wiese links der Salz leckend, animierte sie die Einwohner zu Grabungen, die einen alten Brunnenschacht und die kohlensäurehaltige Sole ans Tageslicht förderten. Relikte mittelalterlicher Gradierkästen wurden ausgegraben. Friedrich Wilhelm von Hessen, der letzte Kurfürst, sprach der Stadt 1844 das Recht zu, die Quellen zu fassen. Die Bürger nutzten diesen heilenden Schatz der Natur zu Beginn in privater Hand, jedoch fehlten Investoren. Wohlhabende Frankfurter – die Orber Jagdgesellschaft – investierten in die Koch’schen Anlagen vor Ort, nicht aber in die Quellen von Soden.

Erst 1919 gelang es der Stadt, das Nutzungsrecht von der privaten Betreibergesellschaft zurückzuerwerben; neue Sprudel wurde erschlossen. 1928 wurden der Stadt das Prädikat „Bad“ verliehen und seitdem die Gesundheitsinfrastruktur kontinuierlich ausgebaut. Die Kurstadt verfügt heute über ein vielfältiges Hotellerie- und Gastronomieangebot, acht hoch qualifizierte Reha-Fachkliniken, eine umfassende ambulante Ärzte- und Therapieversorgung sowie viele Freizeiteinrichtungen.

Die Stadt Bad Soden-Salmünster besteht seit dem 1. Juli 1974. Sie entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den Zusammenschluss kraft Landesgesetz der Städte Bad Soden bei Salmünster und Salmünster sowie der Gemeinde Mernes.[3][4] Für Bad Soden wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Mit der Spessart-Therme errichtete Bad Soden 2005 eine Thermalbade- und Saunalandschaft nach zeitgenössischem Wellness-Verständnis.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1668: 021 Herdstätten mit 95 Personen
• 1789: 130 Bürger (mit Hof Salz)
• 1812: 128 Feuerstellen, 986 Seelen
Bad Soden: Einwohnerzahlen von 1812 bis 1970
Jahr  Einwohner
1812
  
986
1834
  
1.067
1840
  
1.092
1846
  
1.122
1852
  
1.136
1858
  
1.002
1864
  
955
1871
  
922
1875
  
863
1885
  
883
1895
  
1.026
1905
  
1.127
1910
  
1.280
1925
  
1.441
1939
  
1.426
1946
  
2.199
1950
  
2.168
1956
  
2.183
1961
  
2.357
1967
  
2.779
1970
  
3.034
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 36 evangelische (= 4,08 %), 847 katholische (= 95,92 %) Einwohner
• 1961: 466 evangelische (= 19,77 %), 1878 katholische (= 79,68 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsbeirat sind die CDU, die SPD und die GWL vertreten. Ortsvorsteher ist Winfried Kirchner (GWL).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. März 1967 wurde der Stadt Bad Soden bei Salmünster im damaligen Landkreis Schlüchtern, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Blau ein schräglinks gestellter goldener Bischofsstab, darunter aus silberner Brunnenschale aufsteigend eine silberne Fontäne, rechts oben in silbernem Schild ein durchgehendes schwarzes Kreuz.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burg Stolzenberg
  • Huttenschloss
  • Das 1703 erbaute ehemalige Rathaus Bad Sodens (jetzt Standesamt) mit Walmdach und Zwiebelturm (1866 hinzugefügt) ist das einzige Barock-Fachwerk-Rathaus Hessens. Es beherbergt ein Trauzimmer mit Stilmöbeln und ist Sitz einer Nähgruppe für historische Kostüme.
  • Bad Soden verfügt über zwei Kirchen, die katholische Kirche St. Laurentius mit neogotischem Westwerk (1896) und Turm sowie die evangelische Erlöserkirche.
  • Von den Cafés und Restaurants im Bad Sodener Kurbezirk ist das „Alte Kurhaus“, ein Bau des Historismus von 1886, das älteste. Im Kurpark ist der am 25. September 1928 ausgetretene König-Heinrich-Sprudel, der seither zweimal nachgebohrt wurde (1974 und 1984), zugänglich, eine der eisenhaltigsten Quellen Deutschlands. Das nicht trinkbare Wasser (1 Liter enthält ca. 90 Gramm Salz) wird ausschließlich zu Solbädern eingesetzt. Das kleine Gradierwerk im Kurpark stammt erst von 2006 und hat die Funktion eines Freiluftinhalatoriums; ein historisches Schwarzdorn-Gradierwerk zur Konzentration und Reinigung der Sole vor dem Siedeprozess hat es in Bad Soden, wo immer nur die ältere Kastengradiertechnik angewandt wurde, nie gegeben.
  • Zentrum des zeitgenössischen Kurbezirks ist die Spessart-Therme (2005) mit 28 °C und 35 °C warmem Thermalwasser mit bis zu 10 % Solegehalt. Die Blockhaus-Saunalandschaft mit einer russischen Banjas, Erdsauna und Eventsauna im Kurpark ist das ganze Jahr nutzbar; ein Besuch im Winter inklusive Wenik-Quästen und Abkühlung im Schnee bietet Abgehärteten indes ein Erlebnis, das dem Original recht nahekommt. Eine Salzgrotte (2008 eröffnet) mit Wänden und Boden aus dem Salz des Toten Meeres dient zu einer 45-minütigen Inhalation bei 45 % Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 22 °C. Die Anwendung in diesem besonderen Mikroklima dient der Befreiung der oberen Atemwege.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Soden ist ein Kurort für Rheuma, Kreislauf, Rehabilitation und Akupunkturbehandlung. Zentrale Basis des Kurortes sind die Solequellen, die u. a. für ein Thermal-Sole-Hallenbad genutzt werden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nächste Bahnhof befindet sich in Salmünster an der Bahnstrecke Fulda–Frankfurt, der nächste Autobahnanschluss Bad Soden-Salmünster an der A 66 (Frankfurt–Fulda).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Soden-Salmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Bad Soden bei Salmünster, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 376–377.
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Stadt Bad Soden bei Salmünster im Landkreis Schlüchtern, Regierungsbezirk Wiesbaden 365 vom 30. März 1967. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 16, S. 457, Punkt (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,2 MB]).