Badenser

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Als Badenser (auf der zweiten Silbe betont) werden heute nur noch vereinzelt und trotz des Wissens, auf teilweise erheblichen Widerspruch zu stoßen, die Bewohner von Baden bezeichnet. Während diese aus dem lateinisch-urkundensprachlichen badensis (von lateinisch badeniensis) abgeleitete Bezeichnung früher keinen Anstoß erregte und seit dem frühen 19. Jahrhundert als eine von mehreren üblichen Schreibweisen verwendet wurde – Johann Wolfgang von Goethe gebraucht sie beispielsweise um 1811 unbeanstandet im sechzehnten Buch seines Werks Dichtung und Wahrheit[1] –, wird sie seit der Auflösung des Großherzogtums Baden von den Einheimischen zunehmend als geringschätzig und größtenteils abwertend empfunden. Die Bewohner Badens legen heute oft Wert darauf, als Badener bezeichnet zu werden, auch wenn der Duden beide Formen als gleichwertig zulässt.

Dass die Verwendung von „Badenser“ in der jüngeren Geschichte von den so Titulierten als unangemessen und oft auch abwertend empfunden wird, musste ein Heilbronner Abgeordneter des Baden-Württembergischen Landtags 1954 erfahren: Auf seine entsprechende Äußerung hin drohte der nordbadische CDU-Abgeordnete Franz Gurk, er werde ihn künftig als „Heilbronnser“ bezeichnen, wobei „-bronnser“ phonetisch dem süddeutschen Wort Brunzer/Bronzer = „Pinkler“, „Pisser“ sehr nahekommt.

Der Streit um die Zulässigkeit des Begriffs ist aber selten ernsthafter Natur. Er wird selbst von „Ur-Badenern“ meist augenzwinkernd im Zusammenhang mit lokalpatriotischen Auseinandersetzungen mit Schwaben, Pfälzern oder Bayern geführt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Liebscher: Von Goethe zu den Schwaben. Wie die einst neutrale Bezeichnung „Badenser“ in Baden zum Unwort wurde. In: Der Sonntag, Karlsruhe, 8. April 2012, S. 3.
  • Gerhard Müller: Badener und Badenser. Anmerkungen zu einer alten Streitfrage. In: Badische Heimat, 93. Jg., Heft 4/2013, S. 803–809 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Th. Liebscher, Von Goethe zu den Schwaben. Ohne negativen Beiklang findet sich die Bezeichnung auch bei Friedrich Engels, Karl May (in seinem Roman Die Liebe des Ulanen) und Theodor Fontane (in Meine Kinderjahre); vgl. ebd.