Badonviller-Marsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Badonviller-Marsch (auch Badenweiler-Marsch; Armeemarschsammlung II, 256) wurde August 1914 von dem bayerischen Militärmusiker Georg Fürst für das Königlich-Bayerische Infanterie-Leibregiment komponiert. Er thematisiert ein Gefecht bei Badonviller (Frankreich) während des Ersten Weltkrieges aus damaliger deutscher Sicht. In der NS-Zeit wurde er bei Auftritten Adolf Hitlers häufig gespielt und wird daher heute praktisch nicht mehr aufgeführt.

Entstehungszusammenhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel erinnert an einen Sieg Bayerischer Infanterieeinheiten gegen französische Streitkräfte bei Badonviller in Lothringen zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Bei einem Sturmangriff auf die Stadt am 12. August 1914 wurden hunderte Soldaten auf beiden Seiten getötet. Der Ort wurde von den Deutschen niedergebrannt, Zivilisten wurden erschossen oder als Gefangene nach Deutschland geschickt.[1] Im Gegensatz zur damaligen Sichtweise auf deutscher Seite gelten die Geschehnisse in und um Badonviller in Frankreich als ein Symbol für deutsche Gräuel während des Ersten Weltkriegs.[2]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem typischen Eingangsmotiv sollen den Komponisten die Hupen der Sanitätsfahrzeuge angeregt haben, mit denen die Verwundeten während der Gefechte abtransportiert wurden. Der Marsch enthält ein wuchtiges Posaunenmotiv im Trio.

Verwendung im Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stück wurde von Adolf Hitler sehr geschätzt. Während des Dritten Reiches wurde dieser Marsch bei dessen Auftritten gespielt. Er war daher in der „Deutschen Wochenschau“ regelmäßig zu hören.

Nach der Polizeiverordnung gegen den Mißbrauch des Badenweiler Marsches vom 17. Mai 1939 durfte der Marsch „...nur bei Veranstaltungen, an denen der Führer teilnimmt, und nur in seiner Anwesenheit öffentlich gespielt werden.“[3] Der originale Titel wurde durch das deutsch klingende „Badenweiler-Marsch“ ersetzt, wobei es keine Verbindung zu dem gleichnamigen Ort Badenweiler in Baden gibt.

Nachkriegszeit, heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Marsch nach der Zeit des Nationalsozialismus unwillkürlich mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht wurde, wird er heute von Bundeswehr- und Polizeimusikkorps nicht mehr gespielt. Der erste Leiter des Militärmusikdienstes, Friedrich Deisenroth, legte dies bei der Aufstellung der Musikkorps der Bundeswehr im Jahr 1956 per „Fachdienstlicher Anweisung“ für die Bundeswehr fest. Ausgenommen sind so genannte „Historische Konzerte“, in denen die Entwicklung des Marsches im Allgemeinen sowie die Eigenart landestypischer Märsche aufgezeigt werden sollen. Die Aufführungen müssen dann allerdings unter dem originalen Titel „Badonviller-Marsch“ erfolgen.

Im zivilen Bereich wird der Marsch nur selten aufgeführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Camille Maire: Le plus beau jour de toute la guerre. In: la Nouvelle revue Lorraine. Num. 1. 2010.
  2. Camille Maire: Le plus beau jour de toute la guerre. In: la Nouvelle revue Lorraine. Num. 1. 2010.
  3. Polizeiverordnung gegen den Mißbrauch des Badenweiler Marsches vom 17. Mai 1939 Reichsgesetzblatt Teil I S. 921.