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Bahai-Weltzentrum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Das Bahai-Weltzentrum von den oberen Terrassen aus gesehen
Die Hafenstadt Haifa mit dem Schrein des Bab im Vordergrund
Die Hängenden Gärten der Bahai gelten als Friedenssymbol und Ort der Ruhe inmitten der Großstadt Haifa am Karmel. Sie gehören zu den meistbesuchten touristischen Anziehungspunkten Israels.

Das Bahai-Weltzentrum (englisch Baháʼí World Centre; arabisch المركز البهائي العالمي; hebräisch המרכז הבהאי העולמי) ist das administrative und geistige Zentrum des Bahaitums[1] und umfasst Gebäude in oder Nahe der Städte Haifa und Akkon in Nord-Israel.

Die Lage des Bahai-Weltzentrums in Akkon und Haifa geht zurück auf die Verbannung Bahāʾullāhs, dem Religionsstifter des Bahaitums, nach Akkon durch osmanische Behörden im Jahr 1868.[2][3] Am Bahai-Weltzentrum befindet sich eine Vielzahl heiliger Stätten der Bahai, wie der Schrein Baha'ullahs, der Schrein des Bab und der Schrein Abdul-Bahas. Außerdem gehören hierzu die Häuser, in denen Bahāʾullāh und seine Familie während ihrer Verbannung lebten oder die in besonderem Zusammenhang mit der Geschichte der Religion stehen. Einige dieser Gebäude, Monumente und Schreine befinden sich in den ausgedehnten Bahaʾi-Gärten am Berg Karmel. In unmittelbarer Nähe des Schreins des Bab befindet sich auf dem Berg Karmel auch der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit (das internationale Leitungsgremium der Bahai-Religion), das Internationale Lehrzentrum, das Internationale Archiv sowie das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte. Der überwiegende Teil der internationalen Leitung und Verwaltung des Bahaitums erfolgt im Bahai-Weltzentrum, wozu Unterweisungspläne und sowohl das Studium als auch die Übersetzung der Heiligen Schriften des Bahaitums gehören. Ebenso ist das Bahai-Weltzentrum Hauptziel für spirituellen Tourismus sowie die Bahai-Wallfahrt und zieht jährlich etwa eine Million Besucher an.[4]

Die meisten Gebäude des Bahai-Weltzentrums, darunter die Terrassen und der Schrein des Bab am Nordhang des Berg Karmel, wurden 2008 von der UNESCO als Welterbe gelistet.[5][6]

Bahai-Zentrum
Lokalisierung von Israel Nord in Israel
Haifa

Der Berg Karmel ist in der Geschichte der Religion in verschiedenen Quellen aufzufinden. Zum Beispiel wird im Buch Jesaja des Alten Testaments prophezeit, dass es der „Berg des Herren“ sei, zu dem „alle Völker herbeiströmen werden“. Bahāʾullāh besuchte Haifa viermal und schlug auf dem Berg Karmel sein Zelt auf. Bei einem dieser Aufenthalte zeigte er ʿAbdul-Bahāʾ die Stelle, an der das Grabmal des Bab gebaut werden sollte. Ein anderes Mal schrieb er die sogenannte „Tafel vom Karmel“, in der die Bedeutung dieses Berges für die zukünftige Bahai-Gemeinschaft erläutert wird.

Der Verbannungsweg Baha’u’llahs zwischen 1853 und 1868 bis nach Akkon
Lage des Bahai-Weltzentrums in Akkon und Haifa, Israel

Die Lage des administrativen Zentrums geht zurück auf die aufeinanderfolgenden Verbannungen und Inhaftierungen Bahāʾullāhs, dem Religionsstifters des Bahaitum. Bahāʾullāh wurde 1853 von Nāser ad-Din Schāh aus Persien verbannt, woraufhin Bahāʾullāh nach Bagdad im damaligen Osmanischen Reich ging.[7] Im Jahr 1863 wurde er, auf Bitten des persischen Schahs, vom osmanischen Sultan Abdülaziz in Gebiete weiter weg vom Iran verbannt und 1868 schließlich nach Akkon im damaligen osmanischen Syrien.[8] Dort verbrachte Bahāʾullāh seine letzten Lebensjahre und hielt mittels spezieller Kurierdienste Kontakt mit seinen Anhängern im Nahen Osten, Zentralasien und Indien, wodurch sich Akkon zum Zentrum des wachsenden Netzwerkes der Bahai entwickelte.[1] Nachdem Bahāʾullāhs Haftstrafe aufgehoben worden war, wurde das Gebiet auch zum Ziel der Bahai-Wallfahrt, da Bahai bereit waren, die größte Reise auf sich zu nehmen, um Bahāʾullāh zu begegnen.[1]

Während eines Besuches in Haifa zeigte Bahāʾullāh seinem Sohn ʿAbdul-Bahāʾ die Lage des späteren Schrein des Bab am Berg Karmel. Außerdem beschrieb Bahāʾullāh in seiner „Tafel vom Karmel“, die als eine der Gründungsschriften der Bahai-Administration gilt, die zukünftige Lage des administrativen Zentrums des Bahaitum am Berg Karmel.[9]

Bahāʾullāh starb 1892 nahe Akkon und seine Ruhestätte ist in seinem Schrein in Bahji. Nach dem Tod Bahāʾullāhs wurde sein Sohn ʿAbdul-Bahāʾ das religiöse Oberhaupt der Bahai und setzte die Entwicklung des Gebietes zum Weltzentrum des Bahaitum fort.[1] Er hielt den Kontakt mit Bahai weltweit aufrecht, wozu nun auch Bahai in westlichen Ländern zählten. Obschon er offiziell weiterhin ein Gefangener war und sich sein Aufenthaltsort auf Akkon beschränkte, organisierte ʿAbdul-Bahāʾ auch die Überführung der Gebeine des Bāb aus dem Iran nach Palästina. Er regelte den Landerwerb am Berg Karmel, wo nach dem Willen Bahāʾullāhs die Gebeine des Bab bestattet werden sollten und er beaufsichtigte auch den Bau des Heiligtums des Bab. Dieses Projekt dauerte weitere zehn Jahre und wurde 1909 abgeschlossen.[1][10]

Im Jahr 1908 wurden nach der jungtürkischen Revolution alle politischen Gefangenen im osmanischen Reich freigelassen, darunter auch ʿAbdul-Bahāʾ. Kurz nach der Revolution zog er nach Haifa um nahe des Schrein des Bab zu wohnen,[11] und seitdem befindet sich das administrative Zentrum des Glaubens in Haifa.[1] In den letzten Lebensjahren ʿAbdul-Bahāʾs führte die wachsende Korrespondenz zur Anstellung mehrerer Sekretäre, darunter auch einige für westliche Sprachen und die Einrichtung eines Pilgerhauses für die Gegend.[1] ʿAbdul-Bahāʾ starb 1921 und er wurde in einem Zimmer im Schrein des Bab in Haifa bestattet.[12]

Nach dem Tod ʿAbdul-Bahāʾs wurde Shoghi Effendi „Hüter“ des Glaubens und er führte einige der Bauprojekte in dem Gebiet fort.[1] 1929 renovierte er das Haus Bahāʾullāhs in Bahji und in den 1950er Jahren erlangte er Rechtssicherheit für das Land rundum das Gebäude und legte dort Gärten an.[13] Er erwarb auch andere Stätten rundum Akkon, die in Verbindung mit Bahāʾullāhs Leben stehen, darunter das Haus von ʻAbbud. Um Haifa erweiterte er den Schrein des Bab, der seine goldene Kuppel erhielt, und erwarb darüber hinaus Land für neue Gärten. Shoghi Effendi entschied auch, dass die Gebäude für die Institutionen des Glaubens, die in Bahāʾullāhs „Tafel vom Karmel“ beschrieben worden sind, darunter das Universale Haus der Gerechtigkeit, das damals noch inexistente internationale Leitungsgremium des Bahaitums, in einen mit Gärten umgebenen Bogen angelegt werden sollten.[14] Zentrum des Bogens wurde der Grabmalgarten mit Grabmälern für Mitglieder der Familie Baha’u’llahs.[15] Noch zu Lebzeiten begann er mit einem Gebäude des Bogens, das Internationale Archiv.[1] Außerdem handelte er mit Israel eine Steuerbefreiung für alle Bahai-Immobilien aus.[13] Der Status der Religion in Israel wurde mit einer Übereinkunft geklärt, die 1987 vom damaligen Vizepremier und Außenminister, Schimon Peres, unterzeichnet worden war, in der die Regierung das Bahaitum als „anerkannte religiöse Gemeinschaft in Israel“ bezeichnete und seine „freundschaftlichen Beziehungen“ mit der weltweiten Bahai-Gemeinschaft bekräftigte, darauf hinwies, dass die „heiligsten Stätten des Bahaitums, … in Israel gelegen sind“ und bestätigte, „dass das Universale Haus der Gerechtigkeit Treuhänder über die Heiligen Stätten des Bahaitums in Israel und über die Bahai-Stiftungen in Israel“ sei.[13]

Heilige Stätten in Haifa und Akkon

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Heilige Stätten der Bahai in Haifa und West-Galiläa
UNESCO-Welterbe


Schrein des Bab auf dem Berg Karmel
Vertragsstaat(en): Israel Israel
Typ: Kultur
Kriterien: (iii) (vi)

Fläche: 062,58 ha
Pufferzone: 254,70 ha
Referenz-Nr.: 1220rev

UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2008  (Sitzung 32)

Schrein des Bab

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Dieses Mausoleum birgt die Gebeine des Bab und befindet sich an dem Ort, den Bahāʾullāh selbst bei einem Aufenthalt in Haifa wählte. ʿAbdul-Baha' kam die Aufgabe zu, dieses Bauwerk zu errichten, die sterblichen Überreste des Bab nach 60 Jahren Wanderschaft von Teheran/Iran zum heiligen Berg Karmel/Israel zu bringen und sie beizusetzen. In diesem Gebäude befindet sich außerdem noch das Grabmal ʿAbdul-Baha's.

Schrein Bahāʾullāhs

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Hier befinden sich die sterblichen Überreste Bahāʾullāhs. Im Selbstverständnis der Bahai ist dieser Ort dadurch ausgezeichnet, dass hier laut Shoghi Effendi „der heiligste Staub, den je die Erde in ihrem Schoß empfing“, bestattet ist. Bahāʾullāh wurde im nördlichsten Zimmer im Haus seines Schwiegersohnes Siyyid ’Ali Afnan am Tag seines Hinscheidens am 29. Mai 1892 kurz nach Sonnenuntergang beigesetzt. Zu diesem Zimmer wurde später ein separater überdachter Zugang gebaut. Täglich kommen etliche Bahai, die meist im Rahmen ihrer Pilgerreise die Heiligen Stätten besuchen, zu stillen Gebeten und Meditationen hierher. Dieser Ort ist aber auch von großer Bedeutung für alle Bahai der Welt, weil er als „Qiblih“ die Richtung für die Pflichtgebete, die Bahai angehalten sind täglich zu sprechen, und das Totengebet vorgibt.

Schrein ʿAbdul-Bahas

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Zurzeit ist ʿAbdul-Baha' noch im Schrein des Bab bestattet. Am 7. Mai 2019 hat das Haus der Gerechtigkeit bekanntgegeben, dass Hossein Amanat mit der Planung des Schreins Abdul-Bahas beauftragt wurde.[16] Am 19. September 2019 stellte das Haus der Gerechtigkeit den Entwurf für den Schrein vor.[17] Inzwischen macht der Bau Fortschritte.[18]

Diese kleine grüne Insel inmitten eines Flusses wurde von Bahāʾullāh als Garten Ridvan (arabisch: „Paradies“) bezeichnet und ist nicht mit dem Garten Ridvan in Bagdad zu verwechseln, in dem Bahāʾullāh 1863 seine Sendung verkündete. Hier konnte Bahāʾullāh nach fast einem Jahrzehnt Haft in Akko erstmals die Umfriedungen des Gefängnisses Akko verlassen und die Natur erleben. Bis dahin hatten seine körperlichen Bewegungen einzig darin bestanden, fortwährend in seinem Schlafzimmer auf- und abzugehen.

Das Landhaus Bahji befindet sich auf einer Anhöhe, die in einer Gegend liegt, die früher als Al-Bahja (arabisch: „Ort der Freude“) bekannt war. Aus diesem ehemaligen Sommerpalast eines reichen Kaufmanns namens Udi Khammar, der ursprünglich die Osthälfte des Hauses Abbud besaß, flohen nach einer Epidemie die Eigentümer. 1879 erwarb ʿAbdul-Baha' dieses Landhaus und es wurde zum Wohnsitz eines Großteils seiner Familie. Verschiedene Räume dieses Hauses sind für die Bahai von besonderer historischer Bedeutung.

In dem in zwei Bereiche eingeteilten Gebäude, das als „Haus Abbud“ bekannt war, lebte Bahāʾullāh insgesamt fast sieben Jahre. Es war ein für die Anzahl der Familienangehörigen Bahāʾullāhs viel zu kleines Gebäude, da stellenweise 13 Personen in einem Zimmer leben mussten. Trotz der widrigen Verhältnisse wurde hier 1873 das Heiligste Buch der Bahai, der Kitab-i-Aqdas, offenbart.

Bahá'u'lláhs Zelle im Gefängnis Akko

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Die Zelle im Gefängnis Akko, wo Bahá'u'lláh mit Angehörigen zwischen 1868 and 1870 gefangen saß, ist eine Wallfahrtsstätte zugänglich im Museum der Gefangenen des Untergrunds. Israelische Denkmalpflege, der Weltrat der Bahai und die Gesellschaft zur Entwicklung Alt Akkos haben die Zelle wiederhergerichtet und im Juni 2004 wiedereröffnet.[19]

Andere Gebäude

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Die anderen Gebäude des Bogens, das Universale Haus der Gerechtigkeit, das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte und das Internationale Lehrzentrumm wurden 1982, 1999 bzw. 2000 fertiggestellt.[20][21] Das fünfte, zu bauende Gebäude, die Internationale Bahai-Bibliothek, soll schließlich am östlichen Ende des Bogens errichtet werden und ist als Zentrum für „Wissen in allen Bereichen“, einschließlich wissenschaftlicher Forschung, gedacht.[22] Die Terrassen am Schrein des Bab wurden 2001 fertiggestellt.[23]

Der Bahai-Bogen vom Internationalen Archiv aus gesehen
Das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte

Der überwiegende Teil der internationalen Leitung und Verwaltung des Bahaitums erfolgt im Bahai-Weltzentrum. Dazu gehören Entscheidungen, die die Religion auf globaler Ebene betreffen, und sowohl das Studium als auch die Übersetzung der Heiligen Schriften des Bahaitums. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, das internationale Leitungsgremium des Bahaitums, befindet sich in Haifa, zusammen mit dem Internationalen Lehrzentrum, das die Aktivitäten zwischen den kontinentalen Räten koordiniert und als Verbindung zwischen diesen und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit dient.[24]

Während Shoghi Effendis Zeit als „Hüter“ des Glaubens nahm im Völkerbundsmandat für Palästina in der Region Palästina der Konflikt zwischen Zionisten und Arabern zu. Nach dem Ende des Völkerbundsmandates und dem darauffolgenden Palästinakrieg verließen 1948 die meisten Bahai Israel und nur Shoghi Effendi sowie einige andere blieben im Land zurück. Im Jahr 1963 wurde das erste Universale Haus der Gerechtigkeit mit Sitz in Haifa gewählt und seitdem wuchs die Anzahl der Verwaltungskräfte in Haifa auf mehrere Hundert aus mehr als 60 Ländern.[25] Das Personalwachstum war auf das internationale Wachstum der Bahai-Gemeinde zurückzuführen und die zunehmenden Aufgaben im Bahai-Weltzentrum; zum Personal gehören die Fachabteilungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wie Sekretariat, Forschung, Finanzen, Statistik und andere, die sich um die Instandhaltung der Gärten und Gebäude kümmern. Darüber hinaus werden ausgewählte Personen zu Diensten bei anderen Bahai-Gremien ernannt wie dem Internationalen Lehrzentrum und der Internationale Entwicklungsorganisation und dienen damit im Bahai-Weltzentrum.[26][27]

Trotz der Anwesenheit mehrerer hunderter Freiwilliger in Haifa und Akko gibt es keine formale Bahai-Gemeinschaft in Israel, wodurch keine Neunzehntagefeste gefeiert werden, es keine Geistigen Räte gibt, usw. Außerdem folgen Bahai seit den Tagen Bahāʾullāhs einem selbstauferlegten Verbot und unterweisen die einheimische Bevölkerung Israels nicht in ihrem Glauben. Formale Glaubenserklärungen von Israelis werden nicht akzeptiert. Im Jahr 1995 schrieb das Universale Haus der Gerechtigkeit dazu in seinem Brief:

“...the people in Israel have access to factual information about the Faith, its history and general principles. Books concerning the Faith are available in libraries throughout Israel, and Israelis are welcome to visit the Shrines and the surrounding gardens. However, in keeping with a policy that has been strictly followed since the days of Baháʼu'lláh, Baháʼís do not teach the Faith in Israel. Likewise, the Faith is not taught to Israelis abroad if they intend to return to Israel. When Israelis ask about the Faith, their questions are answered, but this is done in a manner which provides factual information without stimulating further interest.”

„...die Menschen in Israel haben Zugang zu sachlichen Informationen über den Glauben, seine Geschichte und seine allgemeinen Grundsätze. Bücher über den Glauben sind in Bibliotheken in ganz Israel erhältlich, und Israelis sind herzlich eingeladen, die Schreine und die umliegenden Gärten zu besuchen. In Übereinstimmung mit einer Grundregel, die seit den Tagen Bahāʾullāhs strikt befolgt wurde, lehren Bahai den Glauben nicht in Israel. Ebenso wird Israelis im Ausland der Glaube nicht gelehrt, wenn sie beabsichtigen, nach Israel zurückzukehren. Wenn Israelis Fragen zum Glauben stellen, dann werden diese beantwortet, jedoch auf eine Weise, die sachliche Informationen liefert, ohne weiteres Interesse zu wecken.“

Universales Haus der Gerechtigkeit[28]

Im Jahr 2002 drohte das israelische Finanzministerium damit, die Statusvereinbarung zwischen dem Bahai-Weltzentrum und der israelischen Regierung für ungültig zu erklären. Die Bahai wurden aufgefordert, mehr Israelis in ihren Zentren im Bezirk Haifa anzustellen.[29]

Die örtlichen Israelis und die Mitarbeitenden beim Bahai-Weltzentrum haben wenig Kontakt miteinander. Selbst die Mitarbeitenden, die lange in Israel gelebt haben, sprachen weder Hebräisch noch Arabisch. Mütter mit kleinen Kindern, die mit Mitarbeitern verheiratet sind, und iranische Bahai mit jüdischen Wurzeln sind auf die ein oder andere Weise mit der israelischen Gesellschaft verbunden.[30]

Wahrnehmung in der Bevölkerung

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Luftbild der administrativen Gebäude des Bahaitums auf dem Berg Karmel in Haifa

Einige Dozenten an der Universität Haifa befragten 29 Menschen aus Haifa, die von den Erweiterungen des Bahai-Weltzentrums in den späten 1980er und während der 1990er Jahre betroffen waren. Die Erweiterungen umfasste Gärten, Terrassen, das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte, das Internationale Lehrzentrum und den Ausbau des Archives. Diese wurden im Jahr 2001 eingeweiht.[31]

Die Befragten beschrieben den Ort als „ein Symbol der Stadt“ sowie „hervorragend geleitet und instand gehalten“ und nach der Erweiterung verwiesen Einwohner auf die Vorteile von „finanziellen Beiträge zum Nachbarschaftszentrum und für arabische Studenten in der Stadt, gestiegene Immobilienwerte und verbesserte Umweltqualität“. Sie fühlten sich jedoch auch aufgrund von Zäunen und Zugangskontrollen „entfremdet und zunehmend von dem Ort distanziert“, und verwiesen auf Ungleichheit gegenüber dem Ortes mit seinem „ästhetisch ansprechenden, gepflegten Erscheinungsbild im Vergleich mit den umliegenden Wohngebieten“.[32]

Die Stadt Haifa und andere befürworteten die Errichtung des Ortes und förderten die Bauprojekte wegen ihrer Bedeutung in Bereichen der interreligiösen Toleranz, Ästhetik, Wirtschaftswachstum, Tourismus und dem wachsenden Status der Stadt Haifa.[33] Die Interviews ließen vermuten, dass die Erweiterung zu Konflikten mit einigen Bewohnern führte, die die Bauarbeiten als „irreführend und/oder übermäßig aggressiv sowie ungebührliche Macht und politischer Einfluss auf Entscheidungsträger ausübend“ empfanden und weiter „Die Konflikte entstanden nicht um Wertvorstellungen, sondern vor allem um Fragen der Raumplanung und lokaler Belästigungen“.[34] Die Befragten, die sich ungerecht behandelt gefühlt hatten, forderten nach der Einweihung der Erweiterung jederzeit uneingeschränkten Zutritt zum Bahai-Weltzentrum, dieses bietet jedoch nur kontrollierten Zugang mit festgelegten Öffnungszeiten und Führungen an.[35] Manche beschrieben Haifa als „eine Stadt, die aufgrund der etwas seltsamen und geheimnisvollen Bahai-Religion heilig wurde“.[36]

  • Bahāʾullāh: Tafel vom Karmel. In: Botschaften aus Akka. Offenbart nach dem Kitab-i-Aqdas. Bahai-Verlag, Hofheim 1982, ISBN 3-87037-143-9 (Online).
  • Bahāʾullāh: Ährenlese. 5. Auflage. Bahai Verlag, Hofheim-Langenhain 2003, ISBN 3-87037-406-3, Kap. 11 (Online).
  • Bahāʾullāh: Tafel vom Karmel. In: Botschaften aus Akka. Offenbart nach dem Kitab-i-Aqdas. Bahai-Verlag, Hofheim 1982, ISBN 3-87037-143-9 (Online).
  • Bahāʾullāh: Ährenlese. 5. Auflage. Bahai Verlag, Hofheim-Langenhain 2003, ISBN 3-87037-406-3, Kap. 11 (Online).
  • Bahai Holy Places at the World Centre. Haifa 1968.
  • Ugo Giachery: Shoghi Effendi Recollections. Oxford 1973, ISBN 0-85398-050-0.
  • Eunice Braun: Krone des Karmel: Die Bahai-Religion und das Heilige Land. Oxford 1982, ISBN 3-900443-04-1.
  • Hugh C. Adamson: The A to Z of the Baháʼí Faith. In: The Scarecrow Press (Hrsg.): World Centre, Baháʼí. Plymouth 2009, ISBN 978-0-8108-6853-3, S. 503–504.
  • H.M. Balyuzi: ʻAbdu'l-Bahá: The Centre of the Covenant of Baháʼu'lláh. Hrsg.: George Ronald. Oxford 2001, ISBN 0-85398-043-8 (Online [abgerufen am 9. Januar 2026]).
  • E. Braun, H. Chance: A Crown of Beauty, The Baháʼí Faith and the Holy Land. Hrsg.: George Ronald. Oxford 1982, ISBN 0-85398-139-6.
  • Houchang Chehabi: The Baha'is of Iran: Socio-historical studies. Hrsg.: Routledge. New York 2008, ISBN 978-0-203-00280-3, Anatomy of Prejudice.
  • Christopher Buck: Islam and Minorities: The Case of the Baháʼís. Hrsg.: Studies in Contemporary Islam. 2003.
  • Noga Collins Kreiner, Deborah F. Shmueli, Michal Ben Gal: Understanding conflicts at religious-tourism sites: The Baha'i World Center, Israel. In: Tourism Management Perspectives. 30. April 2015, ISSN 2211-9736, doi:10.1016/j.tmp.2015.04.001 (englisch, Online [abgerufen am 27. März 2023]).
  • Moojan Momen: Bahá'í World Center. In: National Spiritual Assembly of the Bahá’ís of the United States (Hrsg.): Bahá’í Encyclopedia Project. Evanston, IL 2009 (Online).
  • Ruhiyyih Rabbani: The Priceless Pearl. In: Baháʼí Publishing Trust. London 1969, ISBN 1-870989-91-0.
  • Peter Smith: Baháʼí World Centre. In: Oneworld Publications (Hrsg.): A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith. 2000, ISBN 1-85168-184-1, S. 71–72 (Online [abgerufen am 1. November 2023]).
  • Peter Smith: An Introduction to the Baha'i Faith. Hrsg.: Cambridge University Press. Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-86251-6.
  • Adib Taherzadeh: The Revelation of Baháʼu'lláh, Volume 2: Adrianople 1863–68. Hrsg.: George Ronald. Oxford 1977, ISBN 0-85398-071-3, S. 56–58 (Online [abgerufen am 6. März 2012]).
  • Three new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List. UNESCO, 8. Juli 2008, abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
  • Bahá’i Holy Places in Haifa and the Western Galilee. UNESCO, abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
  • Universales Haus der Gerechtigkeit: Regarding the development of the properties of the Baháʼí World Centre. Baháʼí World News Serviceenskap, 30. März 1987, archiviert vom Original am 20. April 2019; abgerufen am 20. April 2019 (englisch).
  • To the Followers of Bahá'u'lláh throughout the world. Universales Haus der Gerechtigkeit, 31. August 1987, archiviert vom Original am 13. April 2021; abgerufen am 13. April 2021 (englisch).
  • Teaching the Faith in Israel. Universales Haus der Gerechtigkeit, 23. Juni 1995, archiviert vom Original am 18. September 2010; abgerufen am 18. September 2010 (englisch).
  • 9 November 2018 – To the Baháʼís of the World. Universales Haus der Gerechtigkeit, 9. November 2018, archiviert vom Original am 8. Mai 2019; abgerufen am 8. Mai 2019 (englisch).
Commons: Bahai-Weltzentrum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h i Peter Smith: Baháʼí World Centre. In: Oneworld Publications (Hrsg.): A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith. 2000, ISBN 1-85168-184-1, S. 71–72 (Online [abgerufen am 1. November 2023]).
  2. Houchang Chehabi: The Baha'is of Iran: Socio-historical studies. Hrsg.: Routledge. New York 2008, ISBN 978-0-203-00280-3, Anatomy of Prejudice, S. 190–194.
  3. Christopher Buck: Islam and Minorities: The Case of the Baháʼís. Hrsg.: Studies in Contemporary Islam. 2003, S. 83–106.
  4. Noga Collins Kreiner, Deborah F. Shmueli, Michal Ben Gal: Understanding conflicts at religious-tourism sites: The Baha'i World Center, Israel. In: Tourism Management Perspectives. 30. April 2015, ISSN 2211-9736, S. 228–236, doi:10.1016/j.tmp.2015.04.001 (englisch, Online [abgerufen am 27. März 2023]).
  5. Three new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List. UNESCO, 8. Juli 2008, abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
  6. Convention concerning the protection of the world cultural and natural heritage. (PDF; 524 kB) UNESCO, 2. Juni 2007, S. 34, abgerufen am 16. Oktober 2009 (englisch).
  7. H.M. Balyuzi: ʻAbdu'l-Bahá: The Centre of the Covenant of Baháʼu'lláh. Hrsg.: George Ronald. Oxford 2001, ISBN 0-85398-043-8, S. 99 (Online [abgerufen am 9. Januar 2026]).
  8. Adib Taherzadeh: The Revelation of Baháʼu'lláh, Volume 2: Adrianople 1863–68. Hrsg.: George Ronald. Oxford 1977, ISBN 0-85398-071-3, S. 56–58 (Online [abgerufen am 6. März 2012]).
  9. Peter Smith: Baháʼí World Centre. In: Oneworld Publications (Hrsg.): A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith. 2000, ISBN 1-85168-184-1, S. 45–46 (Online [abgerufen am 1. November 2023]).
  10. H.M. Balyuzi: ʻAbdu'l-Bahá: The Centre of the Covenant of Baháʼu'lláh. Hrsg.: George Ronald. Oxford 2001, ISBN 0-85398-043-8, S. 90–93 (Online [abgerufen am 9. Januar 2026]).
  11. H.M. Balyuzi: ʻAbdu'l-Bahá: The Centre of the Covenant of Baháʼu'lláh. Hrsg.: George Ronald. Oxford 2001, ISBN 0-85398-043-8, S. 131 (Online [abgerufen am 9. Januar 2026]).
  12. H.M. Balyuzi: ʻAbdu'l-Bahá: The Centre of the Covenant of Baháʼu'lláh. Hrsg.: George Ronald. Oxford 2001, ISBN 0-85398-043-8, S. 452 (Online [abgerufen am 9. Januar 2026]).
  13. a b c Universales Haus der Gerechtigkeit: Regarding the development of the properties of the Baháʼí World Centre. Baháʼí World News Serviceenskap, 30. März 1987, archiviert vom Original am 20. April 2019; abgerufen am 20. April 2019 (englisch).
  14. Peter Smith: Baháʼí World Centre. In: Oneworld Publications (Hrsg.): A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith. 2000, ISBN 1-85168-184-1, S. 45–46 (Online [abgerufen am 1. November 2023]).
  15. Ruhiyyih Rabbani: The Priceless Pearl. In: Baháʼí Publishing Trust. London 1969, ISBN 1-870989-91-0, S. 261.
  16. 7 May 2019 – To all National Spiritual Assemblies | Baháʼí Reference Library. www.bahai.org, abgerufen am 7. Mai 2019.
  17. Baha'i World News Service: Design concept for the Shrine of ʻAbdu'l-Baha unveiled. news.bahai.org, abgerufen am 20. September 2019.
  18. Shrine of ‘Abdu’l-Bahá: Structure rises above foundations | BWNS. 16. November 2020, abgerufen am 9. Dezember 2020 (englisch).
  19. Holy place restored and open to pilgrims. Bahá’í World News Service, 24. November 2004, abgerufen am 12. Juni 2018 (englisch).
  20. Peter Smith: Baháʼí World Centre. In: Oneworld Publications (Hrsg.): A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith. 2000, ISBN 1-85168-184-1, S. 45–46 (Online [abgerufen am 1. November 2023]).
  21. Peter Smith: An Introduction to the Baha'i Faith. Hrsg.: Cambridge University Press. Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-86251-6, S. 74.
  22. To the Followers of Bahá'u'lláh throughout the world. Universales Haus der Gerechtigkeit, 31. August 1987, archiviert vom Original am 13. April 2021; abgerufen am 13. April 2021 (englisch).
  23. Peter Smith: An Introduction to the Baha'i Faith. Hrsg.: Cambridge University Press. Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-86251-6, S. 74.
  24. Peter Smith: Baháʼí World Centre. In: Oneworld Publications (Hrsg.): A Concise Encyclopedia of the Baháʼí Faith. 2000, ISBN 1-85168-184-1, S. 45–46 (Online [abgerufen am 1. November 2023]).
  25. Peter Smith: An Introduction to the Baha'i Faith. Hrsg.: Cambridge University Press. Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-86251-6, S. 75.
  26. Peter Smith: An Introduction to the Baha'i Faith. Hrsg.: Cambridge University Press. Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-86251-6, S. 75.
  27. 9 November 2018 – To the Baháʼís of the World. Universales Haus der Gerechtigkeit, 9. November 2018, archiviert vom Original am 8. Mai 2019; abgerufen am 8. Mai 2019 (englisch).
  28. Teaching the Faith in Israel. Universales Haus der Gerechtigkeit, 23. Juni 1995, archiviert vom Original am 18. September 2010; abgerufen am 18. September 2010 (englisch).
  29. Treasury tells Bahai to hire more Israelis if status pact is to be renewed. Haʾaretz, archiviert vom Original am 29. Juli 2021; abgerufen am 29. Juli 2021 (englisch).
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Koordinaten: 32° 48′ 52″ N, 34° 59′ 13″ O