Bahnbetriebswerk Lübeck

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Das Bahnbetriebswerk Lübeck war ein Bahnbetriebswerk der BD Hamburg welches nach der Bahnreform DB Regio zugeordnet war.

Die Rechteckhalle mit dem angebauten Großtausch
Der Schuppen LEU im Sommer 2003, rechts die Pumpstation des Dieselkraftstofflagers
Innenansicht der Rechteckhalle im Mai 2010
Blick auf die Rechteckhalle im Jahr 2005
Innenansicht des Großtauschs

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) nahm 1908 mit dem Lübecker Hauptbahnhof auch ein neues Bahnbetriebswerk für ihre damals ca. 90 Lokomotiven in Betrieb. Es verfügte über einen Rechteck- und einen Ringlokschuppen. Einen weiteren Rechteckschuppen errichtete die Eutin-Lübecker Eisenbahn. Der Ringlokschuppen mit Drehscheibe, Sozialgebäude und Wasserturm wurde rechts der südlichen Einfahrgleise angelegt. Der Rechteckschuppen wurde zwischen Ein- und Ausfahrgleisen, in Verlängerung der Abstellgruppe, angelegt. Die Rechteckhalle wurde durch einen Fußgängertunnel mit dem Ringlokschuppen verbunden.

Mit der Verstaatlichung der LBE im Jahr 1938 kam die Dienststelle zur Deutschen Reichsbahn (DR). Dazu übernahm die DR 71 Dampflokomotiven und vier Kleinlokomotiven, die auch in Lübeck beheimatet blieben. 1941 wurde auch die ELE verstaatlicht. Damit kamen auch deren Lokschuppen und weitere zehn Lokomotiven zur DR.

Im Zweiten Weltkrieg fanden die Lokomotiven großenteils in anderen Bahnbetriebswerken mit ähnliche Lokbestand ihre Heimat und wurden durch ehemals preußische sowie Einheitslokomotiven ersetzt. Fortan waren Lokomotiven der Baureihen 24, 38.10, 41, 50, 78, 93 und 94 in Lübeck zu Hause. Außerdem war Lübeck Wende-BW für Lokomotiven der Baureihen 01, 01.10 und 03.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Bw weitgehend unbeschädigt.

1957 kehrten die ersten Diesellokomotiven der Baureihe V 60 ein. Nachdem dem Bw Lokomotiven der Baureihen V 100.20, V 200.1 und V 160, darunter auch Vorserienloks, zugewiesen worden waren, stellte man die Dampflokunterhaltung ab 1965 ganz ein (bis dahin hauptsächlich Baureihen 38.10 und 78, als Wendeloks tauchten sogar Bebraer 01.10 und die beiden 10er hier auf).

Mitte der 1960er-Jahre war es damit eines der ersten Bahnbetriebswerke der Deutschen Bundesbahn (DB), das vollständig verdieselt wurde. Das hatte vor allem mit der Inbetriebnahme der Vogelfluglinie 1963 zu tun, deren Zugförderung vollständig auf Diesellokomotiven abgestimmt war. Dazu entstand das Bahnbetriebswerk Puttgarden, welches die dortigen Rangieraufgaben mit V 65 übernahm. Ab dem 1. Januar 1982 wurde das Bw Puttgarden als Außenstelle des Bw Lübeck geführt. Die Außenstelle Puttgarden unterhielt 75 Reisezugwagen. Die Wartung und Instandhaltung der landseitigen Einrichtung der Fähranleger unterlag ebenfalls der M-Gruppe des Bw Lübeck. Die Maschinen-Gruppen der Bahnbetriebswerke waren zuständig für die Unterhaltung aller maschinen- und elektrotechnischen Einrichtungen in ihrem jeweiligen Bezirk. Dazu zählten Gleiswaagen, Drehscheiben, Schiebebühnen, Tankanlagen, Heizwerk und Ähnliches. Weitere Außen- und Meldestellen waren im Laufe der Zeit: Lübeck Hauptbahnhof (aus organisatorischen Gründen), Büchen, Ratzeburg, Eutin, Bad Oldesloe und Hamburg Hauptbahnhof (erst mit der Zuordnung des Bws zu DB Regio).

Für die Umstellung erfolgten größere Umbauten. Die Gleisanbindungen des Ringlokschuppens an die Drehscheibe wurden 1962 zurückgebaut. Die Drehscheibe brauchten noch die hier wendenden DR-Dampfloks der Reihen 23.10, 41 und seltener auch 62 und existierte auch noch Jahre nach deren Ersatz durch V 180. Bis Ende der 1990er-Jahre diente der Halbrundschuppen als Lager und Kfz-Werkstatt. Die Drehscheibe vor dem Rechteckschuppen wich 1965 einer Weichenstraße. Die südliche Anbindung der Rechteckhalle über eine Schiebebühne wurde ebenfalls durch eine Weichenstraße ersetzt. Eine große Dieseltankstelle entstand nördlich der Halle.

In den 1980er-Jahren war BW Lübeck Auslauf-Bw für die Baureihe V 200.0; außerdem waren durch die BD Hamburg umfangreiche Umbauten geplant. Die Rechteckhalle sollte saniert und erweitert werden. Der ehemalige, als Lager dienende, Lokschuppen der Eutin-Lübecker-Eisenbahn (ELE), der sogenannte „Schuppen LEU“, sollte abgerissen werden. Das Materiallager sollte in die Rechteckhalle (ehemals LBE) verlegt werden. Weiterhin war der Bau eine Außenreinigungsanlage geplant. Im Bahnbetriebswerk Lübeck standen am 1. Juni 1985 585 Eisenbahner in Lohn und Brot. Es beheimatete zu diesem Zeitpunkt:

  • 67 Lokomotiven der BR 218
  • 35 Lokomotiven der BR 211/212
  • 16 Lokomotiven der BR 260/261
  • 27 Kleinlokomotiven.

Für die Instandhaltung und Bedarfausbesserungen dieser Lokomotiven gab es in der Rechteckhalle sechs mit Arbeitsgruben ausgestattete Gleise. Für das Tauschen von Großkomponenten (z. B. Dieselmotor und Turbogetriebe) stand im Anfang der 1980er-Jahre errichten Anbau ein 160-kN-Kran zur Verfügung. Zum Tausch von Drehgestellen war zusätzlich ein Hallengleis der Rechteckhalle mit einer Hebebockanlage versehen.

Nach 1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Bahnreform ist das Werk DB Regio (zunächst GB Traktion) zugeteilt worden. Werkstatt- und Betriebsdienst wurden wie überall zunächst nur organisatorisch getrennt. Durch die Elektrifizierung der Strecke Hamburg-Flensburg/Kiel wurde das Bw Flensburg, trotz einer relativ modernen Ausstattung, aufgelassen. Die Flensburger Lokomotiven wurden größtenteils nach Lübeck umbeheimatet. Durch diese Neuzugänge stieg der 218 Bestand auf ca. 130 Stück. Das Bw Lübeck beherbergte jetzt ausschließlich Lokomotiven der BR 218. Die anderen Lokbaureihen wurden DB Cargo zugeteilt und in der Regel durch das Bw Hamburg-Wilhelmsburg unterhalten. Das Einsatzgebiet der Lübecker Lokomotiven erstreckte sich nach wie vor über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Lübecker Lokomotiven liefen auf der Vogelfluglinie, der Marschbahn, nach Rostock und Cuxhaven.

Schließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der frühen organisatorischen Trennung wurde schließlich 2004 die Lokleitung Lübeck aufgelassen. Der betriebsdienstliche Teil des Bw Lübecks war damit ausgelöst. Lübecker Lokführer wurde jetzt in einer Meldestelle der Einsatzstelle Kiel geführt. Mit Aufnahme der elektrischen Zugförderung auf der Strecke Hamburg–Lübeck sind auch die Aufgaben der Werkstatt weitgehend weggebrochen. Die E-Loks der BR 143/BR 112 werden durch andere Werkstätten instand gehalten. Die in Schleswig-Holstein verbliebenen Lokomotiven der BR 218 werden jetzt durch die Werkstätten in Kiel und Niebüll gewartet. Das Werk Kiel übernahm zum 1. Juni 2010 die letzten Lübecker Lokomotiven. Am 31. Mai 2010 verließ mit 218 407 die letzte Lok das ehemalige Bw Lübeck. Das Werk Kiel wurde zuvor aufwendig erweitert und übernimmt damit die Wartung und Instandhaltung nahezu aller Fahrzeuge von DB Regio Schleswig Holstein. Werkzeug und Ausrüstung wurden mit einem Dienstgüterzug ebenfalls nach Kiel gebracht. Dennoch kann das Werk Kiel nicht alle anfallenden Arbeiten ausführen. Größere Instandsetzungsmaßnahmen werden seither im Werk Braunschweig ausgeführt. Die Schneefräse der DB Netz AG wurde ebenfalls nach Kiel unbeheimatet. Im Werk Lübeck waren am 28. Mai 2010 noch 10 Mann beschäftigt. Seither sind die Anlagen weitgehend verwaist. Die nördlich der Rechteckhalle gelegene Tankstelle wurde durch eine neue moderne Tankstelle im Gleis 118 ersetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Hecht: Service und Stationierung. Das Bahnbetriebswerk Lübeck. in: Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde: Tagungsprogramm 23. Bundesverbandstag Lübeck, 15. bis 18. Mai 1980, S. 29–30.
  • Eisenbahnkurier-Verlag Baureihen 01.10 und 10
  • Bundesbahndirektion Hamburg: Anlagen des Betriebsmaschinendienstes der Bundesbahndirektion Hamburg - Bw Lübeck. H 32/024 BD Hmb, vom 1. Juni 1985
  • Manfred Traube: Schließung nach 102 Jahren: Das Bw Lübeck. in: Eisenbahn Kurier 10/2010, S. 64-66

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnbetriebswerk Lübeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien