Bahnbetriebswerk Nürnberg West

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Blick auf das Bahnbetriebswerk Nürnberg West

Das Bahnbetriebswerk Nürnberg West (Kurzform: Bw Nürnberg West) ist ein Bahnbetriebswerk der DB Regio Franken im Nürnberger Stadtteil Gostenhof, Bezirk Bärenschanze.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bahnbetriebswerk liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg nahe dem stillgelegten Haltepunkt Neusündersbühl.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Ausbaus Nürnbergs zum nordbayerischen Verkehrsknotenpunkt wurde für Nürnberg Centralbahnhof zwischen 1870 und 1875 die Betriebswerkstätte Nürnberg Centralbahnhof, Abteilung III errichtet. Das aus französischen Reparationszahlungen finanzierte Bahnbetriebswerk wurde neben der bis 1875 eingerichteten Centralwerkstätte an der Staatsbahnstrecke Nürnberg-Fürth errichtet. Die Anlage umfasste zwei Ringlokschuppen mit je 29 Ständen und je einer 12-Meter-Drehscheibe und war für die Wartung und Reparatur von ca. 115 Rangier-, Güterzug- und Lokalbahnlokomotiven zuständig.

1902 wurde eine Neuordnung des Bahnbetriebswesens geplant, die die Reduzierung der vier Standorte um Nürnberg Hauptbahnhof zum Ziel hatte. Der Bau des neuen Hauptbahnhofs ab 1903 bot eine gute Gelegenheit. Die Abteilung III wurde ausgebaut, die Drehscheiben auf 18 Meter Länge vergrößert und die überflüssigen Anlagen der Abteilungen I und II abgerissen. Schließlich wurde die Abteilung III in Bw Nürnberg Hbf umbenannt. Das Bahnbetriebswerk blieb das zentrale Bahnbetriebswerk für die Nürnberger Personenlokomotiven.

1929 um die ersten Hallen für Triebwagen erweitert, erreichte das Bahnbetriebswerk 1934 seine größte Ausdehnung, nachdem im selben Jahr die Hallen für Elektrolokomotiven und Elektrotriebwagen in Betrieb genommen worden waren. 1936 wurde noch ein Heizwerk zwischen beiden Ringschuppen errichtet.

Bei den Luftangriffen auf Nürnberg während des Zweiten Weltkriegs wurde das Bw Nürnberg Hbf erst 1945 stark beschädigt. Der rechte Ringschuppen wurde dabei total zerstört; er wurde abgerissen, Gleise und Drehscheibe aber bis Oktober 1977 als Freistand weitergenutzt. Ende der 1970er Jahre wurden die Gleise auf dem Areal des rechten Ringschuppens entfernt und die Grube der Drehscheibe mit Schutt aufgefüllt. Der linke Ringschuppen blieb erhalten und erhielt ein höheres Dach. Die Organisationsreform der Deutschen Bundesbahn im technischen Bereich nannte nun alle elektro- und maschinentechnischen Dienststellen einheitlich „Betriebswerke“ (Bw) und nummerierte die Betriebswerke an einem Ort einfach durch. Bw Nürnberg Hbf als bedeutendste Bahnbetriebswerk wurde seit 1. September 1980 als Bw Nürnberg 1 bezeichnet. Weiterhin war es die Heimatdienststelle für die Elektrolokomotiven und Elektrotriebwagen sowie für Diesellokomotiven und Dieseltriebwagen im Reisezugdienst.

Reste des Ringlokschuppens nach dem Großbrand von Oktober 2005

Mit der Bahnreform vom 1. Januar 1994 wurde das Werk als Bw Nürnberg West der DB Regio zugeordnet. Der linke, noch vorhandene Ringschuppen wurde bald als Depot für das DB Museum Nürnberg genutzt, der allerdings bei einem Großbrand am 17. Oktober 2005 zerstört wurde. Die Reste wurden im Juni 2006 abgetragen. Das Bahnbetriebswerk ist 2011 mit der Teilinbetriebnahme durch ein neues Regio-Werk ersetzt worden. Ab 2013 sollen alle Baureihen im neuen Regio-Werk gewartet werden.

Das neue Regio-Werk umfasst eine neue 12.000 m² große achtgleisige Werkstatthalle, außerdem eine sechsgleisige Halle für die Innenreinigung, eine weitere für den Unterflurwaschstand und eine für die Unterflur-Radsatz-Drehmaschine. Bis zu Dezember 2012 soll das Werk fertiggestellt sein. Ein eigenes elektronisches Stellwerk wird die Fahrten auf dem Gelände regeln.[1]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dem Bw zugeteilte und zu DB Regio Franken gehörende Fahrzeugpark umfasst insgesamt 62 Lokomotiven der Baureihen 111, 143, 146.2 und 214, sowie 40 Dieseltriebwagen der Baureihen 642 und 648 der dritten Bauserie. Neben der Untersuchung und Wartung der eigenen Fahrzeuge werden diese Aufgaben auch an den Baureihen 101 von DB Fernverkehr, 152, 182, 185 von DB Cargo sowie den Dispoloks ausgeführt. Zudem kommt noch die S-Bahn-Triebwagen 442 hinzu. Die Dieseltriebwagen der Baureihe 610 wurden nach 20 Jahren im Jahr 2011 zum Werk Hof umbeheimatet und Ende 2014 ausgemustert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rolf Syrigos: Deutschlands Super-Regio-Werk. In: eisenbahn-magazin 4/2012, S. 33–35

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Syrigos: Das Bw Nürnberg Hbf. Rückblick auf über 100 Jahre Traktionsgeschichte. In: Eisenbahn Magazin. Band 44, Nr. 2, 2006, S. 28–31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 27′ 7″ N, 11° 2′ 27″ O