Bahnhof 21

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Als Bahnhof 21 werden verschiedene, teils wieder fallengelassene oder aufgeschobene Projekte der Deutschen Bahn AG zum Umbau einiger Bahnhöfe im 21. Jahrhundert bezeichnet.

Im Zuge dieser auch als Projekte 21 bezeichneten Vorhaben sollen nicht mehr benötigte Bahnbetriebsflächen der städtischen Entwicklung zur Verfügung gestellt und der Zugverkehr beschleunigt werden. Die durch die Bahn beanspruchten städtischen Flächen sollen dabei insgesamt reduziert werden. Teilweise ist auch der Umbau von Kopfbahnhöfen zu Durchgangsbahnhöfen vorgesehen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Projekte 21 fußen nach DB-Angaben auf der Idee, freiwerdende Flächen der modernisierten Eisenbahn der Stadtentwicklung zur Verfügung zu stellen. Als Projekte 21 sei dabei ein entsprechender Planungsdialog zwischen DB, Ländern und Kommunen bezeichnet worden.[2] Laut einem Zeitungsbericht habe der Architekt Meinhard von Gerkan, beflügelt vom Berliner Hauptbahnhof, die Idee auf den Weg gebracht.[3] Nach ersten internen Schätzungen der DB seien etwa 25 Städte mit einer freiwerdenden Gesamtfläche von rund 1.600 Hektar für 21er Projekte in Frage gekommen.[4] Ein anderer Bericht spricht von 17 Städten, die Bahnchef Heinz Dürr für 21er Projekte ins Auge gefasst habe.[5]

Im Juni 1996 wurden die Projekte Frankfurt 21 und München 21 vorgestellt.[6] 1996 lagen erste Planungen unter anderem für Frankfurt am Main, München, Saarbrücken und Mannheim vor. Das am weitesten fortgeschrittene 21er-Projekt sei dabei Stuttgart 21 gewesen.[2] Für Neu-Ulm gab es konkrete Planungen.[7] Auch für Nürnberg[8] und Potsdam[9] gab es Überlegungen.

Die Deutsche Bahn stellte im Oktober 1996 unter dem Titel Renaissance der Bahnhöfe in einer Ausstellung parallel zur Architekturbiennale 1996 in Venedig ihre Überlegungen für Bahnhöfe der Zukunft vor. Dazu zählten auch die Projekte 21.[9][3]

Anfang 1998 gab es darüber hinaus konkrete Planungen in Mannheim, Magdeburg und Lindau.[10] Mitte 1998 liefen Planungsstudien unter anderem für die Städte Frankfurt am Main, Hamburg, Magdeburg, Mannheim, München, Neu-Ulm und Saarbrücken.[11]

Bundesweit sollten im Rahmen des Projekts 400 Hektar Innenstadtflächen verkauft werden können. Nach Bahnangaben von Mitte 1998 sollten nur Projekte weiterverfolgt werden, in denen sich die öffentliche Hand in mindestens derselben Höhe wie die Deutsche Bahn beteilige.[4]

Für die Deutsche Bahn galt Stuttgart 21 Ende der 1990er Jahre als Pilotprojekt für die übrigen Vorhaben.[4]

Mitte 1999 wurden die Projekte auf den Prüfstand gestellt. Die Vorhaben in Frankfurt, München und Stuttgart wurden auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft.[12] Laut einem Zeitungsbericht von 2007 hätten sich von 17 bundesweit geprüften Bahnhof-21-Projekten letztlich nur Stuttgart 21 und Neu-Ulm 21 als wirtschaftlich darstellbar erwiesen.[13] Im Raum Frankfurt wurde im Anschluss das Projekt RheinMain plus verfolgt.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgeschlossene Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Projekt Neu-Ulm 21 wurde 2007 abgeschlossen. Hier ist der Durchgangsbahnhof für schnelle Durchfahrten optimiert in Tieflage neu gebaut und die Oberfläche neu gestaltet worden.
  • Im Projekt Saarbrücken 21 wurde der Hauptbahnhof bis 2007 neu geordnet und renoviert. Frei gewordene ehemalige Bahnflächen werden als neuer Stadtteil Quartier Eurobahnhof entwickelt.

Laufende Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Stuttgart war Baubeginn im Februar 2010, die Fertigstellung des Projekts Stuttgart 21 ist für frühestens Ende 2021 vorgesehen.
  • Die unter dem Titel Magdeburg 21 geplante Modernisierung des Hauptbahnhofs Magdeburg findet in den Jahren 2007 bis 2022 statt.

Geplante Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bei Lindau 21 soll im Zuge der Elektrifizierung der Allgäubahn der Kopfbahnhof auf der Insel durch einen Durchgangsbahnhof auf dem Festland ersetzt werden. Dadurch sollen die Reisezeiten auf der Relation von München nach Zürich verkürzt sowie indirekt eine bessere Anbindung des zukünftigen Gotthard-Basistunnels gewährleistet werden. Nach einer längeren Diskussion um den Erhalt des Inselbahnhofs wurde Ende 2011 eine Kompromisslösung beschlossen. In Lindau-Reutin soll ein kleiner Durchgangsbahnhof für den Fernverkehr entstehen und der Inselbahnhof in verkleinerter Form erhalten bleiben. In einer weiteren Abstimmung, im März 2012, nahm die Lindauer Bevölkerung den Vorschlag eines neuen zentral gelegenen Hauptbahnhofs in Reutin mit eingleisiger Inselanbindung an.

Aufgeschobene oder gestoppte Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Mitte Juni 1996 vorgestellten Projekte Frankfurt 21 und München 21 sahen vor, in Frankfurt am Main und München jeweils den Kopfbahnhof durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu ersetzen.[6] Die Realisierung der Projekte ist nicht absehbar. Im Raum Frankfurt wurde im Anschluss das Projekt RheinMain plus weiter verfolgt.
  • Aus dem Projekt Mannheim 21 hat sich die Deutsche Bahn AG 2003 zurückgezogen. Ursprünglich gab es hier Pläne, den Durchgangsbahnhof zu optimieren, um die Ein- und Ausfahrgeschwindigkeiten zu erhöhen und die Zahl der Bahnsteiggleise zu reduzieren. Die Stadt Mannheim entwickelt nun unter dem Titel Glückstein-Quartier ein neues Stadtquartier auf der Südseite des Hauptbahnhofs, für das ehemalige Bahn- und Industrieflächen genutzt werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bahn und Stadt im Dialog: Projekte 21. In: Bundesbaublatt, 3/1998, S. 68–70.
  2. a b Heinz Dürr: Bahn frei für eine neue Stadt. In: Renaissance der Bahnhöfe. Die Stadt im 21. Jahrhundert. Vieweg Verlag, 1996, ISBN 3-528-08139-2, S. 13–15.
  3. a b Bernhard Schulz: Architektonische Qualität ist wieder gefragt. In: Der Tagesspiegel. Nr. 15769, 10. September 1996, S. 21.
  4. a b c BahnAG will in acht Städten Gleisareale räumen – Aus Schienenschrott soll profitables Bauland werden. In: Stuttgarter Zeitung. 14. Februar 1998, S. 28.
  5. Michael Isenberg: In Bayern fährt der ICE bereits unter der City. In: Stuttgarter Nachrichten. 26. November 2007, S. 3.
  6. a b Elmar Wallergang: Fernbahngleise unter die Erde: Stuttgarter Idee findet in Frankfurt und München Nachahmung. In: VDI nachrichten. 5. Juli 1996, ISSN 0042-1758, S. 4.
  7. Der Hauptbahnhof soll von der Erde verschluckt werden. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 141, 1996, ISSN 0174-4917, S. 39.
  8. Achim Wörner: Endlich raus aus der Schmuddelecke. In: Stuttgarter Zeitung. 7. Dezember 1996, S. 13.
  9. a b Dankwart Guratzsch: Die Stadt als profitable Geldanlage. In: Die Welt, Expo Real special. Nr. 218, 18. September 1999, ISSN 0173-8437, S. WR1 (online).
  10. Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Geschäftsbericht 1998. S. 49.
  11. H. Dieterle: Stuttgart 21 – Ein Jahrhundertprojekt auf dem Weg zur Realisierung. In: Tiefbau, 9/1998, S. 614–620 PDF-Datei.
  12. Dankwart Guratzsch: Bahnhofs-Projekten droht das Aus. In: Die Welt. Nr. 171, 26. Juli 1999, ISSN 0173-8437, S. 14.
  13. Michael Isenberg: Milliardengabe des Landes macht Stuttgart 21 möglich. In: Stuttgarter Nachrichten. 20. Juli 2007, S. 3.