Bahnhof Berlin-Karlshorst

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Berlin-Karlshorst
Südlicher Eingang zum Bahnhof, 2005
Südlicher Eingang zum Bahnhof, 2005
Daten
Lage im Netz Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2 (Fernbahn)
2 (S-Bahn)
Abkürzung BKH (Fernbahn)
BKLH (S-Bahn)
IBNR 8010035
Kategorie 3
Eröffnung 1. Mai 1895
Webadresse bahnhof.de
s-bahn-berlin.de
Architektonische Daten
Architekt Karl Cornelius
Waldemar Suadicani
Lage
Stadt/Gemeinde Berlin
Ort/Ortsteil Karlshorst
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 28′ 51″ N, 13° 31′ 33″ OKoordinaten: 52° 28′ 51″ N, 13° 31′ 33″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe im Raum Berlin
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Der Bahnhof Berlin-Karlshorst ist ein S-Bahnhof und Regionalbahnhof im gleichnamigen Berliner Ortsteil Karlshorst des Bezirks Lichtenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-Bahnsteig

Der Bahnhof wurde am 1. Mai 1895 an der Niederschlesisch-Märkischen Bahn unter dem Namen Carlshorst in Betrieb genommen, zunächst weniger für den Vorortverkehr als vielmehr für die Besucher der 1893/1894 errichteten Hindernisrennbahn. Eigens hierfür wurde ein sechsgleisiger Kopfbahnhof neben dem Vorortbahnsteig gebaut – mit einem Empfangspavillon für den Kaiser an der Einmündung der Lehndorff- in die Wandlitzstraße.[4] 1901 erfolgte die Umbenennung des Ortes und damit auch des Bahnhofs in Karlshorst. Mit der Hochlegung der Strecke bis 1902 entstanden das heutige Empfangsgebäude und die Brücke über die jetzige Treskowallee. 1928 wurde der elektrische S-Bahn-Betrieb auf der Strecke zwischen Erkner und Potsdam aufgenommen. Der Verkehr am Bahnhof, immer noch zu großen Teilen aus den Besuchern der Rennbahn resultierend, verzeichnete in diesen Jahren seine größten Zahlen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Juli 1945, wurden die Fernbahngleise der Strecke kurzzeitig auf russische Breitspur umgespurt. Der sowjetische Diktator Stalin war Teilnehmer der Potsdamer Konferenz und bestand auf einer umsteigefreien Anreisemöglichkeit. Die Rückumspurung auf Normalspur erfolgte im September des gleichen Jahres. Da die Strecke die wichtigste Verbindung in die Sowjetunion darstellte, blieben die Ferngleise von der Demontage verschont, als Ausgleich wurden dagegen beide Vorortgleise entfernt. Erst 1947 konnten S-Bahn-Züge die wieder neu verlegten Gleise benutzen und so auch Karlshorst wieder anfahren.

Erweiterung zum Regionalbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußgängerbrücke und Regionalbahnsteige

Als ab 1952 die Züge des DDR-Binnenverkehrs nicht mehr durch West-Berlin fuhren, war für sie der Ostbahnhof zu einem Kopfbahnhof geworden, der dadurch stark belastet war. Deshalb war Anfang der 1960er Jahre geplant, den Bahnhof Karlshorst als weiteren Fernbahnhof für Ost-Berlin auszubauen. Der Bahnhof sollte von der Südost- auf die Nordwestseite der Treskowallee verlegt und ein 600 Meter langer Fernbahnsteig errichtet werden. Das neue zweigeschossige Empfangsgebäude sollte an der Wandlitz-/Lehndorffstraße entstehen. Unter den Bahnanlagen war ein zehn Meter breiter Fußgängertunnel zwischen Lehndorff- und Dönhoffstraße für den Zugang zum S- und zum Fernbahnsteig vorgesehen. Nur der S-Bahnsteig sollte einen Zugang von der Treskowallee erhalten. Dazu wäre die Brücke über die Treskowallee verbreitert worden. Neben dem Empfangsgebäude sollte ein achtgeschossiges Verwaltungsgebäude der Reichsbahn gebaut werden.[5][6]

Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 bekam der Bahnhof den heute noch vorhandenen Regionalbahnsteig. Da die S-Bahn-Züge nach Potsdam nicht mehr durch West-Berlin fahren konnten, mussten neue Pendelzüge zwischen Ost-Berlin und Potsdam über den Außenring geleitet werden. Karlshorst bot sich als am besten geeigneter Bahnhof für diese „Sputnik“ genannten Züge an. Außerdem hielten zu DDR-Zeiten einige Züge nach Frankfurt (Oder) im Bahnhof. Zu bestimmten Zeiten war Karlshorst auch Endpunkt einiger D-Züge, wenn die Kapazität der anderen Berliner Fernbahnhöfe nicht ausreichte.

Modernisierung nach 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlicher Zugang zum S-Bahnsteig zwischen Stolzenfelsstraße und Am Carlsgarten

Der Regionalbahnhof blieb immer ein Provisorium. Das zeigt sich vor allem in der Anbindung des Bahnsteigs für Züge aus Richtung Osten, der nur umständlich über eine Fußgängerbrücke am hinteren Ende des S-Bahnsteigs zu erreichen ist. Im Jahr 2007 ersetzte die Deutsche Bahn die Fernbahnüberbauten über der Treskowallee wegen Baufälligkeit durch Hilfsbrücken.[7] Zwischen Mai 2010 und Mai 2011 wurde der östliche Zugangstunnel nach Norden zur Stolzenfelsstraße verlängert und dort ein kleiner Vorplatz angelegt, wodurch der Bahnhof einen weiteren Zugang zum S-Bahnsteig erhielt. Die Kosten von 850.000 Euro trug das Land Berlin.[8]

Abbrucharbeiten an der Eisenbahnüberführung Treskowallee, 2012

In Umsetzung des Projekts Ausbaustrecke (ABS) Berlin – Frankfurt (Oder) wurden im Bereich des Bahnhofs Berlin-Karlshorst die Fernbahngleise ausgebaut und die Eisenbahnüberführung Treskowallee grundhaft erneuert. Die Brücke musste aufgrund ihres Alters und umfangreicher Schäden neu gebaut werden. Dabei wurde die lichte Weite von 15,75 Meter auf 31,50 Meter vergrößert. Die Straßenbahnhaltestelle soll im Zuge des Ausbaus der Treskowallee anschließend unter die Brücke verlegt werden, mit Halt jeweils am Fahrbahnrand. Der zugehörige Planfeststellungsbeschluss wurde am 14. Oktober 2011 veröffentlicht.[7]

Nach mehreren Verschiebungen begannen die Bauarbeiten Anfang 2012. Veranschlagt war eine Bauzeit von zwei Jahren und vier Monaten.[9] Im Mai 2012 wurden die alten Brückenüberbauten über der Treskowallee ausgehoben und durch Hilfsbrücken ersetzt, um unter deren Schutz die Widerlager neu errichten zu können. Auch erfolgten Vorbereitungen zur Aufnahme einer eingleisigen Betriebsführung der S-Bahn ab Ende Mai.[10] Nach Fertigstellung neuer Widerlager konnte dann im Juni 2013 der erste neue Stahlüberbau mit einem Gewicht von 240 Tonnen eingehoben werden, der die beiden Fernbahngleise aufnimmt.[11] Der Einhub der Überbauten für die beiden S-Bahn-Gleise sowie der neuen Fußgängerüberführung erfolgte Anfang Oktober 2013, anschließend konnte der zweigleisige S-Bahn-Betrieb wiederhergestellt werden. Die Fertigstellung der Baumaßnahmen war zu diesem Zeitpunkt für April 2014 geplant.[12]

Bei Bauarbeiten zur Errichtung der neuen Fußgängerüberführung stürzte am 12. Oktober 2013 gegen 17 Uhr ein sieben Tonnen schweres Brückenteil sechs Meter tief auf den Boden der Bahnhofshalle. Zwei Bauarbeiter wurden schwer und ein Bauarbeiter leicht verletzt. Ein Schwerverletzter starb nach einigen Stunden im Unfallkrankenhaus Berlin.[13] Das abgestürzte Brückenelement konnte erst im Februar 2014 geborgen und eingesetzt werden. Die Zeitplanungen zur Fertigstellung waren damit deutlich überschritten.

Durch eine zusätzliche Fußgängerbrücke ist im Februar 2015 ein weiterer Zugang auf der Westseite der Treskowallee (mit Aufzug und Treppenaufgang) geschaffen worden.[14] Der ursprüngliche direkte Zugang von der Treskowallee im östlichen Widerlager wurde wieder geöffnet und die dort befindliche Fahrkartenausgabe entfernt.

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Inbetriebnahme des unteren Regionalbahnsteigs am Bahnhof Ostkreuz am 10. Dezember 2017 wird der Regionalbahnhof Karlshorst endgültig aufgegeben.[15] Ein zusätzlicher Halt würde zu Trassenkonflikten und Unterschreiten der Pufferzeiten führen. Darüber hinaus sind die Fußgängerbrücke und die Regionalbahnsteige weitgehend verschlissen und hätten für einen Weiterbetrieb neu aufgebaut werden müssen. Ein Rückbau dieser Anlagen ist für 2018 vorgesehen. Im gleichen Jahr ist weiterhin ein Umbau des S-Bahnsteigs unter Berücksichtigung von Denkmalschutzauflagen geplant, weiterhin soll der östliche Abgang eine Einhausung erhalten und die Unterführung unter den Fernbahngleisen neu errichtet werden. Die Kosten für den Umbau werden auf sieben Millionen Euro veranschlagt.[16]

Nach Abschluss der Brückenbauarbeiten plant der Bezirk Lichtenberg in Abstimmung mit der BVG und den Berliner Wasserbetrieben den Straßenausbau der Treskowallee und die Verlegung der Straßenbahnhaltestelle unter die Brücke. Aufgrund von Abstimmungsproblemen und eines nötigen separaten Planfeststellungsverfahrens ist ein Baubeginn frühestens im Jahr 2018 und eine Fertigstellung nicht vor 2020 realistisch.[17]


Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Karlshorst wird durch die S-Bahn-Linie S3 WestkreuzErkner bedient.

Seit 1998 wird der Bahnhof nicht mehr von Regionalzügen aus Potsdam über den südlichen Berliner Außenring bedient. Der Halt für Regionalexpresszüge in Richtung Frankfurt (Oder) entfiel ein Jahr später. Aktuell ist Karlshorst durch Regionalzüge mit zahlreichen Zielen im Berliner Umland sowie im Halbstundentakt mit dem Bahnhof Berlin-Schönefeld Flughafen und der Berliner Stadtbahn verbunden.

Der Bahnhof ist über die Straßenbahnlinien M17, 27 und 37 sowie die Buslinien 296 und 396 an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen.

Linie Verlauf
Berlin S3.svg Westkreuz – Charlottenburg – Savignyplatz – Zoologischer Garten – Tiergarten – Bellevue – Hauptbahnhof – Friedrichstraße – Hackescher Markt – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Ostbahnhof – Warschauer Straße – Ostkreuz – Rummelsburg – Betriebsbahnhof Rummelsburg – Karlshorst – Wuhlheide – Köpenick – Hirschgarten – Friedrichshagen – Rahnsdorf – Wilhelmshagen – Erkner
RE 7 Wünsdorf-Waldstadt – Zossen – RangsdorfBerlin-Schönefeld FlughafenBerlin-KarlshorstBerlin OstbahnhofBerlin Zoologischer GartenBerlin-WannseeBad BelzigDessau
RB 14 Berlin-Schönefeld Flughafen – Berlin-Karlshorst – Berlin Ostbahnhof – Berlin Zoologischer Garten – Berlin-SpandauAlbrechtshofFalkensee - Nauen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Berlin-Karlshorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bettina Vaupel: Allerhöchste Eisenbahn. Von Kaiserbahnhöfen, Fürstenzimmern und Salonwagen. In: Monumente, 23. Jg. (2013) Nr. 3, S. 9–17 (10).
  2. Bernd Kuhlmann: die eisenbahn. Zur Bahngeschichte in und um Karlshorst. Kulturring in Berlin, Berlin 2011, S. 84–87
  3. Bahnhof Karlshorst wird Weltstadt-Bahnhof. In: Neue Zeit, 5. April 1962, S. 8
  4. a b Planfeststellungsbeschluss: EÜ Treskowallee. Eisenbahn-Bundesamt, 14. Oktober 2011, abgerufen am 7. Mai 2012.
  5. Karlshorst – Ab 4. Mai auch von der Stolzenfelsstraße zum S-Bahnsteig. S-Bahn Berlin GmbH, 2. Mai 2011, abgerufen am 17. Mai 2012.
  6. Geplante Baumaßnahmen an der Eisenbahnüberführung (EÜ) Treskowallee im Jahr 2012. DB Projektbau GmbH, 12. Januar 2012, abgerufen am 23. Januar 2012 (PDF; 866 kB).
  7. Brückenarbeiten am Bahnhof Karlshorst. DB Mobility Logistics AG, 9. Mai 2012, abgerufen am 17. Mai 2012.
  8. Einheben der ersten neuen Brückenteile: 240 Tonnen schwerer Stahlüberbau ferngesteuert auf s-bahn-berlin.de
  9. Technik-Spektakel an der Eisenbahnbrücke in Karlshorst. S-Bahn Berlin GmbH, 27. September 2013, abgerufen am 27. September 2013.
  10. Bauarbeiter stirbt nach schwerem Unfall bei Brückenarbeiten. In: Der Tagesspiegel. 12. Oktober 2013, abgerufen am 13. Oktober 2013.
  11. Fahrstuhl und Fußgängerbrücke am Bahnhof Karlshorst – neuer westlicher Zugang nahe der Dönhoffstraße und Wandlitzstraße. auf www.bahnbilder.de
  12. Aus für den Regionalbahnhof: Am 9. Dezember hält der letzte Regionalzug in Karlshorst. In: Berliner Woche. 9. Oktober 2017, abgerufen am 9. November 2017.
  13. Drucksache 18/12384. Abgeordnetenhaus Berlin, 16. Oktober 2017, abgerufen am 3. November 2017 (PDF).
  14. Vorstellung des BVG-BWB-Koordinierungsprojektes Treskowallee/S-Bahnhof Karlshorst