Bahnhof Coesfeld (Westf)

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Coesfeld (Westf)
Empfangsgebäude des Bahnhofs
Empfangsgebäude des Bahnhofs
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 4
Abkürzung ECMF
IBNR 8000066
Eröffnung 1. August 1875
Profil auf Bahnhof.de Coesfeld__Westf_
Lage
Stadt/Gemeinde Coesfeld
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 56′ 22″ N, 7° 9′ 52″ OKoordinaten: 51° 56′ 22″ N, 7° 9′ 52″ O
Höhe (SO) 81 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen
i16i18

Der Bahnhof Coesfeld (Westf) ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Coesfeld und bedeutender Verkehrsknoten des westlichen Münsterlandes im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Der Coesfelder Bahnhof ist ein Kreuzungsbahnhof an der Bahnstrecke Dortmund–Enschede, der Bahnstrecke Dorsten–Coesfeld und der Bahnstrecke Coesfeld–Münster (genannt Baumbergebahn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft (DGE) begann 1874 den Bau ihrer Stammstrecke ab Dortmund. Am 1. August 1875 eröffnete sie den Bahnhof Coesfeld (Westf) am Ende des Abschnitts von Dülmen Ost. Knapp zwei Monate später wurde ein weiteres Teilstück bis Gronau eingeweiht, aus dem Endbahnhof wurde ein Durchgangsbahnhof.

Die Bahnlinie Wanne-Eickel–Hamburg der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft war von hoher überregionaler Bedeutung, die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) plante ihre Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück als Konkurrenz. Mit Fertigstellung der Letztgenannten am 1. Juli 1879 wurde Coesfeld zum Kreuzungsbahnhof. Die rheinische Strecke kreuzte dabei die Strecke der DGE ursprünglich südlich von Coesfeld.

1880 wurde zunächst die RhE verstaatlicht, 1903 kam auch die DGE als eine der letzten (nominell) privaten Eisenbahngesellschaften zu den Preußischen Staatseisenbahnen (PSE). Diese hatte bereits um die Jahrhundertwende begonnen, eine Bahnstrecke von Empel nach Borken zu bauen. Am 1. Oktober 1904 wurde Coesfeld erreicht, die neue Strecke kreuzte die beiden vorhandenen wiederum südlich des Bahnhofs. Der Weiterbau nach Billerbeck erfolgte bis zum 1. März 1908, mit dem letzten Abschnitt nach Havixbeck wurde das Bauvorhaben am 1. Mai 1908 vollendet.

Das ursprüngliche in Fachwerk gehaltene Empfangsgebäude wurde 1910 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Gleisplan Bahnhof Coesfeld
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Streckengleis von Ahaus/Gronau
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Streckengleis von Lutum(/Rheine)
BSicon STR.svgBSicon STR.svgBSicon exSTR+l.svg
ehem. Streckengleis von Lutum/Münster
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(neue Trassierung von 1993/4)
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heutige Bahnsteige
BSicon xABZgl.svgBSicon ABZgl+r.svgBSicon ABZg+r.svg
(neue Trassierung von 1997)
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Streckengleis nach Dülmen/Dortmund
BSicon exSTRq.svgBSicon eKRZu.svgBSicon exSTRr.svg
ehem. Streckengleis nach Borken/Bocholt
Strecke – geradeaus
Streckengleis nach Dorsten(/Duisburg)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging das Reisendenaufkommen im Westmünsterland zurück. Keine der Bahnstrecken hatte je eine größere, überregionale Rolle gespielt. Als erstes wurde am 26. Mai 1974 der Personenverkehr auf dem westlichen Teil der Baumbergebahn von Isselburg-Anholt nach Coesfeld eingestellt. Zehn Jahre später folgte dies auf dem nördlichen Abschnitt von Coesfeld nach Rheine der rheinischen Strecke.

Anfang der 1990er Jahre begannen mehrere Umbauten der Gleisanlagen. Zum 28. August 1993 wurde die Ausfahrt aus dem Coesfelder Bahnhof Richtung Ahaus (VzG 2100) neu trassiert. Das Gleis der Baumbergebahn nach Münster (VzG 2265) wurde am 13. November 1994 bis Lutum Streckenwechsel stillgelegt, im Gegenzug das nach Rheine (VzG 2273) bis zu dieser Stelle wieder in Betrieb genommen. Das Teilstück von Lutum bis St. Arnold wurde am 1. Januar 1996 komplett stillgelegt und zwischenzeitlich zum Teil abgebaut.

Nunmehr gab es weder auf der Baumbergebahn noch auf der Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück durchgehenden Personenverkehr. Die aufwändige kreuzungsfreie südliche Ausfahrt aus dem Bahnhof war damit überflüssig geworden. Die Ausfahrt Richtung Dülmen (VzG 2100) wurde zum 30. November 1997 auf die Trasse der ehemaligen Strecke nach Borken (VzG 2265) verlegt.

2008 erfolgte der Bau des Stellwerks Coesfeld (Westf) Cf, einem elektronischen Stellwerk vom Typ SIMIS-D und ZSB 2000. Dieses übernahm in den Folgejahren bis 2012 die Aufgaben der drei mechanischen Vorgänger sowie die Fernsteuerung der Bahnhöfe Steinfurt-Burgsteinfurt (26. Oktober 2008), Altenberge (9. November 2008), Gronau (Westf) und Ochtrup (beide 12. Oktober 2008), Beelen, Telgte und Warendorf (alle drei 26. Oktober 2009), Ahaus und Epe (Westf) (22. November 2010), sowie zuletzt Billerbeck und Havixbeck (29. Januar 2012).[4]

Nach der für 6,5 Millionen Euro durchgeführten Renovierung, in deren Zuge der alte Tunnel durch eine neue Unterführung ersetzt, drei Aufzüge installiert und Gleise verlegt wurden, ist Coesfeld heute ein moderner und barrierefreier Bahnhof. Er wurde am 18. Januar 2013 im Beisein des damaligen nordrhein-westfälischen Verkehrsministers Michael Groschek eingeweiht.[5]

Am 19. Dezember 2018 hat der Rat der Stadt Coesfeld Plänen zugestimmt, die den Abriss des historischen Empfangsgebäudes vorsehen. Damit soll Platz für ein Mehrzweckgebäude geschaffen werden, das neben einer Empfangshalle und einem Reisezentrum auch gastronomische Angebote und Fahrradparkplätze sowie Wohn- und Geschäftsräume vorhalten wird.[6] Das Projekt war in Coesfeld zuletzt stark umstritten, weil mit dem Gebäude und seinem markanten Türmchen ein weiteres Stück geschichtlich bedeutsamer Bausubstanz unwiederbringlich verloren geht.[7]

Haltepunkt Coesfeld Schulzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt Coesfeld Schulzentrum, 2012

Der Haltepunkt Coesfeld Schulzentrum wurde am 10. Juni 2011 neu eröffnet.[8]

Formal liegt der Haltepunkt nicht an der Bahnstrecke Empel-Rees–Münster (VzG 2265), deren Gleis zwischen dem Bahnhof Coesfeld und der Betriebsstelle Lutum Streckenwechsel stillgelegt ist, sondern am Gleis der ehemaligen Strecke nach Rheine (VzG 2273).

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Bahnhof Coesfeld (Westf) von drei Regionalbahnen bedient:

Linie Linienverlauf Takt Betreiber
RB 45 Der Coesfelder:

Coesfeld (Westf) – Maria-Veen – Reken –Lembeck – Wulfen (Westf) – Hervest-Dorsten – Dorsten zeitweise von/nach Essen Hbf als RE 14
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2018

60 min NWB
RB 51 Westmünsterlandbahn:
Dortmund Hbf – Dortmund-Kirchderne – Dortmund-Derne – Preußen – Lünen Hbf – Bork – Selm-Beifang – Selm – Lüdinghausen – Dülmen – Lette – Coesfeld – Rosendahl-Holtwick – Legden – Ahaus – Epe – Gronau – Glanerbrug – Enschede De Eschmarke – Enschede
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min DB Regio
RB 63 Baumberge-Bahn:
Coesfeld – Coesfeld Schulzentrum – Lutum – Billerbeck – Havixbeck – Münster-Roxel – Münster (Westf) Hbf – Münster Zentrum Nord
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min[A 1] DB Regio
  1. Taktverdichtung Mo–Fr in der HVZ auf 30 min

(Stand 2019)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Hörnemann: Coesfeld (Westf). Eisenbahnknoten im Westmünsterland. Sutton Verlag, 2007, ISBN 978-3-86680-173-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnhof Coesfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutsche Bahn AG:

NRWbahnarchiv von André Joost:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschreibung des Stellwerks Coesfeld (Westf) Cf
  2. Viola ter Horst: Offizielle Einweihung an den Gleisen / Modernisierung für 6,5 Millionen Euro „gut angelegtes Geld“. Großer Bahnhof für Groschek. In: Allgemeine Zeitung Coesfeld. 18. Januar 2013, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  3. WDR vom 20. Dezember 2018: Neuer Bahnhof für Coesfeld
  4. Allgemeine Zeitung vom 18. Dezember 2018: Doch noch ein markantes Gesicht
  5. Eröffnung der neuen Station Coesfeld Schulzentrum. (Nicht mehr online verfügbar.) In: coesfeld.de. 10. Juni 2011, archiviert vom Original am 26. Februar 2016; abgerufen am 26. Februar 2016.