Bahnhof Erstfeld

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Erstfeld
Bahnhof Erstfeld (Kanton Uri)
Red pog.svg
Daten
Lage im Netz Durchgangsbahnhof
Perrongleise 3
Abkürzung ER
IBNR 8505114
Eröffnung 1882
Lage
Stadt/Gemeinde Erstfeld
Kanton Uri
Staat Schweiz
Koordinaten 692458 / 186202Koordinaten: 46° 49′ 14″ N, 8° 39′ 1″ O; CH1903: 692458 / 186202
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz
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BW Der Bahnhof Erstfeld ist der Bahnhof der Gemeinde Erstfeld im Schweizer Kanton Uri. Er befindet sich an der Nordrampe der Gotthardbahn und umfasste ein Lokomotivdepot der SBB Cargo. Bedient wird er ausschliesslich von Zügen der Schweizerischen Bundesbahnen, in deren Besitz er sich befindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge unter der Gotthardbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baubeginn im Gebiet Klus für den Bahnhof Erstfeld war 1879. Anfänglich war der Bahnhof für den Betriebswechsel zur Gotthard-Bergstrecke in Silenen geplant gewesen, wurde jedoch nach Erstfeld verlegt.[1] 1880 wurde auf Genehmigung des Bundesrates der Bau einer Remise beschlossen. 1881 war der Bau vollendet und 1882 ging der Bahnhof gemeinsam mit der Gotthardbahn in Betrieb. 1883 wurde die Remise zu einer Nebenwerkstätte der GB ausgebaut, nachdem der Standort Bellinzona als Hauptwerkstätte auserkoren wurde. Für die Vergabe hatten sich zehn Orte beworben. 1887 folgte eine Personenwagenremise erstellt. 1893 folgte die Erweiterung des Empfangsgebäudes um einen Wartesaal, zudem wurde eine Perronhalle mit Bahnsteig erbaut.[2] Zwischen 1893 und 1895 wurde die Strecke zwischen Altdorf und Silenen auf Doppelspur ausgebaut, ehe 1913 die GB an die SBB überging.[3]

Nach der Übernahme durch die SBB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 wurde der erste Abschnitt der Gotthardbahn zwischen Erstfeld und Ambri-Piotta elektrifiziert, jedoch wurde bis 1921 nur mit 7500 Volt Wechselstrom gefahren, um Überschläge an den Isolatoren zu vermeiden.[4] 1922 waren schliesslich die Bahnstrecke Luzern–Immensee und die Gotthardbahn elektrifiziert, so dass die gesamte Strecke von Luzern nach Chiasso unter dem Fahrdraht stand. Die letzte Dampflok, die C 5/6 2969, verliess den Bahnhof Erstfeld erst am 25. November 1968, nachdem sie noch als Schublok zur Rotary-Schneeschleuder im Einsatz war.

1970 bis 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ce 6/8II als Denkmallokomotive im Bahnhof Erstfeld

1973 wurde das neue, 5 Millionen Franken teure, Integra Signum-Stellwerk eingebaut. Es löst unmittelbar vor dem Bahnhof Erstfeld das Zentralstellwerk im Bahnhof Arth-Goldau ab, um danach die gesamte Gotthard-Nordrampe zu übernehmen.

1992 wurde der heutige Zwischenperron mit den daran angeschlossenen Gleisen 2 und 4 erstellt. Das Gleis 3 wurde für den Bahnsteig zurückgebaut.

Unfall vom 13. Mai 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Mai 2015 kurz nach Mitternacht prallte ein Güterzug der SBB bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Richtung Süden in die Flanke eines Güterzugs der BLS. Die beiden Lokomotiven Re 6/6 und Re 4/4 II der SBB und drei Wagen des BLS-Zuges entgleisten. Die SBB bezifferten den Sachschaden auf mehrere Millionen Franken.

Der aus Norden kommende BLS-Zug fuhr auf Gleis 1 ein und wurde mit Fahrbegriff 6 zum Vorziehen bis zum Halt zeigenden Zwergsignal aufgefordert. Dann wurde eine Schiebelokomotive beigestellt und eine Doppeltraktions-Lokomotive vorgespannt. Als der SBB-Zug auf Gleis 2 nahte, öffnete sich das Gruppenausfahrsignal. Trotz des geschlossenen Zwergsignals fuhr der BLS-Zug los, wodurch es noch vor dem Ausfahrsignal zur Kollision kam. Die Sicherungsanlage des Bahnhofs Erstfeld mit ihrer ungewöhnlichen Signalisation stammt aus den 1970er-Jahren, als in die schweren Güterzüge noch Zwischenlokomotiven eingereiht wurden.[5]

Eröffnung des Gotthard-Basistunnels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2016 eröffnete Gotthard-Basistunnel bedeutete für Erstfeld einschneidende Änderungen. Zum einen wurde das jahrzehntealte Lokomotivdepot geschlossen, das sich zuletzt in Besitz der SBB Cargo befand. Im Gegenzug wurde in Erstfeld ein Lokpersonalstandort für die SBB Personenverkehr gebildet und das nördliche Interventionszentrum des Basistunnels wurde ebenfalls in Erstfeld errichtet.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Erstfeld wird im Fernverkehr stündlich von InterRegio-Zügen sowie von RegioExpress-Zügen bedient, zudem ist er Endpunkt der S2 der Stadtbahn Zug. Im Busverkehr wird er von der Linie 1 der Auto AG Uri bedient.[7]

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • IR Zürich HB–Arth-Goldau–Erstfeld (–Göschenen) (zweistündlich)
  • IR Basel SBBLuzern–Arth-Goldau–Erstfeld (–Göschenen) (zweistündlich)
  • RE Erstfeld–Göschenen–Bellinzona–Lugano (–Milano Centrale) (stündlich, zeitweise bis Milano)

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S2 Baar Lindenpark–Zug–Arth-Goldau–Brunnen–Erstfeld (stündlich)

Dazu kommt noch ein Zugspaar der S-Bahn Luzern, welches als Verlängerung der S3 (Luzern–Brunnen) bis Erstfeld verkehrt.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Depot Erstfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Bestehen der Gotthardbahn gibt es das Depot Erstfeld, das immer wieder den Bedürfnissen angepasst wurde. 1922 wurde als Vorbereitung auf die neuen elektrischen Lokomotiven die heute noch bestehende freistehende Remisenhalle an die alte Dampflokremise angebaut.[8]

Am 22. März 1987 geriet der Dachstock der Remisenhalle in Brand.[9] Ausgelöst wurde das Feuer durch einen Lichtbogen, der durch den Kurzschluss auf dem Dach einer Lokomotive verursacht wurde. Der gesamte Dachstock musste daraufhin erneuert werden. Nur zweieinhalb Jahre später, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1990, brannte das Dachgebälk erneut, als nach einem Orkan eine Ziegelklammer auf die Fahrleitung geweht wurde und der dadurch verursachte Lichtbogen das Hallendach in Brand setzte.[10][9] Knapp ein Jahr später war sie wieder aufgebaut. [11]

Nachdem bis Anfang der 1990er Jahre die Hauptaufgabe des Depots Erstfeld war, die Lokomotiven für den zusätzlichen Schiebe- oder Vorspanndienst zu stellen, entfielen durch die heutigen Ganzzüge auch der Rangiervorgang in Erstfeld, was zu einem Verlust der Arbeitsplätze führte.[9] Mit der Divisionierung der SBB in die drei Einheiten Infrastruktur, Personenverkehr und Cargo ging das Depot Erstfeld an die Division Cargo.[12] 2004 wurde das Cargo-Depot nach Arth-Goldau verlegt. Durch Eröffnung des Basistunnels wird der Bedarf an Schubleistungen abnehmen und das Depot als Einsatzstelle für Lokführer aufgelöst, die Anlagen werden zurückgebaut. Neu werden allerdings die Tunnelrettungs- und -erhaltungsfahrzeuge dort stationiert, dafür wird eine neue Halle gebaut.

2002 wurde es von SBB Historic als Aussenstation des Verkehrshauses Luzern bezeichnet. Diese Funktion würde es dann nach der Eröffnung des Basistunnels 2016 übernehmen.[13] Dafür soll die grosse Lokhalle erhalten bleiben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/Geschichte/kap17/KAP17-1.HTM
  2. http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/Geschichte/kap17/KAP17-3.HTM
  3. http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/Geschichte/kap17/KAP17-5.HTM
  4. http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/Geschichte/kap17/KAP17-6.HTM
  5. Walter von Andrian: Kollision zweier Güterzüge in Erstfeld. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7. Minirex, 2015, ISSN 1022-7113, S. 336–338.
  6. Manfred Scheihing: Die Remise der Gotthard-Giganten. In: eisenbahn-magazin. Nr. 12, 2015, ISSN 0342-1902, S. 46–48.
  7. http://www.aagu.ch/fahrplan.html
  8. http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/Geschichte/kap17/KAP17-6.HTM
  9. a b c http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/Geschichte/kap17/KAP17-7.HTM
  10. http://www.lokifahrer.ch/Lokomotiven/Loks-SBB/Ae_8-14/historisch.htm
  11. http://www.minirex.ch/ser/schlagworte/depot.html
  12. http://www.erstfeld-tourismus.ch/sbb-_historic.html
  13. http://www.verkehrshaus.ch/?srv=cms&rub=875&id=102402&size=