Bahnhof Güntersberge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Güntersberge
Empfangsgebäude (2017)
Empfangsgebäude (2017)
Daten
Betriebsstellenart Haltepunkt
Bahnsteiggleise 1
Abkürzung LGBG[1]
IBNR 8017011[2]
Eröffnung 1890
Lage
Stadt/Gemeinde Harzgerode
Ort/Ortsteil [[Güntersberge]]
Land Sachsen-Anhalt
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 38′ 38,8″ N, 10° 59′ 6″ OKoordinaten: 51° 38′ 38,8″ N, 10° 59′ 6″ O
Höhe (SO) 406 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Sachsen-Anhalt
i16i18
Triebwagen der Selketalbahn im Bahnhof, 2012

Der Bahnhof Güntersberge liegt an der Selketalbahn in der Ortschaft Güntersberge der Stadt Harzgerode im Harz in Sachsen-Anhalt. Betrieblich war die Station früher ein Bahnhof, mittlerweile ist sie nur noch Haltepunkt. Das Bahnhofsgebäude mit Gepäckschuppen und Wartehalle ist denkmalgeschützt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er befindet sich südlich des Stadtzentrums von Güntersberge in der Bahnhofstraße. Etwas nördlich führt der Selketalstieg entlang.

Architektur und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Streckenabschnitt der Selketalbahn zwischen Straßberg und Stiege, an dem der Bahnhof Güntersberge liegt, wurde 1890 in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch das Bahnhofsgebäude samt Anbau fertiggestellt.[3] Andere Angaben nennen als Entstehung des zweigeschossigen Empfangsgebäudes erst die Zeit um 1910.[4] Die Fassade des in Fachwerkbauweise errichteten Baus wird von einem dekorativ gestalten Fachwerk geprägt. Zum Bahnhof gehört neben einem Gepäckschuppen auch eine eingeschossige Wartehalle. Bereits zur Eröffnung des Bahnhofs bestand dort eine Gastwirtschaft. Der Wirt, der auch Fahrkarten verkaufte, lebte mit seiner Familie in der Mansarde des Bahnhofs.

Während der Bahnhof heute vor allem eine touristische Funktion hat, war er zum damaligen Zeitpunkt ein wichtiger Bahnhof für den regionalen Personenverkehr und Umschlagplatz für Waren. Es bestanden zwei Hauptgleise und ein zum Güterschuppen und zur Laderampe führendes Nebengleis. Östlich des Bahnhofs wurde ein Lokschuppen errichtet. Außerdem bestand am Bahnhof eine Wasserentnahmestelle für Lokomotiven.

In den 1930er Jahren erfolgte ein Anbau. Die Bahnhofsgaststätte hatte die Versorgung der Mitarbeiter eines benachbarten Sägewerks übernommen, außerdem kamen verstärkt Touristen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von März bis April 1946 die Gleise der Selketalbahn in diesem Bereich im Zuge von Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert. Die Bahnhofsgaststätte wurde jedoch weiterhin betrieben und diente auch der Versorgung einer benachbarten Maschinen-Traktoren-Station. Das Bahnhofsgebäude wurde das Gebäude dem VEB IOAG übertragen, der es dann an Wirte verpachtete. Als erste Wirte nach dem Krieg waren bis zum Anfang der 1970er Jahre Ella Börner und ihr Schwager tätig. Ella Börner war für ihre Topfsülze bekannt, die noch heute in der Gaststätte angeboten wird. Nach der Familie Börner erfolgte eine Verpachtung an den FDGB-Feriendienst. Dieser betrieb hier mit Frau Bosse und Frau Waldheim ein Café und Imbiss. Nach dem die beiden in den Ruhestand getreten waren, wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt. Der Bahnhof diente nun nur noch als Wohnhaus.

Um für ein in Silberhütte bestehendes Werk Kohle anliefern zu können, entschloss sich die Deutsche Reichsbahn jedoch, die Lücke in der Eisenbahnstrecke zwischen Straßberg und Stiege wieder zu schließen. Ab 1983 wurde der Bahnbetrieb unter anderem mit Rollbockbetrieb wieder aufgenommen. Auch die Bahnhofsgaststätte eröffnete wieder. Erster neuer Wirt war Andreas Schumann. Es wurde ein neuer Anbau für die Toiletten errichtet und weitere Umbauten vorgenommen. Schumann gab jedoch 1993 aus wirtschaftlichen Gründen auf. Der Nachfolgebetrieb des VEB IOAG, die Galfitc GmbH nutzte das Bahnhofsgebäude dann zunächst als Lager. Sie ließ jedoch auch das Dach neu decken. Es erfolgten Sanierungsmaßnahmen bis hin zu einer teilweisen Entkernung und Trockenlegung des Fundaments. Eine eigentlich geplante anderweitige Nutzung konnte die Galfitc aufgrund einer Insolvenz nicht mehr umsetzen.

Das Bahnhofsgebäude stand dann länger leer und erlitt Vandalismusschäden. 2007 wurde es durch neue Betreiber erworben und über eineinhalb Jahre saniert. Am 20. Dezember 2008 erfolgte die Neueröffnung der Bahnhofsgaststätte Zum Bahnhof. Seit August 2010 gibt es auch zwei Gästezimmer.

Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist der Bahnhof unter der Erfassungsnummer 094 84949 als Baudenkmal verzeichnet.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haltepunkt Güntersberge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Dittrich: Abkürzungsverzeichnis. Abgerufen am 30. Juli 2017.
  2. Michael Dittrich: IBNR-Verzeichnis. Abgerufen am 30. Juli 2017.
  3. Geschichtlicher Abriss des Bahnhof Güntersberge auf www.bahnhof-guentersberge.de
  4. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 7.2: Falko Grubitzsch, unter Mitwirkung von Winfried Korf und Theo Gosselke: Landkreis Quedlinburg. Halle 2007, ISBN 978-3-86568-072-3, Seite 131
  5. Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 1853