Bahnhof Graben-Neudorf

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Graben-Neudorf
altes Empfangsgebäude von Graben-Neudorf, heute als Gemeindebibliothek genutzt
altes Empfangsgebäude von Graben-Neudorf, heute als Gemeindebibliothek genutzt
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung RGN
IBNR 8000131
Kategorie 3
Eröffnung 1870
Lage
Ort/Ortsteil Graben-Neudorf
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 9′ 42,7″ N, 8° 29′ 25,8″ OKoordinaten: 49° 9′ 42,7″ N, 8° 29′ 25,8″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
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Der Bahnhof Graben-Neudorf befindet sich in der badischen Gemeinde Graben-Neudorf. Besondere Bedeutung im Schienenverkehr kommt ihm zu, da er einen Eisenbahnknotenpunkt bildet. In ihm kreuzen sich die Rheintalbahn zwischen Mannheim und Basel sowie die Bruhrainbahn zwischen Bruchsal und Germersheim.

Außerdem zweigte hier die 1895 eröffnete strategische Bahn ab und die ursprüngliche Rheinbahn lebte als 1967 stillgelegte Hardtbahn (Graben-Neudorf – Eggenstein – Karlsruhe) weiter. Der Bahnhof war bis Ende 2014 in die Bahnhofskategorie 4 eingeordnet, seit 2015 in die Kategorie 3.

Lage und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Graben-Neudorf liegt zentral zwischen den Ortsteilen Graben und Neudorf der Gemeinde Graben-Neudorf, am südlichen Rand der Gemarkung Neudorf. Der Ortsteil Neudorf ist auf der Ostseite der Bahnlinie durch das Wohn- und Industriegebiet Mitte-Ost mit der zugehörigen Einkaufsmeile an der Heidelberger Straße stark an den Bahnhof herangewachsen. Das heutige Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde im Jahr 1980 eingeweiht. Das Relaisstellwerk wurde 1982 in Betrieb genommen. Das Bahnhofsgebäude erfüllt heute außer einem nicht immer geöffneten Wartebereich keine betriebliche Funktion mehr. Ein Teil des Gebäudes ist an ein Sicherheitsunternehmen vermietet. In einem anderen Gebäudeteil wird eine Bäckereifiliale betrieben. Im alten Bahnhofsgebäude befindet sich heute die Gemeindebibliothek.

Der Bahnhof Graben-Neudorf hat fünf dem Personenverkehr zugängliche Gleise an insgesamt drei Bahnsteigen mit einer Bahnsteighöhe von 76 Zentimeter (Standard bei der S-Bahn RheinNeckar), zwei Aufzügen, elektronischen Zugzielanzeigern und automatisierten Ansagen zur Ankündigung der Einfahrten von Personenzügen. Die Linie S 33 der S-Bahn RheinNeckar ging im Dezember 2011 auf der Bruhrainbahn (Germersheim – Bruchsal) in Betrieb und ersetzt hier (bis auf wenige Verbindungen am Morgen) die bisherigen Dieseltriebzüge der Baureihe 628. Zum Erwerb von Fahrkarten des Verbund-, Nah- und Fernverkehrs stehen zwei Fahrkartenautomaten der neuesten Generation mit Touchscreen-Funktion zur Verfügung.

Der Bahnhof ist von der West- und der Ostseite her erreichbar und hat auf beiden Seiten ausreichend Parkplätze und Fahrradabstellplätze. Die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer verbindet beide Richtungen, im Westen den Bahnhofsring mit der Heidelberger Straße im Osten.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick über den Bahnhof Graben-Neudorf. Links im Bild das alte Bahnhofsgebäude, dahinter das neue Empfangsgebäude und das Stellwerk.

Der Bahnhof Graben-Neudorf ist Halt von je einer Regionalbahn-, einer S-Bahn- und einer Regional-Express-Linie.

Linie Linienweg Taktfrequenz Bemerkung
RE 4 Mainz – Worms – Ludwigshafen – Germersheim – Graben-Neudorf – Karlsruhe 2-Stundentakt im KVV: R 92
RB 2 Biblis – Mannheim – Schwetzingen – Waghäusel – Graben-Neudorf – Karlsruhe Stundentakt mit zeitweisen Verdichtungen
S 33 Germersheim – Philippsburg – Graben-Neudorf – Bruchsal Stundentakt mit zeitweisen Verdichtungen

Seit Dezember 2007 ist der Bahnhof Graben-Neudorf wieder an das Busnetz angeschlossen. Die Buslinien Hochstetten–Neudorf und Graben-Neudorf–Dettenheim bedienen hier die Haltestelle mit dem Namen Graben-Neudorf Bahnhof. Die Bushaltestelle befindet sich gegenüber dem Bahnhofsgebäude an der Straße Bahnhofsring. Die beiden Buslinien werden im Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) von der Regionalbusverkehr Südwest GmbH (RVS) als Lizenznehmer und in deren Auftrag teilweise von verschiedenen privaten Busunternehmen aus der Region mit den Liniennummern 124 (Hochstetten–Neudorf) und 198 (Graben-Neudorf–Dettenheim) betrieben. Die 2009/2010 versuchsweise betriebene Buslinie 199 (Graben-Neudorf–Hambrücken) wurde zum Jahresfahrplan 2011 wieder eingestellt.

Zur Bedienung des Bahnhofs biegen die Linienbusse von der Hauptstraße in Graben-Neudorf Mitte auf den Bahnhofsring ab und kehren danach auf die Hauptstraße zurück. Die Bushaltestelle Graben-Neudorf Bahnhof liegt zwischen der Haltestelle Graben-Neudorf Zentrum und Neudorf Amalienstraße. Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Busse sind nicht auf alle Relationen der Züge der Deutschen Bahn abgestimmt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eröffnung und Entwicklung zum Knotenpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke Mannheim –Schwetzingen – Graben-Neudorf – Eggenstein – Karlsruhe am 4. August 1870 begann die Geschichte des Bahnhofs. Am 23. November 1874 wurde die Bruhrainbahn nach Rheinsheim eröffnet, die am 15. Mai 1877 nach Germersheim verlängert wurde.

Im Jahr 1895 wurde die strategische Bahnstrecke Graben-Neudorf – Blankenloch – Karlsruhe – Durmersheim – Rastatt – Haguenau eröffnet, womit die fortan als Hardtbahn bezeichnete Strecke Graben-Neudorf – Eggenstein – Karlsruhe als Nebenbahn ins Abseits geriet.

Auf der Bruhrainbahn verkehrten etwa ab 1890 zunächst Fernzüge der Relation Saarbrücken – Zweibrücken – Biebermühle – Landau – Germersheim – Bruchsal – Bretten – Stuttgart – München, ebenso auf der Rheintalbahn Mannheim Karlsruhe. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Fernverkehr der Ost-West-Richtung an Bedeutung und wurde auf der Bruhrainbahn eingestellt.

Trotz der Tatsache, dass der Bahnhof Knotenpunkt zweier überregionaler Magistralen war, war er nie Halt von Fernzügen.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1967 wurde der Betrieb auf der Hardtbahn eingestellt und die Strecke zwischen Graben-Neudorf und Leopoldshafen abgebaut. Zwischen 1987 und 1989 wurde die Hardtbahn mit teilweise geänderter Streckenführung durch die Ortskerne bis Hochstetten reaktiviert. Heute betreibt die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) hier mit hoher Fahrgastakzeptanz die Stadtbahnlinien S1 und S11 des Karlsruher Verkehrsverbundes. Über eine Verlängerung nach Graben-Neudorf auf der alten Bahntrasse wurde nachgedacht, sie erscheint aber nicht realisierbar, zumal Graben-Neudorf über die Rheintalbahn direkt mit Karlsruhe verbunden ist. Langfristig aussichtsreicher erscheint eine Fortführung der Hardtbahn von Hochstetten über Dettenheim nach Philippsburg.

1972 kam es im Bahnhof zu einem gefährlichen Unfall. Ein Fass in Form einer Bleibox, das Plutonium enthielt und per Güterzug zum damaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe transportiert werden sollte, kippte um und rollte im Bahnhof Graben-Neudorf auf das Gleis. Von vorbeifahrenden Zügen wurde es in die Luft geschleudert. In Schutzanzügen wurde anschließend nach dem Fass gesucht, nach Stunden wurde es gefunden, zum Glück ohne Austritt von Plutonium.[1]

Am 30. und 31. Mai 1987 fand anlässlich der Eröffnung des Neubaustrecken-Abschnitts zwischen Mannheim und Graben-Neudorf ein großes Bahnhofsfest statt.[2]

Bahnhofsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fälschlicherweise wird der Bahnhof Graben-Neudorf in der Umgangs- und Eisenbahnersprache, wohl aus einer gewissen Sprachfaulheit heraus, häufig nur mit „Graben“ bezeichnet. In Karlsruhe Hbf wird in den Abfahrtplänen das Kürzel „Graben-N.“ verwendet, wie bei anderen Bahnhofsnamen mit Bindestrich (z. B. „Kassel-W.“, „Wiesloch-W.“, „Bietigheim-B.“) ist dies dort zu Unrecht mit Platzmangel begründet.

Weitere Stationen in Graben-Neudorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer dem Bahnhof Graben-Neudorf gibt es in Graben-Neudorf noch den Haltepunkt Graben-Neudorf Nord. Er liegt an der Bahnstrecke Germersheim–Bruchsal (Bruhrainbahn) bei deren Streckenkilometer 10,7 im Nordwesten des Ortsteils Neudorf an der Molzaustraße. Er wurde im Mai 1994 zusammen mit dem Start des Karlsruher Verkehrsverbundes und des Rheinland-Pfalz-Taktes in Betrieb genommen. Heute hält hier ausschließlich die Linie S33 der S-Bahn RheinNeckar.

Der geplante Haltepunkt Graben-Neudorf Süd hat in absehbarer Zeit wohl keine Chance auf Verwirklichung. Er sollte an der Rheintalbahn auf Höhe der Adolf-Kußmaul-Schule im südöstlichen Ortsteil Graben liegen und im Zusammenhang mit der Erschließung eines kleineren Wohngebiets entstehen. Der Finanzierungsanteil (42 Millionen Euro) ist der Gemeinde Graben-Neudorf derzeit zu hoch.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Graben-Neudorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Niemals ohne Geigerzähler – Förster a. D. kämpft gegen Atomkraft. In: SWR. 31. Juli 2008 (Online [abgerufen am 12. August 2008])., Video nicht mehr erreichbar
  2. Großes Eisenbahnfest anläßlich der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Mannheim–Stuttgart, Abschnitt Mannheim–Graben-Neudorf. Vierseitiges Leporello, 1987.