Bahnhof Hamburg Diebsteich

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Hamburg Diebsteich
Bahnsteig, 2008
Bahnsteig, 2008
Daten
Lage im Netz Zwischenbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung ADT
IBNR 8001438
Kategorie 5
Lage
Ort/Ortsteil Altona-Nord
Land Hamburg
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 34′ 6″ N, 9° 56′ 4″ OKoordinaten: 53° 34′ 6″ N, 9° 56′ 4″ O
Bahnhöfe im Raum Hamburg
i16i16i18

Der Bahnhof Hamburg Diebsteich ist ein S-Bahn-Durchgangsbahnhof in Hamburg-Altona-Nord. Der Bahnhof soll zum Fernbahnhof ausgebaut werden und im Jahr 2023 den Bahnhof Hamburg-Altona als Haltestelle des Fernverkehrs ersetzen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof befindet sich östlich der Kreuzung der Straßen Schleswiger Straße und Am Diebsteich nahe dem Friedhof Diebsteich. Der Zugang zum Bahnhof erfolgt über den Plöner Stieg, der von der Plöner Straße im Süden, der Großen Bahnstraße im Nordosten sowie durch den Diebsteichtunnel erreicht werden kann. Die Station befindet sich am nördlichen Ende der Überwerfungen im Gleisdreieck im Vorfeld des Bahnhofs Hamburg-Altona.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewässer unter der Diebsteichbrücke (Februar 2015)
Haltestelle Diebsteich, Zugangsbauwerk mit Stellwerks-Aufbau (November 2016)

Der Bahnhof Hamburg Diebsteich wurde im Zusammenhang mit dem Bau der S-Bahnstrecke von Holstenstraße nach Pinneberg erstellt. Der Kredit über 6,5 Millionen DM für den Streckenaus- und -neubau wurde 1956 von der Stadt Hamburg bewilligt.[1] Diese Strecke wurde mehr oder weniger parallel zur Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel erbaut. Dabei wurde zwischen Langenfelde und Eidelstedt die bestehende Bahnstrecke Hamburg-Altona–Neumünster benutzt. In der Folge verkehrten die Züge der AKN nur noch bis Eidelstedt, bis auf Ausnahmen im Berufsverkehr, die über Dammtor zum Hauptbahnhof fahren.

Die Strecke zwischen Holstenstraße und Langenfelde wurde am 26. September 1962 eröffnet, wobei dieser Abschnitt anfänglich nur eingleisig befahrbar war.[1] Zwischen den beiden genannten Bahnhöfen wurde noch der Bahnhof Diebsteich eingerichtet. Die Strecke wurde am 26. Mai 1965 nach Elbgaustraße verlängert. Die Gesamtstrecke nach Pinneberg wurde am 22. September 1967 eröffnet.[2]

Von der Station Diebsteich gab es ursprünglich keine direkte Verbindung zum Bahnhof Hamburg-Altona. Die später erstellte Verbindungsstrecke, die eine weitere Überwerfung über die Fernverkehrsgleise notwendig machte, wurde erst am 31. Mai 1981 eröffnet.[3] Für die Weichen- und Signalanlagen für die Verzweigungen zur Verbindungsbahn und zum Bahnhof Altona sowie zum damals vom Gählerplatz zum Kaltenkirchener Platz in Altona zurückverlegten Kaltenkirchener Bahnhof und späteren Postbahnhof Altona wurde das Zugangsbauwerk mit einem Oberaufbau für ein Stellwerk versehen. Dieses Stellwerk mit der Kennung "Lp" wurde jedoch später stillgelegt und geschlossen.

Der Name „Diebsteich“ leitet sich vermutlich von der plattdeutschen Bezeichnung für „tiefer See“ ab und bezieht sich auf einen heute nicht mehr vorhandenen Teich, der östlich der Haltestelle lag.[4]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zugang zu dem Empfangsgebäude vom umgebenden Straßenniveau erfolgt über Treppen und teils über Rampen und zum eigentlichen Mittelbahnsteig über eine einfache Treppe im Empfangsgebäude, daneben befindet sich dort auch ein Kiosk für Reisebedarf. Der Bahnsteig ist ab dem Treppenende zur Hälfte überdacht.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof wird von den Linien S3 und S21 der S-Bahn Hamburg bedient. Züge Richtung Elbgaustraße / Pinneberg halten am östlichen Bahnsteig; Züge in Richtung Hauptbahnhof und Bahnhof Altona am gegenüberliegenden Bahnsteig.

Linie Verlauf
S 21 Elbgaustraße – Eidelstedt – Stellingen – Langenfelde – Diebsteich – Holstenstraße – Sternschanze – Dammtor – Hauptbahnhof – Berliner Tor – Rothenburgsort – Tiefstack – Billwerder-Moorfleet – Mittlerer Landweg – Allermöhe – Nettelnburg – Bergedorf – Reinbek – Wohltorf – Aumühle
S 3 Pinneberg – Thesdorf – Halstenbek – Krupunder – Elbgaustraße – Eidelstedt – Stellingen – Langenfelde – Diebsteich – Altona – Königstraße – Reeperbahn – Landungsbrücken – Stadthausbrücke – Jungfernstieg – Hauptbahnhof – Hammerbrook – (im Bau: Elbbrücken –) Veddel – Wilhelmsburg – Harburg – Harburg Rathaus – Heimfeld – Neuwiedenthal – Neugraben – Fischbek – Neu Wulmstorf – Buxtehude – Neukloster – Horneburg – Dollern – Agathenburg – Stade

Die von der AKN Eisenbahn AG betriebene Linie A1 verkehrt in den Morgenstunden auf den S-Bahngleisen von Eidelstedt weiter bis Hauptbahnhof.

A1Hamburg A1.svg (Zeitweise: Hamburg Hbf – Dammtor – Sternschanze – Holstenstraße – Diebsteich – Langenfelde – Stellingen –) Eidelstedt – Quickborn – Ulzburg Süd – Kaltenkirchen – Bad Barmstedt – Boostedt (nicht im HVV-Tarif: – Neumünster)

Ausbau zum Fernverkehrshalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1997 und 2004 informierte die Deutsche Bahn die Stadt Hamburg über ihre Planungen für einen Rückbau des Bahnhofs Altona nach dem Bau eines neuen Fernbahnhofs im Bereich des heutigen S-Bahnhofs Hamburg Diebsteich. Grund hierfür war die möglicherweise notwendige Sanierung einer Eisenbahnbrücke nördlich des Bahnhofs Altona. Wegen der Geräuschentwicklung bei Zugfahrten wird dieser Streckenabschnitt von Anliegern auch als „Quietschkurve“ bezeichnet.[5] Neuere Überlegungen zur Verlegung des Bahnhofs gehen auf das Stadtentwicklungsprojekt Neue Mitte Altona zurück. Im Rahmen des Projekts sollen auf dem Gelände des Bahnhofs Altona unter anderem Wohneinheiten und Parkflächen entstehen. Der Senat der Stadt Hamburg beschloss im Dezember 2007, vorbereitende Untersuchungen zur Umgestaltung des Stadtteils Altona einzuleiten.[6] 2010 schrieb die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt einen Wettbewerb aus. Ziel des Wettbewerbs war, Ideen für die Umgestaltung des Bezirks zu entwickeln. Der im November 2010 vorgestellte Siegerentwurf sah die Verlegung des Bahnhofs Altona nach Diebsteich vor. Die freiwerdenden Flächen sollten anderweitig bebaut werden.[7]

Im Mai 2012 wurde die Einrichtung eines Vorbehaltsgebiets beschlossen; im September 2012 stimmte die Hamburger Bürgerschaft einem Masterplan zur Weiterentwicklung von Altona zu.[8] Dirk Kienscherf, baupolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, bezeichnete die Baumaßnahme als „Jahrhundertprojekt“. Nach Einschätzung von Hans-Detlef Roock von der CDU stelle die Erweiterung des Bahnhofs das zweitgrößte Entwicklungsprojekt Hamburgs nach dem Bau der HafenCity dar.[9] Am 1. Juli 2014 gab die Deutsche Bahn bekannt, den Bahnhof Altona bis 2023 an den Standort des heutigen Bahnhofs Diebsteich verlegen zu wollen. Vorgesehen ist ein achtgleisiger Bahnhof mit sechs Fern- und Regionalbahngleisen sowie zwei S-Bahn-Gleisen. Zudem soll ein neues Empfangsgebäude gebaut werden. Das Planfeststellungsverfahren soll Ende 2015 beginnen. Die Stadt Hamburg soll das Grundstück der Deutschen Bahn zum 30. Juni 2015 für 38,8 Millionen Euro erwerben.[10]

Bauvorhaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Neubaus sind 25 Kilometer neue Gleise sowie 48 Weichen geplant. Der Umbau soll während des laufenden Betriebs erfolgen. Die Bahn plant einen schlichten Bahnhofsneubau, was von Lokalpolitikern aber als unzureichend angesehen wird.[11] Ende 2017 genehmigte das Eisenbahnbundesamt das Planfeststellungsverfahren und erteilte eine Baugenehmigung. Die Baukosten wurden mit 360 Mio. Euro veranschlagt. Der Bahnhof soll sechs Fernbahngleise, zwei S-Bahn-Gleise und vier Bahnsteige umfassen. Nach dem Baubeginn im Sommer 2018 soll der Betrieb zum Jahreswechsel 2023/2024 aufgenommen werden. Die Realisierung des Gebäudeensemble des Bahnhofs wurde im September 2017 an ein Bieterkonsortium, bestehend aus dem Hamburger Projektentwickler Procom und der Haspa PeB, die ein Tochterunternehmen der Hamburger Sparkasse ist, vergeben.[12]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bürgerschaftsfraktion der SPD bezeichnete die Verlegung des Bahnhofs als wegweisend für die zukünftige Entwicklung Altonas. Liane Melzer, Leiterin des Bezirksamts, sagte, dass die Entscheidung das schönste Geschenk zum 350. Geburtstag Altonas sei.[13]

Heike Sudmann begrüßte als stadtpolitische Sprecherin der Partei Die Linke zwar die zu erwartende Lärmreduktion, die sich durch die Verlegung der Strecke ergeben würde, war jedoch der Meinung, dass dafür auch eine Verlagerung des Fernverkehrs in Richtung der bestehenden S-Bahn-Gleise ausreichend sei. Ihr Parteikollege Robert Jarowoy nannte die Entscheidung einen schlechten Tag für Altona, da dem Stadtteil mit der Verlegung des Bahnhofs ein Stück Identität genommen werde. Zugleich kritisierte er die unzureichende Bürgerbeteiligung.[14]

In einem Kommentar auf Spiegel Online begrüßte Franziska Bossy die Neu- und Umbaupläne und bezeichnete diese als richtige Entscheidung. Als Gründe nannte sie, dass durch eine Sanierung des Bahnhofs Altona kein Geld gespart würde und die Verlegung des Bahnhofs im Interesse der meisten Hamburger liege. Zudem könne somit das Bahnhofsgelände in Altona saniert werden.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Staisch; Die Hamburger S-Bahn Chronik eines modernen Verkehrsmittels. Verlag Hoffmann und Campe 1979, ISBN 3-455-08874-0
  • Ralf Heinsohn: Schnellbahnen in Hamburg. Die Geschichte von S-Bahn und U-Bahn 1907–2007. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-5181-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: S-Bahnhof Diebsteich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Staisch: Die Hamburger S-Bahn. Seite 150
  2. Ralf Heinsohn: Schnellbahnen in Hamburg. Die Geschichte von S-Bahn und U-Bahn 1907-2007. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-5181-5., Seite 111
  3. Ralf Heinsohn: Schnellbahnen in Hamburg. Die Geschichte von S-Bahn und U-Bahn 1907-2007. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-5181-5., Seite 135
  4. Was heißt „Diebsteich“ Hamburger Abendblatt vom 7. Juli 2014. Abgerufen am 2. November 2014
  5. Hamburger Großprojekt: Was sie über den Bahnhof Altona wissen müssen Spiegel online. Abgerufen am 3. November 2014
  6. Vorbereitende Untersuchungen Webseite der Stadt Hamburg. Abgerufen am 2. November 2014.
  7. Städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb Webseite der Stadt Hamburg. Abgerufen am 2. November 2014.
  8. Ausblick Verfahren Webseite der Stadt Hamburg. Abgerufen am 2. November 2014.
  9. „Jahrhundertprojekt“: Neuer Fernbahnhof für Hamburg Die Welt, 3. Juli 2014. Abgerufen am 2. November 2014
  10. DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Entscheidung der DB: Planungen für den Neubau Bahnhof Hamburg-Altona am Standort Diebsteich beginnen. Presseinformation 269/2014 SB/EML vom 1. Juli 2014.
  11. Enttäuschung über neuen Fernbahnhof in Altona Hamburger Abendblatt vom 8. September 2014. Abgerufen am 2. November 2014
  12. Ulrich Gaßdorf: [DEUTSCHE BAHN – Der neue Fernbahnhof Altona darf gebaut werden.] in: Hamburger Abendblatt vom 29. Dezember 2017. Online abgerufen am 6. Januar 2018
  13. Verlegung des Bahnhofs Altona beschlossen (Memento vom 18. August 2014 im Internet Archive) Webseite des NDR. Abgerufen am 3. November 2014
  14. Mitte Altona komplett – Fernbahnhof Altona wird verlegt – Einigung mit DB AG (Memento des Originals vom 19. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.altona.info Bericht auf Altona.info. Abgerufen am 2. November 2014
  15. Verlegung des Bahnhofs Altona: Gnade dem Großbauprojekt Artikel auf Spiegel Online. Abgerufen am 2. November 2014