Bahnhof Herrenberg

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Herrenberg
Herrenberg bahnhof1.jpg
Bahnhof Herrenberg (Blick von Norden)
Daten
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise

6

Abkürzung

THE

IBNR 8002785
Kategorie

3

Eröffnung

2. September 1879

Profil auf Bahnhof.de Herrenberg
Lage
Stadt/Gemeinde

Herrenberg

Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 35′ 37″ N, 8° 51′ 46″ OKoordinaten: 48° 35′ 37″ N, 8° 51′ 46″ O
Höhe (SO) 431 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
i16

Der Bahnhof Herrenberg liegt an der Gäubahn und ist der Endpunkt der Ammertalbahn. Da er von Regional-Express-Zügen bedient wird und hier sowohl die Stuttgarter S-Bahn-Linie S1 als auch die Regionalbahnen aus Tübingen und Bondorf enden, ist er ein wichtiger Knoten im Nahverkehr. Im Nachtverkehr an Wochenenden und Feiertagen ist darüber hinaus seit Dezember 2016 ein Zugpaar der sonst in Eutingen im Gäu endenden Karlsruher Stadtbahnlinie S8 bis nach Herrenberg durchgebunden. Er liegt rund 200 Meter westlich der Altstadt von Herrenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude, Eingang zur westlichen Fußgängerunterführung und zum Vorplatz

Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Bürger der Oberamtsstadt Herrenberg vornehmlich von der Landwirtschaft. Am Lohnendsten schien der Anbau von Zuckerrüben und Hopfen. Um die Böblinger Zuckerfabrik und die Brauereien schneller zu beliefern und um die Fäkalien aus den Stuttgarter Latrinen als günstiges Düngemittel zu beziehen, machte sich Herrenberg in den 1860er Jahren für einen Anschluss an das Eisenbahnnetz stark. Daran beteiligten sich auch die Städte Böblingen und Freudenstadt. Aber wegen der schwierigen geographischen Verhältnisse wollte die Königlich Württembergische Staatsbahn, nach Abstimmung im Landtag, die gewünschte Verbindung von Stuttgart über die westliche Filderebene und das Obere Gäu in den Nordschwarzwald vorerst nicht errichten. Erst im November 1873 begann der Bau der Bahnstrecke, die die Bezeichnung Gäubahn erhielt.

Am 2. September 1879 eröffnete die Staatsbahn die Trasse. Der Bahnhof Herrenberg verfügte damals über einen inzwischen abgerissenen Güterschuppen. In jenem Jahr dauerte die Fahrt von Stuttgart nach Herrenberg eine Stunde und 22 Minuten, dennoch bestand die Zuversicht der Residenzstadt etwas näher gerückt zu sein. Schon in den 1880er Jahren musste für den Güterverkehr die Anlage erweitert werden. An den Kosten beteiligten sich neben der Stadt Herrenberg auch die umliegenden Gemeinden Kuppingen, Unter- und Oberjettingen, sowie Affstätt, obwohl dessen Einwohner noch auf eine eigene Station hofften.

Die Verkehrsplaner der Eisenbahndirektion sahen von Anfang an eine Verbindung von der Gäubahn nach Tübingen vor. Stets bemühte sich der Abgeordnete des Oberamtes Böblingen, Otto Elben, um diesen wichtigen Abzweig in Böblingen. Doch im Jahr 1900 stand endgültig fest, dass Herrenberg der Ausgangspunkt der Bahnstrecke zur Oberen Neckarbahn sein sollte. Die Linienführung durch das Tal der Ammer war weniger aufwendig und kostspielig als die durch den Schönbuch. Damals entstanden auch Pläne einer Trasse von Herrenberg nach Calw, Althengstett oder Wildberg. Die Verantwortlichen entschieden sich für Wildberg und stellten zwei Streckenvarianten zur Auswahl. Die eine führte über Kuppingen und Deckenpfronn, die andere über Kuppingen und Untersulz. Ohne größere Prüfung des Vorschlags, lehnte ihn die Direktion der Staatsbahn ab und legte ihn nie dem Landtag vor. Ihre Begründung war, dass die Bahnlinie in der direkten Konkurrenz zur Nagoldtalbahn gestanden hätte.

Für die Ammertalbahn war eine Vergrößerung des Bahnhofs notwendig. Als neuer Knotenpunkt erhielt er mehrere neue Gleise, ein Stellwerk und eine Lokomotivremise mit einer Drehscheibe und einem Wasserturm. Die Ammertalbahn konnte ab dem 12. August 1909 vorerst bis Pfäffingen, ab dem 1. Mai 1910 dann bis Tübingen befahren werden.

Am 25. September 1966 stellte die Bundesbahn den Verkehr zwischen Herrenberg und Entringen ein und baute 1973 die Gleise bis Gültstein ab.

Am 6. Dezember 1992 wurde der Bahnhof durch Verlängerung der zuvor in Böblingen endenden Linie S1 in das Netz der S-Bahn Stuttgart integriert. Nachdem der Zweckverband ÖPNV im Ammertal 1996 die Ammertalbahn von der Deutschen Bahn AG erwarb, konnte mit der Wiederherstellung des Schienenweges begonnen werden. Seit 1. August 1999 rollen wieder Züge zwischen Herrenberg und Tübingen.

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnsteige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herrenberger Bahnhof besitzt vier Durchgangsgleise und zwei Stumpfgleise. Alle sind Barrierefrei ausgebaut.

Bahnsteig Bahnsteiglänge Bahnsteighöhe Barrierefreiheit
Gleis 1 210 m 76 cm Ebenerdig erreichbar (Hausbahnsteig)
Gleis 2 210 m 96 cm Über einen Aufzug erreichbar
Gleis 3 210 m 96 cm Über einen Aufzug erreichbar
Gleis 4 210 m 76 cm Über einen Aufzug erreichbar
Gleis 101 137 m 76 cm Über eine Rampe erreichbar
Gleis 102 137 m 55 cm Über eine Rampe erreichbar

Empfangsgebäude und Bahnhofsumfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das noch erhaltene Herrenberger Empfangsgebäude beherbergt im Erdgeschoss ein DB-Reisezentrum, ein Bahnhofskiosk, eine DHL-Packstation und zwei Imbisse. Diese sind in einem Anschlussgebäude gelegen. In den zwei oberen Etagen werden Mietwohnungen bereitgestellt. Im direkten Umfeld des Bahnhofs befinden sich zwei Park&Ride-Parkplätze mit 200 beziehungsweise 400 Stellplätzen, zwei überdachte Fahrradstellplätze, eine am 23. Juni 2015 eröffnete E-Bike-Station, eine öffentliche Toilette und die beiden Zentralen Omnibusbahnhöfe.

Bahnbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Gleise 1 und 2

Der Bahnhof Herrenberg ist ein Eisenbahnknoten an der Gäubahn, an dem die Ammertalbahn abzweigt.

Gleis 1 ist den Regional-Express-Zügen nach Stuttgart Hbf zugeordnet. Auf Gleis 2 starten und enden die S-Bahnen der Linie S1. Auf Gleis 3 enden die S-Bahnen, bevor sie im hinteren Gleisfeld abgestellt oder gewendet werden. Auf Gleis 4 halten die Regional-Express-Züge nach Rottweil, Freudenstadt und Singen am Hohentwiel. Die Gleise 101 und 102 sind Kopfgleise. Auf ihnen beginnen die Regionalbahnen Richtung Tübingen/Reutlingen/Bad Urach und Bondorf/Eutingen im Gäu sowie das nächtliche Zugpaar der Stadtbahnlinie S8 nach Karlsruhe Tullastraße/Verkehrsbetriebe.

Der Bahnhof ist der Bahnhofskategorie 3 zugeordnet.

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strecke Taktfrequenz Fahrzeuge
RE R7 StuttgartBöblingenHerrenbergEutingen im GäuHorbRottweilTuttlingenSingen (Hohentwiel) 120-Minuten-Takt BR 146 / BR 111+ Doppelstockwagen
RE R7 Stuttgart – Böblingen – Herrenberg – Eutingen im Gäu – Horb – Rottweil 120-Minuten-Takt (wird zwischen Stuttgart und Eutingen mit der Regional-Express-Linie Stuttgart–Freudenstadt als gemeinsamer Zug geführt) BR 425
RE R7 Stuttgart – Böblingen – Herrenberg – Eutingen im Gäu – Freudenstadt 120-Minuten-Takt (wird zwischen Stuttgart und Eutingen mit der Regional-Express-Linie Stuttgart–Rottweil als gemeinsamer Zug geführt) BR 425
RB R7 Stuttgart – Böblingen – Herrenberg – Eutingen im Gäu – Horb (– Rottweil) einzelne Zugpaare abends von Mo-Fr BR 146 / BR 111 + n-Wagen
RB R73 TübingenEntringenHerrenberg 30-Minuten-Takt (Die meisten Regionalbahnen werden in Tübingen nach Wendlingen am Neckar, Plochingen oder Bad Urach durchgebunden.) BR 650
RB R74 HerrenbergBondorf (– Eutingen im Gäu – Horb) einzelne Zugpaare morgens, mittags und abends von Mo-Fr BR 425

S-Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linie Laufweg Taktfrequenz
S 1 Kirchheim (Teck)WendlingenPlochingenEsslingenNeckarparkBad Cannstatt – Hauptbahnhof – SchwabstraßeVaihingenRohr – Böblingen – Herrenberg (Verstärkerzüge im Berufsverkehr zwischen Plochingen/Esslingen und Böblingen/Herrenberg) 30-Minuten-Takt (HVZ 15-Minuten-Takt)
S 8 Karlsruhe Tullastraße/VerkehrsbetriebeKarlsruhe MarktplatzKarlsruhe BahnhofsvorplatzDurmersheimRastattForbach (Schwarzw)Freudenstadt – Eutingen im Gäu (– Herrenberg) ein Zugpaar nachts an Wochenenden und Feiertagen
S 11 Neckarpark - Bad Cannstatt - Hauptbahnhof - Schwabstraße - Vaihingen - Rohr - Böblingen - Herrenberg Als Verstärker bei Heimspielen des VfB

Zukunft des Bahnhofs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Ausbaus der Gäubahn wird zum Fahrplanwechsel 2017/2018 die momentan noch ohne Halt passierende InterCity-Leistung StuttgartZürich auch in Herrenberg, Gäufelden und in Bondorf (b Herrenberg) halten. Die meist mit einer Lokomotive der DB-Baureihe 101 bespannten Schweizer Wagen werden durch neue, moderne Bombardier Twindexx ersetzt. Der zükunftig im Stundentakt verkehrende InterCity wird den Herrenberger Bahnhof allerdings nur im Zweistundentakt anfahren. Der heute verkehrende Regional-Express nach Singen (Hohentwiel) wird durch die zusätzlichen InterCity-Leistungen überflüssig. Dafür wird man künftig im Nahverkehrstarif den InterCity zwischen Stuttgart und Singen nutzen können.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Wolfgang Scharf, Burkhard Wollny: Die Gäubahn von Stuttgart nach Singen. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-88255-701-X.