Bahnhof Nördlingen

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Nördlingen
Bahnhof Nördlingen
Bahnhof Nördlingen
Daten
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung MNL
IBNR 8000280
Preisklasse 5
Webadresse Stationsdatenbank der BEG
Profil auf Bahnhof.de Nördlingen-1019398
Lage
Stadt/Gemeinde Nördlingen
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 51′ 3″ N, 10° 29′ 52″ OKoordinaten: 48° 51′ 3″ N, 10° 29′ 52″ O
Höhe (SO) 430 m ü. NN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
i16

Der Bahnhof Nördlingen ist ein Bahnhof in Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Bahnhof von Süden (aus Richtung Donauwörth)

Im Zuge des Baus der Ludwig-Süd-Nord-Bahn, der ersten Fernbahn Bayerns, wurde ein Bahnhof in Nördlingen geplant, da man sich hier den Anschluss an das Bahnnetz Württembergs erhoffte. Da damals die Lokomotiven nicht leistungsfähig genug waren, um eine Trassenlegung über den Hahnenkamm problemlos durchführen zu können, wurde die Strecke „außen herum“ gewählt: Donauwörth–Nördlingen–Oettingen–Gunzenhausen–Pleinfeld; hinzu kamen noch wirtschaftliche und kostenrelevante Aspekte. Auch befürchtete man Probleme mit Dammrutschungen bei Einschnitten, welche 1906 beim Bau der Strecke Donauwörth–Treuchtlingen tatsächlich auch eingetreten sind.
Der 42,4 Kilometer lange Abschnitt der Ludwig-Süd-Nord-Bahn Donauwörth–Nördlingen–Oettingen wurde von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen erbaut, am 15. Mai 1849 eröffnet und im gleichen Jahr abschnittsweise weiter bis Nürnberg in Betrieb genommen. 1861 kam es zu einem Staatsvertrag zwischen den Königreichen Bayern und Württemberg, in dem Nördlingen, neben Ulm, als zweiter Grenzbahnhof zwischen beiden Staatsbahnen festgelegt wurde. Der bayrische Abschnitt der Bahnstrecke Stuttgart-Bad Cannstatt–Nördlingen wurde dabei ab der Grenze ebenfalls vom Königreich Württemberg erbaut, sie schließt in Nördlingen an die 1849 vom Königreich Bayern erbaute Bahnstrecke Augsburg–Nördlingen an. Den 3,75 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Grenze und Nördlingen betrieben die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen pachtweise. In Nördlingen befand sich seit 1863 ein separater Kopfbahnhof mit eigener Einstiegshalle für die württembergische Strecke.[1]

Als Grenzbahnhof wurde die Anlage nun symmetrisch angelegt: der bayerische Teil im Süden, der württembergische im Norden. Es waren jeweils vorhanden: Kopfbahnsteige mit Bahnsteighalle (direkt an die Flügel des Gebäudes anschließend), Güterbereich (wobei zwei Gleise vor dem Bahnhof über den stadtseitigen Bahnhofsplatz geführt wurden, um die beiden Güterbahnhöfe direkt miteinander zu verbinden; die Güter wurden in der Frühzeit umgeladen, da eine württembergische Lokomotive nicht fähig war, einen bayerischen Wagen zu ziehen – und umgekehrt); der eigentliche Bahnhof mit seinen Einrichtungen (Warteräumen etc.) war zweifach genutzt, bis hin zum eigenen bayrischen und württembergischen Abortgebäude.

1876 wurde die Strecke nach Dombühl bis zum Bahnhof Dinkelsbühl eröffnet, 1881 ging es dann durchgehend bis Dombühl. 1903 kam noch die Strecke nach Wemding hinzu.

Die mittlere Ortszeit war für das bürgerliche Nördlinger Leben in Form der Sonnenzeit maßgebend; die Eisenbahnverwaltungen dagegen waren bis zur Einführung des Gesetzes betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung gezwungen, zwei Zeitrechnungen nebeneinander zu führen. Im inneren Dienst richtete man sich nach der Ortszeit der Hauptstation des Bezirkes oder der Hauptstadt des Landes und gab den Dienstfahrplan nach dieser Zeitrechnung für das ganze Bahngebiet heraus. Da sich die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen an der Stuttgarter Ortszeit orientierten, der bayerische Zugverkehr jedoch an der Münchner Ortszeit, gab es eine Zeitdifferenz von neuneinhalb Minuten[2] bei den beiden verwendeten (Eisenbahn-)Zeiten, bis auch sie, gemeinsam mit den anderen Bahnhofsuhren im Deutschen Reich, am 1. Juni 1891 auf die einheitliche mitteleuropäische Eisenbahnzeit umgestellt wurden.

In Nördlingen beginnende Züge starteten auch weiterhin vom entsprechenden Kopfbahnsteig. Die Züge in Richtung Dombühl fuhren beispielsweise auch vom Württemberger Kopfbahnhof auf Gleis 3 ab. Mit den Strecken nach Aalen, Donauwörth, Dombühl, Wemding und Gunzenhausen war der Bahnhof Nördlingen ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt regionaler Bedeutung, der jedoch regulär nicht von Fernverkehrszügen bedient wurde.

Die Nivellierung der ersten Fernbahn stellt die erste große Vermessung in Bayern dar und wurde in der Vorbereitung und beim Bau der Strecken durch die Bauingenieure der Staatsbahn selbst durchgeführt. Eine erste offizielle Vermessung im Königreich Bayern fand erst in den Jahren 1868/69 mit den Messungen zum Bayerischen Präcisionsnivellement statt. Hier richtete man sich bei den Polygonen auch nach den das Königreich durchziehenden Eisenbahnstrecken aus, skaliert mit Bayerischen Fuß und Pariser Fuß.[3] Am 29. April 1869 führte Bayern per Gesetz zum Jahreswechsel 1872 das metrische System ein (siehe Alte Maße und Gewichte (Bayern)). Die Höhenmetertafel der Königlich Bayerischen Staatsbahnen am Bahnhofsgebäude in Nördlingen zeigt „446,2752 m über Normal-Null“.

Zur Zeit der Bayerischen Staatsbahn waren im Bahnhofsgebäude folgende Einrichtungen untergebracht: im Erdgeschoss zwei Treppenhäuser mit Vorplatz, ein „Wartesaal I. Classe“, ein „Wartesaal II. Classe“, ein „Wartesaal III. Classe“, Vorzimmer, „Jourbureau“, ein Zimmer für den Stationsdiener, ein Zimmer für den „Specialkassier“ sowie ein Zimmer für den „Bahnamts-Vorstand“, das „Telegraphen-Bureau“, die „Bahnexpedition“, die „Postexpedition“, der Kofferträger, das „Arrestantenlocal“, die Registratur und zwei Bereiche für „Schenke u. Büffet“ zwischen den Warteräumen der „II. und III. Classe“.[4]

In den Jahren 1983 und 1984 gab es mit dem Flügelzug des TEE Rheingold AmsterdamMünchen eine bescheidene Bedeutung als Fernzughalt.

Nachdem die Stadt Nördlingen 2013 das Empfangsgebäude von einem Investor gekauft hatte, begann 2016 die Sanierung. Nach der Fertigstellung im Februar 2020 zog hier eine Außenstelle des Landratsamtes Donau-Ries mit rund 50 Mitarbeitern ein. Es umfasst unter anderem die Kfz-Zulassungsstelle und das Job-Center.[5][6]

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das württembergische Bahnbetriebswerk mit einem dreiständigen Lokschuppen, eigener Drehscheibe und den Lokbehandlungsanlagen befand sich in der Gegend des heutigen Fahrdienstleiter-Stellwerks (Stellwerk 2); es ist jedoch nichts mehr davon erhalten. Lediglich Spuren der Drehscheibengrube sind noch auszumachen.

Im ehemaligen bayerischen Bahnbetriebswerk Nördlingen ist heute das Bayerische Eisenbahnmuseum (BEM) untergebracht. Die BayernBahn Betriebsgesellschaft (BayernBahn), ein privates Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), hat seinen Sitz im ehemaligen bayerischen Güterbahnhof. Es führt u. a. den Güterverkehr auf den Strecken im Umland durch, sowie den Zugverkehr des BEM.

Es existieren zwei Stellwerke (Fahrdienstleiter im Norden und Weichenwärter im Süden); diese sind mechanische Stellwerke der Bauart »Jüdel« und im Jahr 1929 erbaut worden. Daher weist der Bahnhof Formsignale auf. Das dritte Stellwerk für das Bahnbetriebswerk wurde abgebrochen.[7]

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2020 geschah ein Durchbruch für die Reaktivierung der Hesselbergbahn nach Dinkelsbühl. Ab spätestens 2024 sollen wieder im Stundentakt Regionalbahnen über Dinkelsbühl und Feuchtwangen nach Dombühl verkehren.[8]

Am 14. Juni 2021 erfolgte der Spatenstich zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs. Dabei werden alle Bahnsteige auf 76 cm angehoben, sodass das Ein- und Aussteigen aus den Zügen leichter fällt. Zudem wird die Unterführung zum Mittelbahnsteig Richtung Süden zum bestehenden Parkhaus und Busbahnhof verlegt. Die Überdachung des Mittelbahnsteigs wird auf lediglich zehn Meter zurückgebaut, die des Hausbahnsteigs wird komplett abgebrochen und durch zwei Wartehäuschen ersetzt. Außerdem wird die gesamte technische Ausstattung der Bahnsteige erneuert. Die Fertigstellung der Arbeiten ist zum Frühjahr 2023 geplant.[9]

Ab 2022 übernimmt Go-Ahead Bayern das Los 1 der Augsburger Netze, was die Leistungen des bisherigen Fugger-Express umfasst. Hier ist auch ein späterer Zug nach Nördlingen geplant, sodass Fahrgäste auch nach Mitternacht die Stadt erreichen können. Zusätzlich ist die Verlängerung der IRE-Linie Karlsruhe - Aalen im Gespräch. Diese soll an Werktagen vier Mal von Aalen Hbf mit Zwischenhalt in Bopfingen bis Nördlingen weiterfahren.[10]

Zeitliche Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 15. Mai 1849 Donauwörth–Oettingen: Eröffnung des Bahnhofs und Bahnbetriebswerkes als Teil der Ludwig-Süd-Nord-Bahn
  • 3. Oktober 1863 Nördlingen–Aalen: Eröffnung als zweiter Teil der Bahnstrecke Stuttgart-Bad Cannstatt–Nördlingen, bayerisches Streckenstück unter Betriebsführung der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen
  • 2. Juli 1867 Nördlingen–Dinkelsbühl: Eröffnung als südlicher Teil der Strecke Nördlingen–Dombühl
  • 4. Oktober 1903 Nördlingen–Wemding: Eröffnung
  • 30. Mai 1981 Nördlingen–Wemding: Einstellung des Personenverkehrs
  • 1. Juni 1985 Nördlingen–Dinkelsbühl: Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke Nördlingen–Dombühl
  • 29. September 1985 Nördlingen–Gunzenhausen: Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke Nördlingen–Pleinfeld
  • 30. Juni 1995 Nördlingen–Wemding: Einstellung des Güterverkehrs
  • 1. Juni 1997 Nördlingen–Wassertrüdingen (Einstellung des Güterverkehrs auf der Strecke Nördlingen–Pleinfeld)
  • 27. Mai 1998 Nördlingen–Wilburgstetten (Einstellung des Güterverkehrs auf der Strecke Nördlingen–Dombühl)[11]
  • 25. Januar 2019 Nördlingen–Dinkelsbühl: Stilllegung der Strecke
  • April 2020 Nördlingen–Wilburgstetten: Reaktivierung des Güterverkehrs

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebzug der Baureihe 440
Linie Verlauf Frequenz
RE/RB 89 Aalen - Nördlingen - Donauwörth (- Augsburg - München) Mo–Fr stündlich, Sa und So zweistündlich
RB 87 Nördlingen – Harburg (Schwab) – DonauwörthAugsburg (– München) stündlich in der HVZ
Seenland-Express Nördlingen – Oettingen (Bay)WassertrüdingenGunzenhausen zwei Zugpaare an Sonntagen im Sommer

Des Weiteren ist die Aufnahme des Museumsverkehrs zwischen Nördlingen und Wilburgstetten geplant.[12]

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die noch betriebsfähigen Gleise im Bahnhofsbereich werden von der Bayernbahn zum Abstellen verschiedener Güterzüge genutzt. Darüber hinaus verkehren mehrmals wöchentlich Züge der Eisenbahngesellschaft nach Wassertrüdingen bzw. Gunzenhausen, die Produkte der Firma Henkel Beauty Care aus Wassertrüdingen transportieren.

Die Strecke nach Wilburgstetten wird seit April 2020 von Holzzügen der Mittelfränkischen Eisenbahnbetriebsgesellschaft bedient. Diese fahren zum Holzwerk Rettenmeier in Wilburgstetten.[13] Auch auf dieser Strecke sind zukünftig mehrere Züge pro Woche geplant.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt neben dem Bahnhof liegt der Busbahnhof der Stadt Nördlingen. Hier fahren von acht Bussteigen 16 Buslinien ab.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnhof Nördlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walther Zeitler, Helge Hufschläger: Die Eisenbahn in Schwaben. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-87943-761-0.
  2. Willi Glasbrenner: Die Eisenbahn in Crailsheim. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1994, ISBN 3-88255-718-4.
  3. “Graphische Übersicht der K. B. Staats-Eisenbahnen mit deren Bahnhoefen und Stationen dann Steigungs-Neigungs- und Höhen-Verhaeltnissen über der Meeres-Flaeche.” (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)
  4. Bayern-Report 3. Hermann-Merker-Verlag, 1995, ISBN 3-922404-62-6, S. 16–17.
  5. Landratsamt im Bahnhof eingeweiht. In: noerdlingen.de. 19. Februar 2020, abgerufen am 24. Februar 2020.
  6. Neues Leben im Nördlinger Bahnhof. In: donau-ries-aktuell.de. 18. Februar 2020, abgerufen am 24. Februar 2020.
  7. Entlang der Gleise
  8. Bahnreaktivierung: Erfolg in Westmittelfranken. 30. Januar 2020, abgerufen am 27. März 2020.
  9. Robert Milde: Barrierefrei zu den Gleisen: Der Umbau des Nördlinger Bahnhofs startet. In: Augsburger Allgemeine. 24. Mai 2021, abgerufen am 23. Juni 2021.
  10. Nahverkehr: Späterer Zug nach Nördlingen geplant. 10. März 2020, abgerufen am 21. Januar 2021.
  11. Graf, Braun, Wohlfarth: Faszination Eisenbahn erleben. Andreas Braun, Nördlingen 2014.
  12. Bayerisches Eisenbahnmuseum - Jahresprogramm 2021. Bayerisches Eisenbahnmuseum e.V., abgerufen am 13. Oktober 2021.
  13. Erster Güterzug rollt zwischen Wilburgstetten und Nördlingen. Abgerufen am 21. März 2021.