Bahnhof Oschersleben (Bode)

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Oschersleben (Bode)
Ostseite des Empfangsgebäudes, 2014
Ostseite des Empfangsgebäudes, 2014
Daten
Lage im Netz Zwischenbahnhof
ehemals Trennungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
ehemals Keilbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung LO
IBNR 8010266
Kategorie 5
Eröffnung 15. Juli 1843
Webadresse Profil auf bahnhof.de
Lage
Stadt/Gemeinde Oschersleben (Bode)
Land Sachsen-Anhalt
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 1′ 50,4″ N, 11° 13′ 38,5″ OKoordinaten: 52° 1′ 50,4″ N, 11° 13′ 38,5″ O
Höhe (SO) 85 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Sachsen-Anhalt
i16

Der Bahnhof Oschersleben (Bode) ist ein Bahnhof an der Bahnstrecke Magdeburg–Thale in Oschersleben (Bode) im Land Sachsen-Anhalt. Er war nach seiner Fertigstellung Grenzbahnhof zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Braunschweig, was auf seine bauliche Gestaltung Einfluss hatte.

Lage und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die als Bahnhof klassifizierte Betriebsstelle befindet sich im Kilometer 38,2 der Bahnstrecke Magdeburg–Thale zwischen Magdeburg Hbf und Halberstadt. Im Bahnhof endeten zudem die Bahnstrecke Wolfenbüttel–Oschersleben über Jerxheim und die Bahnstrecke Oschersleben–Schöningen der Oschersleben-Schöninger Eisenbahn-Gesellschaft. Diese beiden Strecken waren seit 1945 an der Grenze der Besatzungszonen unterbrochen und sind seit 1993 beziehungsweise 1969 stillgelegt. Ihre Gleise lagen nördlich des Empfangsgebäudes.

Der bestehende Bahnhof verfügt über zwei Hauptgleise mit zwei Bahnsteigen für den Reisezugverkehr. Gleis 1 weist einen Hausbahnsteig auf, Gleis 2 hat einen höhengleich zugänglichen Seitenbahnsteig. Beide Bahnsteige weisen eine Höhe von 55 Zentimeter bei einer Nutzlänge von 140 Metern auf.[1] Die Ausfahrt in Richtung Magdeburg ist zweigleisig, in Richtung Halberstadt wird eingleisig gefahren.

Die Bedienung und Überwachung der signaltechnischen Einrichtungen erfolgt vom Stellwerk Of (Bauart GS II DR) aus, es steht in Höhe des Bahnübergangs Schermker Straße (B 246) an der Ausfahrt in Richtung Magdeburg. Bis 1998 diente das Gebäude als reiner Schrankenposten. Neben dem Befehlsstellwerk sind weitere ehemalige Stellwerksbauten im Bahnhof erhalten.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Wärterstellwerk Os, 2014

Der Bahnhof Oschersleben (Bode) wurde 1843 beim Bau der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn errichtet. Gleichzeitig wurde die Strecke nach Jerxheim und Braunschweig durch die Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn gebaut. Da seinerzeit das Königreich Preußen und das Herzogtum Braunschweig unterschiedlichen Steuer- und Zollvereinen angehörten, waren beim Umsteigen in Oschersleben Grenz- und Zollkontrollen erforderlich. Der als Keilbahnhof ausgeführte Bahnhof ist deshalb eine symmetrische Anlage, die alle wichtigen Einrichtungen wie Flaggenturm, Zollstation und Fahrkartenschalter doppelt beherbergte: im Nordflügel für die braunschweigische und im Südflügel für die preußische Seite. Das Bahnhofsgebäude verfügte über Passagierzimmer, Speisesaal, Tanzsaal, Wirtschaftsräume und Wohnräume. Der russische Kaiser Alexander II. und der spätere deutsche Kaiser Friedrich III. sind in Oschersleben umgestiegen. 1899 wurde eine weitere Strecke nach Schöningen eröffnet. 1931 hielt der Schienenzeppelin von Franz Kruckenberg in Oschersleben.[3]

Während des Zweiten Weltkrieges kam es am 28. Juli 1943, am 11. Januar 1944 sowie am 20. Februar 1944 zu alliierten Luftangriffen auf den Bahnhof. Nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen am 11. April 1945 ruhte der Bahnbetrieb zunächst für eine Woche und wurde am 18. April 1945 wieder aufgenommen. Ab dem 1. Juli 1945 unterstand die Stadt dem Kommando der SMAD, woraufhin der Verkehr wiederum vorübergehend ruhte.[4]

Die Strecken nach Braunschweig und Schöningen wurden nach 1945 unterbrochen und auch nach der deutschen Einheit 1990 nicht wieder in Betrieb genommen. Auf der Strecke nach Jerxheim sollen bis Mai 1946 noch vereinzelte Fahrten stattgefunden haben.[4] Bis 1992 fand noch Personenverkehr bis Gunsleben beziehungsweise bis 1969 nach Hötensleben statt. Bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes wurden die Gleise auf der Nordseite des Bahnhofs entfernt, erhalten sind sie jenseits der Straße Alte Post parallel zur Windthorststraße. 2007 wurde am Bahnhof ein Busbahnhof in Betrieb genommen.[3]

Der einst rege frequentierte, 5,5 ha große Rangierbahnhof verlor nach 1990 schnell an Bedeutung und wurde schließlich 2006 gänzlich aufgelassen. Ab Juli 2014 erfolgte der Abbruch der Gleisanlagen und der Betriebsgebäude[5].

Das imposante und unter Denkmalschutz stehende Empfangsgebäude ist derzeit ungenutzt. Die Oschersleber Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos kündigte im Mai 2013 die Wiederbelebung des Areals an.[6] Die zwischenzeitlich angedachten Errichtung eines Schwimmbades auf nicht mehr für den Bahnverkehr genutzten Grundstücksteilen wurde nicht verwirklicht.[7]

Bahnbetriebswerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Oschersleben (Bode), im Hintergrund das Bahnbetriebswerk, 1988

Mit dem Bau des Bahnhofs errichtete die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft eine Lokstation in Oschersleben. Zwischen 1900 und 1901 baute die Königliche Eisenbahn-Direction Magdeburg die Anlage zum Bahnbetriebswerk (Bw) aus. Das Bw entstand südöstlich des Empfangsgebäudes. Es umfasste einen siebenständigen Ringlokschuppen mit vorgelagerter Drehscheibe, einen Wasserturm und weitere Betriebsgebäude. Nach der Gründung der Deutschen Reichsbahn führte diese die Anlagen erneut wieder als Lokbahnhof. Zwischen 1951 und 1963 war das Bw Oschersleben erneut eine eigenständige Dienststelle der Reichsbahn, ab 1963 unterstand es dem Bw Halberstadt. Es wurde nach der Wende am 26. September 1992 geschlossen. Ein Teil der Anlagen sind noch erhalten.[4]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende der DDR hielten außer Personenzügen auch fast alle D-Züge von Berlin nach Halberstadt (Reichsbahn-Strecke 700) in Oschersleben[8]. Der Oscherslebener Bahnhof hatte auch für den Güterverkehr eine große Bedeutung, insbesondere für die Verladung von Zuckerrüben aus der Magdeburger Börde. Heute halten in Oschersleben nur Nahverkehrszüge von Transdev Sachsen-Anhalt, Fernzüge verkehren hier nicht mehr.

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fahrplanjahr 2016 wird der Bahnhof Oschersleben (Bode) von folgenden Linien bedient:

Linie Linienverlauf Takt
HBX Berlin Ostbahnhof – Potsdam Hbf – Magdeburg Hbf – Oschersleben (Bode) – Halberstadt – Wegeleben – Quedlinburg – Thale Hbf 0Fr–So
Wernigerode – Ilsenburg – Vienenburg – Goslar
HEX 11 Magdeburg Hbf – Oschersleben (Bode) – Nienhagen – Halberstadt – Wegeleben – Quedlinburg – Thale 060 min
HEX 21 Wernigerode – Ilsenburg – Vienenburg – Goslar 120 min
HEX 31 Langenstein – Blankenburg (Harz) 120 min
HEX 43 Oschersleben (Bode) – Blumenberg – Langenweddingen – Osterweddingen – Dodendorf – Magdeburg-Buckau – Magdeburg Hbf 060 min (Mo–Fr)
120 min (Sa–So)

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bahnhofsvorplatz befindet sich der Busbahnhof, von dem Regionalbuslinien der BördeBus Verkehrsgesellschaft verkehren. Im Stundentakt verkehrt der Landesbus 600 nach Haldensleben über Seehausen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Oschersleben (Bode) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bahnsteiginformationen. Station Oschersleben (Bode). Deutsche Bahn AG, 12. März 2015, abgerufen am 18. April 2015.
  2. Holger Kötting: Liste deutscher Stellwerke. Einträge O. In: www.stellwerke.de. 11. Januar 2015, abgerufen am 18. April 2015.
  3. a b Bahnhof Oschersleben. Stadt Oschersleben (Bode), abgerufen am 18. April 2015.
  4. a b c „Bahnfrau Heidi“: Bahnhof Oschersleben. 29. März 2012, abgerufen am 18. April 2015.
  5. Sebastian Pötzsch: Endstation für Rangierbahnhof. In: Magdeburger Volksstimme (www.volksstimme.de). 1. September 2014, abgerufen am 11. August 2016.
  6. Mathias Müller: Bewos will alten Bahnhof wiederbeleben. In: www.volksstimme.de. 21. Mai 2013, abgerufen am 17. April 2015.
  7. "Wir lehnen private Betreibermodelle ab". In: www.volksstimme.de. 9. Februar 2015, abgerufen am 17. April 2015.
  8. Kursbuch der Deutschen Reichsbahn, Winterfahrplan 1975/1976, S. B 224ff.