Bahnhof Siemensstadt-Fürstenbrunn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siemensstadt-Fürstenbrunn
Bahnhof Fürstenbrunn (später: Siemensstadt-Fürstenbrunn)
Bahnhof Fürstenbrunn
(später: Siemensstadt-Fürstenbrunn)
Daten
Lage im Netz Durchgangsbahnhof
Abkürzung BSMF
Eröffnung 1. Juni 1905
Lage
Stadt/Gemeinde Berlin
Ort/Ortsteil Westend
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 40,7″ N, 13° 16′ 10,3″ OKoordinaten: 52° 31′ 40,7″ N, 13° 16′ 10,3″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe im Raum Berlin
i16i16
Bahnsteig am ehemals stadtauswärts führenden Streckengleis der Hamburger Bahn, rechts das Gleis der Lehrter Bahn

Der Bahnhof Siemensstadt-Fürstenbrunn war ein Vorortbahnhof an der Hamburger Bahn im Berliner Ortsteil Westend. Er wurde vornehmlich für die Arbeiter der nahegelegenen Siemens-Werke gebaut.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof lag in der Stadt Charlottenburg (ab 1. Oktober 1920 im Berliner Bezirk Charlottenburg) an der Grenze des zu Spandau gehörenden Ortsteils Siemensstadt, in flachem Gelände nahe dem Südufer der Spree. Das Bahnhofsgebäude befand sich an der Nordseite der Trasse der Hamburger- und Lehrter Bahn, der Zugang erfolgte vom Fürstenbrunner Weg aus.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem tiefer als die Bahntrasse gelegenen eingeschossigen Bahnhofsgebäude mit Satteldach befand sich ein gepflasterter Platz an der Nahtstelle der Straßen Fürstenbrunner Weg, Ruhwaldweg und Rohrdamm. Der überdachte Bahnsteig lag mittig zwischen dem – ehemals stadtauswärtigen – Streckengleis und einem nachträglich errichteten nördlichen Kreuzungsgleis. Von dort führte ein Treppenabgang hinunter zur Straßenebene. Das Treppengebäude wies Fachwerkelemente und eine verschachtelte Dachkonstruktion auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick nach Osten, links das bereits zugewachsene Kreuzungsgleis, 1986

Die Firma Siemens finanzierte den Bau des Bahnhofs, der in Abstimmung mit der Staatseisenbahnverwaltung, aber gegen den Einspruch der damals selbstständigen Stadt Charlottenburg, gebaut wurde. Am 1. Juni 1905 wurde er, zunächst als Haltepunkt, unter dem Namen Fürstenbrunn eröffnet. Zu jener Zeit verkehrten bis zu 25 Zugpaare zwischen Spandau und Strausberg über den Hamburger Stadtbahnanschluss und die Stadtbahn. Dazu kamen bis zwei bis drei Zugpaare vom bzw. zum Nordring, die wegen der niveaugleichen Weichenverbindung beim Bahnhof Jungfernheide am 30. April 1911 eingestellt wurden.

Zu Schichtwechselzeiten bei Siemens wurde er von den Arbeitern der Firma stark frequentiert und bekam deshalb 1906/1907 ein zweites Gleis und eine Kehranlage für Verstärkungszüge vom Lehrter Bahnhof. 1911 erhielt der dazwischenliegende Bahnhof Putlitzstraße ebenfalls eine Kehranlage, da die Zugfolge zwischen den beiden Stationen während der Schichtwechselzeiten bis auf drei Minuten verkürzt werden musste. Bis 1914 reiften Pläne, nördlich der existierenden Gleise ein weiteres Vorortgleispaar anzulegen, um wieder Züge vom Nordring nach Fürstenbrunn führen zu können. In diesem Zusammenhang sollte der Bahnhof einen zweiten Inselbahnsteig und umfangreichere Kehr- und Abstellanlagen erhalten. Infolge des Ersten Weltkriegs wurde dieses Vorhaben nicht ausgeführt.[1]

Am 1. April 1925 bekam der Bahnhof den Namenszusatz Siemensstadt. Mit Inbetriebnahme der Siemensbahn am 18. Dezember 1929 ging die Zahl der Fahrgäste jedoch deutlich zurück.

Bis zum 27. August 1951 wurde er von von Dampflokomotiven gezogenen Vorortzügen angefahren, die im Lehrter Bahnhof begannen und endeten. Kurz vor dessen endgültiger Stilllegung wurde der Abschnitt JungfernheideSpandau der Hamburger Bahn 1951 mit seitlicher Stromschiene für den S-Bahn-Betrieb elektrifiziert.[2] Seitdem wurde der Bahnhof Siemensstadt-Fürstenbrunn von elektrischen S-Bahn-Zügen der Zuggruppe N (Nordpol) angefahren, zunächst im 20-, ab 1976 im 30-Minuten-Takt. Sie verkehrten 1955 auf der Relation SpindlersfeldNordringSpandau West, 1971 zwischen Gesundbrunnen und Staaken und ab 1972 nur noch von Beusselstraße zum damaligen Bahnhof Spandau (heute: Stresow) und zurück.[3]

Als Folge von Mauerbau und S-Bahn-Boykott sank ab 1961 die Zahl der Fahrgäste stark, auf 67 Personen im Tagesdurchschnitt des Jahres 1976. 1968 wurde das nördliche Kreuzungsgleis stillgelegt, 1976 abends – damals noch ungewöhnlich – die Aufsicht abgezogen. Als Folge des Eisenbahnerstreiks von 1980 wurde der S-Bahn-Betrieb im Abschnitt Jungfernheide – Spandau nach dessen Ende am 17. September jenes Jahres nicht mehr aufgenommen. Der Bahnhof verfiel, im März 1987 wurde das Empfangsgebäude und im November 1996 der Bahnsteig abgerissen. Beim Bau der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin wurden die verbliebenen Reste beseitigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Bley: 150 Jahre Eisenbahn Berlin – Hamburg. 1. Auflage. Alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-229-0.
  • Jürgen Meyer-Kronthaler, Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe. Ein dreiviertel Jahrhundert. Be.bra, Berlin 1998, ISBN 3-930863-25-1, S. 275 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Siemensstadt-Fürstenbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Bley: 150 Jahre Eisenbahn Berlin – Hamburg. 1. Auflage. Alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-229-0, S. 115 ff.
  2. Peter Bley: Berliner S-Bahn. 5. Auflage. Alba, Düsseldorf 1991, ISBN 3-87094-343-2, S. 28.
  3. Hans D Reichardt: Berliner S-Bahn. 1. Auflage. Alba, Düsseldorf 1974, ISBN 3-87094-307-6, S. 139.