Bahnhof Wunstorf

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Bahnhof Wunstorf
Bahnhof Wunstorf 1609181615.jpg
Bahnsteige der Strecke Bremen–Hannover
Daten
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Inselbahnhof/Keilbahnhof
Bahnsteiggleise 6
Abkürzung HWUN
IBNR 8000268
Kategorie 3
Architektonische Daten
Baustil Spätklassizismus
Architekt Ferdinand Schwarz; Conrad Wilhelm Hase
Lage
Stadt/Gemeinde Wunstorf
Ort/Ortsteil Wunstorf
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 25′ 20″ N, 9° 27′ 4″ OKoordinaten: 52° 25′ 20″ N, 9° 27′ 4″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Niedersachsen
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Der Bahnhof Wunstorf zählt zu den ältesten Bahnhofsanlagen in Niedersachsen.[1] In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Inselbahnhof auf der Luther Gemarkung errichtet (Bahnhofstraße 58), liegt der Zugang zum Bahnhofempfangsgebäude heute unter der Adresse Hindenburgstraße 58[2].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Industrialisierung des Königreichs Hannover und des Baus der Eisenbahnstrecken Richtung Bremen und Minden entstand der Wunstorfer Trennungsbahnhof als Inselbahnhof auf Luther Gemarkung. Die Pläne von Ferdinand Schwarz führte Baurat Conrad Wilhelm Hase in den Jahren 1847 bis 1848 aus. Dabei entstand u. a. ein langgestrecktes Bahnhofempfangsgebäude. Der Zugang in die Bahnhofshalle erfolgte vom damaligen Bahnhofsvorplatz zwischen Bahnhofshotel und Güterschuppen von Norden her durch einen Tunnel. Deshalb kreuzte die Bahnhofstraße (später teilweise umbenannt in Alte Bahnhofstraße und Hindenburgstraße) die Bahnstrecke Hannover–Bremen an einem beschrankten Bahnübergang. Von der Bahnhofshalle aus betrat der Fahrgast durch die Bahnsteigsperre die beiden längs des Hauptgebäudes verlaufenden überdachten Perrons.[3] Die außen liegenden Bahnsteige waren über eine Treppe am südlichen Perron durch einen nach Süden und Norden verlaufenden Tunnel zugänglich.

Durch den Abbau der sich westlich des Bahnhofs kreuzenden Schienenverbindungen zwischen der Bremer- und der Mindener-Bahnstrecke (ca. 1905), war der Bahnhof zum Keilbahnhof geworden. Der Kopfbahnhof der Steinhuder Meer-Bahn konnte daher vom Hotel Ritter zum Staatsbahnhof verlegt werden. Parallel zu deren Schmalspurgleis wurde die Zufahrt zur Westfront des Bahnhofsgebäudes angelegt. 1909 wurde die Güterumgehungsbahn Seelze – Wunstorf in Betrieb genommen, die nördlich der Bremer und südlich der Mindener Strecke westlich des Bahnhofes in die Strecken einmündet bzw. ausfädelt, die Gleise für den Personenverkehr liegen somit in der Mitte. Aus und in Richtung Seelze kreuzen die Bremer Gütergleise die Personengleise in einem Überwerfungsbauwerk und verbinden/trennen sich im Abzweig Gümmerwald mit den Mindener Gleisen.

Ostwärts des Bahnhofsgebäudes standen Wasserturm und Lokschuppen. Beim ostwärtigen Ende der Bahnhofstraße lag eine Drehscheibe. Das Bw Wunstorf (Gleisplan 1942: siehe Einzelnachweis)[4] wurde im Juli 1951 geschlossen.[5]

Seit 1964 befindet sich im Süden des Bahnhofes das Gleisbildstellwerk Wf[6]

Im Zusammenhang mit dem Bau der Hochstraße der B 441 über die Strecke Hannover–Bremen wurde an der Nordseite der Bahnanlage ein Busbahnhof (ZOB) und ein durchgehender Tunnel zu den Bahnsteigen gebaut. An der Südseite entstand ein Parkplatz mit Zugang zum Tunnel und vor der Westseite des Empfangsgebäudes eine Fußgängerrampe vom Tunnel in Richtung Hindenburgstraße.

Steinhuder Meer-Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1898 fuhren auch die Züge der meterspurigen Steinhuder Meer-Bahn (St.M.B.) ab Wunstorf. Nach Wegfall der westliche Verbindungsgleise war der überdachte Bahnsteig für die Personenzüge neben dem nördlichen Hausbahnsteig des Staatsbahnhofes an der Bremer Strecke. Er verfügte zunächst über zwei stumpf endende Gleise mit Bahnsteigkante, später nur noch ein Gleis, und wurde nach Aufgabe des Personenverkehrs 1964 entfernt. Zum Umsetzen mussten die Züge zurücksetzen. Die Übergabegleise gehen westlich des Bahnhofes von der Bremer Strecke ab, zum Bahnhof Wunstorf West der St.M.B. Hier befanden sich bis zur Aufgabe des Schmalspurverkehrs 1970 Umlademöglichen und eine Rollbockgrube. Von hier aus ging auch das dreischeinige Gleis nach Bokeloh ab, seit 1962 nur noch normalspurig. Auf dieser Strecke gab es bis zur Einstellung der Förderung im Kaliwerk Sigmundshall Ende 2018 zwei bis drei Übergaben täglich. Seitdem gibt es nur noch eine Restverkehr. Die einst umfangreichen Betriebsanlagen mit Lokschuppen und Werkstatt sind heute einem Busbetriebshof gewichen, einzelne Gebäude sind allerdings noch vorhanden, das ehemalige Verwaltungsgebäude (Hindenburgstraße 49) steht unter Denkmalschutz.

Bahnhofempfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wird von gekuppelten Rundbögen belebt, die zugleich eine Verbindung schaffen zwischen den beiden blockartig hervortretenden Seitenrisaliten mit dem Mittelteil des Gebäudes. Abgesehen von wenigen historisierenden Anleihen – wie beispielsweise plastische Porträtmedaillons – artikuliert sich das Empfangsgebäude jedoch noch in der klaren Bausprache des späten Klassizismus. Es ist heute als Einzeldenkmal ausgewiesen.[3]

Gleisaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleis Haupt-Fahrtrichtung Zuggattung
17 Abstellgleis
1 Gütergleis ohne Bahnsteig
2 keine regelmäßige Nutzung
3 nach Nienburg alle
4 von Nienburg alle
Bahnhofsgebäude
7 nach Minden WFB, S-Bahn
8 von Minden WFB
9 von Minden S-Bahn
10 Gütergleis ohne Bahnsteig
11 Gütergleis ohne Bahnsteig

S-Bahnen nach Minden, die nicht auf die Minute pünktlich sind, fahren meist von Gleis 9, da die fahrplanmäßige Zugüberholung durch IC-Züge dann (wie in der Gegenrichtung) in Wunstorf statt in Haste stattfindet.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand 2018)

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
RE1 Norddeich Mole – Emden – Leer – Oldenburg – Bremen – Verden – Nienburg – Neustadt am Rübenberge – Wunstorf – Hannover 120 DB Regio Nord
RE8 Bremerhaven-Lehe – Bremerhaven – Osterholz-Scharmbeck – Bremen – Verden – Nienburg – Neustadt am Rübenberge – Wunstorf – Hannover 120 DB Regio Nord
RE60 Braunschweig – Hannover – Wunstorf – Minden – Bad Oeynhausen – Osnabrück – Rheine 120 Westfalenbahn
RE70 Braunschweig – Hannover – Wunstorf – Minden – Bad Oeynhausen – Herford – Bielefeld 120 Westfalenbahn
S1 Minden – Bückeburg – Stadthagen – Haste – Wunstorf – Hannover – Weetzen – Barsinghausen – Haste 060 DB Regio Nord
S2 Nienburg – Hagen – Neustadt am Rübenberge – Wunstorf – Hannover – Weetzen – Barsinghausen – Haste 060 DB Regio Nord

Montags bis freitags fahren morgens drei Taktverdichter des RE 70 im Stundentakt von Minden nach Hannover. Am Freitagnachmittag fahren sechs (bis Ende 2017: drei) Taktverdichter in die Gegenrichtung. Von Montag bis Donnerstag wird diese zusätzlich Verbindung dreimal gefahren, allerdings zu abweichenden Symmetrieminuten.

Auch vom RE 1 und RE 8 gibt es montags bis freitags je einen Taktverdichter pro Richtung und Linie, der die Strecke zwischen Hannover und Bremen (bis Ende 2016 nur zwischen Hannover und Nienburg) bedient (morgens in Südrichtung, nachmittags in Nordrichtung).

Sinnvolle Umsteigemöglichkeiten gibt es nur zwischen den S-Bahnen sowie zwischen den Taktverdichtern der RE 60 und 70 am Morgen und Freitagnachmittag und den RE 1 und 8 von/nach Bremen. Umstiegsmöglichkeiten zwischen den RE aus Minden in Richtung Nienburg und umgekehrt sind nur mit Wartezeit möglich, da sich die Züge meist nur um ein bis zwei Minuten verpassen.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Busse fahren am ZOB vorm Nordausgang, einzelne Verbindungen auch vorm Südausgang.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wunstorfer Bahnhof wirkt bis heute auch weitreichender in die Denkmalpflege hinein: Südöstlich der Wunstorfer Altstadt wurden in der Vorstadt entlang der Alte Bahnhofstraße während der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs zahlreiche Villen im Stil der Zeit errichtet, weshalb dieser Teil der Stadt als „denkmalpflegerischer Interessenbereich“ ausgewiesen ist.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. o. V.: Schwarz, Ferdinand (1808–1866), in: Laves und Hannover. Niedersächsische Architektur im neunzehnten Jahrhundert, hrsg. von Harold Hammer-Schenk und Günther Kokkelink (revidierte Neuauflage der Publikation Vom Schloss zum Bahnhof...), Ed. Libri Artis Schäfer, 1989, ISBN 3-88746-236-X, S. 570
  2. In der Liste Bahnhofstraße 58
  3. a b c Carolin Krumm (Bearb.), Anne-Kathrin Fricke-Hellberg (Mitarb.), Peter F. Lufen, Dietmar Vonend (Red.) et al.: Bahnhofsviertel, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 13.2: Region Hannover. Nördlicher und östlicher Teil mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark, hrsg. von Christiane Segers-Glocke, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Hameln: CW Niemeyer, ISBN 3-8271-8255-7, S. 135, 547f., 595f.
  4. Gleisplan Bw Wunstorf. Abgerufen am 30. August 2017.
  5. Schließung Bw Wunstorf. Abgerufen am 30. August 2017.
  6. Liste Deutscher Stellwerke, Wf–Wz. Abgerufen am 10. Oktober 2018.