Bahnstrecke Alzey–Mainz

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Alzey–Mainz
Strecke der Bahnstrecke Alzey–Mainz
Streckennummer: 3523
Kursbuchstrecke (DB): 661
Streckenlänge: 41,1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Rheinhessenbahn von Worms
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Donnersbergbahn von Kirchheimbolanden
Bahnhof, Station
9,0 Alzey 192 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Strecke zum Industriegebiet Alzey
Haltepunkt, Haltestelle
11,4 Albig
   
Wiesbachtalbahn von Wendelsheim
Bahnhof, Station
16,7 Armsheim 141 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Rheinhessenbahn nach Bingen
Bahnhof, Station
22,6 Wörrstadt 190 m
Bahnhof, Station
27,1 Saulheim 155 m
Brücke über Wasserlauf (klein)
Selz
Bahnhof, Station
32,4 Nieder Olm 135 m
Haltepunkt, Haltestelle
36,4 Klein Winternheim-Ober Olm 169 m
Tunnel
Klein Winternheimer Tunnel (378 m)
Bahnhof, Station
39,9 Mainz-Marienborn 163 m
Bahnhof, Station
44,5 Mainz-Gonsenheim
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
46,5 Anst Mainz Kleiner Sand
Haltepunkt, Haltestelle
47,6 Mainz Waggonfabrik
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
linksrheinische Strecke von Koblenz
   
50,1 Mainz Hbf
Strecke – geradeaus
Strecke nach Ludwigshafen und Frankfurt (Main)

Die Bahnstrecke Alzey–Mainz wurde am 18. Dezember 1871 von der Hessischen Ludwigsbahn eröffnet und verbindet die beiden rheinland-pfälzischen Städte Alzey und Mainz miteinander.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Am 21. Dezember 1871 berichtet der Mainzer Anzeiger über die neue Bahnlinie:

„Die Probefahrt auf der Bahn Alzey-Mainz, am Sonntag, machte auch eine Anzahl junger Leute aus Armsheim mit, die aber über den Verlauf sehr unzufrieden sind. Auf jener Station eingeladen, die noch freien Wagen zu benutzen und die Fahrt mitzumachen, ließen sie sich nicht zweimal bitten, zumal ihnen die Rückfahrt ebenfalls verheißen wird. Auf der Hinfahrt war selbst der Packwagen besetzt, auf der Rückfahrt hätten die Personenwagen vollständig Platz geboten, da Mainzer Herren zurückgelieben, allein ein Theil des Dienstpersonals war weniger freundlich, er zwang zur Platznahme im Gepäckwagen, und nicht allein dies, er nahm auch 24 kr. per Person in Anspruch und drohte bei Nichtzahlung mit Aussetzung an der nächsten Station.“

Mainzer Anzeiger: 21. Dezember 1871

Der in Nieder-Olm geborene Schriftsteller Wilhelm Holzamer (1870–1907) schrieb:

„Eines Tages gaben sich der Ingenieur Kamper und der Ingenieur, der von der Pfalz aus die Strecke ins Mainzerland hereinführte auf der Brücke des Viaduktes der Eulenmühle die Hände. Die beiden Wege waren vereinigt, der von der Pfalz ins Mainzerland, und der vom Mainzerland in die Pfalz. Unterm Viadukt war ein Fass Bier angestochen und die beiden Arbeitergruppen feierten das vollendete Werk.
Andern Tags kam der Oberingenieur aus Mainz und nahm die Strecke ab. Dann sauste eines weiteren Tags eine Lokomotive durchs Land - den einen zum Schrecken, den anderen zur Verwunderung – unaufhaltsam, so dass niemand sich das Ungetüm so recht angucken konnte.
Alle Bahngebäude waren bekränzt und beflaggt – viele Häuser der anliegenden Dörfer hatten Fahnenschmuck angelegt. Die Arbeit ruhte. Von den benachbarten Dörfern kamen die Leute nach den Stationen, sich das neue Schauspiel anzusehen. Der erste Bahnzug sollte heute das Land durchqueren - die einen sahen ihm mit freundlichen Gefühlen entgegen, die anderen wünschtem ihm alles Unglück - und andere prophezeiten alles Unheil, eine Umkehrung der Verhältnisse für das Land. Plötzlich gab's einen dumpfen rollenden Ton – fern und gedämpft, ohne dass etwas zu sehen gewesen wäre – dann ein Pfiff, der seltsam übers Tal hinrollte und hart in den Ohren gellte - der Zug wendete und bog über den hohen Damm. Alle schrien auf. Wie er die Biegung machte, schien's, er schwanke und müsse die steile, hohe Böschung hinunterstürzen. Aber er fuhr den Bogen schön aus - die Fenster klirrten und der Boden zitterte, die Maschine fauchte – weißer, fetter Rauch zog übers Land hin – und die Räder ratterten – dann sah man die letzten Wagen zwischen den ausgetragenen Böschungen verschwinden.“

Wilhelm Holzamer: Vor Jahr und Tag

Der Tunnelbau bei Klein-Winternheim wird von Wilhelm Holzamer ebenfalls geschildert:

„Die gewöhnlichen Erdarbeiten konnten ja auch die Einheimischen machen, aber für den Tunneldurchstich zwischen Marienborn und Klein-Winternheim hatte man die Fremden doch nötig. Und dann verstanden sie ausgezeichnet den Ausbau des Tunnels selbst, der Brücken und Viadukte mit den behauenen roten Flonheimer Steinen, die aus den eigenen Brüchen der Hessischen-Ludwigsbahn-Gesellschaft kamen.
Nun ja, und es war ein Schaustück. Es wurde nur von einer Seite aus gegraben, von der Marienborner, und sie waren schon über die Hälfte. wenn sie nur durch wären! Eines Tages war der ganze Verwaltungsrat aus Mainz da – der Durchstich sollte vollendet werden.
Nicht einmal mannshoch war das Loch erst, es war Vorsicht geboten, dass nicht ein Nachrutsch eintrat. Eine Szene hatte es gegeben. Der Direktor der Ludwigsbahn-Gesellschaft hatte als erster durchgehen wollen. Der Ingenieur hatte es nicht gestattet, er trat als erster aus der Öffnung heraus, und ihm nach kam der Arbeiter, der den letzten Bickelhieb getan hatte.“

Wilhelm Holzamer: Vor Jahr und Tag

Am 9. März 1923 verunglückte auf der Strecke ein Zug während der Alliierten Rheinlandbesetzung. In dieser Zeit war auch die Strecke Alzey–Worms dem französischen Regiebetrieb unterworfen. Es kam im gesamten besetzten Gebiet zu zahlreichen Sabotageakten deutschen Bahnpersonals und Dritter gegen die von der französischen Besatzungsmacht in ihrem Bereich betriebene Eisenbahn. Oft fehlen dazu detaillierte Angaben, da die Besatzung bei solchen Vorfällen grundsätzlich verhinderte, dass Informationen nach außen drangen.[1] Oft lässt sich im Einzelfall nicht mehr entscheiden, ob der Vorfall auf einem Anschlag, Mängel an den Fahrzeugen und der Infrastruktur oder dem unsachgemäßen Umgang französischen Militärpersonals mit Fahrzeugen und Vorschriften beruhte.[2]

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt Mainz-Gonsenheim mit vlexx-Bahn in Richtung Alzey, 2017
Bahnhof Saulheim, Regional-Express (Elsass-Express) aus Mainz kommend, nach Wissembourg (2011)

Die nicht elektrifizierte Strecke wird heute von der Regionalbahnlinie RB 31 und der Regional-Express-Linie RE 13 bedient.

In Alzey besteht Anschluss an die Donnersbergbahn nach Kirchheimbolanden, welche seit Dezember 2014 von den Linien RB 31 und RE 13 befahren wird. Der Streckenabschnitt zwischen Alzey und Armsheim wird gleichzeitig auch von der Rheinhessenbahn von Bingen (Rhein) nach Worms genutzt.

Ab Armsheim ist die weitere Strecke nach Mainz nur eingleisig ausgebaut. Dadurch kann die Strecke im maximal halbstündigen Takt bedient werden, da in den jeweiligen Bahnhöfen, bis Dezember 2014 in der Regel in Saulheim und Mainz-Marienborn (RB) bzw. Mainz-Gonsenheim (RE), seit Dezember 2014 in der Regel nur noch in Nieder-Olm, eine Zugkreuzung stattfindet. Um eine höhere Zugfrequenz zu erreichen, wurde der Haltepunkt Wörrstadt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 mit einem zweiten Bahnhofsgleis versehen und so zu einem Bahnhof. Seitdem ist es im Rheinland-Pfalz-Takt möglich, werktags direkt von Kirchheimbolanden über die Donnersbergbahn, die Bahnstrecke Alzey–Mainz und die Mainbahn nach Frankfurt am Main zu fahren.[3]

Über diesen Streckenabschnitt führen auch am Wochenende und an Feiertagen der Elsass-Express von Mainz nach Wissembourg sowie der Donnersberg-Express von Mainz nach Kirchheimbolanden.

Anbieter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 wurde die Strecke von der DB Regio betrieben, danach übernahm die vlexx GmbH[4] von Mainz bis Kirchheimbolanden die Strecke. Das Unternehmen hatte die Ausschreibung des Personenverkehrs gewonnen.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DB Regio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalbahn im Mainzer Hauptbahnhof auf dem Weg nach Alzey (2009)

Die Strecke wurde sowohl mit drei Doppelstockwagen und einer Diesellokomotive der Baureihe 218 als auch mit Dieseltriebwagen der Baureihe 628, zuweilen auch in Doppeltraktion, bedient. Eigens für diese Strecke wurde im Übrigen auch die Baureihe 629, eine Abwandlung der Baureihe 628, zum Einsatz auf dieser sehr steigungsreichen Strecke ins Leben gerufen.

vlexx[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebwagen vom Typ LINT 81 bei Testfahrten in Mainz, Juli 2014

Die vlexx GmbH setzt seit Dezember 2014 Fahrzeuge vom Typ Alstom Coradia LINT ein. Zum einen Coradia LINT 54 als zweiteilige Dieseltriebwagen mit 162 Sitzplätzen und dreiteilige Dieseltriebwagen vom Typ Coradia LINT 81 mit 264 Sitzplätzen.[5]

Literaturhinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Holzamer: Vor Jahr und Tag, Mainz 1997 (Erstauflage: Berlin 1908)
  • Peter Weisrock: Fenster klirrten und der Boden zitterte: 120 Jahre Eisenbahnstrecke Mainz – Alzey. – Ill. In: Lokalanzeiger für die Verbandsgemeinde Nieder-Olm. – 15 (1991), 50, S. 1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 84.
  2. Klaus Kemp: Regiebahn. Reparationen, Besetzung, Ruhrkampf, Reichsbahn. Die Eisenbahnen im Rheinland und im Ruhrgebiet 1918–1930. EK-Verlag, Freiburg 2016, ISBN 978-3-8446-6404-1, S. 138.
  3. 6,8 Millionen Euro für Kreuzungsbahnhof Wörrstadt auf isim.rlp.de vom 19. März 2014
  4. vlexx GmbH
  5. vlexx: Fahrzeuge - Coradia Lint. In: Fahrzeuge - Coradia Lint. Abgerufen am 4. März 2016.